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Scharlach beim Kind: Symptome, Ansteckung & Behandlung

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 07.07.2026 Lesezeit 39 Min.
Scharlach beim Kind: Symptome, Ansteckung & Behandlung

Auf einen Blick

  • Scharlach ist eine bakterielle Infektion durch Streptokokken, die vor allem Kinder zwischen 4 und 12 Jahren betrifft und mit Fieber, Halsschmerzen und typischem Hautausschlag einhergeht.
  • Die Erkrankung ist hochansteckend und überträgt sich durch Tröpfcheninfektion – bereits 24 Stunden nach Antibiotika-Beginn ist dein Kind nicht mehr ansteckend.
  • Typische Symptome sind Himbeerzunge, feinfleckiger roter Ausschlag und ein blasses Munddreieck; unbehandelt kann Scharlach zu Folgeerkrankungen wie rheumatischem Fieber führen.
  • Mit Antibiotika heilt Scharlach in der Regel komplikationslos aus – wichtig ist, die Behandlung konsequent zu Ende zu führen und dein Kind ärztlich untersuchen zu lassen.

Wenn dein Kind plötzlich hohes Fieber bekommt, über starke Halsschmerzen klagt und sich ein auffälliger roter Ausschlag auf der Haut zeigt, könnte es sich um Scharlach handeln. Diese bakterielle Kinderkrankheit verunsichert viele Eltern, lässt sich aber mit der richtigen Behandlung gut in den Griff bekommen. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über Scharlach wissen musst – von den ersten Anzeichen über die Ansteckungswege bis zur vollständigen Genesung.

🔍 Was ist Scharlach und wie entsteht er?

Scharlach ist eine akute Infektionskrankheit, die durch bestimmte Bakterien – die sogenannten A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes) – ausgelöst wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken wird Scharlach also nicht durch Viren, sondern durch Bakterien verursacht. Das hat wichtige Konsequenzen für die Behandlung, denn bakterielle Infektionen lassen sich mit Antibiotika bekämpfen.

Besonders heimtückisch: Die Streptokokken produzieren während ihrer Vermehrung spezielle Giftstoffe (Toxine), die für die charakteristischen Symptome wie den Hautausschlag und die Himbeerzunge verantwortlich sind. Nicht alle A-Streptokokken bilden diese Toxine – deshalb erkranken manche Kinder trotz Streptokokken-Infektion nicht an Scharlach, sondern "nur" an einer Mandelentzündung.

Warum sind vor allem Kinder betroffen?

Scharlach tritt hauptsächlich bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren auf. Der Grund: In diesem Alter haben die meisten Kinder noch keine Immunität gegen die verschiedenen Streptokokken-Toxine entwickelt. Es gibt nämlich nicht nur einen Scharlach-Erreger, sondern verschiedene Streptokokken-Stämme, die unterschiedliche Toxine produzieren. Deshalb kann dein Kind im Laufe seiner Kindheit theoretisch mehrmals an Scharlach erkranken – jedes Mal durch einen anderen Bakterienstamm.

Erwachsene erkranken seltener, weil ihr Immunsystem im Laufe der Jahre Antikörper gegen viele dieser Toxine gebildet hat. Trotzdem ist auch bei Erwachsenen eine Scharlach-Erkrankung möglich, besonders wenn sie in der Kindheit nie damit in Kontakt gekommen sind.

Die Rolle des Immunsystems

Ein gesundes Immunsystem ist normalerweise in der Lage, die eindringenden Bakterien zu bekämpfen. Allerdings vermehren sich Streptokokken sehr schnell und produzieren aggressive Toxine, die das Immunsystem überfordern können. Deshalb ist es so wichtig, Scharlach frühzeitig zu erkennen und zu behandeln – die Antibiotika unterstützen das körpereigene Abwehrsystem dabei, die Bakterien zu eliminieren, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

🦠 Wie steckt sich mein Kind mit Scharlach an?

Scharlach gehört zu den hochansteckenden Krankheiten. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion – das heißt, die Bakterien werden beim Husten, Niesen, Sprechen oder auch beim Küssen von Mensch zu Mensch weitergegeben. Schon winzige Speicheltröpfchen in der Luft reichen aus, um die Erreger zu übertragen.

Die verschiedenen Ansteckungswege im Detail

Die häufigste Übertragungsart ist die direkte Tröpfcheninfektion: Wenn ein erkranktes Kind hustet oder niest, gelangen Millionen von Bakterien in die Umgebungsluft. Atmet dein Kind diese Luft ein oder berührt es sein Gesicht mit kontaminierten Händen, können die Erreger über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Rachen in den Körper eindringen.

Seltener, aber möglich ist auch die Schmierinfektion: Die Bakterien können auf Gegenständen, Spielzeug oder Türklinken überleben und werden dann über die Hände aufgenommen. Besonders in Kindergärten und Schulen, wo Kinder eng zusammen sind und oft dieselben Spielsachen benutzen, verbreitet sich Scharlach daher besonders schnell.

Eine weitere, weniger bekannte Ansteckungsquelle sind kontaminierte Lebensmittel. Wenn jemand mit Streptokokken-Infektion Essen zubereitet, ohne sich vorher gründlich die Hände zu waschen, können die Bakterien auf die Nahrungsmittel gelangen. Besonders bei rohen oder nicht ausreichend erhitzten Speisen ist dies ein Risiko.

Nadine Scheiner

💗 Nadines Empfehlung

Nadine Scheiner

Als meine Tochter das erste Mal Scharlach hatte, war ich zunächst sehr beunruhigt – der rote Ausschlag sah wirklich dramatisch aus. Mein wichtigster Rat aus eigener Erfahrung: Geh beim ersten Verdacht sofort zum Kinderarzt und lass einen Schnelltest machen. Die Antibiotika-Behandlung wirkt meist schon nach 24 Stunden Wunder, und dein Kind fühlt sich deutlich besser. Achte aber unbedingt darauf, das Antibiotikum die vollen 10 Tage zu geben, auch wenn es deinem Kind schon nach drei Tagen wieder gut geht – nur so werden wirklich alle Bakterien eliminiert und Folgeerkrankungen vermieden.

Wie lange ist mein Kind ansteckend?

Ohne Behandlung bleibt ein an Scharlach erkranktes Kind bis zu drei Wochen ansteckend – auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind. Das macht die Krankheit so tückisch: Dein Kind fühlt sich vielleicht schon wieder besser, kann aber weiterhin andere anstecken.

Die gute Nachricht: Sobald mit einer Antibiotika-Therapie begonnen wird, sinkt die Ansteckungsgefahr dramatisch. Bereits 24 Stunden nach der ersten Antibiotika-Einnahme ist dein Kind in der Regel nicht mehr infektiös. Trotzdem solltest du die vom Arzt empfohlene Karenzzeit einhalten, bevor dein Kind wieder in Kindergarten oder Schule geht – meist sind das 48 Stunden nach Therapiebeginn.

Inkubationszeit: Wann brechen die Symptome aus?

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der ersten Symptome – beträgt bei Scharlach meist 1 bis 3 Tage, kann aber auch bis zu einer Woche dauern. In dieser Zeit vermehren sich die Bakterien im Körper, ohne dass dein Kind etwas davon merkt. Trotzdem kann es bereits in den letzten ein bis zwei Tagen vor Symptombeginn ansteckend sein.

Das erklärt, warum sich Scharlach in Gemeinschaftseinrichtungen oft so schnell ausbreitet: Die Kinder stecken sich gegenseitig an, bevor überhaupt klar ist, dass jemand krank ist.

🌡️ Scharlach beim Kind: Symptome erkennen

Die Symptome von Scharlach entwickeln sich meist sehr plötzlich und können zunächst einer normalen Erkältung oder Grippe ähneln. Doch es gibt einige charakteristische Anzeichen, die speziell auf Scharlach hindeuten. Je früher du diese erkennst, desto schneller kann dein Kind behandelt werden.

Der typische Krankheitsverlauf

Scharlach beginnt in der Regel sehr abrupt. Viele Eltern berichten, dass ihr Kind morgens noch völlig gesund war und am Nachmittag plötzlich hohes Fieber entwickelte. Die Erkrankung verläuft typischerweise in mehreren Phasen:

Phase 1 (Tag 1-2): Der plötzliche Beginn
Dein Kind bekommt plötzlich hohes Fieber, oft über 39°C, manchmal sogar bis 40°C. Dazu kommen starke Halsschmerzen, die das Schlucken sehr schmerzhaft machen. Viele Kinder klagen auch über Kopfschmerzen und fühlen sich insgesamt sehr krank und schlapp. Manche Kinder müssen sich auch übergeben oder haben Bauchschmerzen – das sind Reaktionen auf die bakteriellen Toxine.

Phase 2 (Tag 2-4): Der charakteristische Ausschlag
Nach etwa 1 bis 2 Tagen entwickelt sich der typische Scharlach-Ausschlag. Er beginnt meist in den Achseln, Leisten und am Hals und breitet sich dann über den ganzen Körper aus. Der Ausschlag besteht aus winzigen, dicht stehenden roten Flecken, die sich rau anfühlen – wie feines Sandpapier. Typisch ist auch, dass die Region um den Mund herum blass bleibt (sogenanntes "periorale Blässe" oder "Milchbart").

Phase 3 (ab Tag 4-5): Die Himbeerzunge
Die Zunge verändert sich charakteristisch: Zunächst ist sie weiß belegt mit roten Punkten ("Erdbeerzunge"), nach einigen Tagen schält sich der Belag ab und die Zunge erscheint tiefrot und glänzend mit deutlich sichtbaren Geschmacksknospen ("Himbeerzunge"). Dieses Symptom ist so typisch, dass Ärzte oft schon anhand der Zunge eine Verdachtsdiagnose stellen können.

Phase 4 (ab Tag 7-10): Die Hautschuppung
Wenn der Ausschlag abklingt, beginnt sich die Haut zu schälen, besonders an Händen und Füßen. Diese Schuppung kann mehrere Wochen andauern und ist völlig normal. Sie zeigt, dass der Körper die durch die Toxine geschädigte oberste Hautschicht abstößt.

📊

Die 4 Hauptsymptome von Scharlach

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🌡️
Plötzliches hohes Fieber Oft über 39°C, begleitet von Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl
😖
Starke Halsschmerzen Geröteter Rachen, geschwollene Mandeln mit weißen Belägen, schmerzhaftes Schlucken
🔴
Charakteristischer Ausschlag Feinfleckig, rau wie Sandpapier, beginnt an Achseln und Leisten, blasses Munddreieck
👅
Himbeerzunge Erst weiß belegt mit roten Punkten, dann tiefrot und glänzend mit sichtbaren Papillen

Detaillierte Symptom-Übersicht

Lass uns die einzelnen Symptome noch genauer betrachten, damit du genau weißt, worauf du achten musst:

Fieber und Allgemeinzustand:
Das Fieber bei Scharlach steigt meist sehr schnell an und kann Werte von 39 bis 40°C erreichen. Dein Kind wirkt dabei oft sehr krank, ist müde, appetitlos und möchte am liebsten nur noch schlafen. Manche Kinder bekommen auch Schüttelfrost. Das Fieber hält ohne Behandlung etwa 3 bis 5 Tage an, mit Antibiotika sinkt es meist schon nach 24 bis 48 Stunden deutlich ab.

Halsschmerzen und Rachen:
Die Halsschmerzen bei Scharlach sind oft sehr stark – stärker als bei einer normalen Erkältung. Dein Kind hat Schwierigkeiten beim Schlucken und verweigert möglicherweise Essen und Trinken. Wenn du in den Rachen schaust, siehst du eine deutliche Rötung. Die Mandeln sind geschwollen und oft mit weißlich-gelblichen Belägen (Eiter) bedeckt. Auch die Lymphknoten am Hals sind geschwollen und können bei Berührung schmerzhaft sein.

Der Scharlach-Ausschlag im Detail:
Der Ausschlag ist eines der charakteristischsten Merkmale von Scharlach. Er besteht aus winzigen, stecknadelkopfgroßen roten Flecken, die so dicht beieinander stehen, dass die Haut großflächig gerötet erscheint. Wenn du mit der Hand darüber streichst, fühlt sich die Haut rau an – wie feines Schmirgelpapier. Der Ausschlag ist am intensivsten in den Hautfalten (Achseln, Leisten, Ellenbeugen, Kniekehlen) und kann dort sogar eine dunklere, fast purpurrote Farbe annehmen. Typisch ist die periorale Blässe: Die Region um den Mund herum bleibt auffallend blass, während die Wangen stark gerötet sind. Dieser Kontrast ist sehr charakteristisch für Scharlach.

Die Veränderungen der Zunge:
Die Zungenveränderungen bei Scharlach sind so typisch, dass sie oft zur Diagnose führen. Am Anfang ist die Zunge weiß belegt, aber die Zungenspitze und die Ränder schimmern rot durch – mit deutlich sichtbaren roten Punkten (den geschwollenen Geschmackspapillen). Das sieht aus wie eine Erdbeere und wird deshalb "Erdbeerzunge" genannt. Nach einigen Tagen schält sich der weiße Belag ab, und die Zunge wird tiefrot und glänzend – die "Himbeerzunge". Die Papillen sind jetzt noch deutlicher zu sehen und stehen erhaben hervor.

Weniger bekannte Symptome

Neben den klassischen Symptomen gibt es weitere Anzeichen, die bei Scharlach auftreten können:

  • Übelkeit und Erbrechen: Besonders zu Beginn der Erkrankung reagieren manche Kinder mit Übelkeit oder müssen sich übergeben. Das ist eine Reaktion auf die bakteriellen Toxine.
  • Bauchschmerzen: Viele Kinder klagen über Bauchschmerzen, manchmal so stark, dass zunächst an eine Blinddarmentzündung gedacht wird.
  • Kopfschmerzen: Starke Kopfschmerzen sind häufig, besonders in Verbindung mit dem hohen Fieber.
  • Geschwollene Lymphknoten: Die Lymphknoten am Hals schwellen deutlich an und sind druckschmerzhaft.
  • Belegte Mandeln: Die Mandeln sind nicht nur gerötet, sondern oft auch mit weißlich-gelblichen Belägen (Eiter) bedeckt.
  • Mundgeruch: Durch die bakterielle Infektion im Rachenraum kann ein unangenehmer Mundgeruch entstehen.

Atypischer Scharlach: Wenn nicht alle Symptome auftreten

Nicht jeder Scharlach verläuft nach dem klassischen Muster. Es gibt auch mildere oder atypische Verlaufsformen:

Scharlach ohne Ausschlag (Scharlach sine exanthemate):
Manchmal fehlt der typische Hautausschlag komplett, obwohl alle anderen Symptome vorhanden sind. Dein Kind hat hohes Fieber, starke Halsschmerzen und die charakteristische Himbeerzunge, aber der Ausschlag bleibt aus. Das macht die Diagnose schwieriger, ist aber nicht ungewöhnlich.

Milder Verlauf:
Bei manchen Kindern verläuft Scharlach sehr mild. Das Fieber ist nicht sehr hoch, die Halsschmerzen sind erträglich, und der Ausschlag ist nur schwach ausgeprägt. Trotzdem handelt es sich um Scharlach, und die Behandlung ist genauso wichtig wie bei einem schweren Verlauf.

Scharlach bei Säuglingen:
Bei Babys unter einem Jahr ist Scharlach selten, da sie oft noch durch mütterliche Antikörper geschützt sind. Wenn sie dennoch erkranken, kann der Verlauf untypisch sein, und die Diagnose ist schwieriger zu stellen.

Symptom Zeitpunkt Charakteristik Dauer
Fieber Tag 1 Plötzlich, 39-40°C, mit Schüttelfrost 3-5 Tage (unbehandelt)
Halsschmerzen Tag 1 Stark, schmerzhaftes Schlucken, geröteter Rachen 5-7 Tage
Hautausschlag Tag 2-4 Feinfleckig, rau, beginnt an Achseln/Leisten 3-5 Tage, dann Abschuppung
Erdbeerzunge Tag 2-3 Weiß belegt mit roten Punkten 2-3 Tage
Himbeerzunge Tag 4-5 Tiefrot, glänzend, sichtbare Papillen Mehrere Tage
Hautschuppung Ab Tag 7-10 Besonders an Händen und Füßen Bis zu mehrere Wochen

🩺 Wann sollte ich mit meinem Kind zum Arzt?

Bei Verdacht auf Scharlach solltest du immer zeitnah einen Arzt aufsuchen. Scharlach ist keine harmlose Erkrankung, die von selbst ausheilt – unbehandelt kann sie zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Gleichzeitig ist eine schnelle Diagnose wichtig, um die Ansteckungsgefahr für andere Kinder zu minimieren.

Alarmsignale: Wann ist es dringend?

In folgenden Situationen solltest du nicht zögern und umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen:

  • Sehr hohes Fieber: Wenn das Fieber über 40°C steigt oder sich trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht senken lässt
  • Starke Schluckbeschwerden: Wenn dein Kind aufgrund der Halsschmerzen nichts mehr trinken kann und Anzeichen von Austrocknung zeigt (trockene Lippen, wenig Urin, Teilnahmslosigkeit)
  • Atembeschwerden: Wenn die Mandeln so stark geschwollen sind, dass dein Kind Schwierigkeiten beim Atmen hat
  • Starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit: Dies könnte auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) als Komplikation hindeuten
  • Bewusstseinsstörungen: Wenn dein Kind sehr schläfrig ist, nicht richtig ansprechbar oder verwirrt wirkt
  • Starke Bauchschmerzen: Besonders wenn sie mit Erbrechen einhergehen und sehr heftig sind
  • Verschlechterung unter Antibiotika: Wenn sich der Zustand trotz Antibiotika-Behandlung nach 48 Stunden nicht bessert oder sogar verschlechtert

Wichtig: Scharlach gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Informiere die Gemeinschaftseinrichtung (Kindergarten, Schule), die dein Kind besucht, damit andere Eltern gewarnt werden können und besonders auf Symptome bei ihren Kindern achten. Dein Kind darf erst wieder in die Einrichtung, wenn es nicht mehr ansteckend ist – in der Regel 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Therapie.

Auch bei milderen Symptomen zum Arzt

Selbst wenn die Symptome nicht dramatisch erscheinen, ist ein Arztbesuch bei Verdacht auf Scharlach wichtig. Nur ein Arzt kann die Diagnose sichern und die richtige Behandlung einleiten. Ohne Antibiotika besteht das Risiko von Folgeerkrankungen, die Wochen oder sogar Monate nach der akuten Infektion auftreten können.

Geh zum Arzt, wenn dein Kind:

  • Plötzlich hohes Fieber (über 38,5°C) entwickelt
  • Über starke Halsschmerzen klagt und das Schlucken schmerzhaft ist
  • Einen auffälligen roten Ausschlag entwickelt, besonders in Kombination mit Fieber
  • Eine veränderte Zunge zeigt (weiß belegt mit roten Punkten oder tiefrot)
  • Geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten am Hals hat
  • Allgemein sehr krank wirkt und sich stark von seinem normalen Verhalten unterscheidet

Die richtige Vorbereitung für den Arztbesuch

Um dem Arzt die Diagnose zu erleichtern und die Untersuchung effizient zu gestalten, kannst du dich vorbereiten:

  • Notiere die Symptome: Wann hat das Fieber begonnen? Wann trat der Ausschlag auf? Welche weiteren Beschwerden gibt es?
  • Dokumentiere die Temperatur: Miss regelmäßig Fieber und schreibe die Werte auf
  • Informiere über Kontakte: Gab es in Kindergarten oder Schule bereits Scharlach-Fälle?
  • Medikamentenliste: Welche Medikamente hat dein Kind bereits bekommen (z.B. Fiebersaft)?
  • Frühere Erkrankungen: Hatte dein Kind schon einmal Scharlach? Gibt es Allergien, besonders gegen Antibiotika?

Rufe am besten vorher in der Praxis an und erwähne den Verdacht auf Scharlach. Viele Praxen haben spezielle Sprechzeiten für infektiöse Patienten oder bitten dich, im Auto zu warten, bis ein Untersuchungsraum frei ist. So wird verhindert, dass andere Kinder im Wartezimmer angesteckt werden.

🔬 Wie wird Scharlach diagnostiziert?

Die Diagnose von Scharlach erfolgt in mehreren Schritten. Erfahrene Kinderärzte erkennen die Erkrankung oft schon auf den ersten Blick anhand der charakteristischen Symptome. Dennoch ist eine Bestätigung durch einen Test wichtig, um sicherzugehen und andere Erkrankungen auszuschließen.

Die körperliche Untersuchung

Der Arzt wird zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen:

Inspektion des Rachens:
Mit einem Holzspatel drückt der Arzt die Zunge herunter und schaut sich den Rachen genau an. Bei Scharlach sieht er eine deutliche Rötung, geschwollene und oft eitrig belegte Mandeln und einen entzündeten Gaumen. Auch die charakteristischen Zungenveränderungen werden begutachtet.

Abtasten der Lymphknoten:
Die Lymphknoten am Hals werden abgetastet. Bei Scharlach sind sie deutlich geschwollen und können schmerzhaft sein. Das zeigt, dass das Immunsystem aktiv gegen die Infektion kämpft.

Beurteilung des Hautausschlags:
Der Arzt schaut sich den Ausschlag genau an und tastet die Haut ab. Der charakteristische sandpapierartige Ausschlag mit der typischen Verteilung und der perioralen Blässe ist sehr aussagekräftig. Auch die Hautfalten werden untersucht, da der Ausschlag dort besonders ausgeprägt ist.

Allgemeinzustand:
Der Arzt beurteilt den Gesamtzustand deines Kindes: Wie krank wirkt es? Wie ist der Kreislauf? Gibt es Anzeichen für Komplikationen?

Der Streptokokken-Schnelltest

Um die Diagnose zu sichern, wird meist ein Streptokokken-Schnelltest durchgeführt. Dieser Test ist einfach, schmerzfrei und liefert innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis:

Der Arzt nimmt mit einem Wattestäbchen einen Abstrich von den Mandeln und dem hinteren Rachenraum. Das kann einen kurzen Würgereiz auslösen, tut aber nicht weh. Das Stäbchen wird dann in eine Testlösung getaucht, und nach etwa 5 bis 10 Minuten zeigt der Test an, ob A-Streptokokken vorhanden sind.

Vorteile des Schnelltests:

  • Sofortiges Ergebnis – keine Wartezeit
  • Hohe Zuverlässigkeit (etwa 95% bei korrekter Durchführung)
  • Ermöglicht sofortigen Therapiebeginn
  • Unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen

Grenzen des Schnelltests:

  • Sehr selten falsch-negative Ergebnisse (Test negativ, obwohl Streptokokken vorhanden sind)
  • Zeigt nicht, ob die Streptokokken Toxine produzieren (also ob es wirklich Scharlach ist oder "nur" eine Streptokokken-Angina)

Die Rachenabstrich-Kultur

Wenn der Schnelltest negativ ist, aber der klinische Verdacht auf Scharlach weiterhin besteht, kann der Arzt einen Rachenabstrich zur Anzucht einer Bakterienkultur ins Labor schicken. Dabei wird der Abstrich auf einem Nährboden ausgestrichen, und die Bakterien werden über 24 bis 48 Stunden angezüchtet. Diese Methode ist noch genauer als der Schnelltest und kann auch bestimmen, gegen welche Antibiotika die Bakterien empfindlich sind (Antibiogramm).

Der Nachteil: Das Ergebnis liegt erst nach 1 bis 2 Tagen vor. Deshalb wird bei typischen Symptomen meist schon auf Verdacht mit der Antibiotika-Therapie begonnen, ohne das Kulturergebnis abzuwarten.

Blutuntersuchung

In manchen Fällen wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt, besonders wenn Komplikationen vermutet werden oder der Verlauf untypisch ist. Im Blut lassen sich Entzündungszeichen nachweisen:

  • Erhöhte Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Zeigen eine bakterielle Infektion an
  • Erhöhtes CRP (C-reaktives Protein): Ein Entzündungsmarker, der bei bakteriellen Infektionen stark ansteigt
  • Erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG): Ebenfalls ein Hinweis auf eine Entzündung
  • Anti-Streptolysin-Titer (ASL): Antikörper gegen Streptokokken-Toxine; dieser Wert steigt allerdings erst 1 bis 3 Wochen nach der Infektion an und ist daher für die Akutdiagnostik nicht geeignet, kann aber im Nachhinein eine durchgemachte Streptokokken-Infektion bestätigen

Differentialdiagnose: Was könnte es sonst sein?

Nicht jeder rote Ausschlag mit Fieber ist Scharlach. Der Arzt muss andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome verursachen können:

  • Virale Mandelentzündung: Verursacht ebenfalls Halsschmerzen und Fieber, aber der Streptokokken-Test ist negativ
  • Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose): Ähnliche Symptome, aber meist mit sehr stark geschwollenen Lymphknoten und Milzvergrößerung
  • Röteln: Roter Ausschlag, aber meist milderer Verlauf und andere Ausschlagverteilung
  • Masern: Beginnen mit Husten, Schnupfen und Bindehautentzündung, der Ausschlag sieht anders aus
  • Kawasaki-Syndrom: Seltene Erkrankung mit ähnlichen Symptomen, aber länger anhaltendem Fieber und anderen Besonderheiten
  • Allergische Reaktion: Kann ebenfalls einen Ausschlag verursachen, aber ohne Fieber und Halsschmerzen

💊 Wie wird Scharlach behandelt?

Die gute Nachricht vorweg: Scharlach lässt sich mit Antibiotika sehr gut behandeln. Die Therapie zielt darauf ab, die Bakterien zu eliminieren, die Symptome zu lindern und vor allem Komplikationen zu verhindern. Mit der richtigen Behandlung geht es deinem Kind meist schon nach wenigen Tagen deutlich besser.

Antibiotika: Das Mittel der Wahl

Da Scharlach durch Bakterien verursacht wird, sind Antibiotika die Therapie der Wahl. Sie töten die Streptokokken ab und verhindern, dass sich die Infektion weiter ausbreitet oder Folgeerkrankungen entstehen.

Penicillin – der Goldstandard:
Das Antibiotikum der ersten Wahl bei Scharlach ist Penicillin V (Phenoxymethylpenicillin). A-Streptokokken sind hochempfindlich gegen Penicillin, und es gibt – im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien – bisher keine Resistenzen. Penicillin wird als Saft oder Tabletten verabreicht, meist dreimal täglich über 10 Tage. Es ist wichtig, dass du die gesamte Behandlungsdauer einhältst, auch wenn es deinem Kind schon nach wenigen Tagen wieder gut geht. Nur so werden wirklich alle Bakterien abgetötet.

Alternative bei Penicillin-Allergie:
Wenn dein Kind allergisch auf Penicillin reagiert, gibt es Alternativen. Häufig werden dann Cephalosporine (z.B. Cefuroxim) oder Makrolid-Antibiotika (z.B. Azithromycin, Clarithromycin) eingesetzt. Auch hier ist es wichtig, die vom Arzt verordnete Therapiedauer einzuhalten.

Wirkung der Antibiotika:
Die Wirkung setzt meist sehr schnell ein. Schon nach 24 Stunden sinkt das Fieber deutlich, und dein Kind fühlt sich besser. Nach 24 bis 48 Stunden ist es auch nicht mehr ansteckend. Der Ausschlag kann allerdings noch einige Tage bestehen bleiben – das ist normal und kein Zeichen dafür, dass die Behandlung nicht wirkt.

Wichtiger Hinweis: Brich die Antibiotika-Behandlung niemals vorzeitig ab, auch wenn es deinem Kind schon nach wenigen Tagen wieder gut geht! Nur eine vollständige Behandlung über 10 Tage stellt sicher, dass alle Bakterien eliminiert werden. Andernfalls können die Bakterien überleben, und es besteht das Risiko von Rückfällen oder schwerwiegenden Spätfolgen wie rheumatischem Fieber oder Nierenentzündung.

Symptomatische Behandlung: Fieber und Schmerzen lindern

Neben den Antibiotika ist es wichtig, die Symptome zu behandeln, damit dein Kind sich wohler fühlt:

Fiebersenkende Mittel:
Bei hohem Fieber (über 39°C) oder wenn dein Kind sehr unter dem Fieber leidet, kannst du Fiebersaft geben. Geeignet sind Paracetamol oder Ibuprofen in der altersgerechten Dosierung. Beachte die Dosierungsempfehlungen auf der Packungsbeilage und halte die Mindestabstände zwischen den Gaben ein. Wichtig: Gib Kindern niemals Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) – bei viralen Infekten kann dies zu einer gefährlichen Komplikation (Reye-Syndrom) führen, und auch bei bakteriellen Infekten sollte ASS bei Kindern gemieden werden.

Schmerzlinderung bei Halsschmerzen:
Die starken Halsschmerzen machen vielen Kindern sehr zu schaffen. Hier helfen:

  • Fiebersaft mit Ibuprofen (wirkt gleichzeitig schmerzlindernd und entzündungshemmend)
  • Lutschtabletten oder Rachensprays (für ältere Kinder, Vorsicht bei Kleinkindern wegen Erstickungsgefahr)
  • Kalte Getränke oder Eis am Stiel (viele Kinder empfinden Kälte als angenehm)
  • Warme, weiche Speisen (Suppen, Pürees, Joghurt)
  • Honig (ab 1 Jahr) – wirkt beruhigend auf die Schleimhäute

Allgemeinmaßnahmen und Pflege zu Hause

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es einige Dinge, die du zu Hause tun kannst, um deinem Kind die Genesung zu erleichtern:

Bettruhe und Schonung:
Dein Kind sollte sich ausruhen und körperliche Anstrengung vermeiden. Der Körper braucht all seine Energie, um gegen die Infektion zu kämpfen. Auch wenn dein Kind sich nach Beginn der Antibiotika-Therapie schnell besser fühlt, sollte es noch einige Tage zu Hause bleiben und sich schonen.

Viel trinken:
Durch das Fieber und die erschwerte Nahrungsaufnahme besteht die Gefahr der Austrocknung. Achte darauf, dass dein Kind ausreichend trinkt – am besten Wasser, ungesüßten Tee oder verdünnte Fruchtsäfte. Wenn das Schlucken sehr schmerzhaft ist, biete häufig kleine Mengen an. Auch Eis am Stiel oder gefrorene Fruchtstücke werden oft gut akzeptiert und helfen gleichzeitig, die Halsschmerzen zu lindern.

Leichte, weiche Kost:
Viele Kinder haben bei Scharlach keinen Appetit. Zwinge dein Kind nicht zum Essen, aber biete immer wieder kleine Portionen an. Gut geeignet sind weiche, nicht zu heiße Speisen wie Suppen, Kartoffelpüree, Joghurt, Pudding oder Apfelmus. Vermeide scharfe, saure oder sehr heiße Speisen, die die entzündeten Schleimhäute zusätzlich reizen könnten.

Frische Luft im Zimmer:
Lüfte das Kinderzimmer regelmäßig, um für frische Luft zu sorgen. Achte aber darauf, dass dein Kind nicht friert. Eine angenehme Raumtemperatur (etwa 18-20°C) ist ideal.

Hautpflege:
Wenn der Ausschlag juckt, kannst du die Haut mit einer milden, parfümfreien Lotion eincremen. Achte darauf, dass dein Kind sich nicht kratzt, um Hautinfektionen zu vermeiden. Halte die Fingernägel kurz geschnitten.

Hygienemaßnahmen:
Um eine Weiterverbreitung der Infektion zu verhindern:

  • Dein Kind sollte ein eigenes Handtuch, Geschirr und Besteck benutzen
  • Wasche diese Gegenstände bei mindestens 60°C
  • Achte auf regelmäßiges Händewaschen – bei dir und deinem Kind
  • Entsorge benutzte Taschentücher sofort in einem geschlossenen Mülleimer
  • Wechsle täglich die Bettwäsche, besonders wenn dein Kind stark schwitzt

Wann sollte mein Kind wieder in Kindergarten oder Schule?

Nach dem Infektionsschutzgesetz darf dein Kind erst wieder in Gemeinschaftseinrichtungen, wenn es nicht mehr ansteckend ist. Das ist in der Regel 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Therapie der Fall. Viele Kindergärten und Schulen verlangen ein ärztliches Attest, das bestätigt, dass dein Kind wieder gesund und nicht mehr ansteckend ist.

Wichtig: Auch wenn dein Kind nicht mehr ansteckend ist, sollte es sich noch einige Tage schonen. Volle körperliche Belastung (Sport, Toben) sollte erst nach vollständiger Genesung wieder erfolgen – meist etwa eine Woche nach Therapiebeginn.

⚠️ Mögliche Komplikationen und Spätfolgen

Auch wenn Scharlach mit Antibiotika gut behandelbar ist, darf man die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Unbehandelt oder bei verzögerter Behandlung können ernsthafte Komplikationen auftreten. Das ist auch der Grund, warum eine konsequente Antibiotika-Therapie so wichtig ist.

Frühe Komplikationen während der akuten Erkrankung

Eitrige Mandelentzündung und Abszesse:
Die Streptokokken können sich im Rachenraum weiter ausbreiten und zu eitrigen Komplikationen führen. Es kann sich ein Abszess (Eiteransammlung) hinter den Mandeln (Peritonsillarabszess) oder im Rachenraum bilden. Dies äußert sich durch sehr starke, einseitige Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kieferklemme und hohes Fieber. Ein Abszess muss oft chirurgisch eröffnet und entleert werden.

Mittelohrentzündung:
Die Bakterien können über die Verbindung zwischen Rachenraum und Mittelohr (Eustachische Röhre) ins Ohr aufsteigen und eine eitrige Mittelohrentzündung verursachen. Dein Kind klagt dann über Ohrenschmerzen, und das Fieber steigt möglicherweise wieder an. Eine Mittelohrentzündung muss ebenfalls mit Antibiotika behandelt werden.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis):
Auch die Nasennebenhöhlen können von den Bakterien befallen werden. Anzeichen sind anhaltende verstopfte Nase, Kopfschmerzen, besonders beim Bücken, und eitriger Nasenausfluss.

Lymphknotenentzündung:
Die Lymphknoten am Hals können sich so stark entzünden, dass sie vereitern. Das ist schmerzhaft und erfordert manchmal eine chirurgische Behandlung.

Toxisches Schocksyndrom:
In sehr seltenen Fällen können die Streptokokken-Toxine ein toxisches Schocksyndrom auslösen – eine lebensbedrohliche Komplikation mit Kreislaufversagen, Organversagen und hoher Sterblichkeit. Anzeichen sind plötzlich auftretendes sehr hohes Fieber, niedriger Blutdruck, Verwirrtheit und ein sich schnell ausbreitender Ausschlag. Dies ist ein absoluter Notfall, der sofortige intensivmedizinische Behandlung erfordert.

Spätfolgen: Wochen nach der akuten Erkrankung

Besonders tückisch sind die möglichen Spätfolgen von Scharlach, die Wochen nach der akuten Infektion auftreten können – auch wenn die Erkrankung selbst längst überstanden scheint. Diese Komplikationen entstehen nicht durch die Bakterien selbst, sondern durch eine Fehlreaktion des Immunsystems (Autoimmunreaktion). Das Immunsystem bildet Antikörper gegen die Streptokokken, die dann fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreifen.

Rheumatisches Fieber:
Das rheumatische Fieber ist eine der gefürchtetsten Spätfolgen von Scharlach. Es tritt etwa 2 bis 3 Wochen nach der Streptokokken-Infektion auf und betrifft vor allem Kinder zwischen 5 und 15 Jahren. Die Antikörper greifen verschiedene Organe an:

  • Gelenkentzündung: Wandernde Schmerzen und Schwellungen in verschiedenen Gelenken (Knie, Knöchel, Ellenbogen, Handgelenke)
  • Herzentzündung (Karditis): Die gefährlichste Komplikation – die Herzklappen, der Herzmuskel oder die Herzinnenhaut können entzündet sein. Dies kann zu dauerhaften Herzschäden führen
  • Hautveränderungen: Ringförmige, rötliche Hautflecken oder kleine Knötchen unter der Haut
  • Chorea minor (Veitstanz): Unwillkürliche, ruckartige Bewegungen, Muskelschwäche und emotionale Labilität

Das rheumatische Fieber ist heute in Deutschland dank konsequenter Antibiotika-Behandlung von Streptokokken-Infektionen sehr selten geworden. Dennoch ist es der Hauptgrund, warum Scharlach so ernst genommen und immer mit Antibiotika behandelt werden muss.

Akute Glomerulonephritis (Nierenentzündung):
Etwa 1 bis 3 Wochen nach der Scharlach-Erkrankung kann eine Entzündung der Nierenkörperchen (Glomeruli) auftreten. Die Antikörper lagern sich in den Nieren ab und führen zu einer Entzündungsreaktion. Anzeichen sind:

  • Dunkler, bräunlicher oder rötlicher Urin (durch Blut im Urin)
  • Geschwollene Augenlider, besonders morgens
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) an Beinen und Füßen
  • Bluthochdruck
  • Verringerte Urinmenge
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Die Post-Streptokokken-Glomerulonephritis heilt meist von selbst aus, kann aber in seltenen Fällen zu chronischen Nierenschäden führen. Während der akuten Phase muss dein Kind möglicherweise im Krankenhaus überwacht werden, und es sind eine salzarme Diät und Flüssigkeitsbeschränkung notwendig.

PANDAS (Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections):
Dies ist ein umstrittenes, aber zunehmend anerkanntes Krankheitsbild, bei dem nach einer Streptokokken-Infektion plötzlich neuropsychiatrische Symptome auftreten:

  • Zwangsstörungen (Zwangsgedanken, Zwangshandlungen)
  • Tic-Störungen
  • Angststörungen
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Konzentrationsstörungen

Der Zusammenhang zwischen Streptokokken-Infektionen und diesen Symptomen ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass auch hier eine Autoimmunreaktion eine Rolle spielt. Die Behandlung ist komplex und erfordert oft eine Kombination aus Antibiotika, Immuntherapie und psychiatrischer Behandlung.

Nachsorge ist wichtig: Auch nach erfolgreicher Behandlung von Scharlach solltest du in den folgenden Wochen auf mögliche Spätfolgen achten. Wenn dein Kind etwa 2 bis 3 Wochen nach der Erkrankung erneut Fieber entwickelt, über Gelenkschmerzen klagt, dunklen Urin hat oder geschwollene Augenlider bekommt, geh sofort zum Arzt. Eine Urinuntersuchung 2 bis 3 Wochen nach Scharlach kann sinnvoll sein, um eine beginnende Nierenentzündung frühzeitig zu erkennen, auch wenn noch keine Symptome bestehen.

Warum Antibiotika diese Komplikationen verhindern

Die gute Nachricht: Durch eine rechtzeitige und konsequente Antibiotika-Behandlung lassen sich die meisten dieser Komplikationen verhindern. Die Antibiotika eliminieren die Bakterien, bevor das Immunsystem so stark reagiert, dass es zu Autoimmunreaktionen kommt. Das rheumatische Fieber tritt bei adäquater Antibiotika-Therapie praktisch nicht mehr auf.

Wichtig ist allerdings, dass die Behandlung vollständig durchgeführt wird – also über die vollen 10 Tage. Auch wenn dein Kind sich schon nach wenigen Tagen wieder wohlfühlt, müssen alle Bakterien eliminiert werden. Nur so ist das Risiko für Spätfolgen minimal.

🛡️ Kann man Scharlach vorbeugen?

Eine Impfung gegen Scharlach gibt es leider nicht, da es viele verschiedene Streptokokken-Stämme mit unterschiedlichen Toxinen gibt. Auch eine durchgemachte Scharlach-Erkrankung schützt nur vor dem spezifischen Bakterienstamm, der die Erkrankung ausgelöst hat – nicht vor anderen Stämmen. Deshalb kann dein Kind im Laufe seiner Kindheit theoretisch mehrmals an Scharlach erkranken.

Dennoch gibt es Maßnahmen, mit denen du das Ansteckungsrisiko verringern kannst:

Hygienemaßnahmen im Alltag

Regelmäßiges Händewaschen:
Das ist die wichtigste und effektivste Maßnahme zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Bringe deinem Kind bei, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen – besonders nach dem Toilettengang, vor dem Essen, nach dem Naseputzen und nach dem Kontakt mit möglicherweise kranken Personen. Richtiges Händewaschen bedeutet: mindestens 20 Sekunden mit Seife, auch zwischen den Fingern und unter den Nägeln.

Niesen und Husten in die Armbeuge:
Erkläre deinem Kind, dass es beim Husten oder Niesen nicht die Hand vor den Mund halten soll, sondern in die Armbeuge niesen oder husten soll. So werden weniger Keime über die Hände verbreitet.

Nicht aus derselben Flasche trinken:
Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen sollten Kinder lernen, nicht aus derselben Flasche zu trinken oder dasselbe Besteck zu benutzen. Das gilt besonders, wenn bekannt ist, dass Infektionskrankheiten im Umlauf sind.

Abstand zu erkrankten Personen:
Wenn in Kindergarten oder Schule Scharlach-Fälle bekannt sind, ist es sinnvoll, wenn möglich etwas Abstand zu halten. Natürlich lässt sich das bei kleinen Kindern nicht immer durchsetzen, aber zumindest solltest du darauf achten, dass dein Kind nicht aus demselben Glas trinkt oder dasselbe Spielzeug benutzt wie ein erkranktes Kind.

Stärkung des Immunsystems

Ein starkes Immunsystem kann Infektionen besser abwehren oder zumindest dafür sorgen, dass die Erkrankung milder verläuft. Folgende Maßnahmen stärken das Immunsystem deines Kindes:

  • Ausgewogene Ernährung: Viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, ausreichend Eiweiß und gesunde Fette
  • Ausreichend Schlaf: Kinder brauchen je nach Alter 10 bis 14 Stunden Schlaf pro Nacht
  • Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft: Auch bei kühlem Wetter – das härtet ab und stärkt die Abwehrkräfte
  • Stress vermeiden: Überforderung schwächt das Immunsystem
  • Nicht rauchen in der Wohnung: Passivrauchen schädigt die Schleimhäute und macht anfälliger für Infektionen

Was tun, wenn ein Geschwisterkind erkrankt?

Wenn ein Kind in der Familie an Scharlach erkrankt, ist das Ansteckungsrisiko für die Geschwister natürlich besonders hoch. Hier einige Tipps, um die Ansteckung zu minimieren:

  • Trennung, soweit möglich: Das erkrankte Kind sollte möglichst ein eigenes Zimmer haben und nicht mit den Geschwistern in einem Bett schlafen
  • Eigene Handtücher und Geschirr: Das erkrankte Kind sollte eigene Handtücher, Geschirr und Besteck benutzen
  • Häufiges Händewaschen: Alle Familienmitglieder sollten sich häufig die Hände waschen
  • Spielzeug desinfizieren: Spielzeug, das das erkrankte Kind benutzt hat, sollte gereinigt werden
  • Achtung bei Symptomen: Achte bei den Geschwistern besonders auf erste Krankheitszeichen und geh bei Verdacht sofort zum Arzt

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich eine Ansteckung innerhalb der Familie oft nicht vermeiden. Das ist nicht schlimm – wichtig ist, dass du bei den Geschwistern schnell reagierst, wenn Symptome auftreten, damit auch sie rechtzeitig behandelt werden können.

Prophylaktische Antibiotika-Gabe?

Manchmal fragen Eltern, ob Geschwisterkinder oder andere enge Kontaktpersonen vorsorglich Antibiotika bekommen sollten. In der Regel wird dies nicht empfohlen, da:

  • Nicht jeder, der mit Streptokokken in Kontakt kommt, auch erkrankt
  • Unnötige Antibiotika-Gaben Resistenzen fördern und Nebenwirkungen haben können
  • Scharlach bei rechtzeitiger Behandlung gut heilbar ist

Eine Ausnahme kann bei Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bestimmten Vorerkrankungen gemacht werden – dies entscheidet der Arzt im Einzelfall.

🔄 Scharlach mehrmals bekommen – ist das möglich

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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