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Me Time für Mamas: Wie du dir Auszeiten nimmst, ohne schlechtes Gewissen

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner Aktualisiert am 21.08.2026 Lesezeit 23 Min.
Me Time für Mamas: Warum Auszeiten keine Luxus sind & wie sie gelingen

Hand aufs Herz: Wann hattest du das letzte Mal eine halbe Stunde nur für dich? Ohne nebenbei die Spülmaschine auszuräumen, ohne aufzuspringen, weil jemand ruft, ohne schlechtes Gewissen? Falls du gerade überlegen musst, bist du in bester Gesellschaft. Als Mama von zwei Kindern kenne ich dieses Gefühl nur zu gut: Der Tag rauscht vorbei zwischen Windeln, Wäschebergen, Trotzanfällen und Terminen – und abends fällst du erschöpft ins Bett, ohne auch nur fünf Minuten wirklich für dich gehabt zu haben. Genau deshalb müssen wir über Me Time sprechen. Nicht als nettes Extra für besonders organisierte Mütter, sondern als grundlegendes Bedürfnis, das wir viel zu oft hinten anstellen.

Me Time bedeutet nichts anderes als Zeit für dich selbst. Zeit, in der du tun kannst, was dir guttut, was dich auflädt, was dich wieder als eigenständige Person spüren lässt – nicht nur als Mama, Partnerin, Arbeitnehmerin oder Haushaltsmanagerin. Klingt simpel, ist im Alltag aber oft die größte Herausforderung. In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, warum diese Auszeiten so wichtig sind, was dich vielleicht davon abhält, sie dir zu nehmen, und vor allem: wie du Me Time ganz konkret in deinen Familienalltag integrieren kannst, ohne dass alles zusammenbricht.

Warum Me Time für Mamas nicht egoistisch, sondern notwendig ist

Viele von uns sind mit dem Bild aufgewachsen, dass eine gute Mutter sich aufopfert. Dass ihre Bedürfnisse hinten anstehen. Dass sie immer für alle da ist, rund um die Uhr verfügbar, selbstlos und unermüdlich. Dieses Ideal ist nicht nur unrealistisch – es ist auch gefährlich. Denn wenn dein eigener Tank leer ist, kannst du niemanden mehr auffüllen. Das ist keine Metapher, sondern Realität.

Chronischer Stress, ständige Überforderung und das Ignorieren der eigenen Bedürfnisse führen zu emotionaler Erschöpfung. Du kennst das vielleicht: Du bist gereizter, reagierst schneller genervt auf deine Kinder, hast keine Geduld mehr für Dinge, die dir früher leichtfielen. Du fühlst dich wie ferngesteuert, funktionierst nur noch, statt wirklich zu leben. Manche Mütter berichten von einem Gefühl innerer Leere oder dem Eindruck, sich selbst verloren zu haben. Das ist keine Schwäche oder Versagen – das ist ein klares Signal deines Körpers und deiner Psyche, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Me Time ist die Gegenbewegung dazu. Regelmäßige Auszeiten helfen dir, dich zu regenerieren – körperlich und mental. Sie geben dir Raum, durchzuatmen, deine Gedanken zu sortieren, Kraft zu tanken. Und das kommt am Ende allen zugute: Deinen Kindern, weil sie eine ausgeglichenere Mama haben. Deinem Partner, weil du nicht ständig am Limit läufst. Und vor allem dir selbst, weil du mehr bist als nur eine Funktion für andere Menschen.

Was passiert, wenn Me Time dauerhaft zu kurz kommt

Wenn du über Monate oder sogar Jahre keine echten Pausen machst, zahlt dein Körper die Rechnung. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verspannungen, ein geschwächtes Immunsystem – das sind nur einige der körperlichen Symptome. Emotional kann sich das in Gereiztheit, Antriebslosigkeit oder dem Gefühl äußern, nur noch zu funktionieren. Manche Mütter entwickeln Ängste oder depressive Verstimmungen. Das ist kein Grund für Scham, sondern ein Zeichen dafür, dass du dringend etwas ändern musst.

Auch deine Beziehungen leiden darunter. Wenn du ständig am Limit bist, hast du keine Kapazitäten mehr für echte Nähe, für Gespräche, für Geduld. Konflikte eskalieren schneller, weil dir die Puffer fehlen. Und deine Kinder spüren deine Anspannung, auch wenn du versuchst, sie zu verbergen. Kinder sind feine Seismografen für die Stimmung ihrer Bezugspersonen.

Die größten Hindernisse für Me Time – und wie du sie überwindest

Theoretisch wissen wir alle, dass Auszeiten wichtig sind. Praktisch scheitert es oft an ganz konkreten Hürden. Lass uns die häufigsten anschauen – und gemeinsam Lösungen finden.

Das schlechte Gewissen

Der Klassiker. Du nimmst dir Zeit für dich und fühlst dich dabei schuldig. Schließlich könntest du in dieser Zeit mit den Kindern spielen, den Haushalt erledigen, etwas Sinnvolles tun. Dieses schlechte Gewissen ist tief verankert und wird gesellschaftlich oft noch verstärkt. Aber hier ist die Wahrheit: Für dich zu sorgen IST etwas Sinnvolles. Es ist sogar eine der sinnvollsten Investitionen, die du machen kannst – in deine Gesundheit, deine Beziehungen, deine Fähigkeit, eine gute Mutter zu sein.

Versuch mal einen Perspektivwechsel: Würdest du deiner besten Freundin sagen, sie solle sich keine Pause gönnen? Würdest du von deiner Tochter später erwarten, dass sie sich selbst völlig vernachlässigt? Vermutlich nicht. Also warum legst du bei dir selbst andere Maßstäbe an? Das schlechte Gewissen wird nicht von heute auf morgen verschwinden, aber du kannst lernen, es als das zu erkennen, was es ist: ein überholtes Muster, das dir nicht dient.

Keine Zeit im vollgepackten Alltag

Zwischen Kita-Bringen, Arbeit, Einkaufen, Essen kochen, Wäsche waschen und Kindern ins Bett bringen – wo soll da noch Zeit für dich sein? Die ehrliche Antwort: Du musst sie dir aktiv nehmen. Me Time entsteht nicht von selbst in Lücken, die es im Mama-Alltag ohnehin nicht gibt. Du musst sie einplanen wie einen Termin beim Kinderarzt oder ein Meeting. Das bedeutet auch, andere Dinge bewusst wegzulassen oder zu delegieren.

Fang klein an. Es muss nicht gleich der halbe Samstag im Spa sein. Zehn Minuten am Morgen, bevor alle aufwachen. Eine halbe Stunde am Abend, nachdem die Kinder im Bett sind. Ein Spaziergang allein, während dein Partner übernimmt. Jede kleine Auszeit zählt und ist besser als nichts.

Fehlende Unterstützung

Vielleicht hast du keinen Partner, der übernehmen kann. Oder dein Partner arbeitet viel und ist abends selbst erschöpft. Die Großeltern wohnen weit weg oder sind nicht verfügbar. Du bist viel allein mit den Kindern und siehst keine Möglichkeit, wie du dir Auszeiten organisieren sollst. Das ist eine reale Herausforderung – aber nicht unlösbar.

Überlege, ob es andere Mütter in deinem Umfeld gibt, mit denen du dich zusammentun könntest. Gegenseitige Kinderbetreuung kann ein Gewinn für beide Seiten sein: Einmal in der Woche nimmst du ihre Kinder mit, dafür hast du in der anderen Woche frei. Auch bezahlte Unterstützung durch eine Babysitterin oder stundenweise Betreuung kann eine Investition sein, die sich lohnt – nicht nur finanziell, sondern vor allem für deine Gesundheit.

Das Gefühl, es nicht zu verdienen

Manche Mütter haben das Gefühl, sich Pausen erst verdienen zu müssen. Erst wenn alles perfekt läuft, der Haushalt blitzt, die Kinder vorbildlich erzogen sind, die Arbeit erledigt ist – dann vielleicht. Aber dieser Zeitpunkt kommt nie. Es wird immer etwas geben, das noch erledigt werden könnte. Die Wahrheit ist: Du musst dir Auszeiten nicht verdienen. Du hast ein Recht darauf, einfach weil du ein Mensch mit Bedürfnissen bist. Punkt.

Wie viel Me Time brauchen Mamas wirklich?

Es gibt keine magische Zahl, die für alle passt. Manche Mütter brauchen täglich eine kleine Auszeit, andere kommen gut mit einer längeren Pause pro Woche zurecht. Das hängt von deiner Persönlichkeit ab, davon, wie fordernd dein Alltag ist, wie alt deine Kinder sind und wie viel Unterstützung du hast.

Als Faustregel kannst du dir merken: Je jünger die Kinder und je anstrengender die Phase, desto wichtiger sind regelmäßige, auch kleine Auszeiten. Ein Baby, das alle zwei Stunden gestillt werden will und nachts kaum schläft, kostet enorm viel Energie. Ein Kleinkind in der Autonomiephase fordert dich emotional heraus. Schulkinder bringen andere Herausforderungen mit sich. In jeder Phase brauchst du Zeit zum Auftanken – nur sieht die vielleicht unterschiedlich aus.

Tägliche Mini-Auszeiten

Zehn bis zwanzig Minuten, die wirklich nur dir gehören. Das kann morgens eine Tasse Kaffee in Ruhe sein, bevor der Tag losgeht. Eine kurze Meditation. Ein paar Seiten in einem Buch. Ein Spaziergang um den Block. Diese kleinen Momente helfen dir, zwischendurch durchzuatmen und dich zu zentrieren.

Wöchentliche längere Me Time

Ein bis drei Stunden pro Woche, in denen du etwas tust, das dir wirklich Freude macht. Sport, ein Hobby, Freundinnen treffen, ein ausgiebiges Bad, kreativ sein – was auch immer dich nährt. Diese Zeit solltest du fest einplanen und als nicht verhandelbar betrachten.

Monatliche oder vierteljährliche Auszeiten

Ein halber Tag oder ein ganzer Tag, an dem du komplett abschalten kannst. Vielleicht ein Wellness-Tag, ein Ausflug allein, ein Workshop zu einem Thema, das dich interessiert. Diese größeren Pausen geben dir die Möglichkeit, wirklich Abstand zu gewinnen und deine Batterien aufzuladen.

Me Time gestalten: Was tut dir wirklich gut?

Me Time ist nicht gleich Me Time. Es geht nicht darum, einfach irgendwie Zeit totzuschlagen oder dich mit Ablenkung zu betäuben. Es geht darum, etwas zu tun, das dir echte Erholung bringt, das dich nährt, das dich wieder mit dir selbst verbindet. Und das ist für jede Frau unterschiedlich.

Aktive versus passive Erholung

Manche Mütter brauchen Bewegung, um runterzukommen. Eine Runde joggen, Yoga, tanzen, schwimmen – körperliche Aktivität hilft ihnen, Stress abzubauen und den Kopf freizubekommen. Andere brauchen genau das Gegenteil: Ruhe, Stille, einfach mal nichts tun. Ein Bad, ein Buch, meditieren, auf dem Sofa liegen und aus dem Fenster schauen. Beides ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass du herausfindest, was DIR guttut – nicht, was in Ratgebern als besonders wertvoll angepriesen wird.

Sozial versus allein

Bist du eher introvertiert und tankst auf, wenn du allein bist? Oder bist du extrovertiert und brauchst den Austausch mit anderen, um Energie zu bekommen? Viele Mütter sehnen sich nach Ruhe und Zeit für sich allein, weil sie den ganzen Tag von kleinen Menschen umgeben sind, die ständig etwas von ihnen wollen. Andere vermissen erwachsene Gespräche und Gesellschaft. Auch hier gibt es kein richtig oder falsch – nur deine individuellen Bedürfnisse.

Ideen für Me Time, die wirklich funktionieren

Falls du gerade denkst: 'Klingt ja alles schön und gut, aber was soll ich denn konkret machen?' – hier eine Liste mit Anregungen. Such dir raus, was dich anspricht:

  • Bewegung: Joggen, Yoga, Pilates, Schwimmen, Radfahren, Tanzen, Spazierengehen, Krafttraining
  • Kreatives: Malen, Zeichnen, Schreiben, Fotografieren, Handarbeiten, Töpfern, Musizieren
  • Entspannung: Baden, Meditation, Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Massagen
  • Soziales: Freundinnen treffen, telefonieren, in einen Mama-Treff gehen, einem Verein beitreten
  • Geistiges: Lesen, Podcasts hören, einen Kurs belegen, eine neue Sprache lernen, Dokumentationen schauen
  • Natur: Im Wald spazieren, im Garten werkeln, am Wasser sitzen, Vögel beobachten
  • Genuss: In Ruhe Kaffee oder Tee trinken, ein schönes Essen in einem Restaurant, ein Stück Kuchen in einem Café
  • Selbstfürsorge: Zum Friseur gehen, eine Kosmetikbehandlung, neue Kleidung anprobieren, Nägel lackieren

Wichtig ist: Es muss nicht produktiv sein. Du musst in deiner Me Time nichts leisten, nichts erreichen, dich nicht optimieren. Wenn dich einfach nur Nichtstun glücklich macht – perfekt. Wenn du lieber etwas Konkretes tust – auch gut. Hör auf dein Bauchgefühl.

Me Time konkret umsetzen: Schritt für Schritt

Vom Wissen zum Handeln ist es oft ein weiter Weg. Deshalb schauen wir uns jetzt ganz praktisch an, wie du Me Time in deinen Alltag integrieren kannst – realistisch und nachhaltig.

Schritt 1: Erkenne deine Bedürfnisse an

Der erste Schritt ist, überhaupt anzuerkennen, dass du Bedürfnisse hast und dass diese wichtig sind. Klingt banal, ist aber für viele Mütter eine echte Hürde. Nimm dir einen Moment Zeit und frag dich: Was fehlt mir gerade am meisten? Ruhe? Bewegung? Erwachsenengespräche? Kreativität? Zeit in der Natur? Schreib es ruhig auf. Allein das Benennen kann schon entlastend wirken.

Schritt 2: Sprich mit deinem Partner oder deinem Umfeld

Wenn du nicht allein mit den Kindern bist, ist Kommunikation der Schlüssel. Viele Partner haben keine Ahnung, wie erschöpft du bist, weil du es nicht aussprichst. Sie denken vielleicht, alles läuft gut, weil du funktionierst. Sag klar, was du brauchst: 'Ich brauche jeden Mittwochabend zwei Stunden für mich. Kannst du in der Zeit die Kinder übernehmen?' Keine Vorwürfe, keine Anklage – einfach eine klare Bitte.

Falls du alleinerziehend bist oder dein Partner nicht verfügbar ist, überlege, wen du sonst ansprechen könntest. Freundinnen, Nachbarinnen, andere Mütter für gegenseitige Unterstützung. Es ist kein Zeichen von Schwäche, um Hilfe zu bitten – es ist ein Zeichen von Stärke und Selbstfürsorge.

Schritt 3: Plane konkret und verbindlich

'Irgendwann mal' passiert nie. Trag deine Me Time in deinen Kalender ein wie einen Arzttermin. Mach sie zu einem festen Bestandteil deiner Woche. Wenn du weißt, dass Donnerstagabend deine Zeit ist, kannst du dich darauf freuen und gedanklich darauf einstellen. Und es ist für alle anderen auch klar, dass du dann nicht verfügbar bist.

Schritt 4: Fang klein an

Wenn du bisher gar keine Me Time hattest, überfordere dich nicht gleich mit großen Plänen. Fang mit fünf oder zehn Minuten täglich an. Mit einer halben Stunde pro Woche. Wenn das gut klappt, kannst du immer noch ausbauen. Kleine, regelmäßige Auszeiten sind nachhaltiger als einmal im Vierteljahr ein großes Event, das dann doch wieder ausfällt.

Schritt 5: Lass das schlechte Gewissen los

Das wird vermutlich der schwerste Schritt sein. Jedes Mal, wenn das schlechte Gewissen hochkommt, erinner dich daran: Du tust das nicht gegen deine Kinder, sondern für sie. Eine ausgeglichene Mutter ist das beste Geschenk, das du deinen Kindern machen kannst. Und du bist auch noch eine eigenständige Person mit eigenen Bedürfnissen – das dürfen und sollen deine Kinder sehen und lernen.

Schritt 6: Schütze deine Me Time

Es wird immer wieder Situationen geben, in denen andere (oder du selbst) deine Me Time infrage stellen. 'Kannst du nicht ausnahmsweise…?' 'Das muss doch jetzt wirklich noch…' Lerne, Nein zu sagen. Natürlich gibt es echte Notfälle, aber die meisten Dinge können warten oder anders gelöst werden. Deine Zeit für dich ist nicht verhandelbar – jedenfalls nicht ständig.

Me Time in verschiedenen Lebensphasen mit Kindern

Je nachdem, wie alt deine Kinder sind und in welcher Lebensphase du steckst, sieht Me Time unterschiedlich aus. Lass uns die verschiedenen Phasen kurz durchgehen.

Mit Baby im ersten Jahr

Die erste Zeit mit Baby ist oft besonders herausfordernd, was Me Time angeht. Du stillst vielleicht rund um die Uhr, bist nachts ständig wach, dein Körper erholt sich von Schwangerschaft und Geburt. Längere Auszeiten sind oft schwer zu organisieren. Umso wichtiger sind Mini-Momente: Eine Dusche in Ruhe, während jemand das Baby hält. Zehn Minuten frische Luft allein. Eine Tasse Tee, die du wirklich bewusst trinkst. Wenn du stillst, kann das Abpumpen einer Portion Milch dir ermöglichen, dass jemand anders eine Fütterung übernimmt und du mal zwei, drei Stunden am Stück schlafen oder rausgehen kannst.

Sei in dieser Phase besonders nachsichtig mit dir. Es ist völlig normal, wenn du dich verloren fühlst, wenn du deine alte Identität vermisst, wenn du manchmal denkst: 'Was habe ich mir nur angetan?' Das macht dich nicht zu einer schlechten Mutter. Es macht dich zu einem Menschen in einer extrem fordernden Lebensphase. Nimm jede Hilfe an, die du kriegen kannst, und gönn dir auch die kleinsten Auszeiten ohne schlechtes Gewissen.

Mit Kleinkindern

Die Kleinkindphase hat ihre eigenen Herausforderungen. Dein Kind ist mobil, neugierig, testet Grenzen, braucht ständige Aufsicht. Gleichzeitig schläft es vielleicht tagsüber noch, was dir kleine Zeitfenster verschaffen kann – auch wenn die Versuchung groß ist, diese für Haushalt zu nutzen. Versuch, mindestens ein paar Mal pro Woche die Schlafenszeit deines Kindes wirklich für dich zu nutzen. Nicht für Wäsche oder Aufräumen, sondern für etwas, das dir guttut.

In dieser Phase kann es auch hilfreich sein, dein Kind gelegentlich in eine Spielgruppe oder stundenweise Betreuung zu geben – nicht, weil du arbeiten musst, sondern einfach, um Zeit für dich zu haben. Das ist völlig legitim und tut auch deinem Kind gut, das lernt, dass es noch andere Bezugspersonen gibt und dass Mama auch mal weggeht und wiederkommt.

Mit Kindergarten- und Schulkindern

Wenn die Kinder in Kindergarten oder Schule sind, hast du theoretisch mehr Zeitfenster. Praktisch füllen sich diese oft schnell mit Arbeit, Haushalt, Terminen, Einkäufen. Trotzdem: Nutze diese Phasen bewusst. Auch wenn du arbeitest, kannst du vielleicht deine Mittagspause mal wirklich für dich nutzen statt am Schreibtisch zu essen. Oder du nimmst dir einen Nachmittag frei, während die Kinder betreut sind.

Größere Kinder können auch schon verstehen, dass Mama Zeit für sich braucht. Du kannst ihnen erklären: 'Ich gehe jetzt eine Stunde spazieren, damit ich danach wieder gut gelaunt bin und wir schön zusammen spielen können.' Das ist eine wichtige Lektion für sie: Selbstfürsorge ist wichtig und normal.

Mit mehreren Kindern

Je mehr Kinder, desto chaotischer oft der Alltag. Aber auch: Je mehr Kinder, desto wichtiger sind Auszeiten. Mit mehreren Kindern jonglierst du verschiedene Bedürfnisse, verschiedene Entwicklungsphasen, vielleicht Geschwisterrivalitäten. Das kostet enorm viel Energie. Hier ist es besonders wichtig, dass du Me Time nicht als Luxus siehst, sondern als absolute Notwendigkeit. Vielleicht können die älteren Kinder auch mal kurz auf die jüngeren aufpassen, während du in Ruhe badest. Oder du nutzt die Zeit, wenn alle bei Freunden sind oder bei Aktivitäten.

Wenn Me Time allein nicht reicht: Wann du dir Hilfe holen solltest

Me Time ist wichtig und hilfreich – aber sie ist kein Allheilmittel. Manchmal reichen Auszeiten nicht aus, um wirklich wieder in Balance zu kommen. Wenn du über Wochen oder Monate merkst, dass du trotz Pausen erschöpft bleibst, dass du dich leer fühlst, dass nichts mehr Freude macht, dass du ständig gereizt oder traurig bist, kann das ein Zeichen für eine ernstere Problematik sein.

Postpartale Depressionen, Angststörungen oder ein Burnout sind keine Seltenheit bei Müttern – und sie sind nichts, wofür du dich schämen musst. Sie sind Erkrankungen, die behandelt werden können und sollten. Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, sprich mit deiner Hebamme, deinem Hausarzt oder direkt mit einem Therapeuten. Es gibt gute Hilfsangebote, und es ist ein Zeichen von Stärke, diese anzunehmen.

Auch wenn deine Beziehung leidet, wenn du und dein Partner euch ständig streitet oder euch entfremdet habt, kann eine Paarberatung sinnvoll sein. Und wenn du merkst, dass dein Alltag strukturell überfordernd ist – zum Beispiel weil du alleinerziehend bist und keine Unterstützung hast, oder weil ihr in einer schwierigen finanziellen Situation steckt – scheue dich nicht, auch praktische Hilfe zu suchen. Familienberatungsstellen, Sozialarbeiter oder kirchliche Angebote können oft weiterhelfen.

Me Time ist ein wichtiger Baustein für dein Wohlbefinden, aber manchmal braucht es mehr. Und das ist völlig okay.

Häufige Fragen

Wie viel Me Time ist normal für Mütter?

Es gibt keine feste Norm, weil jede Situation anders ist. Ideal sind tägliche kurze Auszeiten von zehn bis zwanzig Minuten plus eine längere Pause von ein bis drei Stunden pro Woche. Wichtiger als die Menge ist die Regelmäßigkeit und dass die Zeit dir wirklich guttut. Wenn du merkst, dass du ständig erschöpft und gereizt bist, brauchst du vermutlich mehr Me Time.

Was mache ich, wenn mein Partner meine Me Time nicht unterstützt?

Sprich offen über deine Bedürfnisse und erkläre, warum Auszeiten für dich wichtig sind – nicht als Luxus, sondern für deine Gesundheit und die der ganzen Familie. Wenn dein Partner trotzdem nicht versteht oder nicht bereit ist zu unterstützen, kann eine Paarberatung helfen. Suche parallel nach anderen Unterstützungsmöglichkeiten wie Freundinnen, Nachbarn oder bezahlte Kinderbetreuung.

Ist es egoistisch, Zeit ohne meine Kinder haben zu wollen?

Nein, absolut nicht. Es ist menschlich und gesund, Zeit für dich zu brauchen. Du bist nicht nur Mutter, sondern auch eine eigenständige Person mit eigenen Bedürfnissen. Kinder profitieren von einer ausgeglichenen, zufriedenen Mutter viel mehr als von einer, die sich aufopfert und dabei unglücklich wird. Selbstfürsorge ist keine Selbstsucht.

Was kann ich tun, wenn ich mich während der Me Time schuldig fühle?

Das schlechte Gewissen ist normal, aber es basiert oft auf überholten Vorstellungen davon, was eine gute Mutter ausmacht. Erinnere dich aktiv daran, dass du dir diese Zeit nimmst, um eine bessere Mutter sein zu können. Frag dich: Würde ich meiner Freundin oder meiner Tochter dasselbe raten? Meist sind wir zu uns selbst viel härter als zu anderen. Mit der Zeit wird das schlechte Gewissen weniger, versprochen.

Wie organisiere ich Me Time als Alleinerziehende?

Als Alleinerziehende ist es schwieriger, aber nicht unmöglich. Suche nach anderen Müttern für gegenseitige Kinderbetreuung, nutze Angebote von Kita oder Schule, investiere wenn möglich in stundenweise Betreuung. Auch Mini-Auszeiten zählen: zehn Minuten früher aufstehen, die Zeit nutzen, wenn die Kinder bei Freunden oder beim anderen Elternteil sind. Jede kleine Pause hilft.

Was ist, wenn mir in der Me Time langweilig ist oder ich nicht weiß, was ich tun soll?

Das ist tatsächlich ein häufiges Phänomen, besonders wenn du lange keine Zeit für dich hattest. Du hast vielleicht vergessen, was dir überhaupt Spaß macht. Probiere verschiedene Dinge aus: Lesen, spazieren gehen, kreativ sein, Sport. Manchmal ist es auch okay, einfach nur dazusitzen und nichts zu tun. Gib dir Zeit, dich selbst wiederzuentdecken. Die Langeweile kann auch ein Zeichen dafür sein, dass du endlich mal zur Ruhe kommst.

Fazit

Me Time ist kein Luxus für besonders privilegierte Mütter, sondern ein grundlegendes Bedürfnis für uns alle. Regelmäßige Auszeiten helfen dir, körperlich und mental gesund zu bleiben, eine geduldige und ausgeglichene Mutter zu sein und dich selbst nicht zu verlieren. Die größten Hürden sind oft das schlechte Gewissen und die Organisation im Alltag – aber beide lassen sich überwinden. Fang klein an, plane konkret, kommuniziere klar und schütze deine Zeit für dich. Du hast es verdient, gut für dich zu sorgen. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Deine Kinder, dein Partner und vor allem du selbst werden davon profitieren. Also: Wann nimmst du dir deine nächste Me Time?

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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