Meningokokken-Impfung beim Baby: B, C & wie oft
Auf einen Blick
- Die Meningokokken-C-Impfung wird ab 12 Monaten von der STIKO empfohlen und schützt vor einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung
- Meningokokken B verursachen in Deutschland die meisten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern, die Impfung ist jedoch keine Standardimpfung
- Eine Meningokokken-Erkrankung kann innerhalb von Stunden lebensbedrohlich werden – schnelles Handeln ist entscheidend
- Neben B und C gibt es weitere Serogruppen (A, W, Y), gegen die bei erhöhtem Risiko geimpft werden kann
Die Meningokokken-Impfung gehört zu den Themen, bei denen viele Eltern unsicher sind: Welche Impfung braucht mein Baby wirklich? Warum gibt es verschiedene Varianten? In diesem Ratgeber erfährst du alles über Meningokokken B, C und die anderen Serogruppen – damit du eine informierte Entscheidung für dein Kind treffen kannst.
🦠 Was sind Meningokokken und warum sind sie gefährlich?
Meningokokken sind Bakterien (Neisseria meningitidis), die bei etwa 10% aller Menschen im Nasen-Rachen-Raum vorkommen, ohne Beschwerden zu verursachen. Diese Menschen sind sogenannte "gesunde Träger". Problematisch wird es, wenn die Bakterien in die Blutbahn gelangen und sich im Körper ausbreiten.
Die Erreger können zwei schwere Krankheitsbilder auslösen:
- Meningitis (Hirnhautentzündung): Die Bakterien befallen die Hirnhäute und das Rückenmark. Symptome sind hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Lichtempfindlichkeit.
- Sepsis (Blutvergiftung): Die Bakterien vermehren sich im Blut und können zu Organversagen führen. Typisch sind kleine punktförmige Hautblutungen, die nicht wegdrückbar sind.
Besonders tückisch: Eine Meningokokken-Erkrankung beginnt oft mit unspezifischen Symptomen wie bei einer Erkältung. Innerhalb weniger Stunden kann sich der Zustand dramatisch verschlechtern. Ohne Behandlung verläuft die Krankheit in vielen Fällen tödlich, selbst mit sofortiger Antibiotika-Therapie sterben etwa 10% der Erkrankten. Von den Überlebenden tragen 10-20% bleibende Schäden davon – von Hörverlust über Entwicklungsstörungen bis hin zu Amputationen durch Gewebeschäden.
Welche Meningokokken-Gruppen gibt es?
Meningokokken werden in verschiedene Serogruppen eingeteilt, je nach Zusammensetzung ihrer Kapsel. Weltweit gibt es 12 Serogruppen, doch nur wenige sind für die meisten Erkrankungen verantwortlich:
- Serogruppe B: Verursacht in Deutschland etwa 60% aller Meningokokken-Erkrankungen, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern unter 5 Jahren
- Serogruppe C: Macht etwa 10-15% der Fälle aus, betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene
- Serogruppen W und Y: Zusammen etwa 20-25% der Erkrankungen, mit steigender Tendenz in den letzten Jahren
- Serogruppe A: In Deutschland sehr selten, aber häufig in Afrika und Asien (relevant für Reisen)
💗 Nadines Empfehlung
Nadine Scheiner
Ich habe beide meine Kinder gegen Meningokokken B impfen lassen, obwohl es keine STIKO-Empfehlung gibt. Die Kosten wurden von unserer Krankenkasse übernommen, nachdem ich nachgefragt habe. Für mich war ausschlaggebend, dass gerade Babys am häufigsten betroffen sind und die Krankheit so schnell lebensbedrohlich werden kann. Sprich am besten mit deinem Kinderarzt über eure individuelle Situation – und frag bei deiner Kasse nach, viele übernehmen die Kosten mittlerweile freiwillig.
💉 Die Meningokokken-C-Impfung: Die Standardimpfung
Die Meningokokken-C-Impfung ist die einzige Meningokokken-Impfung, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut als Standardimpfung für alle Kinder empfohlen wird.
Wann wird gegen Meningokokken C geimpft?
Die STIKO empfiehlt eine einmalige Impfung gegen Meningokokken C im Alter von 12 Monaten. Diese einzelne Dosis reicht in der Regel aus, um einen langanhaltenden Schutz aufzubauen. Der Impfstoff kann als Einzelimpfstoff oder in Kombination mit anderen Serogruppen (ACWY-Kombinationsimpfstoff) gegeben werden.
Wichtig zu wissen: Die Impfung kann ab dem vollendeten 12. Lebensmonat gegeben werden, also ab dem ersten Geburtstag. Sie kann gleichzeitig mit anderen Impfungen wie der MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) verabreicht werden, dann allerdings an unterschiedlichen Körperstellen.
Warum erst ab 12 Monaten?
Du fragst dich vielleicht, warum die Impfung erst mit einem Jahr empfohlen wird, obwohl auch jüngere Babys erkranken können. Der Grund liegt in der Immunantwort: Der verwendete Konjugatimpfstoff wirkt bei Kindern ab 12 Monaten am besten und bietet dann einen langanhaltenden Schutz. Bei jüngeren Säuglingen wäre die Immunantwort schwächer und es wären mehrere Impfdosen nötig.
Zudem ist die Häufigkeit von Meningokokken-C-Erkrankungen in Deutschland insgesamt zurückgegangen, seit die Impfung 2006 in den Impfkalender aufgenommen wurde. Das Erkrankungsrisiko im ersten Lebensjahr ist bei Serogruppe C geringer als bei Serogruppe B.
Meningokokken-Impfungen im Überblick
moms.de🍼 Die Meningokokken-B-Impfung: Warum keine Standardimpfung?
Die Meningokokken-B-Impfung ist in Deutschland keine Standardimpfung der STIKO, obwohl Serogruppe B die meisten Erkrankungen verursacht. Das verwirrt viele Eltern – und die Entscheidung ist tatsächlich komplex.
Warum empfiehlt die STIKO die B-Impfung nicht standardmäßig?
Die STIKO berücksichtigt bei ihren Empfehlungen nicht nur die Wirksamkeit eines Impfstoffs, sondern auch epidemiologische Daten, Kosten-Nutzen-Analysen und praktische Aspekte. Bei der Meningokokken-B-Impfung spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Niedrige absolute Erkrankungszahl: Obwohl B die häufigste Serogruppe ist, erkranken in Deutschland nur etwa 0,4 von 100.000 Kindern unter 5 Jahren jährlich an Meningokokken B – die absolute Zahl ist also sehr gering.
- Unklare Langzeitwirkung: Der Impfstoff ist noch relativ neu (seit 2013 zugelassen), Daten zur Schutzdauer fehlen teilweise noch.
- Häufige Impfreaktionen: Die B-Impfung verursacht häufiger Fieber als andere Impfungen, besonders wenn sie gleichzeitig mit anderen Impfungen gegeben wird.
- Komplexes Impfschema: Je nach Alter sind 2-3 Dosen plus Auffrischung nötig.
Trotzdem: Viele Kinderärzte und Fachgesellschaften empfehlen die Impfung individuell, besonders für Babys im ersten Lebensjahr, da diese am häufigsten und schwersten erkranken.
Wann und wie oft wird gegen Meningokokken B geimpft?
Der Impfstoff gegen Meningokokken B (Bexsero ist der am häufigsten verwendete) kann bereits ab dem Alter von 2 Monaten gegeben werden. Das Impfschema hängt vom Alter bei der ersten Impfung ab:
| Alter bei erster Impfung | Grundimmunisierung | Auffrischung | Abstände |
|---|---|---|---|
| 2-5 Monate | 3 Dosen | 1 Dosis im 2. Lebensjahr | Mindestens 1 Monat zwischen den Dosen |
| 6-11 Monate | 2 Dosen | 1 Dosis im 2. Lebensjahr | Mindestens 2 Monate zwischen den Dosen |
| 12-23 Monate | 2 Dosen | 1 Dosis mit 12-23 Monaten Abstand | Mindestens 2 Monate zwischen den Dosen |
| Ab 2 Jahren | 2 Dosen | Keine routinemäßige Auffrischung | Mindestens 1 Monat zwischen den Dosen |
Ein zweiter zugelassener Impfstoff ist Trumenba, der jedoch erst ab 10 Jahren zugelassen ist und hauptsächlich für Jugendliche und junge Erwachsene verwendet wird.
Kostenübernahme der Meningokokken-B-Impfung
Auch wenn die STIKO-Empfehlung fehlt, übernehmen viele gesetzliche Krankenkassen die Kosten für die Meningokokken-B-Impfung freiwillig als Satzungsleistung. Die Impfung kostet pro Dosis etwa 100-120 Euro, insgesamt also 200-400 Euro je nach Impfschema.
Stand 2024 erstatten über 90% der gesetzlichen Krankenkassen die Kosten – allerdings unterschiedlich geregelt. Manche übernehmen die Kosten automatisch, bei anderen musst du einen Antrag stellen oder die Rechnung einreichen. Am besten fragst du vor der Impfung bei deiner Krankenkasse nach den genauen Modalitäten.
Tipp: Wenn deine Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, lohnt sich eventuell ein Kassenwechsel. Die Meningokokken-B-Impfung ist oft Teil eines umfangreicheren Leistungspakets für Familien mit zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen.
🌍 Meningokokken ACWY: Wann ist diese Impfung sinnvoll?
Der Vierfach-Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y wird in Deutschland nicht standardmäßig für alle Kinder empfohlen, kann aber in bestimmten Situationen die C-Impfung ersetzen oder ergänzen.
Wann empfiehlt die STIKO die ACWY-Impfung?
Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-ACWY-Impfung für:
- Personen mit erhöhtem Risiko: Kinder und Erwachsene mit bestimmten Immundefekten oder fehlender Milzfunktion
- Laborpersonal: Menschen, die beruflich mit Meningokokken in Kontakt kommen
- Reisende: Bei Aufenthalten in Regionen mit erhöhtem Meningokokken-Risiko (z.B. afrikanischer Meningitisgürtel, Pilgerreisen nach Mekka)
- Kontaktpersonen: Im Umfeld eines Erkrankten zur Postexpositionsprophylaxe
- Jugendliche: Einige Bundesländer und Kinderärzte empfehlen die ACWY-Impfung für Jugendliche ab 10-12 Jahren, da in dieser Altersgruppe die Serogruppen W und Y zunehmen
Der ACWY-Impfstoff kann ab dem Alter von 6 Wochen (je nach Präparat) gegeben werden und ersetzt dann die reine C-Impfung. Auch hier reicht in der Regel eine Dosis für einen langanhaltenden Schutz, wenn sie ab dem 12. Lebensmonat gegeben wird.
ACWY statt C – eine gute Alternative?
Viele Kinderärzte bieten mittlerweile standardmäßig die ACWY-Impfung anstelle der reinen C-Impfung an, da sie einen breiteren Schutz bietet, ohne Nachteile zu haben. Die Kosten werden von den meisten Krankenkassen übernommen, wenn die Impfung die empfohlene C-Impfung ersetzt. Frag am besten bei deinem Kinderarzt nach, welche Variante er empfiehlt.
⚠️ Symptome einer Meningokokken-Erkrankung: Wann sofort zum Arzt?
Eine Meningokokken-Erkrankung ist ein medizinischer Notfall. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Das Problem: Die ersten Symptome ähneln oft einer harmlosen Erkältung oder Grippe.
Frühe Symptome (erste Stunden)
In der Anfangsphase zeigen sich meist unspezifische Krankheitszeichen:
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber (oft über 39°C)
- Starkes Krankheitsgefühl, das Kind wirkt "anders" als bei normalen Infekten
- Gliederschmerzen, Schüttelfrost
- Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit
- Unruhe oder ungewöhnliche Schläfrigkeit
- Blasse oder marmorierte Haut
Typische Symptome der Hirnhautentzündung
Wenn die Bakterien die Hirnhäute befallen, kommen charakteristische Symptome hinzu:
- Nackensteifigkeit: Das Kind kann das Kinn nicht auf die Brust legen, der Nacken ist schmerzhaft versteift
- Starke Kopfschmerzen: Bei älteren Kindern oft als "schlimmste Kopfschmerzen meines Lebens" beschrieben
- Lichtempfindlichkeit: Helles Licht wird als sehr unangenehm empfunden
- Bewusstseinsstörungen: Von Verwirrtheit bis zur Bewusstlosigkeit
- Krampfanfälle: Können besonders bei Babys und Kleinkindern auftreten
Alarmzeichen: Petechien und Purpura
Das wichtigste Warnzeichen für eine Meningokokken-Sepsis sind kleine punktförmige Hautblutungen (Petechien) oder größere Blutergüsse (Purpura). Diese entstehen, weil die Bakterien die Blutgefäße schädigen.
Der Glas-Test: Drücke ein durchsichtiges Glas fest auf die Hautveränderungen. Verschwinden die Flecken nicht (bleiben also sichtbar, auch wenn du Druck ausübst), handelt es sich um Einblutungen – ein absoluter Notfall!
Notfall – sofort handeln: Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung zählt jede Minute. Ruf sofort den Notarzt (112) oder fahre direkt in die nächste Kinderklinik. Warte nicht auf einen Termin beim Kinderarzt und zögere nicht, auch nachts oder am Wochenende zu handeln. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig!
Besonderheiten bei Babys
Bei Säuglingen können die Symptome noch unspezifischer sein und die klassische Nackensteifigkeit fehlt. Achte besonders auf:
- Schrilles, unstillbares Schreien (Meningismus-Schrei)
- Vorgewölbte, gespannte Fontanelle
- Trinkschwäche, Nahrungsverweigerung
- Schlaffe Körperhaltung oder ungewöhnliche Steifheit
- Apathie, schwer weckbar
- Berührungsempfindlichkeit
Als Mutter habe ich gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören. Wenn dein Kind "anders" krank wirkt als sonst, wenn du ein ungutes Gefühl hast – dann lass es abklären. Bei Meningokokken ist es besser, einmal umsonst in die Notaufnahme zu fahren, als zu spät zu reagieren. Kein Arzt wird dich für Vorsicht kritisieren.
🔬 Diagnose und Behandlung einer Meningokokken-Erkrankung
Wenn der Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung besteht, wird dein Kind sofort stationär aufgenommen. Die Diagnose und Behandlung müssen schnellstmöglich erfolgen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Zur Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt prüft auf Nackensteifigkeit, Hautveränderungen und andere typische Zeichen
- Lumbalpunktion (Nervenwasserentnahme): Über eine Nadel im Lendenbereich wird Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) entnommen. Bei einer Meningitis ist diese trüb und enthält viele weiße Blutkörperchen und Bakterien
- Blutuntersuchungen: Blutbild, Entzündungswerte, Blutkulturen zum Nachweis der Bakterien
- PCR-Test: Schneller molekularbiologischer Nachweis der Meningokokken-DNA
- Bildgebung: Bei Bedarf CT oder MRT des Kopfes
Wie wird eine Meningokokken-Erkrankung behandelt?
Die Behandlung beginnt oft schon vor der endgültigen Diagnose, da jede Stunde zählt:
- Antibiotika: Hochdosierte intravenöse Antibiotika (meist Cephalosporine) werden sofort begonnen, oft schon beim ersten Verdacht
- Intensivmedizinische Überwachung: Bei schweren Verläufen Behandlung auf der Intensivstation mit Kreislaufunterstützung, Beatmung und engmaschiger Kontrolle
- Flüssigkeitsgabe: Infusionen zur Kreislaufstabilisierung
- Fiebersenkung und Schmerzbehandlung: Zur Linderung der Symptome
- Isolation: In den ersten 24 Stunden nach Antibiotika-Beginn wird das Kind isoliert, um eine Ansteckung zu verhindern
Die Prognose hängt stark davon ab, wie schnell die Behandlung beginnt. Bei rechtzeitiger Antibiotika-Gabe überleben etwa 90% der Erkrankten, allerdings können bleibende Schäden zurückbleiben.
Postexpositionsprophylaxe für Kontaktpersonen
Enge Kontaktpersonen eines Erkrankten (Familie, enge Freunde, Kindergartengruppe) erhalten vorbeugend Antibiotika, um eine Ansteckung zu verhindern. Zusätzlich wird eine Impfung gegen die entsprechende Serogruppe empfohlen, falls noch kein Impfschutz besteht.
🛡️ Vorbeugung: So schützt du dein Baby vor Meningokokken
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist die Impfung. Darüber hinaus gibt es einige allgemeine Hygienemaßnahmen, die das Risiko einer Übertragung verringern können.
Impfschutz aufbauen
Für einen möglichst umfassenden Schutz solltest du mit deinem Kinderarzt über folgendes Impfschema sprechen:
- Ab 2 Monaten: Beginn der Meningokokken-B-Impfung (wenn gewünscht), 2-3 Dosen je nach Alter
- Ab 12 Monaten: Meningokokken-C-Impfung oder besser ACWY-Kombinationsimpfung
- Im 2. Lebensjahr: Auffrischung der B-Impfung (falls im ersten Jahr begonnen)
- Jugendliche: Auffrischung oder erstmalige ACWY-Impfung, eventuell auch B-Impfung
Allgemeine Schutzmaßnahmen
Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen – also durch Husten, Niesen oder engen Kontakt. Folgende Maßnahmen können das Ansteckungsrisiko verringern:
- Vermeide engen Kontakt zu Menschen mit Atemwegsinfekten
- Achte auf gute Händehygiene
- Teile keine Schnuller, Fläschchen oder Besteck
- Sorge für ein rauchfreies Umfeld (Passivrauchen schwächt das Immunsystem)
- Stille dein Baby, wenn möglich – Muttermilch stärkt das Immunsystem
- Achte auf ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung
Wichtig zu wissen: Auch mit allen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich eine Ansteckung nicht vollständig verhindern. Die Impfung bleibt der wirksamste Schutz.
📋 Impfreaktionen und Nebenwirkungen der Meningokokken-Impfung
Wie bei jeder Impfung können auch bei den Meningokokken-Impfungen Nebenwirkungen auftreten. Diese sind in der Regel mild und vorübergehend.
Häufige Impfreaktionen bei Meningokokken C und ACWY
Die Konjugatimpfstoffe gegen Meningokokken C und ACWY werden meist gut vertragen:
- Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle (sehr häufig)
- Leichtes Fieber (häufig)
- Kopfschmerzen, Müdigkeit (häufig)
- Reizbarkeit bei Babys und Kleinkindern (häufig)
- Appetitlosigkeit, Übelkeit (gelegentlich)
Diese Reaktionen klingen normalerweise innerhalb von 1-2 Tagen von selbst ab.
Impfreaktionen bei Meningokokken B
Die B-Impfung verursacht häufiger Impfreaktionen als andere Meningokokken-Impfstoffe, besonders bei gleichzeitiger Gabe mit anderen Impfungen:
- Fieber: Bei etwa 50-70% der Säuglinge, wenn gleichzeitig mit anderen Impfungen gegeben, bei etwa 30% wenn separat gegeben
- Lokale Reaktionen: Schmerzen, Rötung, Schwellung an der Einstichstelle bei über 80%
- Unruhe und Weinen: Sehr häufig in den ersten 24 Stunden
- Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen: Häufig
Tipp gegen Fieber: Viele Kinderärzte empfehlen, nach der Meningokokken-B-Impfung vorbeugend Paracetamol zu geben (nach Rücksprache mit dem Arzt). Das kann Fieber und Unwohlsein reduzieren, ohne die Wirksamkeit der Impfung zu beeinträchtigen. Achte auf ausreichend Flüssigkeit und leichte Kleidung.
Schwere Nebenwirkungen
Schwere allergische Reaktionen oder andere ernsthafte Nebenwirkungen sind bei allen Meningokokken-Impfstoffen sehr selten (weniger als 1 von 10.000 Impfungen). Wenn sie auftreten, geschieht dies meist innerhalb der ersten Minuten bis Stunden nach der Impfung – deshalb solltest du nach der Impfung etwa 15-30 Minuten in der Praxis bleiben.
🌡️ Unterschiede zwischen den Impfstoffen: Welcher ist der richtige?
Es gibt verschiedene Meningokokken-Impfstoffe auf dem Markt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Präparate:
| Impfstoff | Serogruppen | Ab welchem Alter | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Bexsero | B | Ab 2 Monaten | Häufigster B-Impfstoff, 2-3 Dosen + Auffrischung |
| Trumenba | B | Ab 10 Jahren | Für Jugendliche und Erwachsene, 2-3 Dosen |
| NeisVac-C, Menjugate | C | Ab 2 Monaten bzw. 12 Monaten | Reine C-Impfstoffe, 1 Dosis ab 12 Monaten |
| Nimenrix, Menveo | A, C, W, Y | Ab 6 Wochen bzw. 2 Monaten | Vierfach-Impfstoffe, 1 Dosis ab 12 Monaten |
| MenQuadfi | A, C, W, Y | Ab 12 Monaten | Neuerer ACWY-Impfstoff |
Können verschiedene Meningokokken-Impfungen kombiniert werden?
Ja, die verschiedenen Meningokokken-Impfungen können und sollten sogar kombiniert werden, um einen möglichst umfassenden Schutz zu erreichen. Ein typisches Schema könnte so aussehen:
- Mit 2, 4 und 12 Monaten: Meningokokken B (Bexsero)
- Mit 12 Monaten: Meningokokken ACWY (gleichzeitig mit der dritten B-Dosis, aber an anderer Körperstelle)
- Mit 12-15 Monaten: Auffrischung Meningokokken B
Die Impfungen gegen verschiedene Serogruppen beeinflussen sich nicht gegenseitig und können problemlos am selben Tag gegeben werden.
🗺️ Meningokokken-Impfung auf Reisen: Was ist zu beachten?
Wenn du mit deinem Baby oder Kleinkind in bestimmte Regionen reist, kann eine zusätzliche Meningokokken-Impfung sinnvoll oder sogar vorgeschrieben sein.
Risikogebiete für Meningokokken
Besonders hohes Risiko besteht in:
- Afrikanischer Meningitisgürtel: Länder südlich der Sahara von Senegal bis Äthiopien (hauptsächlich Serogruppe A, aber auch C, W, Y)
- Saudi-Arabien: Für Pilgerreisen nach Mekka (Hajj, Umrah) ist eine ACWY-Impfung vorgeschrieben
- Großbritannien: Höhere Meningokokken-B-Raten als in Deutschland
- USA, Kanada, Australien: Erhöhte Raten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Impfempfehlungen für Reisen
Die Reiseimpfempfehlungen hängen vom Zielland, der Reisedauer und den geplanten Aktivitäten ab. Generell gilt:
- Bei Reisen in den Meningitisgürtel: ACWY-Impfung mindestens 2 Wochen vor Abreise
- Bei längeren Aufenthalten oder engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung: Auch B-Impfung erwägen
- Für Schüleraustausch, Au-pair oder Studium im Ausland: Oft ACWY-Impfung erforderlich oder empfohlen
Besprich geplante Reisen rechtzeitig (mindestens 6 Wochen vorher) mit deinem Kinderarzt oder einem Reisemediziner, damit genug Zeit für die Impfungen bleibt.
👨⚕️ Wer sollte sich besonders gegen Meningokokken impfen lassen?
Neben der allgemeinen Empfehlung für die C-Impfung gibt es bestimmte Gruppen, für die ein erweiterter Meningokokken-Schutz besonders wichtig ist.
Kinder und Erwachsene mit erhöhtem Risiko
Für folgende Personen empfiehlt die STIKO ausdrücklich die Impfung gegen mehrere oder alle Meningokokken-Serogruppen:
- Immundefekte: Angeborene oder erworbene Störungen des Immunsystems, besonders des Komplementsystems
- Fehlende oder funktionslose Milz: Nach Milzentfernung oder bei Sichelzellanämie
- HIV-Infektion: Besonders bei fortgeschrittener Erkrankung
- Therapie mit Eculizumab: Medikament, das das Komplementsystem hemmt
- Cochlea-Implantat: Erhöhtes Risiko für Meningitis
- Liquorfistel: Verbindung zwischen Gehirn-Rückenmarks-Raum und Außenwelt
Diese Personen sollten gegen alle verfügbaren Serogruppen (B, C, ACWY) geimpft werden und benötigen regelmäßige Auffrischimpfungen.
Laborpersonal und medizinisches Personal
Menschen, die beruflich mit Meningokokken in Kontakt kommen können (z.B. in mikrobiologischen Laboren), sollten gegen alle Serogruppen geimpft sein.
❓ Häufige Fragen zur Meningokokken-Impfung
Kann mein Baby trotz Impfung an Meningokokken erkranken?
Ja, das ist möglich, aber sehr selten. Kein Impfstoff bietet 100%igen Schutz. Die Meningokokken-C-Impfung schützt zu etwa 95-98%, die B-Impfung zu etwa 70-90% (je nach Bakterienstamm). Zudem schützt die Impfung nur gegen die geimpften Serogruppen – es gibt auch seltenere Serogruppen, gegen die nicht geimpft wird. Trotzdem reduziert die Impfung das Erkrankungsrisiko erheblich und kann im Falle einer Erkrankung den Verlauf abmildern.
Sollte ich mein Baby gegen Meningokokken B impfen lassen, auch ohne STIKO-Empfehlung?
Diese Entscheidung musst du gemeinsam mit deinem Kinderarzt treffen. Viele Experten empfehlen die B-Impfung, besonders für Babys im ersten Lebensjahr, da diese am häufigsten erkranken und die Verläufe oft schwer sind. Argumente dafür: hoher Schutz vor der häufigsten Serogruppe, schwere Krankheitsverläufe vermeidbar. Argumente dagegen: sehr niedrige absolute Erkrankungszahl, häufige Impfreaktionen (vor allem Fieber). Viele Eltern entscheiden sich für die Impfung nach dem Motto "lieber haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben".
Wie lange hält der Schutz der Meningokokken-Impfung an?
Bei der Meningokokken-C- und ACWY-Impfung geht man von einem Schutz von mindestens 10 Jahren aus, möglicherweise sogar lebenslang, wenn die Impfung nach dem ersten Geburtstag gegeben wurde. Bei der B-Impfung sind die Langzeitdaten noch begrenzt, da der Impfstoff erst seit 2013 verfügbar ist. Aktuelle Studien zeigen einen Schutz von mindestens 3-5 Jahren nach vollständiger Impfserie. Für Personen mit erhöhtem Risiko werden Auffrischimpfungen alle 5 Jahre empfohlen.
Kann die Meningokokken-Impfung zusammen mit anderen Impfungen gegeben werden?
Ja, die Meningokokken-Impfungen können gleichzeitig mit anderen Impfungen verabreicht werden, dann aber an unterschiedlichen Körperstellen (z.B. ein Arm für Meningokokken, der andere für MMR). Bei der B-Impfung solltest du mit deinem Arzt besprechen, ob eine gleichzeitige Gabe mit anderen Impfungen sinnvoll ist oder ob ein separater Termin besser wäre, da das Fieberrisiko bei gleichzeitiger Gabe höher ist.
Was passiert, wenn ich einen Impftermin für die Meningokokken-Impfung verpasst habe?
Kein Problem – die Impfung kann jederzeit nachgeholt werden. Es gibt keine Obergrenze für das Alter, und auch wenn die empfohlenen Abstände überschritten wurden, muss nicht von vorn begonnen werden. Bereits gegebene Impfdosen zählen. Sprich mit deinem Kinderarzt über das weitere Vorgehen. Wichtig: Auch wenn dein Kind schon älter ist, kann die Impfung noch sinnvoll sein, da Meningokokken-Erkrankungen in allen Altersgruppen auftreten können.
Gibt es Gründe, warum mein Baby nicht gegen Meningokokken geimpft werden sollte?
Echte Kontraindikationen sind selten. Die Impfung sollte verschoben werden bei akuten schweren Erkrankungen mit Fieber (leichte Infekte sind kein Hinderungsgrund). Eine bekannte schwere allergische Reaktion auf einen Impfstoffbestandsteil ist eine Kontraindikation. Bei Frühgeborenen, chronischen Erkrankungen oder Immunschwäche ist die Impfung besonders wichtig und sollte nach individueller ärztlicher Beratung durchgeführt werden. Sprich eventuelle Bedenken offen mit deinem Kinderarzt an.
💚 Fazit: Meningokokken-Impfung – ein wichtiger Schutz für dein Baby
Meningokokken-Erkrankungen sind selten, aber wenn sie auftreten, können sie innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden. Die Impfung ist der wirksamste Schutz, den du deinem Kind bieten kannst.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Die Meningokokken-C-Impfung (oder besser ACWY) ist ab 12 Monaten Standardimpfung und sollte unbedingt wahrgenommen werden
- Die Meningokokken-B-Impfung ist keine Standardimpfung, wird aber von vielen Ärzten empfohlen, besonders für Babys im ersten Lebensjahr – die Kosten übernehmen die meisten Krankenkassen
- Bei Verdacht auf Meningokokken (plötzliches hohes Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Hautblutungen) sofort den Notarzt rufen – jede Minute zählt
- Die Impfungen sind gut verträglich, die B-Impfung kann häufiger Fieber verursachen
- Für einen umfassenden Schutz sollten alle verfügbaren Impfungen (B und ACWY) in Betracht gezogen werden
Sprich mit deinem Kinderarzt über die individuell beste Impfstrategie für dein Baby. Er kann dich zu den verschiedenen Impfstoffen beraten und gemeinsam mit dir einen Impfplan erstellen, der optimal zu eurer Situation passt. Und denk daran: Auch wenn du dich zunächst gegen eine Impfung entschieden hast, kannst du diese Entscheidung jederzeit überdenken und die Impfung nachholen.
Die Gesundheit deines Babys liegt dir am Herzen – und mit der Meningokokken-Impfung triffst du eine wichtige Entscheidung für seinen Schutz.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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