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Latenzphase der Geburt: Die stille erste Phase

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 04.07.2026 Lesezeit 21 Min.
Latenzphase der Geburt: Die stille erste Phase

Auf einen Blick

  • Die Latenzphase ist die erste, oft längste Phase der Geburt mit unregelmäßigen Wehen und Muttermundöffnung bis 3–4 cm
  • Sie dauert bei Erstgebärenden durchschnittlich 8–12 Stunden, bei Mehrgebärenden oft kürzer
  • Ruhe, Ablenkung und Entspannung sind jetzt wichtiger als sofortige Klinikfahrt
  • Erst bei regelmäßigen Wehen (alle 5 Minuten) oder Blasensprung solltest du ins Krankenhaus fahren

Die Latenzphase der Geburt ist wie das leise Vorspiel zu einem großen Konzert – sie kündigt an, was kommt, aber sie nimmt sich Zeit. Viele Frauen erleben diese erste Phase zu Hause, oft ohne zu wissen, dass die Geburt bereits begonnen hat. Lass uns gemeinsam schauen, was in dieser besonderen Zeit in deinem Körper passiert und wie du sie am besten meisterst.

🔍 Was ist die Latenzphase der Geburt?

Die Latenzphase – auch Eröffnungsphase oder Frühphase genannt – markiert den Beginn deiner Geburt. In dieser Phase beginnt dein Muttermund sich zu öffnen und zu verkürzen, während dein Baby sich tiefer ins Becken senkt. Der Muttermund weitet sich in der Latenzphase von 0 auf etwa 3 bis 4 Zentimeter.

Was diese Phase so besonders macht: Sie verläuft oft schleichend und unauffällig. Die Wehen sind noch unregelmäßig, mal stärker, mal schwächer, und die Abstände zwischen ihnen variieren. Manche Frauen beschreiben sie als verstärkte Menstruationsschmerzen, andere spüren ein Ziehen im unteren Rücken oder im Unterbauch.

Der Unterschied zur aktiven Geburtsphase

Im Gegensatz zur aktiven Eröffnungsphase, die ab etwa 4 cm Muttermundöffnung beginnt, ist die Latenzphase deutlich langsamer. Während sich der Muttermund in der aktiven Phase etwa 1 cm pro Stunde öffnet, kann die Latenzphase viele Stunden dauern – manchmal sogar über einen Tag. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.

📊

Die 4 Merkmale der Latenzphase

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⏱️
Unregelmäßige Wehen Abstände zwischen 5 und 20 Minuten, unterschiedlich stark
📏
Muttermundöffnung 0–4 cm Langsame, aber stetige Öffnung und Verkürzung des Gebärmutterhalses
🏠
Meist zu Hause Diese Phase verbringst du am besten in vertrauter Umgebung
8–12 Stunden Dauer Bei Erstgebärenden oft länger als bei erfahrenen Müttern

⏰ Wie lange dauert die Latenzphase?

Die Dauer der Latenzphase ist sehr individuell und lässt sich nicht exakt vorhersagen. Bei Erstgebärenden dauert sie durchschnittlich 8 bis 12 Stunden, kann aber auch deutlich länger sein – bis zu 20 Stunden oder mehr gelten noch als normal. Bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, verläuft die Latenzphase meist kürzer, oft nur 4 bis 6 Stunden.

Faktoren, die die Dauer beeinflussen

Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle dabei, wie lange deine Latenzphase dauert:

  • Parität: Ob es deine erste Geburt ist oder du bereits Kinder hast
  • Position des Babys: Eine optimale Lage beschleunigt den Prozess
  • Dein Stresslevel: Entspannung fördert den Geburtsfortschritt
  • Körperliche Verfassung: Ausgeruht startest du mit mehr Energie
  • Wehenstärke: Kräftige, effektive Wehen verkürzen die Phase

Gut zu wissen: Eine lange Latenzphase bedeutet nicht automatisch eine lange Gesamtgeburt. Oft holen Frauen mit ausgedehnter Latenzphase in der aktiven Phase wieder auf und haben eine zügige Austreibungsphase.

🌊 Wie fühlt sich die Latenzphase an?

Die Empfindungen in der Latenzphase sind von Frau zu Frau unterschiedlich. Viele beschreiben ein dumpfes Ziehen im Unterbauch, ähnlich wie bei Regelschmerzen. Andere spüren die Wehen vor allem im unteren Rücken – das sogenannte "Rückenwehen"-Phänomen, das besonders auftritt, wenn das Baby mit dem Hinterkopf zum Rücken der Mutter liegt.

Typische körperliche Anzeichen

  • Ziehen oder Druck im Unterbauch und Beckenbereich
  • Rückenschmerzen, die wellenförmig kommen und gehen
  • Leichter Durchfall oder häufiger Stuhlgang (der Körper "räumt auf")
  • Abgang des Schleimpfropfs – oft mit etwas Blut vermischt (Zeichnungsblutung)
  • Unruhe, Nestbautrieb oder auch plötzliche Müdigkeit
  • Eventuell leichte Übelkeit

Emotionale Achterbahn

Neben den körperlichen Symptomen erleben viele Frauen auch emotionale Schwankungen. Du kannst dich aufgeregt und voller Vorfreude fühlen, gleichzeitig aber auch nervös oder unsicher sein. Manche Frauen werden sehr ruhig und in sich gekehrt, andere brauchen Ablenkung und Gesellschaft. All diese Reaktionen sind normal und Teil des Prozesses.

Nadine Scheiner

💗 Nadines Empfehlung

Nadine Scheiner

Bei meiner ersten Geburt bin ich viel zu früh ins Krankenhaus gefahren und wurde wieder nach Hause geschickt – das war frustrierend! Beim zweiten Mal habe ich die Latenzphase bewusst zu Hause verbracht: warmes Bad, Lieblingsfilm, leichte Snacks. Das hat mir so viel Ruhe gegeben. Mein Tipp: Nutze diese Zeit, um Kraft zu tanken, nicht um nervös auf die Uhr zu schauen. Dein Körper weiß, was er tut.

🏥 Wann solltest du ins Krankenhaus fahren?

Eine der häufigsten Fragen in der Latenzphase: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Fahrt ins Krankenhaus? Die allgemeine Empfehlung lautet: Fahre los, wenn die Wehen regelmäßig alle 5 Minuten kommen, mindestens eine Minute dauern und dies seit mindestens einer Stunde so ist. Diese "5-1-1-Regel" ist ein guter Orientierungspunkt.

Situation Handlung Dringlichkeit
Wehen alle 5 Min., je 1 Min. lang, seit 1 Std. Ins Krankenhaus fahren Normal
Blasensprung (klares Fruchtwasser) Krankenhaus kontaktieren, zeitnah fahren Wichtig
Grünliches/bräunliches Fruchtwasser Sofort ins Krankenhaus Dringend
Starke Blutung (mehr als Zeichnung) Sofort ins Krankenhaus Notfall
Verminderte Kindsbewegungen Sofort ärztlich abklären Dringend
Starke, unerträgliche Schmerzen Krankenhaus kontaktieren Wichtig
Unregelmäßige Wehen, gut aushaltbar Zu Hause bleiben, beobachten Abwarten

Besondere Situationen

Es gibt Ausnahmen, bei denen du früher losfahren solltest:

  • Zweites oder weiteres Kind: Die Geburt kann schneller verlaufen
  • Weite Anfahrt: Bei mehr als 30 Minuten Fahrtzeit lieber früher starten
  • Risikoschwangerschaft: Folge den individuellen Empfehlungen deiner Ärzte
  • Unsicherheit: Lieber einmal zu viel anrufen als zu spät reagieren

Wichtig: Bei einem Blasensprung solltest du dich liegend transportieren lassen oder sehr vorsichtig fahren, besonders wenn das Baby noch nicht tief im Becken liegt. Es besteht die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls. Kontaktiere in jedem Fall deine Klinik oder Hebamme.

💆‍♀️ Was hilft in der Latenzphase? Praktische Tipps

Die Latenzphase ist die perfekte Zeit, um Energie zu sammeln und dich mental auf die Geburt vorzubereiten. Hier sind bewährte Strategien, die dir helfen können:

Ruhe und Schlaf

So paradox es klingt: Versuche zu schlafen oder zumindest zu ruhen. Die Latenzphase beginnt oft nachts, und dein Körper braucht Kraft für die kommenden Stunden. Lege dich hin, auch wenn die Wehen dich immer wieder wecken. Jede Ruhepause zählt.

Wärme und Entspannung

Ein warmes Bad (nicht zu heiß, maximal 37–38 Grad) kann Wunder wirken. Es entspannt die Muskulatur, lindert Schmerzen und hilft dir, loszulassen. Auch eine Wärmflasche auf dem unteren Rücken oder Bauch kann sehr wohltuend sein. Manche Frauen schwören auf warme Kirschkernkissen.

Bewegung und Positionswechsel

Wenn du nicht schlafen kannst oder möchtest, hilft sanfte Bewegung. Spazierengehen, leichtes Wippen auf einem Gymnastikball oder der Vierfüßlerstand können die Wehen fördern und dem Baby helfen, sich optimal zu positionieren. Höre auf deinen Körper – er zeigt dir, was guttut.

Ablenkung

Viele Frauen profitieren davon, sich abzulenken: ein Film, ein Buch, ein Puzzle, Backen oder leichte Hausarbeiten. Das verhindert, dass du dich zu sehr auf jede einzelne Wehe konzentrierst und dadurch angespannt wirst.

Ernährung und Flüssigkeit

Iss leichte, energiereiche Snacks: Toast mit Honig, Bananen, Haferkekse, Energieriegel. Vermeide schwere, fettige Mahlzeiten, die schwer im Magen liegen. Trinke regelmäßig – Wasser, Tee oder verdünnte Fruchtsäfte. Dein Körper leistet Schwerstarbeit und braucht Flüssigkeit.

  • Haferbrei mit Banane und Honig
  • Vollkorntoast mit Marmelade
  • Datteln (liefern schnelle Energie)
  • Nüsse und Trockenfrüchte
  • Isotonische Getränke
  • Ingwertee gegen Übelkeit

Atmung und Entspannungstechniken

Übe bewusstes Atmen während der Wehen: tief in den Bauch einatmen, langsam ausatmen. Visualisierungen können helfen – stelle dir vor, wie sich dein Muttermund mit jeder Wehe wie eine Blüte öffnet. Auch Meditationen oder Hypnobirthing-Techniken, die du vielleicht im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hast, sind jetzt wertvoll.

🤰 Latenzphase bei Erstgebärenden vs. Mehrgebärenden

Es gibt deutliche Unterschiede, wie die Latenzphase bei der ersten Geburt im Vergleich zu weiteren Geburten verläuft:

Bei Erstgebärenden

Wenn du zum ersten Mal ein Baby bekommst, ist dein Körper noch "unerfahren" in diesem Prozess. Der Muttermund muss sich nicht nur öffnen, sondern auch verkürzen und weicher werden. Das braucht Zeit. Die Latenzphase dauert daher oft 10 bis 20 Stunden, manchmal sogar länger. Das ist kein schlechtes Zeichen – dein Körper arbeitet gründlich.

Viele Erstgebärende erleben auch sogenannte "Vorwehen" oder "falsche Wehen" in den Tagen vor der eigentlichen Geburt, was die Unterscheidung zum echten Geburtsbeginn erschweren kann.

Bei Mehrgebärenden

Beim zweiten oder dritten Kind hat dein Körper bereits "Erfahrung". Der Muttermund ist oft schon etwas geöffnet, das Gewebe ist dehnbarer. Die Latenzphase kann deutlich kürzer sein – manchmal nur 3 bis 6 Stunden. Manche Frauen überspringen die klassische Latenzphase fast komplett und starten direkt in die aktive Phase.

Achtung bei weiteren Kindern: Gerade beim zweiten oder dritten Kind solltest du nicht zu lange warten, bevor du ins Krankenhaus fährst. Die Geburt kann sehr schnell gehen, und manche Frauen erleben eine "Sturzgeburt", bei der das Baby innerhalb von weniger als zwei Stunden geboren wird.

🩺 Wie wird die Latenzphase diagnostiziert?

Wenn du unsicher bist, ob du dich in der Latenzphase befindest, kann deine Hebamme oder dein Arzt dies durch eine vaginale Untersuchung feststellen. Dabei wird geprüft:

  • Muttermundöffnung: Wie viele Zentimeter ist der Muttermund bereits geöffnet?
  • Verkürzung (Effacement): Wie stark hat sich der Gebärmutterhals verkürzt? (angegeben in Prozent: 0% = nicht verkürzt, 100% = vollständig verkürzt)
  • Konsistenz: Ist der Muttermund noch fest oder bereits weich?
  • Position: Liegt der Muttermund noch weit hinten oder schon mittig/vorn?
  • Höhenstand des Babys: Wie tief ist das Köpfchen bereits ins Becken eingetreten?

Diese Faktoren werden oft mit dem Bishop-Score bewertet, einem Punktesystem, das die Geburtsreife einschätzt. Ein niedriger Score (unter 6) deutet auf eine frühe Latenzphase hin, ein hoher Score (über 8) auf baldigen Geburtsbeginn.

CTG-Überwachung

Im Krankenhaus wird meist auch ein CTG (Kardiotokografie) geschrieben, um die Herztöne des Babys und die Wehentätigkeit zu überwachen. So kann festgestellt werden, ob die Wehen regelmäßig und effektiv sind und ob es dem Baby gut geht.

🌡️ Mögliche Komplikationen in der Latenzphase

In den meisten Fällen verläuft die Latenzphase problemlos. Dennoch gibt es Situationen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern:

Vorzeitiger Blasensprung

Wenn die Fruchtblase platzt, bevor regelmäßige Wehen eingesetzt haben, spricht man von einem vorzeitigen Blasensprung. Das ist nicht automatisch gefährlich, erhöht aber das Infektionsrisiko. Meist setzen die Wehen innerhalb von 24 Stunden von selbst ein. Deine Ärzte werden dich engmaschig überwachen und eventuell nach 12–24 Stunden die Geburt einleiten, wenn nichts passiert.

Protrahierte Latenzphase

Wenn die Latenzphase ungewöhnlich lange dauert (über 20 Stunden bei Erstgebärenden, über 14 Stunden bei Mehrgebärenden) und du erschöpft bist, kann medizinische Unterstützung sinnvoll sein. Möglichkeiten sind:

  • Therapeutischer Schlaf durch Schmerzmittel und Beruhigung
  • Wehentropf (Oxytocin) zur Verstärkung der Wehen
  • Prostaglandine zur Muttermundreifung
  • In seltenen Fällen: Entscheidung für einen Kaiserschnitt bei fehlendem Fortschritt

Pathologisches CTG

Zeigt das CTG Auffälligkeiten in den Herztönen des Babys, wird dein medizinisches Team genau hinschauen. Meist handelt es sich um vorübergehende Schwankungen, die nicht besorgniserregend sind. In seltenen Fällen kann eine schnellere Geburtsbeendigung notwendig werden.

Die Latenzphase ist wie eine Reise mit unbekanntem Ziel – du weißt, dass du unterwegs bist, aber nicht genau, wann du ankommst. Und das ist okay. Vertraue darauf, dass dein Körper und dein Baby im perfekten Rhythmus arbeiten. Jede Wehe bringt dich näher zu deinem Kind, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt.

Nadine Scheiner Redakteurin & Mama

🏠 Hausgeburt und Latenzphase

Wenn du eine Hausgeburt planst, ist die Latenzphase besonders angenehm, da du dich bereits in deiner vertrauten Umgebung befindest. Deine Hebamme wird dich telefonisch begleiten und zu einem passenden Zeitpunkt zu dir kommen – meist wenn die Wehen regelmäßiger und intensiver werden.

Vorteile der Latenzphase zu Hause

  • Keine Hektik durch Klinikfahrt
  • Vertraute Umgebung fördert Entspannung
  • Freie Wahl von Position, Essen, Aktivitäten
  • Partner und eventuell Geschwisterkinder können dabei sein
  • Keine "Uhr", die tickt – weniger Zeitdruck

Auch wenn du eine Klinikgeburt planst, profitierst du davon, die Latenzphase zu Hause zu verbringen. Studien zeigen, dass Frauen, die erst in der aktiven Phase ins Krankenhaus kommen, seltener medizinische Interventionen benötigen und zufriedener mit ihrer Geburtserfahrung sind.

🧘‍♀️ Mentale Vorbereitung auf die Latenzphase

Die mentale Einstellung spielt eine große Rolle dabei, wie du die Latenzphase erlebst. Hier einige psychologische Strategien:

Realistische Erwartungen

Viele Frauen unterschätzen die Länge der Latenzphase und werden ungeduldig oder frustriert. Wenn du weißt, dass diese Phase viele Stunden dauern kann, bist du mental besser vorbereitet und kannst gelassener bleiben.

Positive Affirmationen

Sätze wie "Mein Körper weiß, was er tut", "Jede Wehe bringt mich näher zu meinem Baby" oder "Ich vertraue dem Prozess" können helfen, eine positive Grundstimmung zu bewahren. Schreibe dir deine Lieblingssätze auf Zettel und hänge sie auf, wo du sie siehst.

Loslassen von Kontrolle

Die Geburt lässt sich nicht planen wie ein Termin. Je mehr du versuchst, alles zu kontrollieren, desto angespannter wirst du. Übe dich im Loslassen – dein Körper und dein Baby haben ihren eigenen Zeitplan.

👶 Was passiert mit dem Baby in der Latenzphase?

Während du die Wehen spürst, arbeitet auch dein Baby aktiv mit. In der Latenzphase:

  • Dreht sich das Baby in die optimale Geburtsposition (idealerweise mit dem Hinterkopf nach vorn)
  • Senkt sich das Köpfchen tiefer ins Becken
  • Passt sich der Kopf durch leichte Formveränderung (Molding) an das Becken an
  • Produziert das Baby Stresshormone, die seine Lungen auf das Atmen vorbereiten

Die Wehen sind also nicht nur für die Muttermundöffnung wichtig, sondern auch für die optimale Vorbereitung deines Babys auf die Geburt und das Leben außerhalb des Mutterleibs.

📋 Checkliste: Bin ich in der Latenzphase?

Du bist unsicher, ob die Geburt begonnen hat? Diese Checkliste hilft dir bei der Einschätzung:

Anzeichen Latenzphase Vorwehen/Übungswehen
Regelmäßigkeit Zunehmend regelmäßiger werdend Unregelmäßig, kommen und gehen
Intensität Werden stärker Bleiben gleich oder werden schwächer
Dauer 30–60 Sekunden, werden länger Kurz, unterschiedlich
Bei Bewegung Bleiben bestehen oder verstärken sich Lassen oft nach
Bei Ruhe/Bad Bleiben bestehen Werden oft schwächer oder verschwinden
Lokalisation Bauch und/oder Rücken, ziehen nach unten Meist nur Bauch, verhärtet sich
Schleimpfropf Oft Abgang mit leichter Blutung Meist nicht

🔬 Hormonelle Vorgänge in der Latenzphase

Auf hormoneller Ebene passiert in der Latenzphase unglaublich viel. Das Zusammenspiel verschiedener Hormone steuert den gesamten Geburtsprozess:

Oxytocin – das Wehenhormon

Oxytocin wird in der Hirnanhangdrüse produziert und löst Wehen aus. In der Latenzphase steigt der Oxytocinspiegel langsam an. Interessanterweise wird Oxytocin durch Stress gehemmt – deshalb ist Entspannung so wichtig. Hautkontakt, Dunkelheit, Ruhe und das Gefühl von Sicherheit fördern die Oxytocinausschüttung.

Prostaglandine – die Weichmacher

Diese Gewebshormone sorgen dafür, dass der Muttermund weich wird und sich öffnen kann. Sie werden im Gebärmutterhalsgewebe selbst produziert. Prostaglandine können auch Durchfall auslösen – ein natürlicher "Reinigungsmechanismus" des Körpers vor der Geburt.

Endorphine – die körpereigenen Schmerzmittel

Mit zunehmender Wehentätigkeit schüttet dein Körper Endorphine aus, die schmerzlindernd und stimmungsaufhellend wirken. Sie helfen dir, die Wehen zu bewältigen und können zu einem tranceähnlichen Zustand führen, der die Geburt erleichtert.

❓ Häufige Fragen zur Latenzphase

Kann die Latenzphase wieder aufhören?

Ja, das ist möglich und kommt gar nicht so selten vor. Manchmal beginnen Wehen, werden regelmäßiger und hören dann wieder auf oder werden schwächer. Das nennt man "frustrane Wehen" oder "Scheinschwangerschaft". Dein Körper übt sozusagen noch. Das ist kein schlechtes Zeichen – meist beginnt die echte Latenzphase dann innerhalb der nächsten Tage. Ruhe dich aus und warte ab. Wenn du unsicher bist, kontaktiere deine Hebamme.

Sollte ich in der Latenzphase noch essen?

Ja, unbedingt! Dein Körper braucht Energie für die bevorstehende Geburt. Iss leichte, gut verdauliche Snacks und trinke regelmäßig. Vermeide schwere, fettige Mahlzeiten, die lange im Magen liegen. Ideal sind Kohlenhydrate wie Toast, Bananen, Haferflocken oder Energieriegel. Auch wenn du im Krankenhaus bist, darfst du in der Latenzphase meist noch essen – frage nach, wenn du unsicher bist.

Kann ich die Latenzphase beschleunigen?

Es gibt Methoden, die Wehen fördern können, aber ob sie wirklich wirken, ist individuell unterschiedlich. Bewährte natürliche Methoden sind: Spaziergehen, Treppensteigen, Sex (Prostaglandine im Sperma), Brustwarzenstimulation (fördert Oxytocin), warmes Bad, Akupunktur oder bestimmte Tees wie Himbeerblättertee. Wichtig: Wende diese Methoden nur an, wenn du bereits am errechneten Termin oder darüber bist und nach Rücksprache mit deiner Hebamme. Dein Baby sollte selbst entscheiden, wann es bereit ist.

Wie unterscheide ich echte Wehen von Übungswehen?

Echte Wehen werden regelmäßiger, stärker und länger. Sie lassen sich nicht durch ein Bad oder Ruhe stoppen. Sie ziehen oft vom Rücken nach vorn und nach unten. Übungswehen (Braxton-Hicks) sind unregelmäßig, meist schmerzlos oder nur leicht unangenehm, und verschwinden oft bei Positionswechsel oder Entspannung. Wenn du dir unsicher bist, notiere über eine Stunde die Abstände und Dauer der Wehen – ein Muster deutet auf echte Wehen hin.

Muss ich bei jeder Wehe eine Atemtechnik anwenden?

Nein, in der Latenzphase sind die Wehen meist noch so mild, dass du keine spezielle Atemtechnik brauchst. Atme einfach ruhig und gleichmäßig weiter. Wenn die Wehen intensiver werden, kann bewusstes Atmen helfen – aber auch das ist kein Muss. Manche Frauen finden Atemtechniken hilfreich, andere nicht. Höre auf deinen Körper und mache, was sich für dich richtig anfühlt.

Was ist, wenn ich in der Latenzphase nicht schlafen kann?

Das ist verständlich – die Aufregung und die Wehen können das Einschlafen erschweren. Versuche trotzdem, dich hinzulegen und zu ruhen, auch wenn du nicht schläfst. Dein Körper erholt sich auch im Liegen. Entspannungsmusik, Hörbücher oder Meditationen können helfen. Wenn Schlafen wirklich nicht möglich ist, nutze die Zeit für sanfte Aktivitäten, die dich ablenken, aber nicht erschöpfen. Und denke daran: Viele Frauen bekommen während der Geburt einen "zweiten Wind" – dein Körper mobilisiert Reserven, wenn es darauf ankommt.

🎯 Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Latenzphase

Die Latenzphase ist der sanfte, oft unterschätzte Beginn deiner Geburt. Sie kann Stunden oder sogar einen ganzen Tag dauern, und das ist völlig normal. In dieser Zeit öffnet sich dein Muttermund langsam bis etwa 4 cm, während dein Baby sich optimal positioniert.

Die wichtigsten Punkte noch einmal:

  • Bleibe so lange wie möglich zu Hause in vertrauter Umgebung
  • Ruhe und Entspannung sind wichtiger als Aktivität
  • Iss leichte Snacks und trinke ausreichend
  • Fahre ins Krankenhaus bei regelmäßigen Wehen (5-1-1-Regel) oder Blasensprung
  • Jede Geburt ist einzigartig – vergleiche dich nicht mit anderen
  • Vertraue deinem Körper und deinem Baby

Die Latenzphase ist eine wertvolle Zeit der Vorbereitung – körperlich und mental. Nutze sie, um Kraft zu tanken für die intensive aktive Phase, die folgen wird. Du schaffst das, und bald hältst du dein Baby in den Armen. Alles Gute für deine Geburt!

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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