Lachgas bei der Geburt – inhalative Schmerztherapie
Auf einen Blick
- Lachgas lindert Wehenschmerzen innerhalb von 30 Sekunden – ohne Nadel und ohne Einfluss auf die Geburt
- Du behältst die Kontrolle: Körpergefühl bleibt erhalten, Wirkung klingt nach 1 Minute wieder ab
- Keine Auswirkungen auf dein Baby – das Gemisch aus 50% Lachgas und 50% Sauerstoff ist sicher
Die Wehen werden stärker, du spürst, wie die Kraft nachlässt – und gleichzeitig möchtest du keine PDA? Viele Frauen wünschen sich eine sanfte Schmerzlinderung, die ihnen hilft, ohne dass sie die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Genau hier kann Lachgas eine wertvolle Alternative sein.
🌸 Was ist Lachgas und wie wirkt es?
Lachgas ist eine Form der inhalativen Schmerztherapie, die besonders dann zum Einsatz kommt, wenn Schmerzen plötzlich und intensiv auftreten – wie bei sehr starken Wehenschmerzen, die sich nicht gut veratmen lassen. Nicht jede Frau möchte direkt eine PDA und setzt daher auf Alternativen. Eine dieser Alternativen ist ein Gemisch aus Lachgas und Sauerstoff.
Das Lachgas-Gemisch befindet sich in einer Druckflasche, die mit einem Mundstück versehen ist. Dieses Mundstück wird auf dein Gesicht gelegt. Du atmest dann das Gemisch ein. Ein großer Vorteil bei dieser Form der Schmerztherapie ist, dass sie ganz ohne Nadeln auskommt. Das Lachgas wird in dein Blut geleitet und von dort weiter zum Gehirn transportiert. Hier triggert es das Schmerzzentrum im Gehirn. Für dich fühlt sich das so an, als wenn sich deine Schmerzen verändern. Sie scheinen plötzlich deutlich geringer zu sein.
Gut zu wissen: Das Lachgas kann den Schmerz nicht komplett verschwinden lassen. Lediglich die Schmerzspitzen werden reduziert. Du bekommst so die Möglichkeit, dich wieder auf den Geburtsvorgang zu konzentrieren.
💪 Wann wird Lachgas während der Geburt gegeben?
Du kannst bereits im Gespräch für die Geburt angeben, dass du Lachgas gegenüber durchaus aufgeschlossen bist und auch unter der Geburt spontan danach verlangen. Normalerweise steht es im Kreißsaal zur Verfügung. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, muss es allerdings auch gezielt eingesetzt werden. Es ist wichtig, dass du rechtzeitig Bescheid gibst. Bemerkst du, dass die nächste Welle anrollt, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Schon bevor die Wehe ausbricht, solltest du das Gasgemisch einatmen. Das Gas wird bis zum Höhepunkt der Wehe eingeatmet und dann wird es abgesetzt.
Tipp: Die Wirksamkeit des Gemischs ist sehr kurz, aber auch sehr schnell. Nach dem Einatmen dauert es rund eine halbe Minute, bis du den Effekt bemerkst. Anschließend klingt er nach rund einer Minute wieder ab.
👶 Wirkt sich das Lachgas auf die Geburt und mein Baby aus?
Lachgas ist ausschließlich dafür gedacht, deine Schmerzen kurzzeitig zu lindern. Hierbei gibt es keine Auswirkungen auf den Geburtsvorgang an sich und auch auf die Wehen. Dein Baby wird ebenfalls nichts von dem Lachgas bemerken. Das ist ein großer Vorteil. Anders als bei anderen Schmerztherapien, besteht beim Einsatz von Lachgas nicht die Gefahr, dass es zu einem möglichen Stillstand bei der Geburt kommt. Du spürst weiterhin deinen Körper und die Zeichen, die er dir gibt.
Zudem besteht die Möglichkeit, den Einsatz von Lachgas jederzeit auch zu unterbrechen. Eine Form der Überdosierung kann aber generell nicht erfolgen oder ist zumindest verschwindend gering. Der Anteil an Lachgas in dem Gemisch darf nicht mehr als 50 % betragen. Zusätzlich dazu wird dein Körper mit Sauerstoff versorgt. Dadurch kann er das Lachgas sehr gut verarbeiten.
Ich finde es wichtig, dass Frauen wissen: Es gibt mehr als nur die PDA. Lachgas kann eine wunderbare Zwischenlösung sein – du bleibst bei dir, spürst dein Baby und kannst trotzdem durchatmen.
🔍 Welche Vorteile hat Lachgas bei der Geburt?
Damit du dir einen umfassenden Überblick verschaffen kannst, findest du hier eine Auflistung der Stärken, die eine Schmerztherapie mit Lachgas mit sich bringt:
- Entspannung: Durch das Lachgas kannst du dich entspannen, der Schmerz lässt nach und du sammelst wieder Kraft für die Geburt.
- Verringerung der Angst: Viele Frauen verspüren unter den Wehen Angst und verkrampfen sich dadurch. Lachgas kann für eine Verringerung der Angst sorgen.
- Wirkstoffmenge: Ein großer Vorteil ist, dass du mit der Atmung beeinflussen kannst, wie viel Lachgas du aufnimmst.
- Keine Einschränkung: Dein Körperempfinden wird nicht eingeschränkt und du kannst weiter aktiv bei der Geburt arbeiten.
- Schnelle Wirkung: Während viele Schmerzmittel einen Moment brauchen, bis sie überhaupt wirken, hat Lachgas innerhalb von einer halben Minute den ersten Effekt. Die Schmerzen werden direkt gelindert.
- Kein Einfluss auf dein Baby: Sowohl für dich als auch für dein Baby gibt es keine Nebenwirkungen.
⚠️ Gibt es auch Nebenwirkungen und Nachteile?
Wie bei vielen Schmerztherapien kann es auch beim Lachgas zu Nebenwirkungen kommen, über die du aber normalerweise aufgeklärt wirst. Jede Gebärende reagiert anders auf das Gemisch. Es gibt Frauen, die gar keine Nebenwirkungen verspüren. Genauso gibt es aber auch Frauen, denen übel wird oder die sich sogar übergeben müssen. Teilweise kann es zu einer kurzen Benommenheit kommen. In dem Fall wird die Maske direkt vom Gesicht abgenommen und du hörst auf, das Gemisch einzuatmen. Nach wenigen Minuten klingen die unangenehmen Gefühle auch schon ab.
Achtung: Nicht immer lässt sich mit Lachgas auch wirklich der gewünschte Erfolg erzielen. Es kann sein, dass du dann dennoch auf eine PDA zurückgreifen musst.
Die Nachteile im Überblick:
- Unangenehme Gefühle: Es kann zu einem Gefühl von Benommenheit kommen oder auch zu Übelkeit und Erbrechen.
- Beweglichkeit: Deine Beweglichkeit wird leicht eingeschränkt, da du eine Maske trägst, die auch an eine Gasflasche angeschlossen ist. Das kann dafür sorgen, dass sich die Position nicht so schnell wechseln lässt.
- Schmerzreduzierung: Lachgas reduziert die Schmerzen nur, kann aber deine Schmerzen nicht komplett unterdrücken. Das heißt, du wirst nicht komplett schmerzfrei sein.
🤔 Ersetzt Lachgas eine PDA?
Vielleicht stellst du dir die Frage, ob Lachgas eine komplette Alternative zur PDA darstellt. Hier ist jede Frau unterschiedlich. Es gibt Frauen, die verzichten komplett auf eine Schmerztherapie, andere kommen gut mit dem Lachgas aus und brauchen nicht zusätzlich noch eine PDA. Es gibt aber auch Geburten, die es notwendig machen, trotz Lachgas noch eine PDA in Anspruch zu nehmen.
Wichtig für dich: Alles ist in Ordnung. Unter der Geburt kommt es darauf an, dass du dich wohlfühlst, dich auf deinen Körper und dein Baby konzentrieren und es zur Welt bringen kannst. Lass dich daher vorher umfangreich aufklären.
Häufig gestellte Fragen
Wie schnell wirkt Lachgas bei der Geburt?
Lachgas wirkt sehr schnell: Nach dem Einatmen dauert es etwa 30 Sekunden, bis du den schmerzlindernden Effekt spürst. Die Wirkung hält etwa eine Minute an und klingt dann wieder ab. Deshalb ist es wichtig, das Gas schon vor dem Höhepunkt der Wehe einzuatmen.
Ist Lachgas gefährlich für mein Baby?
Nein, Lachgas hat keine negativen Auswirkungen auf dein Baby. Das Gemisch besteht zu maximal 50% aus Lachgas und 50% aus Sauerstoff. Dein Baby bekommt davon nichts mit und die Geburt wird nicht beeinflusst.
Kann ich Lachgas jederzeit während der Geburt bekommen?
Ja, du kannst sowohl im Vorgespräch zur Geburt angeben, dass du Lachgas nutzen möchtest, als auch spontan während der Geburt danach fragen. In den meisten Kreißsälen steht es zur Verfügung. Du kannst die Anwendung auch jederzeit unterbrechen.
Werde ich durch Lachgas komplett schmerzfrei?
Nein, Lachgas macht dich nicht komplett schmerzfrei. Es reduziert lediglich die Schmerzspitzen und hilft dir, dich zu entspannen und neue Kraft zu sammeln. Du spürst weiterhin deinen Körper und die Wehen, aber die Intensität wird erträglicher.
Welche Nebenwirkungen kann Lachgas haben?
Manche Frauen verspüren gar keine Nebenwirkungen, andere können Übelkeit, Erbrechen oder kurze Benommenheit erleben. Diese Gefühle klingen aber schnell wieder ab, sobald du aufhörst, das Gemisch einzuatmen. Deine Hebamme wird dich vorher über mögliche Nebenwirkungen aufklären.
Kann ich mich mit Lachgas noch frei bewegen?
Deine Beweglichkeit wird durch die Maske und die angeschlossene Gasflasche leicht eingeschränkt. Positionswechsel sind möglich, aber nicht ganz so spontan wie ohne Maske. Dein Körpergefühl bleibt aber vollständig erhalten und du kannst aktiv bei der Geburt mitarbeiten.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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