FSME-Impfung beim Baby: Ab wann & für wen sinnvoll
Auf einen Blick
- Die FSME-Impfung ist ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen und schützt vor der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis
- Für Babys in FSME-Risikogebieten, die viel Zeit in der Natur verbringen, wird die Impfung ab 12 Monaten empfohlen
- Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfdosen, danach sind regelmäßige Auffrischungen nötig
- Nebenwirkungen sind meist mild – typisch sind Rötung an der Einstichstelle und leichtes Fieber
Kaum werden die Tage wärmer, zieht es uns mit unseren Kleinen nach draußen – in den Park, den Wald oder auf die Wiese. Doch mit der schönen Jahreszeit beginnt auch die Zeckensaison, und damit stellt sich für viele Eltern die Frage: Braucht mein Baby schon eine FSME-Impfung? In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Zeitpunkt, Sinnhaftigkeit und Ablauf der FSME-Impfung bei den Allerkleinsten.
🦠 Was ist FSME und warum ist sie gefährlich?
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis – eine Viruserkrankung, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Das FSME-Virus greift das zentrale Nervensystem an und kann zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), der Hirnhäute (Meningitis) oder des Rückenmarks führen.
Anders als bei Borreliose, die durch Bakterien verursacht wird und mit Antibiotika behandelt werden kann, gibt es gegen FSME keine ursächliche Therapie. Ist die Erkrankung erst einmal ausgebrochen, können Ärzte nur die Symptome lindern. Genau deshalb ist die vorbeugende Impfung so wichtig.
Wie verläuft eine FSME-Erkrankung?
Eine FSME-Infektion verläuft typischerweise in zwei Phasen:
- Phase 1 (grippeähnliche Symptome): Nach 7-14 Tagen treten Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gliederschmerzen auf – ähnlich wie bei einer Grippe. Diese Phase dauert etwa eine Woche.
- Phase 2 (neurologische Symptome): Bei etwa 10% der Erkrankten – vor allem bei Erwachsenen – kommt es nach einer kurzen beschwerdefreien Zeit zu einer zweiten Krankheitsphase mit Entzündung des Nervensystems. Symptome können hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lähmungen, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle sein.
Wichtig: Bei Kindern unter 6 Jahren verläuft FSME meist milder als bei Erwachsenen, kann aber dennoch zu schweren Komplikationen führen. Etwa 1-2% aller FSME-Fälle bei Kindern verlaufen mit bleibenden neurologischen Schäden.
🗺️ FSME-Risikogebiete in Deutschland und Europa
Nicht überall in Deutschland besteht das gleiche FSME-Risiko. Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert Risikogebiete anhand der Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen. Diese Einteilung wird jährlich aktualisiert und ist entscheidend für die Impfempfehlung.
Wo ist das FSME-Risiko in Deutschland am höchsten?
Die Hauptrisikogebiete in Deutschland liegen in:
- Bayern: Nahezu alle Landkreise gelten als Risikogebiet
- Baden-Württemberg: Fast flächendeckend Risikogebiet
- Südhessen: Mehrere Landkreise betroffen
- Südöstliches Thüringen: Einzelne Kreise
- Sachsen: Vor allem der Vogtlandkreis und Gebiete an der tschechischen Grenze
- Rheinland-Pfalz: Einzelne Kreise im Süden
- Saarland: Vereinzelte Gebiete
Auch in Norddeutschland gibt es mittlerweile vereinzelt FSME-Fälle, allerdings deutlich seltener als im Süden. Die genaue Karte der Risikogebiete findest du auf der Website des Robert Koch-Instituts, die jährlich im Frühjahr aktualisiert wird.
FSME-Impfung für Babys – Die wichtigsten Fakten
moms.de💉 Ab wann ist die FSME-Impfung beim Baby möglich?
Die FSME-Impfung ist in Deutschland ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Das bedeutet: Dein Baby kann die erste Impfdosis ab seinem ersten Geburtstag erhalten. In Österreich ist die Impfung bereits ab dem 6. Lebensmonat zugelassen, in Deutschland jedoch erst später.
Warum erst ab 12 Monaten?
Der Grund für diese Altersgrenze liegt in den Studiendaten: Die Zulassungsstudien für die in Deutschland verwendeten FSME-Impfstoffe wurden mit Kindern ab einem Jahr durchgeführt. Für jüngere Babys liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vor.
Zudem ist das Immunsystem von Säuglingen unter einem Jahr noch nicht vollständig ausgereift. Die Impfantwort könnte schwächer ausfallen, und theoretisch besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Fieber nach der Impfung.
💗 Nadines Empfehlung
Nadine Scheiner
Wir wohnen in Bayern, mitten im FSME-Risikogebiet, und haben beide Kinder ab dem ersten Geburtstag impfen lassen. Die Entscheidung fiel uns leicht, weil wir fast täglich im Garten sind und am Wochenende viel wandern. Mein Tipp: Besprich mit deinem Kinderarzt, wie hoch das Risiko in eurer Region wirklich ist und wie viel Zeit ihr draußen verbringt. Nicht jedes Baby in Deutschland braucht diese Impfung zwingend – aber in Risikogebieten gibt sie einfach ein beruhigendes Gefühl.
Gibt es Ausnahmen für Babys unter 12 Monaten?
In begründeten Einzelfällen – etwa wenn die Familie in einem Hochrisikogebiet lebt und das Baby besonders exponiert ist – können Kinderärzte nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung auch jüngere Kinder impfen. Dies geschieht dann als sogenannter "Off-Label-Use", also außerhalb der offiziellen Zulassung. Solche Entscheidungen sollten immer individuell mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.
🎯 Für wen ist die FSME-Impfung beim Baby sinnvoll?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und dabei Zecken ausgesetzt sein können. Für Babys und Kleinkinder bedeutet das konkret:
Klare Empfehlung für die Impfung besteht bei:
- Wohnort in einem FSME-Risikogebiet: Wenn ihr in Bayern, Baden-Württemberg oder anderen betroffenen Regionen lebt
- Regelmäßigem Aufenthalt in der Natur: Eigener Garten, häufige Spaziergänge im Wald, Spielplätze mit hohem Gras oder Gebüsch
- Urlaub in Risikogebieten: Auch bei Reisen nach Österreich, Süddeutschland, Tschechien oder andere europäische FSME-Gebiete
- Leben auf dem Land: Besonders in ländlichen Gebieten mit viel Vegetation und Wildtierbestand
Die Impfung ist weniger dringend bei:
- Leben in Nicht-Risikogebieten: Norddeutschland, Großstädte ohne grünes Umland
- Reinem Stadtleben: Wenn dein Baby hauptsächlich auf asphaltierten Spielplätzen und in Parks mit kurzem Rasen spielt
- Seltenem Naturkontakt: Wenn Ausflüge ins Grüne die Ausnahme sind
| Lebenssituation | FSME-Risiko | Impfempfehlung |
|---|---|---|
| Wohnen in Bayern/Baden-Württemberg, eigener Garten | Hoch | Ja, ab 12 Monaten empfohlen |
| Wohnen in Risikogebiet, Stadtwohnung ohne Garten | Mittel | Sinnvoll bei regelmäßigen Ausflügen |
| Urlaub in Österreich/Süddeutschland geplant | Mittel-Hoch | Ja, rechtzeitig vor Reise beginnen |
| Wohnen in Norddeutschland, selten in der Natur | Niedrig | In der Regel nicht notwendig |
| Wohnen in Nicht-Risikogebiet, häufige Besuche bei Großeltern im Risikogebiet | Mittel | Erwägenswert, individuelle Abwägung |
📅 Impfschema: So läuft die FSME-Impfung beim Baby ab
Die FSME-Impfung erfordert für einen vollständigen Schutz eine Grundimmunisierung mit drei Impfdosen. Danach sind regelmäßige Auffrischungen notwendig, um den Schutz aufrechtzuerhalten.
Grundimmunisierung – die drei Impfdosen
Es gibt zwei zugelassene Impfschemata, die sich leicht unterscheiden:
Standardschema (empfohlen):
- 1. Impfung: Ab dem vollendeten 1. Lebensjahr, zu einem beliebigen Zeitpunkt
- 2. Impfung: 1-3 Monate nach der ersten Impfung
- 3. Impfung: 5-12 Monate nach der zweiten Impfung (bzw. 9-12 Monate nach der ersten)
Schnellschema (bei dringendem Bedarf):
- 1. Impfung: Tag 0
- 2. Impfung: Nach 14 Tagen
- 3. Impfung: Nach 5-12 Monaten
Das Schnellschema bietet bereits nach der zweiten Dosis einen gewissen Schutz für die laufende Saison, sollte aber nur in Ausnahmefällen angewendet werden – etwa wenn kurzfristig ein Urlaub in einem Hochrisikogebiet ansteht.
Wann besteht der volle Impfschutz?
Nach der zweiten Impfung besteht bereits ein Schutz von etwa 90% für die laufende Zeckensaison. Der vollständige, langanhaltende Schutz von über 95% wird jedoch erst nach der dritten Impfung erreicht.
Auffrischungsimpfungen
Der Impfschutz hält nicht lebenslang an. Auffrischungen sind notwendig:
- Bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre: Erste Auffrischung nach 3 Jahren, danach alle 5 Jahre
- Ab 16 Jahren: Alle 5 Jahre (bei Personen über 50 Jahren alle 3 Jahre)
Gut zu wissen: Die FSME-Impfung kann das ganze Jahr über durchgeführt werden. Ideal ist jedoch ein Beginn im Winter oder zeitigen Frühjahr, damit der Schutz zur Zeckensaison (März bis Oktober) vollständig aufgebaut ist.
🩺 Welche Impfstoffe gibt es für Babys?
In Deutschland sind zwei FSME-Impfstoffe für Kinder ab einem Jahr zugelassen:
FSME-IMMUN Junior (Pfizer)
Dieser Impfstoff ist speziell für Kinder von 1 bis 16 Jahren entwickelt worden. Er enthält eine reduzierte Antigenmenge, die auf das kindliche Immunsystem abgestimmt ist. FSME-IMMUN Junior wird in den Oberarm (Deltamuskel) injiziert.
Encepur Kinder (GSK)
Auch dieser Impfstoff ist für Kinder ab 1 Jahr bis zum 12. Lebensjahr zugelassen. Er unterscheidet sich geringfügig in der Herstellung vom FSME-IMMUN, bietet aber eine vergleichbare Schutzwirkung.
Beide Impfstoffe sind gut verträglich und hocheffektiv. Dein Kinderarzt wird dir den Impfstoff empfehlen, den er in der Praxis vorrätig hat – beide sind gleichwertig.
Kombination mit anderen Impfungen
Die FSME-Impfung kann problemlos zusammen mit anderen Impfungen verabreicht werden, etwa mit der MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) oder anderen Standardimpfungen des ersten Lebensjahres. Die Impfungen werden dann in verschiedene Körperstellen (verschiedene Arme oder Oberschenkel) gegeben.
⚠️ Nebenwirkungen und Risiken der FSME-Impfung
Wie bei jeder Impfung können auch bei der FSME-Impfung Nebenwirkungen auftreten. Die gute Nachricht: Die meisten sind harmlos und klingen schnell wieder ab.
Häufige, harmlose Nebenwirkungen
Diese Reaktionen treten bei etwa 10-30% der geimpften Kinder auf:
- Lokale Reaktionen: Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Einstichstelle
- Fieber: Besonders bei Kleinkindern kann es in den ersten 1-2 Tagen nach der Impfung zu Fieber kommen (bei etwa 15-20% der Kinder unter 3 Jahren)
- Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen (selten)
Diese Reaktionen sind Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert, und klingen normalerweise innerhalb von 1-3 Tagen von selbst ab.
Seltene Nebenwirkungen
Sehr selten (bei weniger als 1 von 10.000 Impfungen) können auftreten:
- Allergische Reaktionen
- Neurologische Symptome (extrem selten und meist vorübergehend)
- Starkes Fieber über 39,5°C
Bei meiner Tochter trat nach der ersten FSME-Impfung leichtes Fieber auf – 38,2°C am Abend nach der Impfung. Wir haben ihr ein Paracetamol-Zäpfchen gegeben, viel kuscheln lassen und am nächsten Tag war alles wieder gut. Bei meinem Sohn gab es überhaupt keine Reaktion. Jedes Kind reagiert unterschiedlich, aber in den allermeisten Fällen sind die Nebenwirkungen wirklich mild und gut zu handhaben.
Wann solltest du mit deinem Baby zum Arzt?
Kontaktiere deinen Kinderarzt, wenn nach der FSME-Impfung folgende Symptome auftreten:
- Fieber über 39,5°C oder Fieber, das länger als 2 Tage anhält
- Starke Schwellung an der Einstichstelle (größer als 5 cm Durchmesser)
- Ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Teilnahmslosigkeit
- Krampfanfälle
- Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Atemnot, Schwellungen im Gesicht)
Gegenanzeigen – wann sollte nicht geimpft werden?
Die FSME-Impfung sollte verschoben oder nicht durchgeführt werden bei:
- Akuten fieberhaften Infekten (warten bis zur Genesung)
- Bekannter schwerer Allergie gegen Impfstoffbestandteile (z.B. Hühnereiweiß)
- Schweren Autoimmunerkrankungen (individuelle Abwägung nötig)
Ein leichter Schnupfen oder eine Erkältung ohne Fieber sind hingegen kein Grund, die Impfung zu verschieben.
🛡️ Wie gut schützt die FSME-Impfung wirklich?
Die FSME-Impfung gehört zu den effektivsten Impfungen überhaupt. Nach vollständiger Grundimmunisierung mit drei Impfdosen besteht ein Schutz von über 95% – das bedeutet, dass mehr als 95 von 100 geimpften Personen auch bei einem Zeckenstich mit FSME-infizierten Zecken nicht erkranken.
Wie lange hält der Schutz an?
Nach der Grundimmunisierung hält der Schutz bei Kindern etwa 3 Jahre, bevor die erste Auffrischung fällig wird. Mit regelmäßigen Auffrischungen bleibt der Schutz über viele Jahre erhalten.
Was passiert, wenn eine Auffrischung vergessen wurde?
Wenn die Auffrischungsimpfung versäumt wurde, muss die Grundimmunisierung in der Regel nicht komplett wiederholt werden. Eine einzelne Auffrischungsdosis reicht meist aus, um den Schutz wieder zu aktivieren – auch wenn die letzte Impfung schon viele Jahre zurückliegt. Sprich mit deinem Kinderarzt über das weitere Vorgehen.
Schützt die Impfung auch vor Borreliose?
Nein, das ist ein häufiges Missverständnis. Die FSME-Impfung schützt ausschließlich vor dem FSME-Virus. Gegen Borreliose, die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland, gibt es keine Impfung. Deshalb bleiben auch nach der FSME-Impfung alle Vorsichtsmaßnahmen gegen Zeckenstiche wichtig.
🌿 Zeckenschutz: Weitere wichtige Maßnahmen neben der Impfung
Die FSME-Impfung ist ein wichtiger Baustein im Zeckenschutz, aber sie sollte immer durch weitere Vorsichtsmaßnahmen ergänzt werden – schon allein, weil sie nicht vor Borreliose schützt.
Richtige Kleidung beim Aufenthalt in der Natur
- Lange, helle Kleidung: Lange Hosen, langärmelige Shirts – auf heller Kleidung sind Zecken besser zu erkennen
- Geschlossene Schuhe: Keine Sandalen im hohen Gras
- Hose in die Socken stecken: Auch wenn es nicht schick aussieht – es erschwert Zecken den Zugang zur Haut
- Kopfbedeckung: Besonders bei Kleinkindern, da Zecken gerne am Kopf zustechen
Zeckenabwehrende Mittel (Repellents)
Für Babys und Kleinkinder gibt es spezielle, milde Zeckenschutzmittel. Achte auf Produkte, die für das Alter deines Kindes zugelassen sind. Die Wirkung hält meist 2-4 Stunden an und sollte nach dem Schwimmen erneuert werden.
Hinweis: Zeckensprays sind kein 100%iger Schutz und sollten nicht auf die Hände von Kleinkindern gesprüht werden, da diese oft in den Mund wandern. Trage das Mittel selbst auf und spare Gesicht und Hände aus.
Gründliches Absuchen nach jedem Aufenthalt im Freien
Das ist die wichtigste Maßnahme überhaupt:
- Suche dein Baby nach jedem Spaziergang oder Aufenthalt im Garten gründlich nach Zecken ab
- Bevorzugte Stellen: Haaransatz, Ohren, Nacken, Achseln, Kniekehlen, Leistengegend
- Zecken wandern oft noch Stunden auf der Haut umher, bevor sie zustechen – je früher du sie entdeckst, desto besser
- Auch die Kleidung solltest du kontrollieren und ausschütteln
Richtige Zeckenentfernung
Falls du eine Zecke entdeckst, die bereits festgesaugt ist:
- Entferne die Zecke so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange, Zeckenkarte oder spitzen Pinzette
- Greife die Zecke möglichst nah an der Haut und ziehe sie langsam und gerade heraus
- Drehe nicht und quetsche die Zecke nicht
- Desinfiziere die Einstichstelle nach dem Entfernen
- Notiere dir das Datum des Stichs und beobachte die Stelle in den nächsten Wochen
| Schutzmaßnahme | Schutz vor FSME | Schutz vor Borreliose | Wirksamkeit |
|---|---|---|---|
| FSME-Impfung | Ja (>95%) | Nein | Sehr hoch |
| Lange, geschlossene Kleidung | Ja | Ja | Hoch |
| Zeckenschutzmittel | Ja | Ja | Mittel (2-4h) |
| Gründliches Absuchen | Ja | Ja | Sehr hoch |
| Schnelle Zeckenentfernung | Teilweise | Ja (innerhalb 24h) | Hoch |
| Meiden von hohem Gras/Unterholz | Ja | Ja | Hoch |
💰 Kosten und Kostenübernahme der FSME-Impfung
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen musst du die FSME-Impfung für dein Baby nicht selbst bezahlen.
Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die FSME-Impfung in folgenden Fällen:
- Bei Wohnort in einem Risikogebiet: Automatische Kostenübernahme für alle Bewohner von FSME-Risikogebieten
- Bei beruflicher Indikation: Für Erwachsene, die beruflich Zecken ausgesetzt sind (Förster, Landwirte etc.)
- Oft auch bei Reisen: Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten auch für Reisen in Risikogebiete – frage vorab bei deiner Kasse nach
Was kostet die Impfung privat?
Falls du die Impfung selbst zahlen musst (z.B. wenn du nicht in einem Risikogebiet wohnst und dein Kind dennoch impfen lassen möchtest), liegen die Kosten bei:
- Etwa 40-50 Euro pro Impfdosis (nur Impfstoff)
- Plus Arzthonorar für die Impfung (ca. 10-15 Euro)
- Für die komplette Grundimmunisierung also etwa 150-200 Euro
Viele Krankenkassen bieten jedoch Zusatzleistungen oder Bonusprogramme, die auch Impfungen außerhalb der Risikogebiete abdecken. Es lohnt sich, nachzufragen!
🌍 FSME-Impfung bei Auslandsreisen
Planst du mit deinem Baby eine Reise in Gebiete mit FSME-Vorkommen, solltest du die Impfung rechtzeitig beginnen.
Wichtige europäische Risikogebiete
- Österreich: Flächendeckend hohes FSME-Risiko, besonders in ländlichen Gebieten
- Schweiz: Vor allem Mittelland und Jura
- Tschechien: Nahezu das gesamte Land
- Polen, Slowakei, Ungarn: Weite Teile betroffen
- Baltikum, Skandinavien: Regionale Risikogebiete
- Slowenien, Kroatien: Besonders Waldgebiete
Zeitplanung für Reiseimpfungen
Für einen rechtzeitigen Schutz vor der Reise solltest du beachten:
- Mit dem Standardschema benötigst du mindestens 3 Monate bis zur dritten Impfung
- Ein gewisser Schutz besteht bereits 2 Wochen nach der zweiten Impfung
- Bei kurzfristig geplanten Reisen kann das Schnellschema angewendet werden
- Ideal ist es, mit der Impfserie 6 Monate vor der geplanten Reise zu beginnen
🔬 Diagnose und Behandlung von FSME
Auch wenn dein Baby geimpft ist, solltest du die Symptome einer FSME-Erkrankung kennen – der Impfschutz ist zwar sehr hoch, aber nicht 100%ig.
Wie wird FSME diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch:
- Blutuntersuchung: Nachweis von FSME-Antikörpern (IgM und IgG)
- Liquoruntersuchung: Bei neurologischen Symptomen wird manchmal Nervenwasser (Liquor) untersucht
- Klinische Symptome: Typischer zweiphasiger Verlauf, Zeckenstich in der Vorgeschichte
Behandlungsmöglichkeiten
Wie bereits erwähnt, gibt es keine ursächliche Therapie gegen FSME. Die Behandlung ist rein symptomatisch:
- Bettruhe und Schonung
- Fiebersenkende Mittel: Paracetamol oder Ibuprofen
- Ausreichend Flüssigkeit
- Bei schweren Verläufen: Krankenhausaufenthalt, intensivmedizinische Betreuung
- Schmerztherapie
- Physiotherapie: Bei neurologischen Ausfällen in der Rekonvaleszenz
Wichtig: Wenn dein Baby nach einem Zeckenstich Fieber entwickelt, solltest du immer den Kinderarzt aufsuchen – auch wenn es geimpft ist. Zecken können neben FSME auch andere Erkrankungen wie Borreliose übertragen.
Prognose bei Kindern
Die gute Nachricht: Bei Kindern unter 6 Jahren verläuft FSME in der Regel milder als bei Erwachsenen. Die zweite, neurologische Phase tritt seltener auf, und bleibende Schäden sind bei Kleinkindern sehr selten. Dennoch kann die Erkrankung auch bei Babys schwer verlaufen, weshalb die Impfung in Risikogebieten so wichtig ist.
📋 Häufige Irrtümer und Mythen zur FSME-Impfung
Rund um die FSME-Impfung kursieren einige Missverständnisse, die wir hier aufklären möchten:
Mythos 1: "Die FSME-Impfung schützt vor allen Zeckenkrankheiten"
Falsch. Die Impfung schützt ausschließlich vor FSME, nicht aber vor Borreliose oder anderen durch Zecken übertragenen Erkrankungen. Borreliose ist in Deutschland sogar deutlich häufiger als FSME, kann aber mit Antibiotika behandelt werden.
Mythos 2: "Nach der Impfung brauche ich keinen Zeckenschutz mehr"
Falsch. Auch geimpfte Kinder sollten nach Aufenthalten in der Natur gründlich nach Zecken abgesucht werden. Die Impfung schützt nur vor FSME, nicht vor anderen Zeckenerkrankungen.
Mythos 3: "Die FSME-Impfung ist für Babys gefährlich"
Falsch. Die FSME-Impfung ist für Kinder ab 1 Jahr gut untersucht und sicher. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Das Risiko einer FSME-Erkrankung ist in Risikogebieten deutlich höher als das Risiko von Impfnebenwirkungen.
Mythos 4: "Im Winter braucht man keine FSME-Impfung"
Teilweise richtig. Zecken sind vor allem von März bis Oktober aktiv, können aber auch an milden Wintertagen zustechen. Die Impfung kann und sollte jedoch ganzjährig durchgeführt werden – idealerweise beginnt man im Winter, damit der Schutz zur Hauptsaison vollständig ist.
Mythos 5: "Einmal geimpft, lebenslang geschützt"
Falsch. Der FSME-Impfschutz lässt nach einigen Jahren nach und muss durch Auffrischungsimpfungen erneuert werden. Nur so bleibt der Schutz langfristig erhalten.
❓ Häufige Fragen zur FSME-Impfung beim Baby
Kann mein Baby trotz Impfung an FSME erkranken?
Theoretisch ja, aber sehr unwahrscheinlich. Die FSME-Impfung bietet einen Schutz von über 95%. Das bedeutet, dass weniger als 5 von 100 geimpften Personen trotz Impfung erkranken können. In der Praxis sind Durchbruchsinfektionen bei vollständig geimpften Kindern extrem selten. Wenn sie auftreten, verläuft die Erkrankung meist milder als bei ungeimpften Personen.
Muss ich die Grundimmunisierung wiederholen, wenn eine Impfung vergessen wurde?
Nein, in der Regel nicht. Auch wenn zwischen den Impfdosen mehr Zeit vergangen ist als empfohlen, kann die Impfserie einfach fortgesetzt werden. Das Prinzip lautet: "Jede Impfung zählt". Sprich mit deinem Kinderarzt über das weitere Vorgehen – meist reicht es, die fehlende Impfung nachzuholen und dann den regulären Auffrischungsrhythmus zu beginnen.
Kann die FSME-Impfung zusammen mit anderen Impfungen gegeben werden?
Ja, absolut. Die FSME-Impfung kann problemlos am selben Tag wie andere Impfungen verabreicht werden, etwa die MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) oder andere Standardimpfungen. Die Impfungen werden dann in verschiedene Gliedmaßen gegeben. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die gleichzeitige Gabe mehrerer Impfungen die Wirksamkeit beeinträchtigt oder das Nebenwirkungsrisiko erhöht.
Was mache ich, wenn mein Baby nach der Impfung Fieber bekommt?
Leichtes Fieber (bis 38,5°C) nach der FSME-Impfung ist eine normale Reaktion des Immunsystems und kein Grund zur Sorge. Du kannst deinem Baby fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen geben (nach Rücksprache mit dem Kinderarzt und in der altersgerechten Dosierung). Biete viel zu trinken an und sorge für Ruhe. Das Fieber sollte innerhalb von 1-2 Tagen von selbst abklingen. Bei Fieber über 39,5°C oder wenn das Fieber länger als 2 Tage anhält, solltest du den Kinderarzt kontaktieren.
Ist die FSME-Impfung auch für Babys mit Allergien geeignet?
Das kommt auf die Art der Allergie an. Die FSME-Impfstoffe enthalten geringe Spuren von Hühnereiweiß, da sie in Hühnerembryonen hergestellt werden. Bei den meisten Kindern mit Hühnereiweißallergie ist die Impfung dennoch möglich, sollte aber unter besonderer Vorsicht und eventuell unter ärztlicher Beobachtung erfolgen. Sprich mit deinem Kinderarzt über bestehende Allergien – er kann das individuelle Risiko einschätzen und gegebenenfalls Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Schützt die Impfung auch vor Borreliose?
Nein, die FSME-Impfung schützt ausschließlich vor dem FSME-Virus. Gegen Borreliose, die durch Bakterien (Borrelien) verursacht wird, gibt es keine Impfung. Borreliose ist in Deutschland deutlich häufiger als FSME, kann aber im Gegensatz zu FSME mit Antibiotika behandelt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Deshalb bleibt es auch nach der FSME-Impfung wichtig, dein Baby nach Aufenthalten im Freien gründlich nach Zecken abzusuchen und diese schnell zu entfernen.
✅ Fazit: FSME-Impfung beim Baby – eine wichtige Schutzmaßnahme
Die FSME-Impfung ist für Babys ab 12 Monaten, die in Risikogebieten leben oder sich dort regelmäßig aufhalten, eine sinnvolle und wichtige Schutzmaßnahme. Sie bietet einen sehr hohen Schutz (über 95%) vor einer Erkrankung, die zwar selten, aber potenziell schwerwiegend verlaufen kann.
Die Entscheidung für oder gegen die Impfung solltest du individuell treffen – abhängig von eurem Wohnort, euren Freizeitgewohnheiten und geplanten Reisen. In Bayern, Baden-Württemberg und anderen Risikogebieten empfehlen Kinderärzte die Impfung in der Regel klar, während sie in Norddeutschland meist nicht notwendig ist.
Wichtig ist: Die FSME-Impfung ersetzt nicht die anderen Zeckenschutzmaßnahmen. Auch geimpfte Kinder sollten nach Aufenthalten in der Natur gründlich nach Zecken abgesucht werden, denn die Impfung schützt nicht vor Borreliose und anderen durch Zecken übertragenen Krankheiten.
Besprich die Impfung am besten bei der nächsten U-Untersuchung mit deinem Kinderarzt. Er kennt die aktuelle Situation in eurer Region und kann dich individuell beraten. Mit der richtigen Kombination aus Impfung und Vorsichtsmaßnahmen könnt ihr den Sommer und die Natur unbeschwert genießen!
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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