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Lotusgeburt – ein besonderes Geburtsritual

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 02.05.2026 Lesezeit 7 Min.
Lotusgeburt – ein besonderes Geburtsritual

Auf einen Blick

  • Bei der Lotusgeburt wird die Nabelschnur nicht durchtrennt – sie löst sich nach 3-10 Tagen von selbst
  • Die Plazenta bleibt mit dem Baby verbunden und muss täglich mit Salz und Kräutern konserviert werden
  • Es handelt sich um ein spirituelles Ritual ohne medizinisch nachgewiesene Vorteile

Die Geburt Deines Babys ist ein einzigartiger Moment – und manche Eltern wünschen sich, diesen Übergang besonders sanft zu gestalten. Die Lotusgeburt ist ein altes Ritual, bei dem Dein Neugeborenes so lange mit der Plazenta verbunden bleibt, bis sich die Nabelschnur von selbst löst. Was steckt dahinter und ist es das Richtige für Dich?

🌸 Was genau ist eine Lotusgeburt?

Auch wenn der Name es vermuten lässt – mit Blumen hat dieses Ritual nichts zu tun. Bei einer Lotusgeburt wird die Nabelschnur nach der Geburt weder durchtrennt noch abgeklemmt. Dein Baby bleibt mit der Plazenta verbunden, auch nachdem die Nachgeburt geboren wurde.

Die Nabelschnur pulsiert weiter, und Ihr wartet in aller Ruhe, bis sie sich vom Bauchnabel löst. Wie lange das dauert, ist ganz unterschiedlich: Bei manchen Babys löst sich die Nabelschnur schon nach drei Tagen, bei anderen dauert es acht bis zehn Tage.

Gut zu wissen: Die Bezeichnung „Lotusgeburt" kommt tatsächlich von der Plazenta selbst – die Zeichnungen auf dem Organ sehen oft aus wie eine Pflanze, ein Baum oder eine Blume.

🍼 Wie wird die Plazenta behandelt?

Normalerweise wird die Nabelschnur kurz nach der Geburt abgeklemmt und durchtrennt. Bei der Lotusgeburt bleibt sie jedoch mit der Plazenta verbunden – und das bedeutet, Du musst Dich um den Mutterkuchen kümmern.

Die richtige Pflege der Plazenta

Der erste Schritt ist die gründliche Reinigung mit Wasser, damit es nicht zu Infektionen kommt. Anschließend wird die Plazenta in saubere Mulltücher geschlagen und in ein Gefäß gelegt – meist ein Tongefäß, das Du zur Geburt mitbringst.

Achtung: Sobald die Nabelschnur auspulsiert hat, stirbt die Plazenta ab und wird zu totem Gewebe. Sie muss daher unbedingt konserviert werden!

So konservierst Du die Plazenta

Die traditionelle Konservierung hat sich über Jahrhunderte bewährt:

  1. Nach 24 Stunden die Mulltücher öffnen
  2. Die Plazenta großzügig mit Salz bestreuen
  3. Kräuter darüber geben
  4. Neu einschlagen und in die Schale legen
  5. Diesen Vorgang täglich wiederholen

Tipp: Wenn Dir ein Tongefäß zu unpraktisch ist, schau nach speziellen Lotuspacks. Das sind kleine, feuchtigkeitsbeständige Taschen, die sich leicht transportieren lassen.

👶 Stillen, Wickeln, Anziehen – geht das alles?

Stillen mit Lotusgeburt

Eine Lotusgeburt spricht überhaupt nicht gegen das Stillen. Tatsächlich berichten viele Mütter, dass ihre Babys deutlich entspannter sind und sich leichter mit dem Stillen tun. Die Nabelschnur und Plazenta wirken nicht störend – vielleicht brauchst Du zu Beginn ein wenig Übung, bis Du die richtige Position findest. Deine Hebamme hilft Dir dabei gerne.

Wickeln und Anziehen

Auch das Wickeln ist kein Problem. Du kannst Dein Baby ganz normal windeln. Empfehlenswert sind:

  • Wickelhemdchen
  • Hosen mit weichem Bund (kein Druck auf den Nabel)
  • Alternativ: nur Windel und kuschlige Decke

Viele Eltern entscheiden sich gerade in den ersten Tagen für die minimalistische Variante – schließlich sollst Du das Wochenbett ohnehin größtenteils im Bett verbringen. Hier könnt Ihr es Euch beide richtig gemütlich machen.

Die Lotusgeburt ist eine sehr persönliche Entscheidung. Wichtig ist, dass Du Dich damit wohlfühlst und gut informiert bist – dann kann dieses Ritual eine wunderschöne Erfahrung sein.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

✨ Welche Vorteile hat eine Lotusgeburt?

Ehrlich gesagt: Die Vorteile einer Lotusgeburt haben keine medizinische Grundlage. Es gibt keine Studien, die nachweisen, dass es für Dein Baby gesundheitliche Vorteile bringt. Dennoch sprechen viele Eltern davon, dass es für ihr Baby entspannter war, als sich die Plazenta selbst löste.

Aus rein medizinischer Sicht gibt es zwei positive Aspekte:

  • Es entsteht keine Nabelwunde, die eine Eintrittspforte für Keime darstellt
  • Die Nabelschnur kann vollständig auspulsieren

Gut zu wissen: Das Auspulsieren der Nabelschnur kannst Du auch bei einer normalen Geburt wünschen. Sprich das einfach beim Geburtsgespräch an – dann wird die Nabelschnur erst durchtrennt, wenn sie auspulsiert hat.

🔍 Was sind die Risiken?

Grundsätzlich ist wichtig zu wissen: Die Plazenta hat nach der Entbindung keine Funktion mehr für Dein Baby. Bei der Lotusgeburt geht es vor allem um ein Ritual, mit dem Du der Plazenta Wertschätzung entgegenbringst.

Dennoch weisen einige Experten auf ein Risiko hin: Das tote Gewebe kann anziehend für Bakterien und Keime sein. In seltenen Fällen können diese zu Deinem Baby gelangen.

Achtung: Umso wichtiger ist eine umfangreiche und konsequente Konservierung! Lass Dich unbedingt von Deiner Hebamme oder einer Doula beraten.

💪 Ist eine Lotusgeburt das Richtige für Dich?

Die Lotusgeburt ist eine Überzeugungssache. Wenn Du darüber nachdenkst, empfehlen wir Dir, die Vor- und Nachteile genau abzuwägen. Frag Dich:

  • Warum möchte ich dieses Ritual durchführen?
  • Fühle ich mich mit der Pflege der Plazenta wohl?
  • Habe ich die nötige Unterstützung?
  • Wo möchte ich entbinden?

Gespräche mit Deiner Hebamme helfen Dir bei der Entscheidung. Bedenke auch, dass nicht jedes Krankenhaus eine Lotusgeburt unterstützt – sprich es unbedingt bei der Geburtsvorbereitung an. Bei einer Hausgeburt oder im Geburtshaus ist eine Lotusgeburt in der Regel problemlos möglich.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis sich die Nabelschnur bei einer Lotusgeburt löst?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei manchen Babys löst sich die Nabelschnur schon nach drei Tagen, bei anderen kann es acht bis zehn Tage dauern. Jedes Baby hat sein eigenes Tempo.

Riecht die Plazenta unangenehm?

Wenn Du die Plazenta richtig konservierst – mit regelmäßigem Salzen und Kräutern – sollte sie nicht unangenehm riechen. Die Konservierung ist aber wirklich wichtig und muss täglich durchgeführt werden.

Kann ich mit einer Lotusgeburt trotzdem ins Krankenhaus?

Das hängt vom Krankenhaus ab. Nicht alle Kliniken unterstützen eine Lotusgeburt. Sprich das unbedingt schon bei der Geburtsvorbereitung an. Im Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt ist es meist kein Problem.

Ist eine Lotusgeburt gefährlich für mein Baby?

Bei richtiger Pflege und Konservierung der Plazenta ist das Risiko gering. Allerdings kann totes Gewebe Bakterien anziehen. Lass Dich von Deiner Hebamme beraten und achte auf eine konsequente Hygiene.

Was mache ich mit der Plazenta, wenn sich die Nabelschnur gelöst hat?

Viele Eltern vergraben die Plazenta im Garten oder unter einem Baum als symbolischen Akt. Manche lassen sie auch zu Globuli verarbeiten. Sprich mit Deiner Hebamme über die verschiedenen Möglichkeiten.

Kann ich mein Baby mit Lotusgeburt trotzdem baden?

In den ersten Tagen wird ohnehin vom Baden abgeraten. Wenn die Nabelschnur noch verbunden ist, kannst Du Dein Baby vorsichtig mit einem feuchten Waschlappen waschen. Ein richtiges Bad ist erst nach dem Lösen der Nabelschnur empfehlenswert.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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