Erbrechen beim Kleinkind: Was hilft & worauf du achten musst
Auf einen Blick
- Erbrechen beim Kleinkind ist meist harmlos und klingt innerhalb von 24–48 Stunden ab
- Häufigste Ursachen sind Magen-Darm-Infekte, zu hastiges Essen oder psychische Belastungen
- Gefährlich wird es bei Anzeichen von Austrocknung, blutigem Erbrochenen oder hohem Fieber
- Wichtigste Maßnahme: kleine Mengen Flüssigkeit in kurzen Abständen anbieten
Wenn dein Kleinkind plötzlich erbricht, ist das für euch beide belastend. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen steckt eine harmlose Ursache dahinter, die von selbst wieder verschwindet. Dennoch ist es wichtig zu wissen, wann du handeln solltest und wie du deinem Kind am besten hilfst.
🔍 Was passiert beim Erbrechen und warum ist es bei Kleinkindern so häufig?
Erbrechen ist ein Schutzreflex des Körpers, um Schädliches schnell wieder loszuwerden. Bei Kleinkindern zwischen einem und drei Jahren ist dieser Reflex besonders leicht auslösbar – der Magen ist noch klein, der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen arbeitet noch nicht perfekt, und das Brechzentrum im Gehirn reagiert sehr sensibel.
Deshalb können schon vergleichsweise harmlose Auslöser wie Aufregung, zu schnelles Essen oder ein voller Magen beim Herumtoben zum Erbrechen führen. Das macht Kleinkinder anfälliger als ältere Kinder oder Erwachsene.
Der Unterschied zwischen Spucken und Erbrechen
Gerade bei jüngeren Kleinkindern ist es wichtig, echtes Erbrechen von einfachem Spucken zu unterscheiden:
- Spucken: Läuft meist mühelos aus dem Mund, oft direkt nach dem Essen, kleine Mengen, das Kind wirkt unbeeindruckt
- Erbrechen: Erfolgt schwallartig mit Würgereiz, größere Mengen, das Kind wirkt angestrengt oder unwohl
🦠 Die häufigsten Ursachen für Erbrechen beim Kleinkind
Um richtig reagieren zu können, hilft es zu verstehen, was hinter dem Erbrechen stecken könnte. Die Ursachen lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
Infektionen (häufigste Ursache)
Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis) sind mit Abstand der häufigste Grund für Erbrechen bei Kleinkindern. Meist werden sie durch Viren wie Noroviren oder Rotaviren ausgelöst, seltener durch Bakterien.
Typische Begleitsymptome:
- Durchfall (oft einige Stunden nach dem Erbrechen)
- Bauchschmerzen und Krämpfe
- Leichtes bis mäßiges Fieber
- Appetitlosigkeit und Mattigkeit
Auch andere Infektionen können Erbrechen auslösen, ohne dass der Magen-Darm-Trakt direkt betroffen ist: Mittelohrentzündungen, Harnwegsinfekte, Atemwegsinfekte oder sogar eine beginnende Hirnhautentzündung können sich zunächst durch Übelkeit und Erbrechen bemerkbar machen.
Ernährungsbedingte Ursachen
- Zu hastiges oder zu viel Essen: Der kleine Magen ist überfordert
- Unverträglichkeiten: Laktose, Fruktose oder andere Nahrungsbestandteile
- Verdorbene Lebensmittel: Lebensmittelvergiftung durch Bakterientoxine
- Neue, ungewohnte Speisen: Der Magen reagiert empfindlich
Bewegung und körperliche Ursachen
Kleinkinder haben oft noch Schwierigkeiten, verschiedene Sinneseindrücke zu verarbeiten:
- Reisekrankheit: Im Auto, Bus oder Zug
- Zu wildes Toben: Besonders mit vollem Magen
- Schaukeln, Karussell: Das Gleichgewichtsorgan ist überfordert
💗 Nadines Empfehlung
Nadine Scheiner
Bei meinen beiden Kindern habe ich gelernt: Das Wichtigste in den ersten Stunden ist Ruhe bewahren und nicht zu früh wieder füttern. Ich warte mindestens eine Stunde nach dem letzten Erbrechen, bevor ich auch nur einen Schluck anbiete – und dann wirklich nur löffelweise. Ein kühler Waschlappen im Nacken und eine Schüssel in Reichweite geben beiden Seiten Sicherheit. Und ganz ehrlich: Alte Handtücher auf dem Bett verteilen hat mir schon so manche nächtliche Komplett-Bettenwechsel-Aktion erspart.
Psychische und emotionale Auslöser
Auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle – der Zusammenhang zwischen Bauch und Kopf ist bei Kleinkindern besonders eng:
- Aufregung und Stress: Vor dem Kindergarten, bei Veränderungen
- Angst: Trennungsangst, neue Situationen
- Übermüdung: Wenn das Kind völlig überdreht ist
Seltenere, aber ernstere Ursachen
In seltenen Fällen können auch ernsthafte Erkrankungen hinter dem Erbrechen stecken:
- Darmverschluss oder Invagination: Der Darm stülpt sich ein
- Blinddarmentzündung: Oft mit rechtsseitigen Bauchschmerzen
- Gehirnerschütterung: Nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf
- Vergiftungen: Medikamente, Pflanzen, Haushaltschemikalien
- Stoffwechselstörungen: Sehr selten, aber möglich
🎨 Was die Farbe und Form des Erbrochenen bedeuten kann
Ein Blick in die Schüssel ist unangenehm, kann aber wichtige Hinweise liefern. Hier eine Übersicht, was verschiedene Erscheinungsformen bedeuten können:
| Aussehen | Mögliche Bedeutung | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Klare oder weiße Flüssigkeit | Meist Speichel und Magensaft, leerer Magen | Normal, beobachten |
| Unverdaute Nahrung | Kurz nach dem Essen, Magen war zu voll | Normal, beobachten |
| Gelblich-grünlich (Galle) | Wiederholtes Erbrechen, leerer Magen; Galle aus Dünndarm kommt hoch | Bei anhaltendem Erbrechen zum Arzt |
| Dunkelgrün (gallig) | Kann auf Darmverschluss hindeuten | Zeitnah ärztlich abklären |
| Rot oder blutig | Blutung im Magen-Darm-Trakt oder verschlucktes Nasenblut | Sofort zum Arzt/Notaufnahme |
| Kaffeesatzartig (braun-schwarz) | Angedautes Blut, Magenblutung | Notfall – sofort handeln |
| Schaumig, schleimig | Viel Luft im Magen, Schleim aus Atemwegen | Normal bei Husten/Erkältung |
Wichtig: Blutiges Erbrechen (rot oder kaffeesatzartig) ist immer ein Alarmzeichen und erfordert sofortige ärztliche Abklärung. Auch intensiv grünes Erbrechen sollte nicht ignoriert werden.
🚨 Wann du mit deinem Kind zum Arzt solltest
Die meisten Fälle von Erbrechen bei Kleinkindern sind harmlos und verschwinden von selbst. Es gibt aber klare Warnsignale, bei denen du ärztliche Hilfe brauchst:
Sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme:
- Blutiges oder kaffeesatzartiges Erbrechen
- Erbrechen nach einem Sturz oder Kopfverletzung
- Sehr starke, anhaltende Bauchschmerzen
- Harter, aufgeblähter Bauch
- Teilnahmslosigkeit, Bewusstseinstrübung, nicht ansprechbar
- Krampfanfall
- Steifer Nacken in Verbindung mit hohem Fieber
- Verdacht auf Vergiftung (Medikamente, Pflanzen, Chemikalien geschluckt)
Innerhalb von 24 Stunden zum Kinderarzt:
- Erbrechen hält länger als 24 Stunden an
- Dein Kind kann keine Flüssigkeit bei sich behalten
- Anzeichen von Austrocknung (siehe unten)
- Hohes Fieber (über 39°C) oder Fieber bei Kindern unter 3 Monaten
- Starker, wässriger Durchfall zusätzlich zum Erbrechen
- Dein Kind wirkt sehr krank oder lethargisch
- Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Kein Wasserlassen seit mehr als 8 Stunden
Anzeichen von Austrocknung erkennen
moms.deBesondere Vorsicht bei Säuglingen und jungen Kleinkindern
Je jünger dein Kind ist, desto schneller kann Erbrechen gefährlich werden. Bei Kindern unter einem Jahr solltest du grundsätzlich niedrigschwelliger ärztlichen Rat einholen. Säuglinge können innerhalb weniger Stunden austrocknen.
🏥 Was der Arzt untersuchen wird
Wenn du mit deinem Kind zum Arzt gehst, wird dieser zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und dein Kind körperlich untersuchen:
Wichtige Fragen, auf die du dich vorbereiten kannst:
- Seit wann erbricht dein Kind und wie oft?
- Wie sieht das Erbrochene aus (Farbe, Konsistenz)?
- Gibt es Begleitsymptome (Fieber, Durchfall, Bauchschmerzen)?
- Hat dein Kind gestürzt oder sich den Kopf gestoßen?
- Könnte es etwas Giftiges geschluckt haben?
- Wie viel trinkt dein Kind? Wann war die letzte nasse Windel/der letzte Toilettengang?
- Was hat dein Kind in den letzten 24 Stunden gegessen?
- Gibt es kranke Kontaktpersonen (Kindergarten, Familie)?
Körperliche Untersuchung
Der Arzt wird:
- Den Bauch abtasten (Schmerzen, Verhärtungen, Darmgeräusche)
- Temperatur messen
- Hals, Ohren und Rachen anschauen
- Den Hydratationsstatus prüfen (Hautturgor, Schleimhäute, Fontanelle)
- Allgemeinzustand und Bewusstsein beurteilen
Weiterführende Diagnostik
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen nötig sein:
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte, Elektrolyte, Organfunktion
- Urinuntersuchung: Bei Verdacht auf Harnwegsinfektion
- Ultraschall: Darstellung der Bauchorgane, Ausschluss Invagination
- Stuhluntersuchung: Bei anhaltendem Durchfall, Nachweis von Erregern
- Röntgen/CT: Nur bei Verdacht auf ernste Ursachen
💊 Behandlung: Was hilft deinem Kind jetzt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei den häufigen, harmlosen Magen-Darm-Infekten steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund:
Die ersten Stunden: Magen beruhigen
Nahrungspause: In den ersten 1–2 Stunden nach dem letzten Erbrechen sollte dein Kind nichts essen und möglichst auch nichts trinken. Der Magen braucht Ruhe.
Dann: Langsamer Flüssigkeitsaufbau
Dies ist die wichtigste Maßnahme! So gehst du vor:
- Beginne mit 1 Teelöffel Flüssigkeit alle 5–10 Minuten
- Wenn das 30 Minuten gut geht: Steigere auf 1 Esslöffel alle 10 Minuten
- Wenn das klappt: Alle 15 Minuten einige Schlucke
- Langsam weiter steigern, bis dein Kind normal trinken kann
Tipp: Biete die Flüssigkeit leicht gekühlt an – das wird oft besser vertragen als Zimmertemperatur. Ein Strohhalm oder Eiswürfel zum Lutschen können helfen, wenn dein Kind nicht trinken möchte.
Die besten Getränke bei Erbrechen
- Orale Rehydratationslösung (ORL): Aus der Apotheke, optimal zusammengesetzt (z.B. Oralpädon, Elotrans)
- Stilles Wasser: In kleinen Schlucken
- Ungesüßter Kräutertee: Kamille, Fenchel (lauwarm)
- Verdünnte Apfelschorle: Im Verhältnis 1:3 mit Wasser
Nicht geeignet:
- Unverdünnte Fruchtsäfte (zu viel Zucker, zu sauer)
- Limonaden und Cola (zu viel Zucker, Kohlensäure reizt)
- Milch (kann schwer im Magen liegen)
Kostaufbau: Wann und was darf dein Kind wieder essen?
Wenn dein Kind 4–6 Stunden nicht mehr erbrochen hat und Flüssigkeit verträgt, kannst du vorsichtig mit leichter Kost beginnen:
Erste Mahlzeiten (Tag 1–2):
- Zwieback, Salzstangen, Knäckebrot
- Geriebener Apfel (leicht gebräunt)
- Banane (zerdrückt)
- Reis- oder Haferschleim
- Gekochte Karotten
- Toast ohne Belag
Aufbaukost (Tag 2–3):
- Kartoffelbrei (ohne Milch und Butter)
- Nudeln mit etwas Öl
- Gekochtes Hühnchen (mager)
- Gemüsebrühe
Meide in den ersten Tagen:
- Fettiges, Frittiertes, stark Gewürztes
- Rohkost und Salat
- Süßigkeiten und Kuchen
- Milchprodukte (können schwer verdaulich sein)
- Kohlensäurehaltige Getränke
Medikamente: Was darf ich geben?
Ohne ärztliche Rücksprache solltest du keine Medikamente gegen Erbrechen geben. Die meisten sind für Kleinkinder nicht zugelassen oder können mehr schaden als nutzen.
Erlaubt bei Bedarf:
- Fiebersenkende Mittel: Paracetamol oder Ibuprofen (als Zäpfchen, wenn oral nicht möglich) – aber nur bei hohem Fieber über 39°C
- Probiotika: Können die Dauer eines Magen-Darm-Infekts verkürzen (nach Rücksprache)
Nicht geeignet:
- Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit) – nur auf ärztliche Verordnung
- Antibiotika – nur bei bakteriellen Infektionen und nach Diagnose
- Durchfallstopper – können schädlich sein, Erreger werden im Körper gehalten
Als Mama habe ich gelernt: Weniger ist oft mehr. Der Drang, dem Kind sofort etwas zu geben, ist riesig – aber manchmal ist Abwarten und dem Körper Zeit geben die beste Medizin. Mein Kinderarzt hat mir mal gesagt: 'Erbrechen ist die Art des Körpers, sich selbst zu helfen.' Das hat mir geholfen, nicht in Panik zu verfallen.
Pflege und Komfort
Neben der medizinischen Versorgung kannst du viel für das Wohlbefinden deines Kindes tun:
- Ruhe und Schlaf: Dein Kind braucht jetzt viel Erholung
- Seitenlage: Verhindert, dass Erbrochenes eingeatmet wird
- Kühler Waschlappen: Im Nacken oder auf der Stirn kann Übelkeit lindern
- Frische Luft: Lüfte regelmäßig, aber vermeide Zugluft
- Bequeme Kleidung: Nichts Enges am Bauch
- Nähe und Trost: Deine Anwesenheit ist jetzt besonders wichtig
- Schüssel bereithalten: Gibt beiden Seiten Sicherheit
🛡️ Erbrechen vorbeugen: Geht das überhaupt?
Magen-Darm-Infekte lassen sich nicht immer verhindern, aber du kannst das Risiko deutlich senken und andere Ursachen von Erbrechen vermeiden:
Hygiene ist das A und O
- Händewaschen: Vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Spielen draußen – mit Seife, mindestens 20 Sekunden
- Spielzeug reinigen: Regelmäßig, besonders wenn andere Kinder mitgespielt haben
- Küchenhygiene: Schneidebretter nach rohem Fleisch gründlich reinigen, Lebensmittel richtig lagern
- Bei Krankheit: Erkrankte Familienmitglieder sollten eigene Handtücher nutzen, Türklinken häufiger desinfizieren
Ernährungsgewohnheiten
- Ermutige dein Kind, langsam zu essen und gut zu kauen
- Vermeide zu große Portionen – lieber kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt
- Keine wilden Spiele direkt nach dem Essen
- Achte auf Unverträglichkeiten und meide entsprechende Lebensmittel
- Abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung stärkt das Immunsystem
Reisekrankheit vorbeugen
Wenn dein Kind zu Reiseübelkeit neigt:
- Leichte Mahlzeit vor der Fahrt, nicht mit vollem oder leerem Magen reisen
- Platz in Fahrtrichtung, Blick nach vorne oder aus dem Fenster
- Frische Luft (Fenster einen Spalt öffnen)
- Ablenkung durch Hörspiele statt Bücher oder Tablet
- Regelmäßige Pausen bei längeren Fahrten
- Ingwer (als Bonbon oder Keks) kann helfen – frage deinen Kinderarzt
- Akupressur-Armbänder (umstritten, aber manche Eltern schwören darauf)
Impfungen
Die Rotavirus-Impfung kann schwere Durchfall- und Brechdurchfall-Erkrankungen verhindern. Sie wird für Säuglinge empfohlen und muss früh erfolgen (erste Dosis bis zur 12. Lebenswoche). Sprich mit deinem Kinderarzt, ob eine Nachholimpfung noch möglich ist.
Stress reduzieren
Da auch psychische Faktoren Erbrechen auslösen können:
- Achte auf ausreichend Schlaf und feste Routinen
- Bereite dein Kind behutsam auf Veränderungen vor (Kindergarten, Geschwisterchen)
- Nimm Ängste ernst und sprich darüber
- Vermeide Überforderung und zu viele Termine
🔄 Besondere Formen von Erbrechen
Zyklisches Erbrechen (CVS – Cyclical Vomiting Syndrome)
Einige Kinder leiden unter wiederkehrenden Erbrechen-Attacken ohne erkennbare Ursache. Typisch sind:
- Plötzlich einsetzende, heftige Erbrechen-Episoden
- Dauer: Stunden bis Tage
- Dazwischen völlig beschwerdefreie Phasen
- Oft zur gleichen Tageszeit oder in ähnlichen Situationen
Die Ursache ist nicht vollständig geklärt, vermutet wird eine Störung im Nervensystem oder eine Vorstufe von Migräne. Wenn du solche Muster bemerkst, solltest du das unbedingt mit deinem Kinderarzt besprechen.
Azetonämisches Erbrechen (Ketoazidose)
Bei Infekten, Fieber oder längerem Fasten können Kinder einen Zustand entwickeln, bei dem Ketonkörper (Azeton) im Blut ansteigen. Das führt zu:
- Anhaltendem Erbrechen
- Charakteristischem Mundgeruch (süßlich, nach Aceton/Nagellackentferner)
- Mattigkeit
Die Behandlung besteht in der Gabe von Glukose (Traubenzucker) und Flüssigkeit, oft im Krankenhaus per Infusion.
Erbrechen nach Kopfverletzungen
Erbricht dein Kind nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf, kann das auf eine Gehirnerschütterung oder schwerere Verletzung hinweisen. Weitere Warnsignale:
- Bewusstlosigkeit (auch nur kurz)
- Verwirrtheit, ungewöhnliches Verhalten
- Starke Kopfschmerzen
- Ungleiche Pupillen
- Krampfanfall
Hier gilt: Immer ärztlich abklären lassen, auch wenn das Kind zunächst fit wirkt!
👨👩👧 Leben mit einem erbrechenden Kleinkind: Praktische Alltagstipps
Vorbereitung für den Notfall
Eine kleine "Erbrechen-Notfallausrüstung" kann dir viel Stress ersparen:
- Mehrere Schüsseln oder Eimer in Reichweite (Schlafzimmer, Wohnzimmer, Auto)
- Alte Handtücher und Bettlaken zum Unterlegen
- Wechselkleidung und -bettwäsche griffbereit
- Feuchttücher und Müllbeutel
- Orale Rehydratationslösung im Vorrat
- Fieberthermometer
- Einmalhandschuhe (für die Reinigung)
Reinigung und Desinfektion
Erbrochenes kann Krankheitserreger enthalten, die hochansteckend sind:
- Trage Einmalhandschuhe
- Entferne grobe Reste mit Küchenpapier
- Wasche Textilien bei mindestens 60°C
- Desinfiziere harte Oberflächen mit geeignetem Mittel (viruzid)
- Lüfte gründlich
- Wasche dir danach gründlich die Hände
Geschwisterkinder schützen
Magen-Darm-Infekte sind hochansteckend. Um Geschwister zu schützen:
- Getrennte Handtücher und Waschlappen
- Häufiges Händewaschen für alle
- Wenn möglich: erkranktes Kind in separatem Zimmer
- Spielzeug, das in den Mund genommen wurde, reinigen
- Toilette nach jeder Benutzung desinfizieren
Wann darf mein Kind wieder in den Kindergarten?
Nach einem Magen-Darm-Infekt gilt meist:
- Mindestens 48 Stunden symptomfrei (kein Erbrechen, kein Durchfall)
- Bei manchen Erregern (z.B. Norovirus) kann eine ärztliche Bescheinigung nötig sein
- Informiere die Einrichtung über die Erkrankung
| Situation | Kindergarten-Verbot? | Dauer |
|---|---|---|
| Einfaches Erbrechen (1-2x, dann fit) | Nein, wenn Kind sich wohl fühlt | – |
| Magen-Darm-Infekt | Ja | Bis 48h symptomfrei |
| Norovirus (nachgewiesen) | Ja | Bis 48h symptomfrei + ggf. ärztl. Attest |
| Lebensmittelvergiftung | Ja | Bis symptomfrei |
| Reisekrankheit | Nein | – |
Selbstfürsorge nicht vergessen
Ein erbrechendes Kind zu versorgen ist anstrengend und oft rund um die Uhr nötig. Achte auch auf dich:
- Wechsle dich mit dem Partner ab, wenn möglich
- Schlafe, wenn dein Kind schläft
- Iss und trink selbst ausreichend
- Wasche dir häufig die Hände, um dich selbst zu schützen
- Hole dir Hilfe (Großeltern, Freunde), wenn du an deine Grenzen kommst
❓ Häufige Fragen
Wie lange dauert Erbrechen bei einem Magen-Darm-Infekt?
Bei den meisten viralen Magen-Darm-Infekten hört das Erbrechen nach 12–24 Stunden auf, manchmal auch schon früher. Der Durchfall kann dann noch 2–7 Tage anhalten. Dauert das Erbrechen länger als 24 Stunden, solltest du ärztlichen Rat einholen. Norovirus-Infekte können intensiver sein, klingen aber meist nach 1–2 Tagen ab.
Darf mein Kind schlafen, wenn es erbrochen hat?
Ja, Schlaf ist sogar wichtig für die Erholung. Lege dein Kind in Seitenlage, damit es nicht am Erbrochenen ersticken kann, falls es im Schlaf nochmal erbricht. Kontrolliere es regelmäßig. Nach einer Kopfverletzung solltest du es in den ersten Stunden häufiger wecken, um sicherzugehen, dass es ansprechbar ist – sprich das aber mit dem Arzt ab.
Mein Kind will nichts trinken – was kann ich tun?
Das ist eine häufige Herausforderung. Versuche: eisgekühlte Getränke, Eiswürfel oder Wassereis zum Lutschen, Trinkhalme (oft attraktiver), aus dem Lieblingsglas trinken lassen, spielerisch anbieten ("Wer kann einen Löffel Wasser trinken?"). Wenn dein Kind über mehrere Stunden gar nichts trinkt und Zeichen von Austrocknung zeigt, musst du zum Arzt – dort kann Flüssigkeit per Infusion gegeben werden.
Ist Erbrechen ohne Durchfall auch ein Magen-Darm-Infekt?
Ja, das ist möglich. Manche Magen-Darm-Infekte beginnen nur mit Erbrechen, der Durchfall kommt erst später oder bleibt ganz aus. Auch andere Infekte (Mittelohrentzündung, Harnwegsinfekt) können isoliertes Erbrechen verursachen. Entscheidend ist der Gesamtzustand deines Kindes und ob weitere Symptome hinzukommen.
Kann Zahnen Erbrechen auslösen?
Das ist umstritten. Zahnen kann zu erhöhtem Speichelfluss, leicht erhöhter Temperatur und Unruhe führen. Manche Kinder verschlucken viel Speichel, was den Magen reizen kann. Echtes, wiederholtes Erbrechen ist aber kein typisches Zahnsymptom. Wenn dein zahnendes Kleinkind erbricht, solltest du andere Ursachen in Betracht ziehen und bei Unsicherheit den Kinderarzt fragen.
Ab wann ist Erbrechen bei Kleinkindern gefährlich?
Gefährlich wird es vor allem durch den Flüssigkeitsverlust (Dehydration) und bei bestimmten Ursachen. Alarmzeichen sind: blutiges Erbrechen, Erbrechen nach Kopfverletzung, Zeichen von Austrocknung, hohes Fieber, starke Bauchschmerzen, Teilnahmslosigkeit oder wenn das Kind keine Flüssigkeit bei sich behalten kann. Bei Säuglingen unter 6 Monaten solltest du grundsätzlich schneller ärztlichen Rat einholen.
Hilft Cola und Salzstangen wirklich bei Erbrechen?
Dieser alte Hausmittel-Tipp ist überholt und wird heute nicht mehr empfohlen. Cola enthält zu viel Zucker und Kohlensäure, was den gereizten Magen zusätzlich belasten kann. Außerdem fehlen wichtige Elektrolyte wie Kalium. Salzstangen allein liefern nur Salz, aber kein Kalium und keine Flüssigkeit. Besser sind orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke, die genau auf den Bedarf abgestimmt sind.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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