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Vaterschaftsurlaub: Anspruch, Dauer & aktuelle Regelung

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 04.07.2026 Lesezeit 20 Min.
Vaterschaftsurlaub: Anspruch, Dauer & aktuelle Regelung

Auf einen Blick

  • In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub – Väter können aber Elternzeit nehmen (bis zu 36 Monate)
  • Elterngeld gibt es maximal 14 Monate, davon mindestens 2 Monate für den Partner („Partnermonate")
  • Seit September 2021 sind Väter durch das ElterngeldPlus flexibler – auch in Teilzeit möglich
  • Viele Arbeitgeber bieten freiwillige Sonderurlaubsregelungen direkt nach der Geburt an

Du wirst Papa oder bist gerade Vater geworden? Dann möchtest du sicher die ersten Wochen intensiv mit deinem Baby und deiner Partnerin verbringen. Doch wie sieht es rechtlich aus mit dem Vaterschaftsurlaub in Deutschland? Hier erfährst du alles über deine Ansprüche, Möglichkeiten und wie du die Zeit mit deiner Familie optimal gestaltest.

🔍 Was ist Vaterschaftsurlaub – und gibt es ihn in Deutschland?

Der Begriff „Vaterschaftsurlaub" führt in Deutschland oft zu Verwirrung, denn einen eigenständigen, gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub wie in vielen anderen EU-Ländern gibt es hierzulande nicht. Was umgangssprachlich als Vaterschaftsurlaub bezeichnet wird, ist rechtlich gesehen die Elternzeit, die beiden Elternteilen gleichermaßen zusteht.

Während Mütter durch den Mutterschutz automatisch sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt freigestellt sind und in dieser Zeit Mutterschaftsgeld erhalten, haben Väter keinen vergleichbaren automatischen Anspruch. Stattdessen können sie Elternzeit beantragen und während dieser Zeit Elterngeld beziehen.

Der Unterschied zwischen Mutterschutz und Elternzeit

Wichtig zu verstehen: Der Mutterschutz ist eine Pflichtpause für die Mutter aus gesundheitlichen Gründen. Die Elternzeit hingegen ist ein Anspruch auf unbezahlte Freistellung, den beide Elternteile nutzen können – allerdings mit der Möglichkeit, währenddessen Elterngeld zu beziehen.

Gut zu wissen: Seit 2021 haben Väter in der EU durch die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie theoretisch Anspruch auf mindestens 10 Arbeitstage bezahlten Vaterschaftsurlaub rund um die Geburt. Deutschland hat diese Richtlinie bisher nicht durch einen separaten Vaterschaftsurlaub umgesetzt, sondern verweist auf das bestehende Elternzeit- und Elterngeldsystem.

⏱️ Elternzeit für Väter: Dauer und Aufteilung

Als Vater hast du Anspruch auf bis zu 36 Monate Elternzeit bis zum achten Geburtstag deines Kindes. Diese Zeit kannst du flexibel aufteilen und musst sie nicht am Stück nehmen.

Die drei Zeitabschnitte der Elternzeit

  • 0 bis 3 Jahre: Bis zu 24 Monate können in den ersten drei Lebensjahren genommen werden
  • 3 bis 8 Jahre: Bis zu 24 Monate können zwischen dem dritten und achten Geburtstag genommen werden (maximal drei Zeitabschnitte insgesamt)
  • Aufteilung: Du kannst die Elternzeit in bis zu drei Abschnitte aufteilen

Beliebte Modelle für Väter

Viele Väter nutzen die Elternzeit nicht am Stück, sondern kombinieren verschiedene Modelle:

  • Die ersten 2 Monate: Direkt nach der Geburt, um die Partnerin zu unterstützen und die erste Zeit intensiv mitzuerleben
  • Partnermonate parallel: Beide Eltern nehmen gleichzeitig Elternzeit, um die Umstellung gemeinsam zu bewältigen
  • Staffelung: Nach dem Mutterschutz übernimmt der Vater, während die Mutter wieder arbeiten geht
  • Teilzeit-Elternzeit: Reduzierung der Arbeitszeit auf 15-30 Wochenstunden bei gleichzeitigem Elterngeldbezug
Nadine Scheiner

💗 Nadines Empfehlung

Nadine Scheiner

Aus meiner Erfahrung rate ich jedem Vater: Nimm dir mindestens die ersten zwei Monate nach der Geburt Zeit! Diese Phase ist nicht nur für die Bindung zum Baby unglaublich wertvoll, sondern auch für eure Partnerschaft. Mein Mann hat damals zwei Monate genommen, und wir haben diese gemeinsame Zeit als Team so sehr geschätzt. Die Erschöpfung, die schlaflosen Nächte, aber auch die magischen Momente – das zusammen zu erleben, schweißt zusammen und gibt euch beiden die Chance, von Anfang an gleichberechtigt Eltern zu sein.

💰 Elterngeld für Väter: So viel steht dir zu

Während der Elternzeit erhältst du als Vater Elterngeld, das dein wegfallendes Einkommen teilweise ersetzt. Die Höhe und Dauer hängen vom gewählten Modell ab.

Basiselterngeld

Das Basiselterngeld beträgt 65 bis 67 Prozent deines durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate vor der Geburt. Es wird maximal 14 Monate lang gezahlt, wenn beide Partner Elternzeit nehmen. Nimmt nur ein Elternteil Elternzeit, verkürzt sich die Bezugsdauer auf 12 Monate.

  • Mindestbetrag: 300 Euro monatlich (auch ohne vorheriges Einkommen)
  • Höchstbetrag: 1.800 Euro monatlich
  • Partnermonate: 2 zusätzliche Monate, wenn auch der zweite Elternteil mindestens 2 Monate Elternzeit nimmt

ElterngeldPlus

Das ElterngeldPlus ist besonders interessant, wenn du in Teilzeit weiterarbeiten möchtest. Es beträgt monatlich maximal die Hälfte des Basiselterngeldes, wird aber doppelt so lange gezahlt.

  • Dauer: Bis zu 28 Monate (statt 14 Monate Basiselterngeld)
  • Höhe: Maximal 50% des Basiselterngeldes
  • Vorteil: Ideal bei Teilzeitarbeit während der Elternzeit

Partnerschaftsbonus

Arbeiten beide Eltern gleichzeitig 24 bis 32 Wochenstunden (seit September 2021: 24 bis 32 Stunden), erhalten beide jeweils 4 zusätzliche ElterngeldPlus-Monate.

📊

Elterngeld-Optionen für Väter im Überblick

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💼
Basiselterngeld 65-67% des Nettoeinkommens, maximal 14 Monate bei Partnernutzung
ElterngeldPlus Halbe Höhe, doppelte Dauer – ideal bei Teilzeitarbeit
🤝
Partnerschaftsbonus 4 Extra-Monate pro Elternteil bei gleichzeitiger Teilzeit (24-32h)
2
Partnermonate Mindestens 2 Monate muss der Partner nehmen für volle 14 Monate
Elterngeld-Variante Maximale Dauer Höhe Für wen geeignet?
Basiselterngeld 12-14 Monate 65-67% Netto (max. 1.800€) Vollständige Elternzeit-Auszeit
ElterngeldPlus 24-28 Monate 32,5-33,5% Netto (max. 900€) Teilzeitarbeit während Elternzeit
Partnerschaftsbonus +4 Monate pro Elternteil ElterngeldPlus-Satz Beide arbeiten gleichzeitig 24-32h
Kombination möglich Individuell Variabel Flexible Planung nach Bedarf

📋 Elternzeit beantragen: So gehst du vor

Die Beantragung der Elternzeit als Vater ist unkompliziert, erfordert aber die Einhaltung bestimmter Fristen.

Fristen für die Anmeldung

  • Elternzeit bis zum 3. Geburtstag: Spätestens 7 Wochen vor Beginn schriftlich beim Arbeitgeber anmelden
  • Elternzeit zwischen 3. und 8. Geburtstag: Spätestens 13 Wochen vorher anmelden
  • Direkt nach der Geburt: Auch wenn der genaue Geburtstermin nicht feststeht, kannst du mit dem errechneten Termin planen

Was gehört in den Antrag?

Dein Antrag auf Elternzeit sollte folgende Informationen enthalten:

  • Gewünschter Beginn und Ende der Elternzeit
  • Angabe, für welches Kind du Elternzeit nimmst (Name, Geburtsdatum)
  • Bei Aufteilung: Welche Zeiträume du konkret nehmen möchtest
  • Unterschrift (handschriftlich bei Papierform)

Wichtig: Der Antrag muss schriftlich erfolgen! Eine E-Mail reicht nicht aus. Versende den Antrag per Einschreiben mit Rückschein oder lass dir die Übergabe schriftlich bestätigen. Die Elternzeit beginnt für Väter frühestens mit der Geburt des Kindes, nicht schon vorher.

Elterngeld separat beantragen

Die Elternzeit beantragst du beim Arbeitgeber, das Elterngeld jedoch bei der zuständigen Elterngeldstelle deines Bundeslandes. Dies solltest du möglichst direkt nach der Geburt tun, da Elterngeld rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate gezahlt wird.

🛡️ Kündigungsschutz und Rechte während der Elternzeit

Während der Elternzeit genießt du als Vater besonderen Kündigungsschutz. Dieser beginnt bereits mit der Anmeldung der Elternzeit, frühestens jedoch 8 Wochen vor deren Beginn.

Was der Kündigungsschutz bedeutet

  • Dein Arbeitgeber darf dir während der Elternzeit grundsätzlich nicht kündigen
  • Nur in Ausnahmefällen kann eine Kündigung mit Zustimmung der zuständigen Behörde ausgesprochen werden
  • Der Schutz gilt auch bei Teilzeitarbeit während der Elternzeit
  • Nach der Elternzeit hast du Anspruch auf Rückkehr zu deinen ursprünglichen Arbeitsbedingungen

Teilzeitarbeit während der Elternzeit

Du darfst während der Elternzeit bis zu 32 Wochenstunden (seit September 2021, vorher 30 Stunden) arbeiten. Unter bestimmten Voraussetzungen hast du sogar einen Rechtsanspruch auf Teilzeit:

  • Dein Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter
  • Du bist seit mindestens 6 Monaten im Unternehmen
  • Die Teilzeit soll mindestens 2 Monate dauern
  • Du arbeitest zwischen 15 und 32 Wochenstunden

🌍 Vaterschaftsurlaub im internationalen Vergleich

Im europäischen Vergleich steht Deutschland mit seinem Elternzeit-Modell gut da, auch wenn es keinen separaten Vaterschaftsurlaub gibt. Schauen wir uns an, wie es in anderen Ländern aussieht:

Land Vaterschaftsurlaub Bezahlung Besonderheiten
Deutschland Keine separate Regelung, Elternzeit bis 36 Monate Elterngeld 65-67% (max. 14 Monate) Flexible Aufteilung, Teilzeit möglich
Schweden 480 Tage Elternzeit (pro Familie) 80% des Gehalts (390 Tage) 90 Tage reserviert für jeden Elternteil
Norwegen 15 Wochen nur für Väter 100% des Gehalts „Use it or lose it"-Prinzip
Frankreich 28 Tage Vaterschaftsurlaub Volles Gehalt Seit Juli 2021 von 14 auf 28 Tage erhöht
Spanien 16 Wochen 100% des Gehalts Seit 2021 gleichgestellt mit Müttern
Österreich Karenzurlaub bis 24 Monate Kinderbetreuungsgeld variabel Flexibles Modell ähnlich Deutschland

Besonders progressiv sind die skandinavischen Länder, die mit dem „Daddy-Quota"-Prinzip arbeiten: Ein Teil der Elternzeit ist ausschließlich für Väter reserviert und verfällt, wenn er nicht genommen wird. Dies hat in Schweden und Norwegen dazu geführt, dass deutlich mehr Väter Elternzeit nehmen.

💡 Praktische Tipps für die Planung deiner Elternzeit

Der richtige Zeitpunkt

Viele Väter fragen sich, wann der beste Zeitpunkt für die Elternzeit ist. Hier einige Überlegungen:

  • Direkt nach der Geburt: Die ersten Wochen sind besonders intensiv – deine Partnerin braucht Unterstützung, und du verpasst keine wichtigen Entwicklungsschritte
  • Nach dem Mutterschutz: Wenn die Mutter wieder arbeiten möchte, kannst du nahtlos übernehmen
  • Später im ersten Jahr: Manche Väter nehmen bewusst später Elternzeit, etwa wenn das Baby mobiler wird
  • Aufgeteilt: Zwei Monate direkt nach der Geburt, weitere Monate später im ersten oder zweiten Jahr

Finanzielle Planung

Da das Elterngeld nur einen Teil deines Einkommens ersetzt, solltest du finanziell planen:

  • Berechne im Voraus, wie viel Elterngeld ihr bekommen werdet (Elterngeldrechner nutzen)
  • Prüfe, ob dein Arbeitgeber das Elterngeld aufstockt (manche Tarifverträge sehen dies vor)
  • Berücksichtige, dass Elterngeld als Einkommen gilt und versteuert werden muss (Progressionsvorbehalt)
  • Plane einen finanziellen Puffer ein für unvorhergesehene Ausgaben

Kommunikation mit dem Arbeitgeber

Ein offenes Gespräch mit deinem Arbeitgeber kann vieles erleichtern:

  • Informiere frühzeitig über deine Pläne, auch wenn die gesetzliche Frist später liegt
  • Kläre, wie die Übergabe deiner Aufgaben organisiert wird
  • Besprich Möglichkeiten der Erreichbarkeit (oder bewusst: Nicht-Erreichbarkeit)
  • Vereinbare, wie der Wiedereinstieg gestaltet wird

Die Elternzeit ist eine einmalige Chance, die Entwicklung deines Kindes hautnah mitzuerleben und eine tiefe Bindung aufzubauen. Viele Väter berichten mir, dass diese Zeit zu den wertvollsten Erfahrungen ihres Lebens gehört – auch wenn sie anfangs Bedenken hatten, beruflich zurückzustecken. Trau dich, diese Zeit zu nehmen. Du wirst es nicht bereuen.

Nadine Scheiner Redakteurin & Mama

🏢 Sonderurlaub zur Geburt: Was dir sofort zusteht

Auch ohne Elternzeit hast du als Vater unter Umständen Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub direkt nach der Geburt. Dies ist zwar nicht bundeseinheitlich geregelt, aber viele Tarifverträge und Arbeitsverträge sehen dies vor.

Gesetzliche Grundlage

Nach § 616 BGB kannst du für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" von der Arbeit fernbleiben, wenn du aus einem „in deiner Person liegenden Grund" ohne dein Verschulden verhindert bist. Die Geburt des eigenen Kindes fällt grundsätzlich darunter.

In der Praxis bedeutet dies meist:

  • 1-2 Tage bezahlter Sonderurlaub bei der Geburt
  • Manche Arbeitgeber gewähren großzügiger 3-5 Tage
  • Dies ist zusätzlich zur Elternzeit und unabhängig davon

Was steht im Tarifvertrag?

Viele Tarifverträge regeln den Sonderurlaub zur Geburt konkret:

  • TVöD (öffentlicher Dienst): 1 Arbeitstag
  • Viele Chemie-Tarifverträge: 2 Arbeitstage
  • IG Metall-Tarifverträge: Oft 1-2 Tage, regional unterschiedlich
  • Privatwirtschaft: Sehr unterschiedlich, oft Verhandlungssache

Tipp: Prüfe deinen Arbeitsvertrag und Tarifvertrag genau. Wenn § 616 BGB nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, hast du gute Chancen auf Sonderurlaub. Im Zweifel: Sprich mit deinem Arbeitgeber oder Betriebsrat – viele Unternehmen handhaben dies kulant.

Immer mehr Väter nehmen Elternzeit – doch wie sieht die Realität in Deutschland aus?

Aktuelle Zahlen

Laut Statistischem Bundesamt:

  • Etwa 46% der Väter nehmen mittlerweile Elterngeld in Anspruch (Stand 2022)
  • Die durchschnittliche Bezugsdauer bei Vätern liegt bei 3,6 Monaten
  • Über 75% der Väter nehmen nur die Mindestdauer von 2 Monaten
  • Nur etwa 2% der Väter nehmen 12 Monate oder länger
  • Der Trend ist steigend: 2008 nahmen nur 21% der Väter Elterngeld

Warum nehmen viele Väter nur kurz Elternzeit?

Die Gründe sind vielfältig:

  • Finanzielle Aspekte: Oft verdienen Väter mehr, sodass der Einkommensverlust bei längerer Elternzeit größer wäre
  • Karrieresorgen: Befürchtungen, beruflich zurückzufallen oder als weniger engagiert wahrgenommen zu werden
  • Betriebskultur: In manchen Branchen und Unternehmen ist Elternzeit für Väter noch nicht selbstverständlich
  • Traditionelle Rollenbilder: Gesellschaftliche Erwartungen spielen noch immer eine Rolle

Der Wandel: Neue Väter, neue Prioritäten

Gleichzeitig zeigen Studien einen deutlichen Wandel:

  • Jüngere Väter (unter 35) nehmen häufiger und länger Elternzeit
  • In Großstädten und bei Akademikern ist die Quote höher
  • Väter, die Elternzeit genommen haben, berichten zu über 90% von positiven Erfahrungen
  • Die Bindung zum Kind wird als deutlich intensiver erlebt

⚖️ Rechtliche Besonderheiten und Sonderfälle

Elternzeit für Selbstständige

Auch als selbstständiger Vater kannst du Elterngeld beantragen, allerdings gibt es keine „Elternzeit" im klassischen Sinne, da du keinen Arbeitgeber hast:

  • Elterngeld wird auf Basis des durchschnittlichen Gewinns der letzten 12 Monate berechnet
  • Du kannst weiterarbeiten, solltest aber deine Arbeitszeit deutlich reduzieren
  • Die Gewinnermittlung erfolgt über den Steuerbescheid
  • ElterngeldPlus ist oft die bessere Option für Selbstständige

Elternzeit bei Mehrlingsgeburten

Bei Zwillingen, Drillingen oder mehr Kindern:

  • Die Elternzeit verlängert sich nicht automatisch
  • Aber: Du erhältst einen Mehrlingszuschlag beim Elterngeld (300 Euro pro weiterem Kind)
  • Die Partnermonate gelten trotzdem nur einmal
  • Praktisch macht längere Elternzeit bei Mehrlingen oft mehr Sinn

Adoption und Pflegekinder

Auch bei Adoption oder Aufnahme eines Pflegekindes hast du Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld:

  • Elternzeit ist möglich bis zum 8. Geburtstag des Kindes
  • Elterngeld wird ab Aufnahme des Kindes gezahlt
  • Die gleichen Regelungen wie bei leiblichen Kindern gelten

Elternzeit im befristeten Arbeitsverhältnis

Auch bei befristeten Verträgen kannst du Elternzeit nehmen:

  • Die Befristung verlängert sich durch die Elternzeit nicht
  • Endet der Vertrag während der Elternzeit, endet auch die Elternzeit
  • Der Kündigungsschutz gilt trotzdem
  • Elterngeld erhältst du auch nach Vertragsende weiter

🎯 Elternzeit optimal nutzen: Alltag und Herausforderungen

Die ersten Tage und Wochen

Die Anfangszeit mit Baby ist intensiv und wunderschön zugleich. Als Vater in Elternzeit wirst du:

  • Wickeln, Füttern, Trösten im Schlaf beherrschen lernen
  • Eine ganz eigene Bindung zu deinem Kind aufbauen
  • Die Bedürfnisse deines Babys immer besser verstehen
  • Deine Partnerin entlasten und als Team zusammenwachsen

Typische Herausforderungen

Viele Väter berichten von ähnlichen Herausforderungen:

  • Schlafmangel: Die Nächte können hart sein – teilt euch die Nachtschichten auf
  • Isolation: Während die Partnerin vielleicht Kontakt zu anderen Müttern hat, fühlen sich manche Väter isoliert
  • Identität: Die Rolle als Hauptbetreuungsperson ist für viele Männer neu
  • Anerkennung: „Nur zu Hause" – manche Väter erleben mangelnde Wertschätzung von außen

Tipps für eine erfüllte Elternzeit

  • Vernetz dich: Suche Kontakt zu anderen Vätern in Elternzeit – in Krabbelgruppen, online oder über spezielle Väter-Treffs
  • Strukturiere deinen Tag: Routinen helfen – aber bleib flexibel
  • Nimm Hilfe an: Großeltern, Freunde, Nachbarn – lass dir helfen
  • Zeit für dich: Auch wenn es schwerfällt – nimm dir bewusst kleine Auszeiten
  • Dokumentiere: Fotos, Videos, vielleicht ein Tagebuch – diese Zeit ist einmalig

📞 Beratung und Unterstützung

Wo du Hilfe bekommst

Bei Fragen rund um Elternzeit und Elterngeld stehen dir verschiedene Anlaufstellen zur Verfügung:

  • Elterngeldstellen: Jedes Bundesland hat eigene Elterngeldstellen, die beraten und Anträge bearbeiten
  • Familienservicebüros: Viele Kommunen bieten kostenlose Beratung an
  • Bundeselterngeld-Portal: Online-Informationen und Elterngeldrechner unter www.familienportal.de
  • Betriebsrat: Bei Fragen zu deinen Rechten im Betrieb
  • Väter-Netzwerke: Organisationen wie „Väter gGmbH" oder lokale Väter-Zentren

Online-Rechner und Tools

Nutze diese hilfreichen Tools für deine Planung:

  • Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums
  • Elternzeitrechner zur Planung der Zeiträume
  • Apps zur Verwaltung von Anträgen und Fristen

❓ Häufige Fragen

Kann ich als Vater auch Elternzeit nehmen, wenn die Mutter nicht arbeitet?

Ja, absolut! Dein Anspruch auf Elternzeit ist unabhängig davon, ob die Mutter erwerbstätig ist oder nicht. Auch das Elterngeld steht dir zu. Allerdings verkürzt sich die maximale Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate, wenn nur ein Elternteil Elternzeit nimmt – außer die Mutter ist aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, das Kind zu betreuen.

Muss mein Arbeitgeber der Elternzeit zustimmen?

Nein, bei Elternzeit in den ersten drei Lebensjahren deines Kindes hast du einen Rechtsanspruch – dein Arbeitgeber muss nicht zustimmen, sondern wird nur informiert. Er kann die Elternzeit nicht ablehnen. Anders sieht es bei Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag aus: Hier kann der Arbeitgeber aus dringenden betrieblichen Gründen innerhalb von 8 Wochen widersprechen.

Kann ich während der Elternzeit gekündigt werden?

Während der Elternzeit besteht besonderer Kündigungsschutz. Dein Arbeitgeber kann dir nur in absoluten Ausnahmefällen kündigen und benötigt dafür die Zustimmung der zuständigen Arbeitsschutzbehörde. Dieser Schutz beginnt mit der Anmeldung der Elternzeit, frühestens jedoch 8 Wochen vor deren Beginn.

Wie viel Elterngeld bekomme ich als Vater?

Das Elterngeld beträgt 65 bis 67 Prozent deines durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate vor der Geburt. Der Mindestbetrag liegt bei 300 Euro monatlich (auch ohne vorheriges Einkommen), der Höchstbetrag bei 1.800 Euro. Bei niedrigeren Einkommen kann der Prozentsatz bis auf 67% steigen, bei höheren sinkt er auf 65%. Beim ElterngeldPlus erhältst du monatlich die Hälfte, dafür aber doppelt so lange.

Kann ich Elternzeit und Teilzeit kombinieren?

Ja, du darfst während der Elternzeit bis zu 32 Wochenstunden arbeiten. Unter bestimmten Voraussetzungen (Betrieb mit mehr als 15 Mitarbeitern, mindestens 6 Monate Betriebszugehörigkeit) hast du sogar einen Rechtsanspruch auf Teilzeit während der Elternzeit. Das ElterngeldPlus ist speziell für diese Kombination konzipiert und lohnt sich finanziell oft mehr als das Basiselterngeld.

Was passiert, wenn ich während der Elternzeit wieder Vollzeit arbeiten möchte?

Wenn du während der angemeldeten Elternzeit wieder Vollzeit arbeiten möchtest, musst du die Elternzeit vorzeitig beenden. Dies ist nur mit Zustimmung deines Arbeitgebers möglich. Eine Ausnahme gibt es bei der Geburt eines weiteren Kindes oder in besonderen Härtefällen. Das Elterngeld endet automatisch, wenn du mehr als 32 Wochenstunden arbeitest. Plane deine Elternzeit also realistisch – Verlängerungen sind schwierig, Verkürzungen nur mit Zustimmung möglich.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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