Hilfsmittel bei der Geburt – Was kann in welcher Geburtsphase eingesetzt werden?
Auf einen Blick
- Moderne Kreißsäle bieten viele Hilfsmittel wie Gebärhocker, Pezziball oder Geburtswanne für verschiedene Geburtspositionen
- Bei etwa 6 Prozent der Geburten kommen Saugglocke, Zange oder Kristeller-Handgriff zum Einsatz, wenn das Baby Unterstützung braucht
- Jedes Hilfsmittel ist für bestimmte Geburtsphasen gedacht – von der Eröffnung bis zur Austreibungsphase
Viele Entbindungskliniken bieten werdenden Eltern Führungen durch den Geburtssaal an. Die meisten Paare sind überrascht, wie viele unterschiedliche Hilfsmittel sich in einem Kreißsaal finden lassen. Jedes dieser Dinge hat einen Zweck und kann dich im Geburtsverlauf unterstützen. Hier erfährst du, welche Hilfsmittel es gibt und wann sie zum Einsatz kommen.
🌸 Hilfsmittel für unterschiedliche Geburtspositionen
Bei der Geburt kann es sehr hilfreich sein, wenn du verschiedene Positionen einnehmen kannst. Dafür finden sich in jedem Kreißsaal diese Hilfsmittel:
- Gebärhocker oder Gebärstuhl
- Pezziball
- Sprossenwand
- Geburtsseil
- Geburtstücher
- Romarad
- Geburtswanne oder Geburtsbecken
- Kreißbett oder Gebärbett
Alle diese Hilfsmittel eignen sich für verschiedene Phasen im Geburtsprozess. Sie können dir Halt bieten, indem du dich während der Wehen festhältst oder abstützt. Du kannst so zum Beispiel sitzend, kniend, hockend oder im Vierfüßlerstand gebären.
Tipp: Nutze die Kreißsaalführung in deiner Schwangerschaft, um die verschiedenen Hilfsmittel auszuprobieren. So weißt du schon vorher, was dir gut tut.
Der Gebärhocker – Halt in der Austreibungsphase
Der Gebärhocker kann schon in der Eröffnungsphase zum Ausruhen genutzt werden. Er ist aber vor allem für die Austreibungsphase gestaltet. Eine Aussparung macht es möglich, dass das Kind geboren wird, wenn du darauf sitzt.
Der Pezziball – Beweglichkeit in der Eröffnungsphase
Der Pezziball ist besonders für die Eröffnungsphase geeignet. In dieser Zeit kannst du dich darauf setzen und förderst die Beweglichkeit des Beckens.
Sprossenwand und Romarad – Flexibel in allen Phasen
Unterschiedliche Positionen kannst du vor allem mit Hilfe der Sprossenwand und des Romarads einnehmen. Vor allem das Romarad kann in vielen feinen Einstellungen eine gute Unterstützung in allen Geburtsphasen sein. Aber auch das Kreißbett bietet meist die Möglichkeit, dich mit unterschiedlichen Einstellungen zu unterstützen.
Seile und Tücher – Halt im Stehen
Wenn du eine stehende Position einnehmen willst, oder dich beim Umhergehen eine Wehe überrascht, können Seile und Tücher eine gute Möglichkeit zum Festhalten sein. Diese sind in einem Kreißsaal meist an der Decke angebracht. Manchmal kannst du dich auch mit dem Oberkörper in ein Tuch hängen.
Die Geburtswanne hat mir in der Eröffnungsphase unglaublich geholfen – das warme Wasser hat die Wehen erträglicher gemacht. Ob du am Ende im Wasser gebären möchtest, kannst du immer noch spontan entscheiden.
Die Geburtswanne – Entspannung im Wasser
Für viele Frauen ist eine Wassergeburt eine schöne Vorstellung, andere mögen den Gedanken gar nicht. Es gibt auch Gründe, aus denen eine Wassergeburt nicht möglich ist. Das kann zum Beispiel bei einer PDA, beim Vorliegen von Infektionen oder einer Mehrlingsschwangerschaft der Fall sein. Am besten besprichst du das bei der Anmeldung zur Entbindung mit der Hebamme.
Aber eine Geburtswanne im Krankenhaus kann auch in der Eröffnungsphase zum Entspannen genutzt werden. Welche Variante für dich in Frage kommt, kannst du im Zweifelsfall nur unter der Geburt herausfinden.
Gut zu wissen: Nicht jede Geburt verläuft nach Plan. Bleib offen für verschiedene Positionen und Hilfsmittel – dein Körper zeigt dir meist, was gerade am besten ist.
🏥 Hilfsmittel, um das Kind aus dem Geburtskanal zu bekommen
In einigen Fällen kann das Kind nicht ohne weitere Hilfe den Weg durch den Geburtskanal nehmen. Bei etwa 6 Prozent der Geburten in Deutschland kommen dann Hilfsmittel zum Einsatz, die das Kind schneller durch das mütterliche Becken befördern können. Diese Hilfsmittel sind:
- Saugglocke
- Zange
- Kristeller-Handgriff
Saugglocke und Zange sind Hilfsmittel, die am Kopf des Babys angesetzt werden und mit denen das Kind dann sanft aus dem Geburtskanal gezogen wird. Der Kristeller-Handgriff soll mit Druck auf den Bauch den Weg des Kindes unterstützen.
Wann kommen diese Hilfsmittel zum Einsatz?
Alle Methoden kommen dann zum Einsatz, wenn das Kind schon tief im Becken ist. Kommt es dann zu einem Geburtsstillstand, ist kein Kaiserschnitt mehr möglich. Weitere Gründe für eine Geburt mit diesen Hilfsmitteln können die folgenden Umstände sein:
- vollkommene Erschöpfung der Mutter
- die Mutter bekommt Fieber
- die PDA führt zu schwächeren Wehen
Jede dieser Situationen kann dazu führen, dass du keine Kraft mehr für die Presswehen hast. Dann brauchst du die Unterstützung, damit dein Kind sicher auf die Welt kommen kann. Die Zahl der Geburten mit diesen Hilfsmitteln ist aber rückläufig, weil bei schwieriger Ausgangslage oft direkt ein Kaiserschnitt gemacht wird.
Achtung: Wenn dein Baby schon tief im Becken ist, ist ein Kaiserschnitt nicht mehr möglich. In dieser Situation können Saugglocke oder Zange lebensrettend sein.
🔍 Wie läuft eine Geburt mit Saugglocke ab?
Für eine Saugglockengeburt muss der Kopf des Kindes schon so weit im Becken sein, dass er durch die Scheide gut erreichbar ist. Die Saugglocke wird am Hinterkopf des Babys angebracht und leicht festgedrückt. Anschließend wird mit einer Pumpe ein leichter Unterdruck aufgebaut, so dass das Instrument sicher an seinem Platz bleibt. Mit der Saugglocke kann das Kind bei jeder Wehe vorsichtig ein Stückchen weiter gezogen werden.
Vor dem Ansetzen der Saugglocke kann es nötig sein, einen Dammschnitt zu machen. Dieser erweitert den Scheidenausgang und sorgt so für mehr Platz. Darüber hinaus kann eine besondere Form der Betäubung zum Einsatz kommen. Beim Pudendusblock werden bestimmte Nerven durch die Vagina betäubt, so dass der Damm und der Scheideneingang schmerzunempfindlich werden.
Mögliche Spuren beim Baby
Eine Geburt mit der Saugglocke kann manchmal beim Kind Spuren hinterlassen. Das können zum Beispiel Schwellungen, Blutergüsse oder eine kleine Beule am Kopf sein. In der Regel verschwinden diese Anzeichen schon nach kurzer Zeit wieder. Seltene Komplikationen sind Blutungen im Schädel oder in der Netzhaut.
🔍 Wie läuft eine Geburt mit der Zange ab?
Auch bei einer Zangengeburt wird der Kopf des Kindes leicht fixiert und es wird sanft durch das mütterliche Becken gezogen. Die Zange wird vom Arzt durch die Scheide eingeführt und die löffelartigen Arme umfassen den Kopf. Nachdem der Kopf geboren ist, wird die Zange wieder entfernt.
Auch bei der Zangengeburt kann vorab ein Dammschnitt oder ein Pudendusblock nötig sein. Mögliche Folgen sind leichte Hautrötungen und Abschürfungen. Als seltene Komplikation kann eine leichte Nervenlähmung auftreten. Als Mutter kann es bei dir zu Rissen in der Scheide oder dem Damm kommen, die nach der Geburt genäht werden müssen.
🔍 Was ist der Kristeller-Handgriff?
Beim Kristellern übt ein Arzt über die Bauchdecke Druck auf den oberen Rand der Gebärmutter aus. Damit wird das Kind aus dem Bauch der Mutter herausgeschoben. In der leichtesten Form wird das Kind durch die Hand nur daran gehindert, während einer Wehenpause wieder ein Stück in den Geburtskanal zurückzurutschen.
Achtung: Der Kristeller-Handgriff ist nicht unumstritten und sollte nur sanft und mit Erklärung durchgeführt werden. Frag im Zweifelsfall nach, was gerade passiert.
Der Kristeller-Handgriff ist nicht unumstritten, weil er falsch angewendet zu verschiedenen Komplikationen führen kann. Die Mutter kann eine Rippenfraktur oder einen Leberriss erleiden. Auch eine vorzeitige Ablösung der Plazenta ist möglich. Darüber hinaus wird der Handgriff manchmal ohne Erklärung durchgeführt, was die Mutter sehr erschrecken kann. Richtig und sanft durchgeführt kann er aber eine gute nicht-operative Hilfe bei der Geburt sein.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich selbst entscheiden, welche Hilfsmittel ich während der Geburt nutze?
Ja, in den meisten Fällen kannst du frei wählen, welche Position und welche Hilfsmittel dir guttun. Sprich am besten schon bei der Anmeldung zur Entbindung mit deiner Hebamme über deine Wünsche. Unter der Geburt zeigt dir dein Körper meist selbst, was gerade am besten ist.
Wann ist eine Wassergeburt nicht möglich?
Eine Wassergeburt ist zum Beispiel bei einer PDA, beim Vorliegen von Infektionen oder einer Mehrlingsschwangerschaft nicht möglich. Die Geburtswanne kann aber auch in der Eröffnungsphase zum Entspannen genutzt werden, selbst wenn du nicht im Wasser gebären möchtest.
Tut eine Geburt mit Saugglocke oder Zange weh?
Vor dem Einsatz dieser Hilfsmittel wird meist eine Betäubung durchgeführt – entweder eine PDA oder ein Pudendusblock. Manchmal ist auch ein Dammschnitt nötig. Die Instrumente selbst spürst du durch die Betäubung nicht.
Verschwinden die Spuren der Saugglocke am Kopf meines Babys wieder?
Ja, Schwellungen, Blutergüsse oder eine kleine Beule am Kopf verschwinden in der Regel schon nach kurzer Zeit wieder. Seltene Komplikationen wie Blutungen im Schädel oder in der Netzhaut werden vom Kinderarzt überwacht.
Warum werden Saugglocke und Zange seltener eingesetzt als früher?
Die Zahl der Geburten mit diesen Hilfsmitteln ist rückläufig, weil bei schwieriger Ausgangslage oft direkt ein Kaiserschnitt gemacht wird. Trotzdem sind sie wichtige Instrumente, wenn das Baby schon tief im Becken ist und ein Kaiserschnitt nicht mehr möglich ist.
Sollte ich den Kristeller-Handgriff ablehnen?
Der Kristeller-Handgriff ist umstritten, kann aber richtig und sanft durchgeführt eine gute nicht-operative Hilfe sein. Wichtig ist, dass er mit Erklärung und deinem Einverständnis erfolgt. Du kannst jederzeit nachfragen, was gerade passiert und warum.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
Mehr über Nadine →