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Essen & Trinken während der Wehen

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 19.04.2026 Lesezeit 10 Min.
Essen & Trinken während der Wehen

Auf einen Blick

  • Essen und Trinken während der Wehen ist erlaubt und wichtig für deine Energie
  • Leichte, kohlenhydratreiche Snacks sind ideal – schwere Speisen besser meiden
  • Wissenschaftlich gibt es keine Belege für ein generelles Essverbot unter der Geburt

Die Geburt ist Marathon und Sprint zugleich – dein Körper leistet Höchstarbeit. Trotzdem hören viele Schwangere noch immer, sie sollen nüchtern bleiben. Was stimmt wirklich? Und was darfst du während der Wehen essen und trinken, um bei Kräften zu bleiben?

💪 Warum dein Körper während der Geburt Energie braucht

Der Geburtsprozess gleicht ohne Frage der körperlichen Aktivität während eines moderaten und kontinuierlichen Aerobic-Trainings. Der daraus resultierende Verbrauch von Sauerstoff und Glukose, der Produktion von Kohlendioxid und dem Lactatspiegel im Blut der Mutter kann schnell zu Hunger und Durst führen und bei Einschränkung dieser zu Dehydration und Ketose. Ein leerer Magen ist also nicht die beste Wahl, da sowohl die gebärende Frau als auch das Baby Stärkung und Energie für die Geburt benötigen.

Gut zu wissen: Die meisten Frauen haben während der Geburt oft Lust auf Essen und Trinken, insbesondere in den frühen Stadien haben gebärende Frauen oft Appetit.

🏥 Woher kommt das Essverbot während der Wehen?

Gebärende Frauen, die in den Wehen sind, sollen seit Jahren nüchtern bleiben, falls es Komplikationen gibt und eine Vollnarkose erforderlich wird. Dies wurde damit gerechtfertigt, dass es bei Nahrungsaufnahme zum sogenannten Mendelson-Syndrom kommen kann, wenn der Magen zu voll ist.

Fasten (nicht essen und nicht trinken) wird daher häufig empfohlen, um den Inhalt im Magen zu reduzieren und damit das Auftreten von Komplikationen wie dem Mendelson-Syndrom (Magenaspirationsneuropathie-Syndrom) zu vermeiden. Dieses Syndrom ist mit der Anwendung einer Narkose verbunden, seine Mortalität hängt vom abgesaugten Mageninhalt und der durchgeführten Behandlung ab.

Verhindert werden kann das Mendelson-Syndrom indem ein Magenvolumen von <25 ml oder ein pH-Wert des Mageninhaltes von > 2,5 erreicht wird. Außerdem kann eine Epiduralanalgesie verwendet werden.

Warum diese Regel heute überholt ist

Nachdem Mendelson in den 1940ern das Aspirationssyndrom des Mageninhalts bei Schwangeren beschrieb, bei denen ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose durchgeführt werden musste, wurden gemeinsame und globale Richtlinien zur Einschränkung der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme beschlossen. Für diese Richtlinien gibt es allerdings bis heute keine wissenschaftlichen Beweise, die belegen, dass das diese Einschränkungen erforderlich sind.

Achtung: Obwohl Mendelson 1946 die Aspirationspneumonie bei Schwangeren beschrieb und veröffentlichte, wies er 1956 auch darauf hin, dass Nahrung 24 und sogar 48 Stunden nach der Einnahme erbrochen werden kann. Das heißt, du müsstest genau genommen laut Mendelsons Aussagen schon 48 Stunden vor der Geburt auf jegliche Lebensmittel verzichten – quasi unmöglich.

🍼 Was du während der Wehen essen und trinken darfst

Um Nebenwirkungen zu vermeiden, wird empfohlen, isotonische Getränke zu trinken und leichte Lebensmittel in kleinen Mengen zu essen. Iss lieber etwas öfter, aber dafür wenig, sodass die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit gesichert ist, das Risiko des Auftretens vom Mendelson-Syndrom aber möglichst gering ist.

Zu empfehlen sind kohlenhydratreiche Lebensmittel, die dich lange sättigen und für mehr Energie sorgen. Schwerverdauliche Lebensmittel wie Fleisch sollte hingegen vermieden werden.

Geeignete Lebensmittel während der Geburt

  • Brot, Ciabatta oder Knäckebrot mit einem leichten Aufstrich
  • Kartoffeln, Reis oder Nudeln mit einer leichten Beilage/Soße
  • Hühner- oder Rinderbrühe mit oder ohne Nudeln oder Reis
  • Bananen oder andere energiespendende Früchte

Ich habe bei beiden Geburten gegessen und getrunken – in Maßen, aber regelmäßig. Das hat mir geholfen, bei Kräften zu bleiben und mich nicht völlig erschöpft zu fühlen.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

🔍 Was passiert, wenn doch ein Kaiserschnitt nötig wird?

Von 10 Kaiserschnitten werden 9 unter Spinal- oder Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt, sodass das Trinken keine Probleme bereiten sollte. Wenn es möglich ist, dass du eine komplizierte Entbindung erleben könntest, die eine Vollnarkose erfordert, ist es besser, beim Essen und Trinken vorsichtig zu sein. In diesem Fall ist es besser, wenn du dich mit deinem Arzt oder deiner Hebamme absprichst.

Trotzdem werden diese Restriktionen bis heute in vielen Krankenhäusern routinemäßig oder aus Unkenntnis ihrer Auswirkungen durchgesetzt, und zwar mit dem Wissen, dass die meisten Kaiserschnitte mit Spinal- oder Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt werden und somit kein Risiko besteht, dass das Mendelson-Syndrom auftritt.

Tipp: Sprich schon vorher mit deiner Hebamme und den Ärzten im Krankenhaus. So vermeidest du unangenehme Situationen, während du bereits in den Wehen liegst. Denn in diesem Moment ist zu erwarten, dass du andere Dinge im Kopf hast, als darüber zu debattieren, ob und was du zu dir nehmen darfst.

📋 Was die Wissenschaft sagt

Weltweit haben verschiedene Institutionen daran gearbeitet, Belege dafür zu finden, dass die damals festgelegten Richtlinien gerechtfertigt sind. Es konnte jedoch keine einzige Studie gefunden werden, die zeigt, dass die Einschränkungen der oralen Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung bei Frauen, die in den Wehen liegen, das Risiko einer Aspirationspneumonie verringert.

Die Inzidenz des Mendelson-Syndroms ist sehr selten. Keine in den letzten Jahren durchgeführte Studie zum Tod von Müttern weist auf die orale Einnahme während der Entbindung als Aspirationsursache während der Vollnarkose in der Geburtshilfe hin.

Gut zu wissen: Das Cochrane-Review von 2010 analysierte 5 Studien, an denen insgesamt 3.130 Frauen teilnahmen, die in den Wehen gelegen haben. Alle schwangeren Frauen hatten ein geringes Risiko, dass ein Kaiserschnitt erforderlich werden würde. Es konnte festgestellt werden, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen jenen schwangeren Frauen gab deren orale Aufnahme eingeschränkt wurde und jenen Gebärenden, die nicht eingeschränkt wurden.

⚠️ Risiken von zu wenig Essen und Trinken

In der Vergangenheit wurde dieses Problem häufig durch intravenöse Infusion mit Glukose in hohen Dosen behandelt, es wurde jedoch gezeigt, dass hohe Glukosedosen fetalen Hyperinsulinismus verursachen können. Im schlimmsten Fall wird das Baby dann mit einem zu niedrigen Blutzucker und einem hohen Lactatspiegel geboren, was natürlich nicht als die beste Möglichkeit genannt werden kann, ein Kind zu gebären.

Die Einschränkung von Essen und Trinken während der Wehen können zu Dehydration und Ketose führen. Ketonkörper können die Uterusaktivität reduzieren und den korrekten und wichtigen Verlauf der Wehen verändern.

💬 Wenn dein Arzt auf den Richtlinien besteht

Weise deinen Arzt daraufhin und bitte ihn, dir eine Studie vorzulegen, die das Gegenteil beweist. Bitte ihn freundlich und bestimmt darauf zu verzichten, weiterhin auf die Richtlinien zu bestehen, es gibt heute keine gesetzliche Grundlage mehr, diese umsetzen zu müssen.

Tipp: Bereite dir am besten ein kleines Lunch-Paket vor und gib dieses deiner Begleitperson mit, sodass dieses griffbereit ist. Du kannst deine Wünsche natürlich auch mit deiner Hebamme besprechen, sie kann dir sicherlich auch gute Tipps geben, welche Speisen geeignet sind.

✨ Fazit: Mit Bedacht essen und trinken

Natürlich solltest du dir nicht den Bauch vollschlagen und 5 Liter Brause trinken, die Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung vollkommen einzuschränken, ist aber ebenso unnütz und kann dich und dein Baby gefährden. Auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund, der es erforderlich macht, dass du mit leerem Magen die Entbindung erleben musst und sogar auf Wasser und Traubenzucker verzichten musst.

Häufig gestellte Fragen

Darf ich während der Wehen wirklich essen?

Ja, du darfst während der Wehen essen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass es keine Belege für ein generelles Essverbot gibt. Leichte, kohlenhydratreiche Snacks in kleinen Mengen sind sogar empfehlenswert, um deine Energie aufrechtzuerhalten.

Was passiert, wenn ich gegessen habe und plötzlich ein Kaiserschnitt nötig wird?

Von 10 Kaiserschnitten werden 9 unter Spinal- oder Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt, bei denen das Essen kein Problem darstellt. Nur bei einer Vollnarkose könnte es theoretisch zu Komplikationen kommen – diese ist aber sehr selten.

Welche Lebensmittel sind während der Geburt am besten geeignet?

Ideal sind leichte, kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot mit leichtem Aufstrich, Bananen, Brühe mit Nudeln oder Reis. Vermeide schwerverdauliche Speisen wie Fleisch und fettige Gerichte.

Was ist das Mendelson-Syndrom und wie häufig kommt es vor?

Das Mendelson-Syndrom ist eine Aspirationspneumonie, die theoretisch bei Vollnarkose auftreten kann, wenn Mageninhalt in die Lunge gelangt. Es ist jedoch extrem selten – keine aktuelle Studie weist auf die orale Einnahme während der Entbindung als Aspirationsursache hin.

Was kann passieren, wenn ich während der Wehen gar nichts esse?

Zu wenig Essen und Trinken kann zu Dehydration und Ketose führen. Ketonkörper können die Uterusaktivität reduzieren und den Verlauf der Wehen negativ beeinflussen. Auch dein Baby braucht Energie für die Geburt.

Mein Krankenhaus besteht auf Nüchternheit – was kann ich tun?

Sprich schon vor der Geburt mit deiner Hebamme und den Ärzten über deine Wünsche. Du kannst freundlich, aber bestimmt nach wissenschaftlichen Belegen für diese Regel fragen – es gibt keine gesetzliche Grundlage mehr dafür. Bereite zur Sicherheit ein kleines Lunch-Paket vor, das deine Begleitperson griffbereit hat.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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