Wickeltasche selber nähen – deine individuelle Begleiterin für unterwegs
Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, habe ich Stunden damit verbracht, die perfekte Wickeltasche zu suchen. Entweder waren sie mir zu klobig, zu unpraktisch oder einfach nicht mein Stil. Irgendwann kam mir der Gedanke: Warum nähe ich mir nicht einfach selbst eine? Und genau das habe ich getan – mit einem Ergebnis, das mich bis heute begleitet und das ich mittlerweile in der dritten Version nutze. Eine Wickeltasche selber zu nähen ist gar nicht so kompliziert, wie es zunächst klingt, und du bekommst am Ende genau das, was du wirklich brauchst: eine Tasche, die zu deinem Alltag, deinem Stil und deinen Bedürfnissen passt.
In diesem Ratgeber nehme ich dich an die Hand und zeige dir Schritt für Schritt, wie du deine eigene Wickeltasche nähen kannst. Dabei teile ich meine Erfahrungen aus zwei Schwangerschaften, unzähligen Ausflügen und einigen Nähprojekten – ehrlich, praxisnah und ohne Schnickschnack. Egal, ob du Näh-Anfängerin bist oder schon öfter an der Nähmaschine gesessen hast, hier findest du alles, was du wissen musst.
Warum überhaupt eine Wickeltasche selber nähen?
Bevor wir in die Details einsteigen, lass uns kurz darüber sprechen, warum es sich lohnt, eine Wickeltasche selbst zu nähen. Klar, es gibt unzählige fertige Modelle zu kaufen – aber eine selbstgenähte Tasche hat einfach unschlagbare Vorteile.
Du bestimmst selbst, wie viele Fächer du brauchst, wo sie platziert sind und wie groß sie sein sollen. Manche Mamas brauchen viel Platz für Stoffwindeln, andere wollen ein extra Fach für den Laptop, weil sie auch unterwegs arbeiten. Beim Selber-Nähen kannst du all das berücksichtigen. Außerdem kannst du Stoffe und Farben wählen, die dir wirklich gefallen – nicht das, was gerade im Trend ist oder was der Hersteller für "mama-tauglich" hält.
Ein weiterer Punkt, der mir persönlich wichtig ist: Du weißt genau, was drin ist. Du wählst die Materialien selbst aus, kannst auf Schadstoffe achten und entscheidest, ob du waschbare, robuste Stoffe verwendest. Und ganz ehrlich? Es macht auch einfach stolz, mit einer selbstgenähten Tasche unterwegs zu sein und auf die Frage "Wo hast du die denn her?" antworten zu können: "Die habe ich selbst gemacht!"
Die richtige Vorbereitung: Was du brauchst, bevor du loslegst
Gute Vorbereitung ist die halbe Miete – das gilt beim Nähen genauso wie beim Wickeln selbst. Bevor du dich ans Nähen einer Wickeltasche machst, solltest du dir überlegen, was du wirklich brauchst und welche Ausstattung du zur Verfügung hast.
Grundausstattung für dein Nähprojekt
Du brauchst keine Profi-Ausrüstung, aber ein paar Dinge sind unverzichtbar. Eine normale Haushaltsnähmaschine reicht völlig aus – ich habe meine erste Wickeltasche mit einer geliehenen Maschine genäht. Wichtig ist, dass sie auch dickere Stoffe nähen kann und einen Geradstich sowie Zickzackstich beherrscht.
- Nähmaschine mit Universal- und eventuell Jeansnadeln (Stärke 90 oder 100)
- Schneidematte, Rollschneider und Lineal oder eine gute Stoffschere
- Stecknadeln oder Stoffklammern (bei beschichteten Stoffen besser Klammern)
- Maßband und Handmaß
- Markierstift für Stoff (wasserlöslich oder selbstlöschend)
- Bügeleisen und Bügelbrett
- Garn in passenden Farben
- Optional: Kantenlineal, Nahttrenner (wird fast immer gebraucht), Stylefix oder doppelseitiges Klebeband
Zeitplanung realistisch einschätzen
Wenn du zum ersten Mal eine Wickeltasche selber nähen möchtest, plane lieber mehr Zeit ein. Je nach Modell und deiner Näh-Erfahrung kannst du mit 4 bis 8 Stunden rechnen – verteilt auf mehrere Tage ist das völlig machbar. Ich habe damals abends genäht, wenn mein Partner die Betreuung übernommen hat. Beim zweiten Kind ging es deutlich schneller, weil ich die Abläufe schon kannte.
Materialien und Stoffe: Die Basis für eine langlebige Wickeltasche
Die Stoffwahl ist entscheidend dafür, wie praktisch und haltbar deine Wickeltasche wird. Hier lohnt es sich wirklich, nicht am falschen Ende zu sparen und auf Qualität zu achten.
Außenstoffe – robust und alltagstauglich
Für die Außenseite deiner Wickeltasche eignen sich feste, strapazierfähige Stoffe am besten. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Canvas, festem Baumwoll-Webware und beschichteten Stoffen gemacht. Canvas ist robust, lässt sich gut waschen und bekommt mit der Zeit eine schöne Patina. Beschichtete Baumwolle oder Wachstuch haben den Vorteil, dass sie wasserabweisend sind – super praktisch, wenn mal die Trinkflasche ausläuft oder es regnet.
Oxford-Gewebe oder Outdoorstoffe sind ebenfalls eine gute Wahl, besonders wenn du viel draußen unterwegs bist. Sie sind schmutzabweisend und halten einiges aus. Jeansstoff funktioniert auch, ist aber etwas schwerer zu nähen und macht die Tasche insgesamt schwerer – ein Punkt, den du bedenken solltest, wenn du die Tasche viel tragen wirst.
Innenstoffe – pflegeleicht und freundlich
Innen sollte der Stoff vor allem eines sein: leicht zu reinigen. Ich empfehle beschichtete Baumwolle oder Wachstuch, weil du damit verschüttete Milch oder andere kleine Unfälle einfach auswischen kannst. Wenn du lieber unbeschichtete Stoffe verwendest, achte darauf, dass sie waschbar sind. Baumwoll-Webware in hellen Farben oder mit fröhlichen Mustern macht die Tasche innen freundlich und du findest Dinge leichter.
Verstärkung und Stabilität
Damit deine Wickeltasche ihre Form behält und nicht in sich zusammensackt, brauchst du Verstärkung. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Volumenvlies (z.B. H630 oder H640): Gibt der Tasche Stabilität und ein bisschen Polsterung, ohne sie steif zu machen
- Decovil oder Decovil Light: Feste, bügelbare Einlage, die besonders für den Boden und die Seitenwände gut ist
- Taschenboden aus Kunststoff: Kann zusätzlich eingenäht werden für extra Stabilität
- Vlieseline H250: Für leichtere Verstärkung von Innenfächern
Ich verwende meistens eine Kombination: Volumenvlies für die gesamte Tasche und zusätzlich Decovil für den Boden. So steht die Tasche gut und ist trotzdem nicht zu steif.
Reißverschlüsse, Gurte und Zubehör
Bei den Reißverschlüssen rate ich zu Endlos-Reißverschlüssen, die du selbst auf die richtige Länge zuschneiden kannst. Für die Hauptöffnung eignet sich ein Reißverschluss mit einer Breite von mindestens 40 cm, besser 50 cm – du wirst es zu schätzen wissen, wenn du mit einer Hand in die Tasche greifen musst, während du dein Baby auf dem Arm hast.
Für die Tragegurte kannst du fertiges Gurtband kaufen (3-4 cm breit ist ideal) oder sie selbst aus Stoff nähen. Fertige Gurte sind einfacher und oft stabiler, selbstgenähte sehen individueller aus. Achte auf verstellbare Gurtverschlüsse und stabile Karabiner, wenn du die Tasche auch am Kinderwagen befestigen möchtest.
Weitere nützliche Kleinteile sind: Druckknöpfe oder Magnetverschlüsse für Außentaschen, D-Ringe zur Gurtbefestigung, eventuell Ösen für einen Schlüsselanhänger und Einfassband für saubere Kanten.
Schnittmuster finden oder selbst erstellen
Jetzt wird es konkret: Du brauchst ein Schnittmuster. Hier hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten – ein fertiges Schnittmuster nutzen oder selbst eines erstellen.
Fertige Schnittmuster nutzen
Für Näh-Einsteigerinnen sind fertige Schnittmuster ideal. Es gibt viele kostenlose und kostenpflichtige Schnitte speziell für Wickeltaschen, die unterschiedlich komplex sind. Achte darauf, dass das Schnittmuster eine ausführliche Anleitung enthält und zu deinem Näh-Level passt.
Kostenlose Schnittmuster findest du auf vielen Nähblogs und in Näh-Communities. Kostenpflichtige Schnitte haben oft den Vorteil, dass sie besser ausgearbeitet sind, mit Fotos illustriert werden und manchmal sogar Video-Anleitungen dabei sind. Preislich liegen sie meist zwischen 5 und 15 Euro – eine Investition, die sich lohnt, wenn du dir unsicher bist.
Eigenes Schnittmuster entwickeln
Wenn du schon etwas Näh-Erfahrung hast oder sehr spezielle Vorstellungen, kannst du dir auch selbst ein Schnittmuster erstellen. Das klingt komplizierter als es ist. Ich habe für meine zweite Wickeltasche ein bestehendes Schnittmuster als Basis genommen und dann angepasst – mehr Innenfächer hier, ein zusätzliches Reißverschlussfach da.
Für ein einfaches Grundmodell brauchst du eigentlich nur Rechtecke: eines für Vorder- und Rückseite, eines für den Boden, zwei für die Seiten und verschiedene für die Innenfächer. Zeichne dir am besten erst eine Skizze, überlege, wie groß die Tasche werden soll (ich empfehle etwa 35-40 cm breit, 25-30 cm hoch und 15-20 cm tief), und übertrage die Maße dann auf Papier oder direkt auf Stoff.
Was macht ein gutes Wickeltaschen-Design aus?
Aus meiner Erfahrung sind folgende Elemente wichtig für eine wirklich praktische Wickeltasche:
- Mindestens ein großes Hauptfach für Windeln, Wechselkleidung und Co.
- Separate Fächer für Feuchttücher (idealerweise von außen erreichbar)
- Ein isoliertes Fach für Fläschchen oder Snacks (kann auch nachträglich mit Isolierstoff ausgekleidet werden)
- Kleine Fächer für Schnuller, Schlüssel, Handy
- Mindestens eine Außentasche für schnellen Zugriff
- Wickelunterlage, die in die Tasche passt oder integriert ist
- Verschließbare Nasstasche für schmutzige Kleidung
Nicht alle diese Elemente müssen zwingend dabei sein – überlege dir, was du wirklich brauchst. Ich habe beim ersten Kind viel zu viele Fächer eingeplant und dann doch nur die Hälfte genutzt.
Schritt für Schritt: So nähst du deine Wickeltasche
Jetzt geht es ans Eingemachte. Ich führe dich durch den grundsätzlichen Ablauf – die genauen Schritte hängen natürlich von deinem gewählten Schnittmuster ab, aber die Grundprinzipien sind überall ähnlich.
Zuschneiden und vorbereiten
Wasche deine Stoffe vor dem Zuschneiden, besonders bei Baumwolle. Sie können noch einlaufen und das wäre ärgerlich, wenn die fertige Tasche beim ersten Waschen schrumpft. Bügle die Stoffe glatt – das erleichtert das Zuschneiden enorm.
Schneide alle Teile laut Schnittmuster zu und beschrifte sie am besten mit einem Stück Malerkrepp, damit du nicht durcheinanderkommst. Vergiss die Nahtzugabe nicht, falls sie nicht im Schnittmuster enthalten ist – üblicherweise rechnet man 0,7 bis 1 cm dazu.
Bügle die Verstärkungen auf die entsprechenden Stoffteile. Bei Volumenvlies bügelst du es auf die linke Seite des Außenstoffs, bei Decovil beachte die Herstellerangaben zur Bügeltemperatur.
Innenfächer und Details nähen
Beginne mit den Innenfächern – das ist einfacher, als sie später einzusetzen. Nähe die Fächer auf den Innenstoff, bevor du die Tasche zusammensetzt. Dabei gehst du so vor:
- Schneide die Fächer zu (mit Nahtzugabe)
- Versäubere die oberen Kanten mit Zickzackstich oder falte sie um und steppe sie ab
- Positioniere die Fächer auf dem Innenstoff und stecke sie fest
- Nähe die Fächer an drei Seiten fest (unten und an beiden Seiten)
- Wenn du mehrere Unterteilungen möchtest, nähe zusätzliche vertikale Nähte
Hier ein Tipp aus der Praxis: Miss vorher aus, was in die Fächer soll. Ich habe beim ersten Versuch das Feuchttücher-Fach zu schmal gemacht und musste es auftrennen und neu nähen. Nimm eine Feuchttücherpackung, eine Trinkflasche oder was auch immer hinein soll und miss die Breite ab – plus ein bisschen Spielraum.
Außentaschen anbringen
Außentaschen sind super praktisch für Dinge, die du schnell griffbereit haben möchtest. Eine einfache aufgesetzte Tasche nähst du so:
- Schneide die Tasche zu (Breite nach Wunsch, Höhe etwa 15-20 cm plus Nahtzugabe)
- Versäubere die obere Kante und schlage sie zweimal um, steppe sie ab
- Versäubere die anderen drei Seiten
- Positioniere die Tasche auf dem Außenstoff und stecke sie fest
- Nähe sie knappkantig an drei Seiten fest, dabei die Ecken für Stabilität verriegeln
Wenn du einen Reißverschluss in die Außentasche einsetzen möchtest, wird es etwas aufwendiger, aber auch sicherer gegen Taschendiebe. Dafür nähst du die Tasche aus zwei Teilen, setzt den Reißverschluss dazwischen ein und nähst dann die fertige Tasche auf den Außenstoff.
Reißverschluss einnähen
Der Reißverschluss ist für viele die größte Hürde, aber mit Ruhe und dem richtigen Reißverschlussfüßchen ist das machbar. Für einen Reißverschluss in der Hauptöffnung gehst du so vor:
- Positioniere den Reißverschluss rechts auf rechts auf die obere Kante des Außenstoffs
- Lege den Innenstoff ebenfalls rechts auf rechts darüber
- Stecke alles gut fest oder fixiere es mit Stylefix
- Nähe mit dem Reißverschlussfüßchen knapp neben den Zähnchen entlang
- Wiederhole das auf der anderen Seite
- Wende alles und steppe die Kanten knappkantig ab
Achte darauf, dass der Reißverschluss beim Zusammennähen der Tasche geöffnet ist – sonst kommst du später nicht mehr rein zum Wenden!
Tasche zusammensetzen
Jetzt kommt alles zusammen. Bei den meisten Wickeltaschen nähst du zuerst den Außenstoff zusammen (Vorder- und Rückseite mit Boden und Seiten), dann den Innenstoff genauso. Dabei lässt du im Innenstoff eine Wendeöffnung von etwa 15-20 cm.
Lege Außen- und Innentasche rechts auf rechts ineinander, nähe die oberen Kanten zusammen (soweit nicht schon durch den Reißverschluss geschehen) und wende dann alles durch die Wendeöffnung. Das ist der magische Moment, in dem aus den Stoffteilen plötzlich eine richtige Tasche wird!
Gurte befestigen und letzte Details
Die Gurte kannst du entweder zwischen Außen- und Innenstoff einnähen (stabiler, aber aufwendiger) oder nachträglich fest aufnähen. Ich bevorzuge die zweite Variante, weil ich so die Position nochmal testen kann.
Nähe die Gurte an den gewünschten Stellen fest, dabei mehrmals vor und zurück nähen für maximale Stabilität – die Gurte müssen schließlich das Gewicht der vollen Tasche tragen. Ein kleines Rechteck mit Kreuz in der Mitte ist eine bewährte Nähtechnik für besonders feste Verbindungen.
Schließe die Wendeöffnung entweder von Hand mit dem Matratzenstich oder knappkantig mit der Maschine. Bügel die Tasche nochmal ordentlich und steppe eventuell die obere Kante noch einmal rundherum ab – das sieht professionell aus und gibt zusätzliche Stabilität.
Praktische Extras und Anpassungen
Eine Wickeltasche selber zu nähen hat den großen Vorteil, dass du sie genau an deine Bedürfnisse anpassen kannst. Hier ein paar Ideen für Extras, die den Alltag wirklich erleichtern.
Integrierte Wickelunterlage
Statt eine separate Wickelunterlage mitzunehmen, kannst du eine direkt in die Tasche integrieren. Entweder nähst du sie in ein eigenes Fach ein oder befestigst sie mit Druckknöpfen oder Klettverschluss an der Innenseite des Deckels. Ich habe meine Wickelunterlage aus abwischbarem Wachstuch genäht, mit einer dünnen Schicht Volumenvlies dazwischen für etwas Polsterung. Sie lässt sich zusammenfalten und passt perfekt in ein Seitenfach.
Nassfach für schmutzige Wäsche
Ein separates Fach aus wasserdichtem Stoff ist Gold wert, wenn die Windel ausgelaufen ist oder die Kleidung vollgespuckt wurde. Du kannst ein zusätzliches Fach mit Reißverschluss einbauen oder einfach einen kleinen Wetbag nähen, der in die Tasche kommt. Ich habe beides ausprobiert und finde den herausnehmbaren Wetbag praktischer, weil ich ihn separat waschen kann.
Isoliertes Flaschenfach
Wenn du Fläschchen warm oder kalt halten möchtest, kannst du ein Fach mit Isolierstoff auskleiden. Den bekommst du im Nähgeschäft oder online. Alternativ funktioniert auch Alufolie zwischen zwei Stofflagen – nicht ganz so effektiv, aber besser als nichts.
Kinderwagen-Befestigung
Mit Karabinerhaken und D-Ringen kannst du deine Wickeltasche am Kinderwagen befestigen. Nähe dafür einfach zwei D-Ringe an den Seiten der Tasche fest und verwende Karabiner, um sie am Schieber zu befestigen. Das ist super praktisch, weil du die Tasche nicht ständig tragen musst und trotzdem alles griffbereit hast.
Schlüsselfinder
Ein kleiner Karabiner oder ein Band mit Druckknopf innen an der Tasche befestigt, an dem du deinen Schlüssel einhängen kannst – klingt banal, aber wie oft habe ich in der vollen Tasche nach meinem Schlüssel gekramt! Dieser kleine Zusatz hat mir so viel Nerven gespart.
Typische Fehler vermeiden – Learnings aus der Praxis
Bei meiner ersten selbstgenähten Wickeltasche habe ich so ziemlich jeden Anfängerfehler gemacht, den man machen kann. Damit dir das nicht passiert, hier meine wichtigsten Learnings.
Die Tasche zu klein planen
Meine erste Tasche war viel zu klein. Ich dachte, ich brauche nicht viel Platz – falsch gedacht! Gerade am Anfang habe ich für jeden kleinen Ausflug gefühlt den halben Hausstand eingepackt. Plane lieber etwas großzügiger, du musst die Tasche ja nicht immer voll machen. Eine gute Größe für eine Wickeltasche liegt bei etwa 35-40 cm Breite, 25-30 cm Höhe und 15-20 cm Tiefe.
Zu dünne Stoffe verwenden
Eine Wickeltasche muss einiges aushalten. Zu dünne Stoffe leiern aus, reißen schneller und die Tasche sieht schnell schäbig aus. Investiere in ordentliche Qualität – du wirst die Tasche vermutlich mehrere Jahre nutzen.
Verstärkung vergessen oder falsch anbringen
Ohne ausreichende Verstärkung sackt die Tasche zusammen und sieht aus wie ein Kartoffelsack. Ich habe beim ersten Mal nur den Boden verstärkt – großer Fehler. Die Tasche hatte keine Form und ist ständig umgekippt. Verstärke mindestens Boden, Seiten und die Hauptflächen.
Zu viele oder zu wenige Fächer
Die Balance zu finden ist schwierig. Zu viele kleine Fächer machen die Tasche unübersichtlich, zu wenige führen zu Chaos. Mein Tipp: Überlege dir vorher genau, was du regelmäßig dabei hast und plane entsprechend. Lieber wenige, aber durchdachte Fächer als viele, die du dann doch nicht nutzt.
Nicht an die Reinigung denken
Eine Wickeltasche wird schmutzig, das ist unvermeidlich. Plane von Anfang an, dass du sie waschen können musst. Beschichtete Stoffe lassen sich abwischen, unbeschichtete sollten waschbar sein. Achte auch darauf, dass Metallteile rostfrei sind, wenn du die Tasche waschen möchtest.
Pflege und Haltbarkeit deiner selbstgenähten Wickeltasche
Damit du lange Freude an deiner selbstgenähten Wickeltasche hast, ist die richtige Pflege wichtig. Bei beschichteten Außenstoffen reicht es meist, sie mit einem feuchten Tuch abzuwischen. Hartnäckige Flecken gehen oft mit etwas Spülmittel und einer weichen Bürste raus.
Wenn deine Tasche komplett aus waschbaren Stoffen besteht, kannst du sie in der Waschmaschine waschen – ich empfehle 30 Grad im Schonwaschgang. Vorher alle Fächer leeren und Reißverschlüsse schließen. Lufttrocknen ist besser als der Trockner, das schont die Nähte und Verstärkungen.
Kontrolliere regelmäßig die Nähte, besonders an den Gurten und stark beanspruchten Stellen. Kleine Schäden kannst du schnell mit ein paar Stichen reparieren, bevor sie größer werden. Ich habe mir angewöhnt, meine Wickeltasche alle paar Monate einmal komplett auszuräumen, zu reinigen und zu checken – dabei finde ich auch immer wieder Dinge, die ich schon ewig gesucht habe!
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, eine Wickeltasche selber zu nähen?
Das hängt stark von deiner Näh-Erfahrung und dem gewählten Schnittmuster ab. Als Anfängerin solltest du mit 6 bis 8 Stunden rechnen, verteilt auf mehrere Tage. Mit etwas Übung schaffst du es auch in 3 bis 4 Stunden. Plane lieber mehr Zeit ein und lass dich nicht stressen – das Ergebnis wird besser, wenn du entspannt arbeitest.
Welcher Stoff ist am besten für Näh-Anfängerinnen geeignet?
Für den Einstieg empfehle ich festen Canvas oder Jeans-Stoff für außen und beschichtete Baumwolle für innen. Diese Stoffe sind robust, verzeihen kleine Fehler und lassen sich gut verarbeiten. Beschichtete Stoffe solltest du mit Stoffklammern statt Stecknadeln fixieren, weil die Nadellöcher sichtbar bleiben würden.
Kann ich auch ohne Schnittmuster eine Wickeltasche nähen?
Ja, das geht durchaus, besonders wenn du schon etwas Näh-Erfahrung hast. Eine einfache rechteckige Tasche kannst du mit Grundmaßen selbst konstruieren. Für komplexere Formen mit vielen Details würde ich aber gerade am Anfang ein Schnittmuster empfehlen – das spart Frust und Material.
Wie viel Stoff brauche ich für eine Wickeltasche?
Für eine durchschnittliche Wickeltasche brauchst du etwa 1 bis 1,5 Meter Außenstoff und die gleiche Menge Innenstoff bei einer Stoffbreite von 140 cm. Dazu kommt Vlies zur Verstärkung, Gurtband und Kleinteile. Kaufe lieber etwas mehr, besonders wenn du dir unsicher bist – übrig gebliebener Stoff lässt sich immer noch für Kleinigkeiten verwenden.
Muss ich eine spezielle Nähmaschine haben?
Nein, eine normale Haushaltsnähmaschine reicht völlig aus. Wichtig ist, dass sie mehrere Lagen Stoff nähen kann und du eine stärkere Nadel (90er oder 100er) verwendest. Ein Reißverschlussfüßchen ist hilfreich, gehört aber bei den meisten Maschinen zur Grundausstattung. Eine Overlock-Maschine ist praktisch zum Versäubern, aber nicht zwingend notwendig.
Kann ich die Wickeltasche später auch anders nutzen?
Absolut! Das ist einer der großen Vorteile einer gut durchdachten, selbstgenähten Wickeltasche. Wenn die Wickelzeit vorbei ist, funktioniert sie wunderbar als Sporttasche, Strandtasche, Reisetasche oder einfach als große Handtasche. Ich nutze meine erste Wickeltasche heute noch für Tagesausflüge – sie ist einfach super praktisch und hat viel sentimentalen Wert.
Fazit
Eine Wickeltasche selber zu nähen ist ein wunderbares Projekt, das nicht nur praktisch ist, sondern auch richtig Spaß macht. Du bekommst am Ende genau die Tasche, die zu dir und deinem Baby-Alltag passt – mit den richtigen Fächern, in deinem Lieblingsstoff und in der perfekten Größe. Ja, es kostet etwas Zeit und Geduld, besonders wenn du zum ersten Mal ein größeres Nähprojekt angehst. Aber glaub mir: Das Gefühl, mit deiner selbstgenähten Tasche unterwegs zu sein und zu wissen, dass du das selbst gemacht hast, ist unbezahlbar. Und ganz praktisch gesehen: Eine gut genähte Wickeltasche hält Jahre, kann später umfunktioniert werden und ist ein echtes Unikat. Also trau dich, schnapp dir Stoff und Nähmaschine – und viel Freude beim Nähen und später beim Nutzen deiner ganz persönlichen Wickeltasche!
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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