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Totgeburt – Ursachen & was bei einer stillen Geburt helfen kann

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 07.05.2026 Lesezeit 14 Min.
Totgeburt - Ursachen & was bei einer stillen Geburt helfen kann

Auf einen Blick

  • Eine Totgeburt liegt vor, wenn das Baby mindestens 500 Gramm wiegt oder die 24. SSW erreicht wurde und keine Lebenszeichen zeigt
  • In Deutschland liegt das Risiko bei etwa 0,3-0,5 % aller Schwangerschaften
  • Du hast das Recht auf eine natürliche Geburt, Mutterschutz und professionelle Begleitung durch eine Hebamme

Der Verlust eines Kindes ist für Eltern eine unfassbare Tragödie. Wenn Du selbst betroffen bist oder jemanden kennst, der diese Erfahrung durchmacht: Nimm Dir Zeit, hol Dir Hilfe und sei sanft zu Dir selbst. Informationen können ein wichtiger Teil der Verarbeitung sein – aber achte gut auf Dich und lies nur so viel, wie Du gerade verkraften kannst.

🖤 Was genau ist eine Totgeburt?

Viele verwechseln die Begriffe Fehlgeburt und Totgeburt. Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn das Kind in den ersten Wochen der Schwangerschaft verstorben ist. Eine Totgeburt liegt vor, wenn bestimmte Grenzen überschritten wurden. In Deutschland gelten folgende Kriterien:

  • Das Kind ist mindestens 500 Gramm schwer
  • Es gab bei der Geburt kein erkennbares Lebenszeichen
  • Die 24. Schwangerschaftswoche wurde erreicht

Die Kriterien des Körpergewichtes und der erreichten Schwangerschaftswoche müssen nicht beide erfüllt sein. Wenn Dein Kind weniger als 500 Gramm hat, aber die 24. SSW erreicht wurde, liegt ebenfalls eine Totgeburt vor.

Gut zu wissen: Das Kriterium der erreichten Schwangerschaftswoche ist seit dem 1. November 2018 Teil des Personenstandsgesetzes. Im Laufe der Zeit haben sich die Kriterien immer wieder geändert.

Zu den aktuell geltenden Bedingungen gehört auch das Fehlen der Lebenszeichen. Dagegen ist es eine Lebendgeburt, wenn eines der folgenden Zeichen nach der Geburt erkennbar ist:

  • Das Herz schlägt
  • Die Lungenatmung setzt ein
  • Die Nabelschnur pulsiert

In der medizinischen Fachsprache wird eine Totgeburt als intrauteriner Fruchttod bezeichnet. Umgangssprachlich wird auch von einer stillen Geburt oder Stillgeburt gesprochen.

📊 Wie häufig kommt eine Totgeburt vor?

Insgesamt ist eine Totgeburt kein sehr häufiges Ereignis. In Deutschland liegt das Risiko einer Totgeburt etwa zwischen 0,3 und 0,5 %. Nach der 28. Schwangerschaftswoche liegt noch in 0,24 Prozent der Fälle eine Totgeburt vor.

Weltweit treten jedes Jahr etwa zwei Millionen Totgeburten auf. Das hört sich zunächst nach einer sehr großen Zahl an, allerdings muss sie im Verhältnis mit den Lebendgeburten gesehen werden.

Im Vergleich mit anderen Ländern zeigt sich, dass die generellen gesundheitlichen Bedingungen in einem Land einen Einfluss auf diese Quote haben. Aus diesem Grund gibt es auch Länder, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Totgeburt bei über vier Prozent liegt.

Auch im Laufe der Zeit verändert sich diese Rate. In Deutschland lag die Wahrscheinlichkeit zwischen 1841 und 1875 noch bei etwa 4 Prozent.

Gut zu wissen: Diese Raten verändern sich auch durch die Anpassungen der Definitionen. Daher ist ein direkter Vergleich nicht immer leicht.

🔍 Welche Ursachen gibt es für eine Totgeburt?

Es gibt verschiedene Ursachen, die für eine Totgeburt in Frage kommen. Ein Teil liegt dabei in kindlichen Erkrankungen, andere Ursachen sind Erkrankungen der Mutter.

Kindliche Ursachen

Bei den kindlichen Ursachen kommen folgende Dinge in Frage:

  • Chromosomenbesonderheiten, wie zum Beispiel Trisomie 13 oder Trisomie 18
  • Fehlbildungen lebenswichtiger Organe
  • Eine Sauerstoffmangelversorgung
  • Schwerwiegende fetale Erkrankungen, darunter zum Beispiel Morbus haemolyticus fetalis
  • Fatale Herzrhythmusstörungen

Eine Sauerstoffmangelversorgung kann verschiedene Ursachen haben. In manchen Fällen ist der Mutterkuchen nicht ausreichend ausgebildet. Manchmal kommt es auch zu einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta. Außerdem können auch Nabelschnurknoten, ein Nabelschnurvorfall oder eine Nabelschnurumschlingung die Versorgung in zu starkem Maße beeinträchtigen.

Mütterliche Ursachen

Neben den kindlichen Ursachen können auch mütterliche Erkrankungen zu einer Totgeburt führen. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem:

  • Infektionen (zum Beispiel Listeriose, Toxoplasmose und Zytomegalie)
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Erkrankungen in der Schwangerschaft (zum Beispiel Eklampsie, HELLP-Syndrom oder Diabetes mellitus)
  • Drogenmissbrauch
  • Seltene Schwangerschaftskomplikationen (zum Beispiel Gebärmutterriss oder Fruchtwasserembolie)
  • Psychosozialer Stress (zum Beispiel durch Krieg, Flucht oder Vertreibung)

Achtung: Auch ein vorangegangener Kaiserschnitt erhöht das Risiko einer Totgeburt.

🌸 Welche Anzeichen treten bei einer Totgeburt auf?

Als Mutter kannst Du eine Totgeburt meist nur daran erkennen, dass die Kindsbewegungen fehlen. Allerdings ist das auch nicht immer ein sicheres Zeichen, denn die Aktivität Deines Babys im Mutterleib kann sich immer wieder verändern.

Tipp: Wenn Du ungewöhnlich lange Ruhezeiten Deines Kindes bemerkst, solltest Du Deinen Arzt oder Deine Ärztin aufsuchen.

Ein anderes Anzeichen kann eine Verfärbung des Fruchtwassers sein, die nach einem Blasensprung sichtbar wird. Im Falle eines intrauterinen Fruchttods geht der kindliche Blutfarbstoff in das Fruchtwasser über. Dadurch kann es sich fleischwasserfarben bis braun verfärben.

Wie wird eine Totgeburt festgestellt?

Besteht der Verdacht auf eine Totgeburt werden meist ein CTG und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Im Ultraschall kann nachgewiesen werden, dass der kindliche Herzschlag fehlt und der Blutstrom durch die Nabelschnur aufgehört hat. Darüber hinaus zeigen sich auch manchmal Anzeichen an der Wirbelsäule oder dem Schädel des Kindes.

Gut zu wissen: Wenn die Fruchtblase im Falle der Totgeburt noch intakt ist, muss nicht mit einer Vergiftung der Mutter gerechnet werden. Es kommt zwar zu einem Auflösungsprozess, dieser hat aber nichts mit einer bakteriellen Verwesung zu tun. Erst etwa vier bis fünf Wochen nach dem Tod des Kindes kann es in einigen Fällen zu einer Komplikation durch austretende Stoffe kommen.

Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, um zu begreifen, was passiert ist. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg zu trauern – jede Mutter geht ihren eigenen Weg durch diese schwere Zeit.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

⏰ Muss bei einer Totgeburt direkt eine Einleitung oder ein Kaiserschnitt erfolgen?

In den meisten Fällen ist bei einer Totgeburt kein rasches Eingreifen notwendig. Du hast auch die Möglichkeit auf das natürliche Einsetzen der Wehen zu warten. Meist dauert das ein paar Tage oder bis zu zwei Wochen. Diese Zeit kann sinnvoll sein, um den Verlust zu begreifen und damit Du entscheiden kannst, wie Du den Abschied gestalten willst.

Erst nach etwa drei bis vier Wochen können zusätzliche Untersuchungen wichtig sein, um eventuelle Komplikationen zu verhindern. Darüber hinaus sollten besondere Anzeichen wie Blutungen Beachtung finden. Berate Dich in so einem Fall mit Deinem Arzt und Deiner Hebamme.

Tipp: Eine schnelle Einleitung kann sinnvoll sein, wenn Du Dir das als Mutter wünschst. Allerdings ist es möglich, dass der Prozess in diesem Fall etwas länger dauert, weil Dein Körper noch nicht auf eine Geburt eingestellt ist. In einigen Fällen wird die Einleitung auch für einige Stunden oder Tage pausiert, bevor sie Wirkung zeigt.

Unter Umständen kann auch eine Hausgeburt möglich sein. Das gibt Dir mehr Entscheidungsfreiheit, wie Du den Abschied gestalten willst.

💪 Warum sollte das Kind bei einer Totgeburt normal geboren werden?

Eine normale Geburt hat wesentlichen Einfluss auf die Verarbeitung der Totgeburt. Bis in die 1980er Jahre war es üblich, die Mutter zu sedieren. Meist wurde ihr das Kind auch nicht gezeigt. Ein bewusstes Erleben der Geburt kann aber ein wesentlicher Teil des Trauerprozesses sein.

Darüber hinaus werden bei einer natürlichen Geburt verschiedene Hormone ausgeschüttet. Und weil Körper und Geist eng verbunden sind, kann das auch bei der Verarbeitung des Trauerfalls helfen.

Daher ist es wichtig, dass die Geburtshelfer sensibel mit dieser tragischen Situation umgehen und Deine Wünsche beachten und Dich sensibel begleiten. Dazu gehört auch der Wunsch nach Schmerzmitteln. Manchen Müttern hilft es, wenn die Geburt schmerzlos ist, anderen kann es helfen, alle körperlichen Prozesse bewusst spüren zu können.

Achtung: Neben den seelischen Folgen sollten auch mögliche körperliche Folgen beachtet werden. Ein Kaiserschnitt birgt für Dich selbst und nachfolgende Schwangerschaften ein höheres Risiko. Dazu kommen die körperlichen Einschränkungen durch den Bauchschnitt.

✨ Wie kann der Abschied bei einer Totgeburt gestaltet werden?

Für viele Eltern sind die Erinnerungen an ihr totgeborenes Kind besonders wertvoll. Daher ist es wichtig, dass Du nach der Geburt die Möglichkeit hast, Dein Baby zu sehen und es anzufassen. Oft können die Ärzte, Hebammen und Krankenpfleger Dir diese Zeit auch geben.

Viele Eltern wissen nicht, was sie nach der Geburt erwarten können. Wie sieht das Kind aus und gibt es Veränderungen? Diese Frage kann ein Kennenlernen nach der Geburt beantworten. Damit wird verhindert, dass Deine Vorstellungen Dir keine Ruhe lassen.

Erinnerungen schaffen

Darüber hinaus kann es hilfreich sein, wenn Du Spuren Deines Kindes hast. Das Klinikpersonal kann Abdrücke von Händen und Füßen machen und manchmal kannst Du eine Haarlocke behalten. Darüber hinaus gibt es Fotografen, die stille Geburten ehrenamtlich begleiten und schöne Fotos von Deinem Kind machen.

📋 Was passiert in Deutschland nach einer Totgeburt?

Im Gegensatz zu einer Fehlgeburt ist eine Totgeburt in Deutschland meldepflichtig. Das heißt, dass Du in so einem Fall eine Geburtsurkunde mit einem Sterbevermerk erhältst. Darüber hinaus hast Du verschiedene Rechte:

  • Du darfst Deinem Kind einen Namen geben
  • Du hast den Anspruch auf die Hilfe durch eine Hebamme, auch im Wochenbett
  • Um die Ursache zu finden, kannst Du Dein Kind obduzieren und den Mutterkuchen untersuchen lassen

Darüber hinaus besteht für Dein Kind eine Bestattungspflicht. Das heißt, dass Dein Kind auf einem Friedhof beigesetzt wird. In vielen Orten mit einer Geburtsklinik gibt es Sammelbestattungen für Tot- und Fehlgeburten. Du kannst Dein Kind aber auch in einem Einzelgrab beisetzen. Lass Dich in diesem Punkt gut beraten.

📅 Wie lange hast Du nach einer Totgeburt Mutterschutz?

Auch nach einer Totgeburt hast Du das Recht auf Deinen Mutterschutz. Dieser Zeitraum entspricht auch den sonst üblichen Regeln. Das heißt, dass Du mindestens acht Wochen nach der Geburt nicht beschäftigt werden darfst. Nach einer Früh- oder Mehrlingsgeburt sind es sogar zwölf Wochen. Wenn die Geburt vor dem errechneten Geburtstermin liegt, wird der fehlende Zeitraum an die acht bzw. zwölf Wochen angehängt, so dass Du zusammen mindestens 14 Wochen Mutterschutz hast.

Nach einer Totgeburt kannst Du aber auf eigenen Wunsch den Mutterschutz auf zwei Wochen nach der Geburt beschränken. Dazu benötigst Du ein ärztliches Zeugnis, dass Deine Arbeitsfähigkeit bestätigt. Allerdings hast Du auch dann noch die Möglichkeit den Rest Deines Mutterschutzes zu nutzen, wenn Dir die Arbeit noch zu viel ist. Du kannst die Erklärung jederzeit widerrufen.

Achtung: Diese Regelungen gelten nicht für selbstständig tätige Frauen. In diesem Fall musst Du Dich selbst um eine Absicherung kümmern, die den Verdienstausfall ausgleicht. Einige Krankenkassen bieten Dir die Möglichkeit von Krankentagegeld. Denk schon früh in der Schwangerschaft daran, Deine Versicherung auf diese eventuell etwas teureren Wahltarife zu überprüfen. Am besten änderst Du den Versicherungsschutz schon vor der Schwangerschaft.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann spricht man von einer Totgeburt statt einer Fehlgeburt?

Von einer Totgeburt spricht man, wenn das Baby mindestens 500 Gramm wiegt oder die 24. Schwangerschaftswoche erreicht wurde und bei der Geburt keine Lebenszeichen zeigt. Werden diese Bedingungen nicht erreicht, handelt es sich um eine Fehlgeburt.

Wie merke ich als Mutter, dass mein Baby im Bauch verstorben ist?

Das häufigste Anzeichen ist das Ausbleiben der Kindsbewegungen. Allerdings ist das nicht immer ein sicheres Zeichen, da sich die Aktivität Deines Babys auch normal verändern kann. Bei ungewöhnlich langen Ruhephasen solltest Du Deinen Arzt aufsuchen. Eine Verfärbung des Fruchtwassers nach einem Blasensprung kann ein weiteres Anzeichen sein.

Muss ich nach der Diagnose sofort entbinden?

Nein, in den meisten Fällen ist kein rasches Eingreifen notwendig. Du kannst auf das natürliche Einsetzen der Wehen warten, was meist ein paar Tage oder bis zu zwei Wochen dauert. Diese Zeit kann Dir helfen, den Verlust zu begreifen und den Abschied zu gestalten. Eine schnelle Einleitung ist nur nötig, wenn Du es wünschst oder medizinische Gründe dafür sprechen.

Warum wird eine natürliche Geburt statt eines Kaiserschnitts empfohlen?

Eine natürliche Geburt hat wesentlichen Einfluss auf die Verarbeitung der Totgeburt. Die dabei ausgeschütteten Hormone können bei der Trauerverarbeitung helfen. Außerdem birgt ein Kaiserschnitt höhere Risiken für Dich und nachfolgende Schwangerschaften sowie körperliche Einschränkungen durch den Bauchschnitt.

Welche Rechte habe ich nach einer Totgeburt?

Du erhältst eine Geburtsurkunde mit Sterbevermerk, darfst Deinem Kind einen Namen geben und hast Anspruch auf Hebammenhilfe im Wochenbett. Du kannst eine Obduktion und Untersuchung des Mutterkuchens veranlassen. Außerdem hast Du das Recht auf mindestens acht Wochen Mutterschutz nach der Geburt.

Kann ich mein Baby nach der Geburt sehen und im Arm halten?

Ja, und das wird sogar empfohlen. Für viele Eltern sind diese Erinnerungen besonders wertvoll. Das Klinikpersonal kann Dir Zeit geben, Dein Baby kennenzulernen, Abdrücke von Händen und Füßen machen und manchmal eine Haarlocke aufbewahren. Es gibt auch Fotografen, die stille Geburten ehrenamtlich begleiten.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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