Folgen einer Frühgeburt
Auf einen Blick
- Die meisten Folgen einer Frühgeburt können mit richtiger Behandlung ausgeglichen werden
- Typische kurzfristige Folgen sind Atemprobleme, Gelbsucht und Schwierigkeiten bei der Temperaturregulierung
- Babys ab der 34. SSW haben ein extrem geringes Risiko für langfristige Beeinträchtigungen
Eine Frühgeburt kann Ängste auslösen – das ist völlig verständlich. Doch die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen entwickeln sich Frühchen mit der richtigen Versorgung prächtig. Welche Folgen auftreten können und wie Du Dein Baby bestmöglich unterstützt, erfährst Du hier.
🍼 Typische kurzfristige Folgen bei Frühchen
Die auftretenden Komplikationen hängen stark von der Schwangerschaftswoche und dem Entwicklungsstatus Deines Babys ab. Während körperliche Entwicklungsstörungen oft eine besondere Behandlung brauchen, können geistige Entwicklungsverzögerungen meist gut ausgeglichen werden.
Probleme mit dem Atmungssystem
Eine der häufigsten Folgen ist, dass Dein Baby Schwierigkeiten mit seiner noch unreifen Lunge hat. Möglicherweise leidet es unter dem sogenannten Atemnotsyndrom. Erkrankungen wie Apnoe oder bronchopulmonale Dysplasie können auftreten.
Die eingeschränkte Lungenfunktion wirkt sich nicht nur auf die Atmung aus – Dein Baby kann auch Probleme beim Saugen an der Brust haben, wodurch die Nahrungsaufnahme erschwert wird. In diesem Fall wird Dein Arzt Maßnahmen einleiten, um die richtige Ernährung sicherzustellen.
Gut zu wissen: Erst ab der 36. SSW kann Dein Baby seine Körpertemperatur selbst regulieren. Frühchen werden daher oft in Inkubatoren oder Wärmebetten versorgt.
Gelbsucht durch erhöhten Bilirubinspiegel
Gelbsucht ist bei Frühchen besonders häufig. Die Haut Deines Babys zeigt dann eine ausgeprägte gelbliche Farbe, weil der Bilirubinspiegel im Blut erhöht ist. Dies ist jedoch nicht schwerwiegend und erfordert meist keine speziellen Behandlungen.
Untergewicht und fehlende Fettpolster
Durch die verkürzte Schwangerschaft wiegt Dein Baby in der Regel unter 2,5 Kilo. In den ersten Wochen ist daher besonders auf die Gewichtszunahme zu achten, damit Dein Baby kleine Fettpolster ansetzen kann.
Anfälligkeit für Infektionen
Das Immunsystem Deines Frühchens ist noch nicht aktiv oder ausreichend stark. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Infektion zu erkranken, ist daher deutlich größer als bei einem termingerecht geborenen Baby.
Die ersten Wochen können herausfordernd sein, aber mit jedem Tag wird Dein Baby stärker. Die meisten Frühchen holen ihre Entwicklung erstaunlich schnell auf – das habe ich bei vielen Mamas in unserer Community gesehen.
🏥 Weitere mögliche Komplikationen
Neben den häufigsten Folgen gibt es weitere Beschwerden, die auftreten können:
- Schwaches Gewebe, sodass Haut und Blutgefäße noch nicht komplett ausgereift sind – dies kann zu einer intraventrikulären Blutung führen
- Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie die sogenannte systemische Hypotonie
- Wachstumsstörungen der Blutgefäße in der Netzhaut, die zu Sehstörungen führen können (Frühgeborenenretinopathie)
Achtung: Auch nach Jahren können noch Beschwerden auftreten, die auf die Frühgeburt zurückzuführen sind – etwa Hörprobleme, Sehstörungen oder motorische Schwierigkeiten. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher wichtig.
📅 Langfristige Folgen im Blick behalten
Studien zeigen, dass Frühgeborene unter der 37. Schwangerschaftswoche und insbesondere unter der 32. SSW im Erwachsenenalter manchmal schlechtere Parameter der Herzfunktion haben, da das Herz häufig kleiner ist und weniger wiegt.
Auch die Lunge, die Sehkraft und das Hörvermögen können eingeschränkt sein und früher als bei anderen zu Beschwerden im Alter führen. Altersbedingte Krankheiten treten bei Frühchen manchmal früher auf als bei Menschen, die zum Geburtstermin geboren wurden.
Geistige Entwicklung und Gehirnfunktion
In Bezug auf die geistige Entwicklung kann es Einschränkungen geben, die erst Jahre später – beispielsweise mit Eintritt in die Schule – bemerkt werden. Möglich sind Probleme bei der Konzentrationsfähigkeit, der Auffassungsgabe oder der Lernbereitschaft.
Tipp: Diese Folgen treten sehr selten auf und meist nur, wenn das Kind viel zu früh geboren wurde. Im Laufe der ersten Jahre bildet sich das Gehirn korrekt aus. Bei Babys ab der 34. SSW sind Behinderungen oder Defizite extrem selten.
💪 So unterstützt Du die Entwicklung Deines Frühchens
Mit der richtigen Behandlung können Verzögerungen der Entwicklung, Mangelerscheinungen und Störungen ausgeglichen werden, sodass keine Langzeitfolgen bleiben. Sowohl körperliche als auch geistige Folgen lassen sich mit entsprechenden Therapien behandeln und schon in den ersten Lebenswochen ausgleichen.
Je nachdem, welche Störungen oder Mängel bei Deinem Baby auftreten, wird Dein Arzt entsprechende Maßnahmen einleiten, um unreife Organe und Mangelerscheinungen auszugleichen. Du erhältst Ratschläge, wie Du Dein Baby bei der richtigen Entwicklung unterstützen kannst.
Was Du selbst tun kannst
- Gib Deinem Baby so lange wie möglich Muttermilch
- Beschäftige Dich viel mit Deinem Kind durch altersgerechte Spiele und Übungen
- Nimm regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahr
- Hab Geduld – viele Mangelerscheinungen gleichen sich mit der Zeit aus
Gut zu wissen: Die ersten Wochen können herausfordernd sein, da viele Frühchen keinen Tag-Nacht-Rhythmus haben. Nach einigen Wochen pegelt sich der Rhythmus meist ein und ein normaler Tagesablauf wird möglich.
✨ Fazit: Die Chancen stehen gut
Ist Dein Baby nicht wirklich viel zu früh geboren und ist Deine Schwangerschaft soweit normal verlaufen, kannst Du davon ausgehen, dass auftretende Beschwerden und Komplikationen ausgeglichen werden können. Nur in den wenigsten Fällen wird Dein Baby auch im Alter unter den Folgen der Frühgeburt leiden.
Im Krankenhaus wissen alle beteiligten Personen, was zu tun ist, und werden Deinem Baby die benötigten Mineralien, Vitamine und Stoffe zuführen. Mit besonderer Behandlung in den ersten Tagen und Deiner liebevollen Unterstützung kannst Du viele Mangelerscheinungen und Beschwerden ausgleichen.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Schwangerschaftswoche sind langfristige Folgen sehr selten?
Bei Babys, die ab der 34. SSW geboren wurden, sind Behinderungen oder Defizite aufgrund der verkürzten Zeit im Mutterleib extrem selten. Je näher am Geburtstermin, desto geringer das Risiko für Langzeitfolgen.
Welche Folgen treten am häufigsten bei Frühchen auf?
Die häufigsten kurzfristigen Folgen sind Atemprobleme durch unreife Lungen, Gelbsucht, Untergewicht, Schwierigkeiten bei der Temperaturregulierung und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen. Die meisten dieser Probleme können mit medizinischer Betreuung gut behandelt werden.
Können sich Entwicklungsverzögerungen wieder ausgleichen?
Ja, in den allermeisten Fällen können Entwicklungsverzögerungen mit der richtigen Behandlung und Therapie ausgeglichen werden. Besonders geistige Entwicklungsverzögerungen lassen sich oft gut aufholen. Das Gehirn bildet sich im Laufe der ersten Jahre korrekt aus.
Wie kann ich mein Frühchen zu Hause am besten unterstützen?
Gib Deinem Baby so lange wie möglich Muttermilch, beschäftige Dich viel mit ihm durch altersgerechte Spiele und Übungen, nimm alle Kontrolluntersuchungen wahr und hab Geduld. Viele Mangelerscheinungen gleichen sich mit der Zeit von selbst aus.
Wann reguliert ein Baby seine Körpertemperatur selbst?
Erst ab der 36. Schwangerschaftswoche kann ein Baby seine Körpertemperatur selbst regulieren. Frühchen, die vorher geboren werden, benötigen daher oft Inkubatoren oder Wärmebetten, bis sie diese Fähigkeit entwickelt haben.
Gibt es auch im Erwachsenenalter noch Folgen einer Frühgeburt?
Studien zeigen, dass Frühgeborene unter der 32. SSW im Erwachsenenalter manchmal schlechtere Parameter der Herzfunktion haben oder früher altersbedingte Beschwerden entwickeln können. Diese Langzeitfolgen treten jedoch nicht bei allen Frühchen auf und sind bei Babys ab der 34. SSW sehr selten.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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