Neurodermitis beim Baby erkennen und behandeln
Auf einen Blick
- Neurodermitis zeigt sich oft durch Milchschorf ab dem 3.-4. Lebensmonat – erkennbar an Rötungen und Bläschen auf der Kopfhaut
- Die Hauterkrankung ist genetisch bedingt und nicht heilbar, lässt sich aber mit guter Pflege deutlich lindern
- Regelmäßiges Eincremen mit schonenden Salben reduziert Juckreiz und hilft der empfindlichen Babyhaut
Wenn Dein Baby sich ständig kratzt und an den gleichen Stellen immer wieder Rötungen und Schorf auftreten, kann das auf Neurodermitis hindeuten. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Pflege und viel Geduld kannst Du Deinem Liebling viele Tränen ersparen und die Symptome deutlich lindern.
👶 Warum Babyhaut so empfindlich reagiert
Die Haut Deines Babys ist noch nicht so dick und strapazierfähig wie bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Alle Eltern kennen die wunde Haut am Po durch die Windeln. Kälte oder Sonnenlicht können im Wandel der Jahreszeiten zur Strapaze werden und machen es nötig, dass Du Deinen Liebling immer gut schützt und eincremst.
Bei manchen Symptomen oder Krankheitsbildern können jedoch auch die besten Eltern der Welt nichts ausrichten. Ein Beispiel hierfür ist die Neurodermitis. Diese entzündliche Hautkrankheit kann in jeder Phase des Lebens ausbrechen und macht auch vor Babys und Kleinkindern nicht halt. Sie verläuft in Schüben, so dass es sehr ruhige und sehr belastete Phasen geben kann.
Gut zu wissen: Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, die schubweise verläuft. Es gibt also auch ruhige Phasen, in denen Dein Baby kaum Beschwerden hat.
🔍 Woran Du Neurodermitis beim Baby erkennst
Das vielleicht wichtigste Indiz für eine Neurodermitis ist der sogenannte Milchschorf. Im Alter von drei bis vier Monaten entwickeln betroffene Babys Rötungen auf der Kopfhaut, die mit der Bildung kleiner Blasen verbunden ist. Die Blasen trocknen im Regelfall von selbst aus und hinterlassen Krusten, die wie angebrannte Milch aussehen.
Bei einem schlimmeren Befall mit diesen Bläschen kann sich der Milchschorf auch den Hals und Rücken hinunter bis zu den Armen und Beinen ausbreiten. Die Pusteln sorgen für ein häufiges Bedürfnis des Babys, sich zu kratzen, so dass es mit einigen Tränen, Schreien und Unwohlsein reagiert.
Die wichtigsten Symptome im Überblick
Nicht jede Rötung der Babyhaut ist gleich eine Neurodermitis. Beispielsweise wird der Kopf des Babys beim Zahnen viel stärker durchblutet und neigt phasenweise zu Rötungen. Um Neurodermitis exakt zu erkennen, orientiere Dich bitte an diesen typischen Symptomen:
- Dein Baby neigt zu einem akuten Hautausschlag, der ziemlich plötzlich auftritt und zum ständigen Kratzen verleitet
- Die betroffenen Hautstellen sind mit der Zeit nicht einfach gerötet, sondern bilden immer wieder Bläschen aus, die beim Öffnen sofort nässen
- Ist es mehrfach an der gleichen Hautstelle zu Rötungen und Bläschenbildung gekommen, kann die Haut hier gröber oder rissiger werden
Achtung: Der Körper Deines Babys kann zur gleichen Zeit verschiedene Stadien aufweisen. Während die Kopfhaut beispielsweise nur gerötet ist, können an den Armen und Beinen nässende Ekzeme zu erkennen sein. Hier solltest Du schnell den Kinderarzt aufsuchen.
Welche Körperstellen sind besonders betroffen?
Der beschriebene Milchschorf ist für Babys mit wenigen Monaten typisch. Wenn Dein Kind älter wird, sind andere Körperzonen häufiger von der Neurodermitis betroffen. Prüfe deshalb bei Kleinkindern von wenigen Monaten folgende Körperstellen genau:
- Ellenbogen
- Handgelenke
- Kniegelenke
- innere Handflächen
- Augenlider
- Lippen
Grundsätzlich kann jede Hautzone des Körpers von einer Neurodermitis betroffen sein. Die sogenannten „Beugeekzeme" in Kniekehle oder Ellenbogen sind besonders häufig, da hier Haut an Haut reibt und stärker strapaziert wird. Wenn Dein Baby am Daumen lutscht, ist dieser ebenfalls oft Opfer der Neurodermitis.
🌸 Warum Dein Baby Neurodermitis entwickelt
Du musst Dir keine Vorwürfe machen, dass bei einer Neurodermitis etwas mit der Hygiene und Körperpflege des Säuglings nicht stimmt. Die Hauterkrankung ist von der Medizin und Wissenschaft noch nicht in allen Details entschlüsselt worden. Ein wichtiger Faktor, ob ein Baby an Neurodermitis erkrankt oder nicht, scheinen die Gene zu sein. Wenn eines der Elternteile unter dieser Hautkrankheit leidet, ist das Risiko größer, dass auch das Baby diese erhält.
Dies muss übrigens nicht im Kindesalter passieren. Ein Ausbruch der Neurodermitis ist auch bei Jugendlichen und Erwachsenen keine Seltenheit, die im späteren Leben schubweise Hautentzündungen ausbilden. Hier wird vermutet, dass schädliche Umwelteinflüsse oder chronischer Stress einen Einfluss auf die Entstehung haben könnten.
Als Mutter weiß ich, wie belastend es ist, wenn das eigene Baby leidet. Bei Neurodermitis ist es wichtig zu verstehen: Du hast nichts falsch gemacht. Mit Geduld, der richtigen Pflege und viel Liebe bekommt ihr das gemeinsam in den Griff.
💡 Neurodermitis oder Allergie – was ist der Unterschied?
Viele der genannten Symptome treten auch bei einer Kontakt- oder Pollenallergie auf. Auch allergische Reaktionen können genetisch bedingt sein oder durch äußere Einflüsse hervorgerufen werden. Die Symptome beider Krankheitsformen ähneln sich zwar, allerdings haben sie nicht direkt etwas miteinander zu tun. Gleiches gilt für den Milchschorf in den ersten Monaten, der nicht mit einer Schuppenflechte zu verwechseln ist.
Unterschiede gibt es in der Behandlung. Bei der Neurodermitis kommt es auf die Linderung von Rötungen und Juckreiz an, hier würde die Gabe eines Antiallergikums nur wenig bringen. Wenn der Hautausschlag aufgrund einer Allergie entsteht, wird er mit den richtigen Präparaten sehr schnell verschwinden. Auch dies gilt es mit einem Kinderarzt abzuklären, beispielsweise durch einen ersten Allergietest.
✨ Eincremen – die wichtigste Hilfe bei Neurodermitis
Ob Neurodermitis oder eine andere Art von Hautentzündung, das Eincremen schafft immer eine Linderung. Durch den Auftrag von Creme lässt sich das juckende Gefühl lindern. Je nach gewählter Creme wird die strapazierte Haut zudem mit Nährstoffen versorgt, die der Haut bei der Regeneration helfen.
Natürlich ist das Thema Eincremen bei vielen Babys eine komplizierte Sache. Viele Säuglinge mögen das Eincremen nicht, Schreie und Tränen sind keine Seltenheit. Umso wichtiger, dass Du Dich für eine schonende Heilsalbe entscheidest, die einfach aufzutragen ist und gut einzieht.
Hersteller von Salben und Cremes kennen die Probleme mit Babys und Kleinkindern, weshalb sie ihre Produktpalette hierauf abstimmen. Manche Präparate sind explizit für Babys und Kinder entwickelt worden, um auf die Bedürfnisse der jungen, empfindlichen Haut einzugehen.
Tipp: Creme Dein Baby besonders vor den Nachtstunden ein. So reduzierst Du das Risiko, dass es sich im Schlaf kratzt und durch den Juckreiz wieder aufwacht.
Wann und wie Du am besten eincremst
Grundsätzlich kannst Du schonende Babysalben mehrmals pro Tag bei Bedarf auftragen. Dies gilt umso mehr, wenn Du merkst, dass Dein Schatz ruhiger wird und der Juckreiz nachlässt. Besonders wichtig ist das Eincremen vor den Nachtstunden. Zum einen ist das Risiko groß, dass sich im Schlaf durch Pyjama, Kontakt zur Decke und der sich bildenden Wärme die Entzündungen weiter ausbreiten. Zum anderen wird sich Dein Baby oft unbemerkt im Schlaf kratzen oder schnell durch die entzündeten Stellen wieder wach.
Es empfiehlt sich, im Laufe des Tages auf verschiedene Cremes zurückzugreifen. Für die Nachtstunden wählst Du beispielsweise mit einer Ringelblumensalbe einen Klassiker der Naturmedizin. Diese ist eher fettig, legt sich jedoch trotzdem sanft auf die Haut. Durch die fettende Wirkung vergeht einige Zeit, bis sie komplett eingezogen ist. So bleibt Dein Baby länger frei vom Juckreiz.
🛏️ Die richtige Kleidung für ruhigere Nächte
In unserer großen Auswahl an Babyprodukten stellen wir immer wieder Babykleidung und Accessoires für Säuglinge und ältere Kinder vor. Hierdurch weißt Du bereits, dass uns eine natürliche und nachhaltige Qualität beim Aufwachsen von Kindern am Herzen liegt. Dieser Vorsatz ist genauso bei der Auswahl der richtigen Einkleidung für Babys mit Neurodermitis wichtig.
Die gewählten Kleidungsstücke sollten sich möglichst leicht und nicht zu eng auf die Haut Deines kleinen Lieblings legen. Da Hals und Ellenbogen typische Körperstellen einer Neurodermitis sind, würde zu eng anliegende Kleidung die Entwicklung fördern. Dies gilt natürlich auch für Mütze und Schal in den Wintermonaten.
Bei der Schlafkleidung musst Du etwas Fingerspitzengefühl beweisen. Dein Baby solltest Du bis zum Hals in leichte und schützende Kleidung einwickeln, damit es sich nicht im Schlaf kratzen kann. Umgekehrt darf die gewählte Schlafkleidung aber nicht zu eng anliegen. Passe deshalb immer darauf auf, dass die Größe der Babykleidung noch stimmt und stelle diese rechtzeitig um.
🏥 Was Du bei der Körperpflege beachten solltest
Das Waschen oder Baden des Babys kann bei einer Neurodermitis zur kleinen Qual werden. Entscheide Dich deshalb nur für eine kurze Dusche oder ein schnelles Baden, damit die entzündeten Hautstellen nicht zu lange strapaziert werden. Gründlich muss die Reinigung für die Hygiene Deines Babys natürlich sein. Gehe aber bitte vorsichtig vor, speziell wenn Du über die betroffenen Hautpartien streichst.
Eine Hilfe kann das richtige Waschgel leisten. Mit schonenden Inhaltsstoffen ohne viel Chemie strapazierst Du die belastete Haut des Babys nicht noch zusätzlich. Am Ende von Dusche oder Bad solltest Du das Baby vorsichtig mit einem Handtuch trocken tupfen, also nicht kraftvoll über die Haut reiben.
Gut zu wissen: All dies ist leichter gesagt als getan – speziell, wenn Dein Baby ohnehin nicht gerne badet. Versetze Dich in die Lage des Babys: Es muss dauerhaft Juckreiz erleiden, den es nicht versteht, und fühlt sich allem hilflos ausgesetzt.
💪 Praktische Tipps für den Alltag mit Neurodermitis
Vielleicht fragst Du Dich, ob man mit weiteren Tricks und Hilfsmitteln den Alltag des Babys etwas angenehmer gestalten kann. Dies ist in einer akuten Phase der Neurodermitis schwierig, wo Dein Kind dauerhaft unter den starken Entzündungen leidet. Hier ist Ablenkung wohl die beste Strategie, damit bei Deinem Kleinkind das Jucken und Kratzen nicht dauerhaft im Fokus steht.
In milderen Phasen kannst Du mit einfachen Mitteln dafür sorgen, dass die Neurodermitis nicht so schnell ausbricht oder etwas milder verläuft. Viele dieser Tipps sind leider sehr individuell. Das heißt: Bei manchen Babys wirken sie richtig gut, in anderen Fällen nehmen sie nur wenig Einfluss auf die Neurodermitis mit all ihren Folgen.
So kannst Du Deinem Baby helfen
- Achte auf die Länge der Fingernägel Deines Babys. Wenn diese zu lang sind, kann sich die Situation durch das Kratzen der betroffenen Hautstellen noch verschlimmern. Ein regelmäßiger Schnitt der Nägel ist wichtig, damit das unvermeidliche Jucken möglichst glimpflich abläuft.
- Kaufe Deinem Baby oder Kleinkind leichte Handschuhe aus Baumwolle, die nachts getragen werden. Diese sind gut am Handgelenk des Kindes zu befestigen, beispielsweise mit Klettverschluss oder einem Pflaster. So lässt sich das Risiko des Kratzens in den Nachtstunden auf ein Minimum reduzieren.
- Bei einem starken Immunsystem des Babys ist das Risiko für jede Art von Erkrankung geringer. Gerade deshalb entscheiden sich viele Mütter für die Gabe der wertvollen Muttermilch, wenigstens über die ersten vier Monate hinweg. Hiernach solltest Du auf eine ausgewogene und vielseitige Babynahrung umstellen.
- Im Falle einer Risikoschwangerschaft sollte auf eine geringe Gefährdung der Haut durch das häusliche Umfeld geachtet werden. Dies kann bedeuten, keine Haustiere in der ersten Lebensphase des Babys zu halten oder bewusst auf hypoallergene Säuglingsnahrung zu achten, sobald Dein Baby nicht mehr gestillt wird.
🖤 Glückliches Familienleben trotz Neurodermitis
Wenn Dein Baby langsam aber sicher heranwächst, kann die Neurodermitis mehr als nur körperliche Folgen haben. Sind die Ausschläge im Gesicht oder auf Händen und Armen gut sichtbar, kann es zum Hänseln durch Spielkameraden kommen. Schnell entsteht das Gefühl beim Kind, „anders zu sein", was für den gesamten Lebensweg prägt.
Umso wichtiger ist, das Familienglück als starke Gemeinschaft zu entwickeln. So anstrengend die Neurodermitis für Baby und Eltern auch ist – sie bietet die Chance, gemeinsam und liebevoll eine Herausforderung des Lebens zu meistern. Hiervon profitieren sogar manche Eltern, die sich bewusster mit Themen wie Ernährung oder dem Erlernen einer Entspannungstechnik auseinandersetzen.
Tipp: Neurodermitis ist eine nicht heilbare Krankheit, die speziell im Babyalter eine echte Belastung darstellt. Mit einer guten Pflege, den richtigen Salben und viel Verständnis bekommt Deine Familie dieses Krankheitsbild jedoch in den Griff!
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter kann sich Neurodermitis beim Baby zeigen?
Die ersten Anzeichen einer Neurodermitis zeigen sich meist ab dem 3. bis 4. Lebensmonat in Form von Milchschorf auf der Kopfhaut. Die Erkrankung kann aber auch später erstmals auftreten – sogar im Jugend- oder Erwachsenenalter.
Ist Milchschorf immer ein Zeichen für Neurodermitis?
Nein, nicht jeder Milchschorf bedeutet automatisch Neurodermitis. Wenn die Symptome jedoch häufiger auftreten und sich auf andere Körperstellen ausbreiten, solltest Du mit Deinem Kinderarzt darüber sprechen, um eine eindeutige Diagnose zu erhalten.
Wie oft sollte ich mein Baby mit Neurodermitis eincremen?
Du kannst schonende Babysalben mehrmals täglich bei Bedarf auftragen. Besonders wichtig ist das Eincremen vor den Nachtstunden, um nächtliches Kratzen zu reduzieren und Deinem Baby einen ruhigeren Schlaf zu ermöglichen.
Kann ich durch Stillen Neurodermitis vorbeugen?
Ein starkes Immunsystem kann das Risiko für Erkrankungen reduzieren. Viele Mütter stillen deshalb wenigstens über die ersten vier Monate. Da Neurodermitis jedoch genetisch bedingt ist, lässt sie sich nicht vollständig verhindern – aber möglicherweise in ihrer Ausprägung mildern.
Welche Kleidung ist bei Neurodermitis am besten?
Wähle leichte, nicht zu eng anliegende Kleidung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle. Besonders an typischen Problemzonen wie Hals und Ellenbogen sollte die Kleidung locker sitzen, um zusätzliche Reizungen zu vermeiden.
Wann sollte ich mit meinem Baby zum Kinderarzt?
Wenn Du bemerkst, dass Dein Baby an den gleichen Stellen immer wieder Hautausschläge entwickelt, die nässen oder Schorf bilden, solltest Du zeitnah einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann die Diagnose sichern und eine passende Behandlung empfehlen.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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