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Wehenförderung – Wie löst ihr die Geburt aus?

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 11.05.2026 Lesezeit 14 Min.
Wehenförderung - Wie löst ihr die Geburt aus?

Auf einen Blick

  • Natürliche Wehenförderung wie Sex, Bewegung oder ein warmes Bad können helfen – aber bitte immer erst nach Absprache mit deiner Hebamme oder deinem Arzt.
  • Medizinische Einleitungen mit Prostaglandinen oder Oxytocin sind wirksam, können aber intensivere Wehen auslösen und sollten gut überwacht werden.
  • Hausmittel wie Himbeerblättertee oder Ananas sind meist unbedenklich, aber Wehencocktails nur unter Aufsicht – sie können heftige Nebenwirkungen haben.

Die letzten Tage der Schwangerschaft können sich endlos anfühlen. Der Bauch ist riesig, die Beschwerden nehmen zu und vielleicht fragst du dich: Wann geht es endlich los? Manchmal steht auch eine medizinische Einleitung bevor. Es gibt verschiedene Wege, die Wehen sanft zu fördern – aber nicht alle sind für jede Situation geeignet. Lass uns gemeinsam schauen, welche Methoden es gibt und worauf du achten solltest.

🏥 Medikamente und mechanische Methoden im Krankenhaus

Wenn eine Einleitung im Krankenhaus erfolgt, werden meist Medikamente zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt. Dafür werden vor allem Prostaglandine und Oxytocin genutzt.

Prostaglandine sorgen dafür, dass der Muttermund weich wird und sich öffnet. Im Normalfall kann dein Körper diese Hormone selbst bilden. Eine zusätzliche Zufuhr kann aber hilfreich sein, wenn der Muttermund noch unreif und fest ist. Es gibt Prostaglandine als Wehenmittel vor allem in diesen Darreichungsformen:

  • Vaginalzäpfchen
  • Vaginaltabletten
  • Gel

Wenn Prostaglandine nicht ausreichen, um die Geburt anzuschieben, kann Oxytocin eingesetzt werden. Dieses Hormon ist wesentlich an der Entstehung von Wehen beteiligt. Bei der Geburtseinleitung und der unterstützenden Infusion wird eine synthetische Variante genutzt, das Syntocinon. Es wird in der Regel über einen Tropf verabreicht. Die Gabe von künstlichem Oxytocin über einen Wehentropf führt meist zu schnellen Ergebnissen, hat aber auch Nachteile. Oft sind die künstlich erzeugten Wehen deutlich schmerzhafter und es wird vielen Frauen zu einer Epiduralanästhesie geraten.

Achtung: Eine Einleitung kann intensivere Wehen auslösen als ein spontaner Geburtsbeginn. Besprich mit deinem Arzt oder deiner Hebamme, welche Risiken in deinem speziellen Fall auf dich zukommen.

Mechanische Methoden zur Wehenförderung

Aber es gibt auch mechanische Methoden, die den Geburtsbeginn fördern können:

  • Eipollösung
  • Eröffnung der Fruchtblase
  • Ballon-Katheter

Am Ende der Schwangerschaft machen manche Frauenärzte zur Weheneinleitung eine sogenannte Eipollösung. Dabei wird die Fruchtblase mit dem Finger vom Gebärmutterhals gelöst. Weil der Finger in den Muttermund eingeführt werden muss, kann die Prozedur schmerzhaft sein. Durch die Ablösung werden Prostaglandine freigesetzt und oft fängt innerhalb von 48 Stunden die Geburt an. Ist die Methode erfolgreich werden meist keine anderen einleitenden Mittel benötigt. Sie ist auch relativ risikoarm, weil sich das Risiko für eine Infektion oder einen Kaiserschnitt nicht erhöht.

Bei einer Eröffnung der Fruchtblase wird diese mit einem scharfen Instrument angeritzt, so dass das Fruchtwasser ablaufen kann. Dadurch erhöht sich meist der Druck des Babyköpfchens auf den Muttermund und weitere Wehen werden angeregt. Dieser Vorgang heißt auch Blasensprengung und ist schmerzlos. Eine Blasensprengung sollte mit Bedacht eingesetzt werden, weil wie bei einem spontanen Blasensprung das Risiko von aufsteigenden Infektionen zunimmt.

Du solltest allerdings wissen, dass eine Einleitung auch nicht ohne Risiken möglich ist. Die künstlich angestoßenen Wehen können unter Umständen schmerzhafter sein. Es gibt aber auch viele Frauen, die nach einer Einleitung eine problemlose Geburt hatten. Du solltest dich daher mit deinem Arzt oder deiner Hebamme besprechen, welche Risiken in deinem speziellen Fall auf dich zukommen. Es gibt auch viele gute Gründe für eine Einleitung, die im Einzelfall deutlich überwiegen können.

🌸 Natürliche Hausmittel zur Wehenförderung

Bevor es zu klinischen Maßnahmen zur Geburtseinleitung kommt, kannst du auch einige natürliche Methoden zur Wehenförderung ausprobieren. Du solltest aber immer daran denken, dich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt zu besprechen. Zu den natürlichen Methoden gehören diese Dinge:

  • Sex
  • Brustwarzenstimulation
  • Bewegung
  • ein warmes Bad
  • Aromatherapie
  • Einläufe
  • ein Wehencocktail

Ich habe bei beiden Kindern auf sanfte Methoden gesetzt – ein warmes Bad, Spaziergänge und viel Ruhe. Manchmal braucht der Körper einfach Zeit, und das ist völlig okay.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

💕 Sex und Brustwarzenstimulation – wie wirken sie?

Beim Sex sind eine Reihe unterschiedlicher Hormone im Spiel. Einige davon können sich durch eine wehenanregende Wirkung positiv auf den Beginn der Geburt auswirken.

In der männlichen Samenflüssigkeit sind sogenannte Prostaglandine enthalten. Diese Hormone können am Muttermund wirken und Wehen auslösen. Einige Mittel, die in der klinischen Geburtseinleitung eingesetzt werden, enthalten ebenfalls Prostaglandine.

Wenn du Sex als Wehenförderung einsetzen willst, solltest du darauf achten, dass die Fruchtblase noch intakt ist. Sonst können Infektionen ausgelöst werden. Auch andere Komplikationen können diese Art der Wehenförderung riskant machen. Bei Problemen in der Schwangerschaft solltest du also vorher medizinischen Rat einholen.

Gut zu wissen: Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass dein Kind zu früh kommen könnte. Erst wenn die Geburt kurz bevor steht, können die Prostaglandine am Muttermund wirksam werden.

Beim Sex und bei einer Stimulation der Brustwarzen wird darüber hinaus Oxytocin ausgeschüttet. Dieses Hormon sorgt dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und Wehen entstehen. Die Brustwarzenstimulation wird auch in einigen Geburtshäusern eingesetzt.

Neben der Ausschüttung von Hormonen, kann Sex und Zärtlichkeit auch einfach eine Möglichkeit für Entspannung und Stressabbau sein. Stresshormone können die Wirkung von Oxytocin verhindern. Aus diesem Grund solltest du am Ende der Schwangerschaft für möglichst viel Ruhe und Entspannung sorgen.

💪 Bewegung, warmes Bad und Entspannung

Einige Methoden wirken vor allem dann, wenn die ersten Wehen schon begonnen haben. Ein warmes Bad oder ein Spaziergang können dann die Wehentätigkeit fördern. Beide Varianten sorgen für Entspannung und wirken damit der Bildung von Stresshormonen entgegen.

Bei einem Spaziergang kann zusätzlich die Schwerkraft wirken. Das Köpfchen des Babys drückt dann auf deinen Muttermund und die Wehentätigkeit wird weiter angeregt. Zusätzlich kann die Bewegung dem Kind helfen, die richtigen Positionen einzunehmen und weiter ins Becken zu rutschen.

Tipp: Sorge für ausreichenden Schlaf und Ruhe in den letzten Tagen. Gesundes Essen kann zusätzlich Kraft geben. Beides beugt einer Erschöpfung während der Geburt vor, die Wehen verhindern kann.

Neben diesen bewusst eingesetzten Mitteln kann auch eine gesunde Lebensführung in den letzten Tagen die Wehentätigkeit unterstützen. Sorge für ausreichenden Schlaf und Ruhe. Gesundes Essen kann zusätzlich Kraft geben. Beides beugt einer Erschöpfung während der Geburt vor, die Wehen verhindern kann.

🌿 Naturheilkundliche Methoden – Aromatherapie, Akupunktur & Co.

Es gibt einige naturheilkundliche Methoden zur Wehenförderung, die du in Absprache und Anwesenheit einer Hebamme oder eines Arztes ausprobieren kannst. Eine dieser Methoden ist die Aromatherapie. Dabei werden verschiedene ätherische Öle in Massage-Medien, Kompressen oder Badezusätzen genutzt. Häufig werden diese Öle eingesetzt:

  • Eisenkrautöl
  • Nelkenöl
  • Zimtöl
  • Ingweröl

Einläufe und Wehencocktails – mit Vorsicht zu genießen

Auch ein Einlauf kann als Mittel zur Wehenförderung eingesetzt werden. Die Wirkung auf die Muskulatur der Gebärmutter wird dabei durch die verstärkten Darmbewegungen ausgelöst. Eine Darmentleerung kann zudem den Vorteil haben, dass du dich unter der Geburt keine Sorgen um eventuell austretenden Stuhl machen musst. Außerdem lässt ein entleerter Enddarm dem Köpfchen des Kindes mehr Platz.

Vor einiger Zeit wurden Schwangeren am Anfang der Geburt noch standartmäßig Einläufe verabreicht. Heutzutage wird das jedoch meist nur eingesetzt, wenn ein großer Vorteil zu erwarten ist. Notwendig ist der Einlauf nicht und du kannst wählen, ob du ihn willst.

Auf eine stärkere Darmtätigkeit wird auch bei der Nutzung eines Wehencocktails gesetzt. Die Hauptzutat ist Rizinusöl, das oft als Abführmittel eingesetzt wird. Zusätzlich kommen oft noch die folgenden Zutaten hinzu:

  • Aprikosensaft
  • Eisenkraut
  • Cognac oder Sekt

Achtung: Ein Wehencocktail kann heftige Nebenwirkungen haben – von starken Darmkrämpfen über Übelkeit bis zu Kreislaufproblemen. Nimm ihn niemals ohne medizinische Überwachung ein!

Ein Wehencocktail kann auch Risiken mit sich bringen. Einige Frauen reagieren mit besonders heftigen Wehen, Darmkrämpfen und Übelkeit. Das kann gefährlich werden, wenn der Muttermund noch nicht geburtsreif ist. Außerdem kann es auch einfach sehr unangenehm werden, weil Austrocknung, Kreislaufprobleme und Darmkrämpfe die Folge sein können. Aus diesem Grund darfst du einen Wehencocktail auf keinen Fall ohne medizinische Überwachung einnehmen. Wenn eine Einleitung nötig ist, sind Medikamente die bessere Wahl, weil sie meist weniger Nebenwirkungen haben.

Homöopathie und Akupunktur

Eine weitere Möglichkeit zur Wehenförderung ist der Einsatz von homöopathischen Mitteln. Zu diesen Mitteln zählen die folgenden Homöopathika:

  • Pulsatilla (D6)
  • Belladonna (D6)
  • Gelsemium (D4)
  • Caulophyllum (D4)

Viele Hebammen benutzen zusätzlich Akupunktur, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten und die Wehentätigkeit zu fördern. Viele Schwangere finden die Behandlung mit den feinen Nadeln auch bei verschiedenen Beschwerden in der Schwangerschaft als hilfreich. Akupunktur wird zum Beispiel oft gegen Wassereinlagerungen und Übelkeit eingesetzt. Nach einem ähnlichen Prinzip soll auch die Akupressur als Wehenförderung hilfreich sein. Frag am besten deine Hebamme, was sie empfiehlt.

🍍 Lebensmittel und Getränke – was kann helfen?

Bei der Wehenförderung können verschiedene Lebensmittel und Getränke hilfreich sein. Die Wirkungen sind in der Regel nicht wissenschaftlich belegt. Aber in den meisten Fällen sind die Lebensmittel auch nicht schädlich. Vorsichtig solltest du mit dem übermäßigen Genuss von Tees und Nahrungsergänzungsmitteln sein.

Tees und Kräuter

Als Tee wird häufig ein Himbeerblättertee und Kräutertees mit Zimt, Ingwer, Zitronenverbene, Nelke und Eisenwurz eingesetzt. Der Himbeerblättertee wird ab der 34. SSW bis zu viermal täglich empfohlen.

Ein Nahrungsergänzungsmittel das oft als Wehenförderung empfohlen wird ist das Nachtkerzenöl. Das Öl an sich schmeckt sehr gewöhnungsbedürftig. Nimm es aber nur nach Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Hebamme und in der empfohlenen Dosierung ein.

Scharfes Essen und Ananas

Als wehenförderndes Essen werden vor allem alle scharfen Gerichte empfohlen. Sie regen die Darmtätigkeit an und können damit auch die Aktivität der Gebärmutter anstoßen. Allerdings solltest du vorsichtig sein, wenn du zu Sodbrennen neigst, oder scharfes Essen aus einem anderen Grund nicht gut verträgst.

Gut zu wissen: Ananas enthält das Enzym Bromelain, das Wehen auslösen soll. Wissenschaftlich ist das nicht belegt, aber in normalen Mengen ist Ananas auch nicht schädlich – also greif ruhig zu, wenn du Lust darauf hast.

Ein besonderes Lebensmittel ist auch Ananas. In der Frucht sind verschiedene Enzyme enthalten. Eines davon ist das Bromelain. Es soll Wehen auslösen und damit die Zervix verkürzen. Diese Wirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt, aber in normalen Mengen genossen ist Ananas auch nicht schädlich. Daher kannst du die Frucht gerne zu dir nehmen, wenn du sie magst.

Häufig gestellte Fragen

Wann sollte ich mit der Wehenförderung beginnen?

Sprich immer zuerst mit deiner Hebamme oder deinem Arzt, bevor du Maßnahmen zur Wehenförderung ergreifst. Besonders wenn du noch vor dem errechneten Geburtstermin bist oder Komplikationen in der Schwangerschaft hattest, ist eine medizinische Abklärung wichtig.

Sind natürliche Methoden wirklich sicherer als eine medizinische Einleitung?

Nicht unbedingt. Auch natürliche Methoden wie ein Wehencocktail können heftige Nebenwirkungen haben. Eine medizinische Einleitung im Krankenhaus ist überwacht und kann bei Komplikationen schnell reagiert werden. Besprich mit deinem Arzt, was in deiner Situation am sichersten ist.

Kann ich durch Sex wirklich Wehen auslösen?

Ja, das ist möglich. Die Prostaglandine in der Samenflüssigkeit und das beim Orgasmus ausgeschüttete Oxytocin können Wehen fördern – aber nur, wenn dein Körper bereit ist. Achte darauf, dass die Fruchtblase noch intakt ist, um Infektionen zu vermeiden.

Wie schnell wirkt ein Wehencocktail?

Ein Wehencocktail kann innerhalb weniger Stunden wirken, aber die Reaktion ist sehr individuell. Wichtig: Nimm ihn niemals ohne Aufsicht einer Hebamme oder eines Arztes ein, da er starke Nebenwirkungen wie Darmkrämpfe, Übelkeit und Kreislaufprobleme auslösen kann.

Hilft Himbeerblättertee wirklich bei der Wehenförderung?

Himbeerblättertee wird traditionell ab der 34. SSW empfohlen, um den Muttermund weicher zu machen und die Geburt vorzubereiten. Wissenschaftlich ist die Wirkung nicht eindeutig belegt, aber viele Hebammen schwören darauf. Trink ihn aber nicht in zu großen Mengen und sprich vorher mit deiner Hebamme.

Was mache ich, wenn keine der Methoden funktioniert?

Manchmal braucht dein Körper einfach noch Zeit. Wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht, wird dein Arzt oder deine Hebamme mit dir über eine klinische Einleitung sprechen. Vertraue darauf, dass dein Baby kommt, wenn es bereit ist – und dass es gute medizinische Optionen gibt, wenn es nötig wird.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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