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Wie fühlen sich Wehen an? Echte Wehen erkennen

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 04.07.2026 Lesezeit 28 Min.
Wie fühlen sich Wehen an? Echte Wehen erkennen

Auf einen Blick

  • Echte Geburtswehen kommen regelmäßig (alle 5–10 Minuten), werden stärker und lassen sich durch Bewegung nicht stoppen
  • Wehen fühlen sich meist wie starke Menstruationskrämpfe an, die wellenförmig kommen und in Rücken oder Oberschenkel ausstrahlen können
  • Übungswehen, Senkwehen und Vorwehen sind normal und bereiten den Körper vor – sie sind unregelmäßig und verschwinden oft wieder
  • Bei regelmäßigen Wehen (alle 5–10 Min.), Blasensprung, starken Blutungen oder anhaltendem Schmerz solltest du sofort deine Hebamme oder Klinik kontaktieren

Die Frage „Wie fühlen sich Wehen an?" beschäftigt wohl jede werdende Mama – besonders beim ersten Kind. Werde ich sie erkennen? Wann sind es echte Wehen? In diesem Ratgeber erfährst du alles über die verschiedenen Wehenarten, wie du echte Geburtswehen erkennst und wann es Zeit ist, ins Krankenhaus zu fahren.

🤰 Was sind Wehen und warum gibt es sie?

Wehen sind rhythmische Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, die während der Schwangerschaft und besonders bei der Geburt auftreten. Die Gebärmutter ist ein äußerst kraftvoller Muskel, der sich zusammenzieht und wieder entspannt – genau wie dein Bizeps, nur viel stärker und mit einem klaren Ziel: dein Baby sicher auf die Welt zu bringen.

Während der Schwangerschaft „übt" deine Gebärmutter bereits für den großen Tag. Diese Übungswehen (auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt) sind völlig normal und zeigen, dass dein Körper sich vorbereitet. Erst gegen Ende der Schwangerschaft werden daraus die echten Geburtswehen, die den Muttermund öffnen und dein Baby durch den Geburtskanal schieben.

Die Funktion von Wehen

Wehen erfüllen mehrere wichtige Aufgaben:

  • Vorbereitung: Übungswehen trainieren die Gebärmuttermuskulatur und verbessern die Durchblutung
  • Positionierung: Senkwehen helfen dem Baby, ins Becken zu rutschen
  • Öffnung: Eröffnungswehen verkürzen und öffnen den Muttermund
  • Austreibung: Presswehen schieben das Baby durch den Geburtskanal
  • Nachgeburt: Nachwehen lösen die Plazenta und helfen der Gebärmutter, sich zurückzubilden

💭 Wie fühlen sich Wehen an? Beschreibungen von Müttern

Jede Frau empfindet Wehen unterschiedlich – das macht es so schwierig, sie zu beschreiben. Was für die eine erträglich ist, empfindet die andere als sehr schmerzhaft. Dennoch gibt es einige gemeinsame Beschreibungen, die dir helfen können, Wehen zu erkennen.

Die häufigsten Beschreibungen

Wie starke Menstruationskrämpfe: Die meisten Frauen vergleichen Wehen mit sehr intensiven Periodenschmerzen. Der Schmerz beginnt oft im Unterbauch und zieht sich wie ein Gürtel um den Körper. Anders als bei der Menstruation kommen Wehen aber wellenförmig – sie steigen an, erreichen einen Höhepunkt und ebben dann wieder ab.

Ein Ziehen im unteren Rücken: Viele Frauen spüren Wehen zunächst im unteren Rücken. Der Schmerz strahlt von dort nach vorne in den Bauch aus oder wandert vom Rücken über die Seiten zum Bauch. Manche Frauen haben sogar hauptsächlich Rückenwehen, bei denen der Schmerz vor allem im Kreuz sitzt.

Verhärtung des Bauches: Während einer Wehe wird dein Bauch steinhart. Du kannst die Kontraktion deutlich fühlen, wenn du deine Hand auflegst. Der gesamte Bauch spannt sich an und wird fest wie ein Brett. Nach der Wehe entspannt sich alles wieder vollständig.

Druck nach unten: Besonders bei fortgeschrittenen Wehen spüren viele Frauen einen starken Druck nach unten, als müssten sie auf die Toilette. Dieser Druck entsteht, weil das Baby tiefer ins Becken rutscht und auf den Beckenboden drückt.

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So fühlen sich Wehen an – die 4 Hauptmerkmale

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Wellenförmig Wehen kommen in Wellen: Sie steigen an, erreichen einen Höhepunkt und klingen ab – mit Pausen dazwischen
💪
Bauch wird hart Während der Wehe verhärtet sich der gesamte Bauch spürbar und entspannt sich danach wieder vollständig
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Regelmäßig wiederkehrend Echte Wehen kommen in regelmäßigen Abständen, die immer kürzer werden (bei Geburtswehen alle 5-10 Min.)
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Zunehmende Intensität Die Wehen werden mit der Zeit stärker, länger und schmerzhafter – sie lassen nicht nach

🔍 Verschiedene Wehenarten erkennen und unterscheiden

Nicht jede Kontraktion ist eine Geburtswehe. Dein Körper durchläuft verschiedene Phasen, in denen unterschiedliche Wehenarten auftreten. Zu wissen, welche Art von Wehen du gerade spürst, gibt dir Sicherheit und hilft dir einzuschätzen, ob es schon losgeht oder noch Zeit ist.

Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)

Ab wann: Können bereits ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten, manche Frauen spüren sie erst später

Wie sie sich anfühlen: Der Bauch wird hart und spannt sich an, aber meist ohne oder mit nur leichten Schmerzen. Die Kontraktionen sind unregelmäßig und dauern etwa 30–60 Sekunden. Viele Frauen beschreiben sie als ein Ziehen oder Spannen, aber nicht als schmerzhaft.

Woran du sie erkennst:

  • Unregelmäßige Abstände (mal nach 10 Minuten, mal nach einer Stunde)
  • Keine Zunahme der Intensität
  • Verschwinden oft bei Ruhe, Entspannung oder einem warmen Bad
  • Können durch Bewegung, volle Blase oder Stress ausgelöst werden
  • Der Muttermund öffnet sich nicht
Nadine Scheiner

💗 Nadines Empfehlung

Nadine Scheiner

Bei beiden Schwangerschaften habe ich ab etwa der 28. Woche regelmäßig Übungswehen gespürt – und war jedes Mal kurz unsicher, ob es schon losgeht. Mein Tipp: Leg dich hin, trink ein großes Glas Wasser und entspanne dich bewusst. Wenn die Wehen nach 30 Minuten verschwunden sind, war es falscher Alarm. Bei echten Wehen werden sie stattdessen stärker und regelmäßiger. Diese „Badewannen-Probe" hat mir sehr geholfen: Ein warmes Bad stoppt Übungswehen, echte Wehen werden dadurch sogar intensiver.

Senkwehen

Ab wann: Etwa 2–4 Wochen vor der Geburt (bei Erstgebärenden oft früher, bei weiteren Kindern manchmal erst kurz vor der Geburt)

Wie sie sich anfühlen: Ähnlich wie Übungswehen, aber oft etwas intensiver. Du spürst ein Ziehen im Unterbauch und unteren Rücken. Viele Frauen beschreiben ein Gefühl, als würde das Baby „nach unten rutschen".

Woran du sie erkennst:

  • Dein Bauch senkt sich sichtbar – der Abstand zwischen Brust und Bauch wird größer
  • Du kannst plötzlich wieder besser atmen, da das Baby nicht mehr so stark auf das Zwerchfell drückt
  • Gleichzeitig spürst du mehr Druck auf Blase und Beckenboden
  • Häufigerer Harndrang
  • Die Wehen sind unregelmäßig und hören wieder auf

Vorwehen

Ab wann: In den letzten Tagen und Stunden vor der Geburt

Wie sie sich anfühlen: Deutlich spürbarer als Übungswehen, mit einem ziehenden Schmerz im Unterbauch und Rücken. Sie können schon recht unangenehm sein und dich nachts wach halten.

Woran du sie erkennst:

  • Regelmäßiger als Übungswehen, aber noch nicht im 5-Minuten-Takt
  • Können über Stunden anhalten und dann wieder aufhören
  • Bereiten den Muttermund vor (er wird weicher und kann sich schon leicht öffnen)
  • Lassen sich durch Ruhe oder ein Bad oft noch abschwächen
  • Werden nicht kontinuierlich stärker

Gut zu wissen: Viele Erstgebärende fahren bei Vorwehen ins Krankenhaus und werden wieder nach Hause geschickt. Das ist völlig normal und kein Grund, sich zu schämen! Lieber einmal zu viel nachfragen als zu spät kommen. Die Hebammen kennen das und helfen dir gerne bei der Einschätzung.

Echte Geburtswehen (Eröffnungswehen)

Ab wann: Wenn die Geburt tatsächlich beginnt, meist um den errechneten Geburtstermin herum

Wie sie sich anfühlen: Wie sehr starke Menstruationskrämpfe, die wellenförmig kommen. Der Schmerz ist deutlich intensiver als bei Vorwehen und strahlt oft in Rücken, Oberschenkel oder Leisten aus. Viele Frauen können während einer Wehe nicht mehr sprechen oder müssen sich festhalten.

Woran du sie erkennst – die wichtigsten Merkmale:

  • Regelmäßigkeit: Die Wehen kommen in gleichmäßigen Abständen (anfangs alle 10–15 Minuten, später alle 5–7 Minuten)
  • Dauer: Jede Wehe dauert 30–60 Sekunden (später bis zu 90 Sekunden)
  • Zunehmende Intensität: Die Wehen werden kontinuierlich stärker, länger und schmerzhafter
  • Kürzere Abstände: Die Pausen zwischen den Wehen werden immer kürzer
  • Keine Besserung durch Ruhe: Ein Bad oder Hinlegen stoppt die Wehen nicht – sie werden sogar oft intensiver
  • Der Muttermund öffnet sich: Das kann nur deine Hebamme oder Ärztin feststellen

Presswehen (Austreibungswehen)

Ab wann: Wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist (10 cm)

Wie sie sich anfühlen: Ein überwältigender Drang zu pressen, ähnlich wie bei starkem Stuhlgang – nur viel intensiver. Dein Körper übernimmt quasi automatisch. Viele Frauen beschreiben, dass sie gar nicht anders können, als mitzupressen.

Woran du sie erkennst:

  • Enormer Druck nach unten
  • Unwillkürlicher Pressdrang
  • Oft kommen die Wehen jetzt alle 2–3 Minuten
  • Manche Frauen empfinden diese Phase als erleichternd, weil sie aktiv mitarbeiten können

Nachwehen

Ab wann: Direkt nach der Geburt und in den ersten Tagen danach

Wie sie sich anfühlen: Ähnlich wie Menstruationskrämpfe, besonders beim Stillen. Bei der ersten Geburt sind sie meist mild, bei weiteren Kindern können sie überraschend schmerzhaft sein.

Woran du sie erkennst:

  • Treten besonders beim Stillen auf (durch das Hormon Oxytocin)
  • Helfen der Gebärmutter, sich zurückzubilden
  • Können in den ersten 2–3 Tagen nach der Geburt recht stark sein
  • Werden täglich schwächer
Wehenart Zeitpunkt Regelmäßigkeit Intensität Was tun?
Übungswehen Ab 20. SSW Unregelmäßig Leicht, meist schmerzfrei Beobachten, ausruhen
Senkwehen 2–4 Wochen vor Geburt Unregelmäßig Mittel, ziehend Normal, Ruhe gönnen
Vorwehen Tage vor Geburt Etwas regelmäßiger Mittel bis stark Beobachten, bei Unsicherheit Hebamme anrufen
Geburtswehen Bei Geburtsbeginn Alle 5–10 Min. Stark, zunehmend Ins Krankenhaus/Geburtshaus fahren
Presswehen Austreibungsphase Alle 2–3 Min. Sehr stark, Pressdrang Mitpressen nach Anweisung
Nachwehen Nach der Geburt Besonders beim Stillen Leicht bis mittel Normal, ggf. Schmerzmittel

⏰ Wann sollte ich ins Krankenhaus oder Geburtshaus fahren?

Die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, beschäftigt alle werdenden Eltern. Zu früh möchte niemand losfahren, aber zu spät ist natürlich auch nicht ideal. Hier sind klare Orientierungspunkte, die dir helfen.

Die 5-1-1-Regel (bzw. 4-1-1 bei Erstgebärenden)

Eine bewährte Faustregel besagt: Fahre ins Krankenhaus, wenn die Wehen

  • alle 5 Minuten kommen (bei Erstgebärenden; bei weiteren Kindern schon bei 10 Minuten)
  • jeweils mindestens 1 Minute dauern
  • seit mindestens 1 Stunde so regelmäßig sind

Bei Zweitgebärenden oder wenn du weiter vom Krankenhaus entfernt wohnst, solltest du früher losfahren – etwa wenn die Wehen alle 7–10 Minuten kommen.

Weitere Gründe, sofort loszufahren oder den Notarzt zu rufen

Wichtig – sofort handeln bei:

  • Blasensprung: Besonders wenn das Fruchtwasser grünlich oder bräunlich verfärbt ist (Zeichen für Kindspech/Mekonium)
  • Starke Blutungen: Mehr als leichte Schmierblutungen oder Schleimpfropf-Abgang
  • Anhaltende starke Schmerzen: Die nicht wellenförmig kommen, sondern konstant bleiben
  • Verminderte Kindsbewegungen: Wenn dein Baby sich plötzlich viel weniger bewegt als sonst
  • Sehr schnell aufeinanderfolgende Wehen: Besonders bei weiteren Kindern – die Geburt kann sehr schnell gehen
  • Dein Bauchgefühl sagt dir, dass etwas nicht stimmt: Vertraue deiner Intuition!

Was, wenn ich mir unsicher bin?

Ruf deine Hebamme oder die Klinik an! Niemand wird dich für einen Fehlalarm verurteilen. Die Fachleute können dir am Telefon schon Fragen stellen, die bei der Einschätzung helfen:

  • Wie regelmäßig kommen die Wehen?
  • Wie lange dauert jede Wehe?
  • Kannst du während einer Wehe noch sprechen?
  • Hast du Ausfluss oder Blutungen bemerkt?
  • Wie geht es dir insgesamt?

Oft reicht schon dieses Gespräch, um dir Sicherheit zu geben – entweder dass du noch warten kannst oder dass es jetzt Zeit ist, loszufahren.

🎯 Wie kann ich echte Wehen von falschen Wehen unterscheiden?

Die Unterscheidung zwischen „echten" Geburtswehen und Übungs- oder Vorwehen ist manchmal knifflig, aber es gibt einige zuverlässige Tests und Merkmale.

Der Badewannen-Test

Dieser Test ist erstaunlich zuverlässig: Nimm ein warmes (nicht zu heißes!) Bad. Übungswehen und Vorwehen werden durch die Entspannung meist schwächer oder verschwinden ganz. Echte Geburtswehen hingegen werden im warmen Wasser oft sogar stärker, weil die Entspannung den Geburtsprozess unterstützt.

Der Bewegungs-Test

Steh auf und bewege dich – geh umher, wechsle die Position, mache leichte Übungen. Übungswehen verschwinden oft bei Aktivität oder wenn du die Position änderst. Echte Geburtswehen bleiben bestehen oder werden sogar intensiver, egal was du tust.

Die Uhr-Methode

Notiere über eine Stunde lang jede Wehe: Wann beginnt sie, wie lange dauert sie, wann kommt die nächste? Wenn ein klares, regelmäßiges Muster entsteht und die Abstände kürzer werden, sind es wahrscheinlich echte Wehen. Bei Übungswehen wirst du keine Regelmäßigkeit feststellen.

Checkliste: Echte vs. falsche Wehen

Merkmal Übungswehen/Vorwehen Echte Geburtswehen
Regelmäßigkeit Unregelmäßig, unvorhersehbar Regelmäßig, gleichmäßige Abstände
Intensität Bleibt gleich oder nimmt ab Wird kontinuierlich stärker
Dauer Meist unter 30 Sekunden 30–90 Sekunden, wird länger
Abstände Bleiben unregelmäßig Werden immer kürzer
Bei Ruhe/Bad Werden schwächer oder verschwinden Bleiben oder werden stärker
Bei Bewegung Verschwinden oft Bleiben bestehen
Schmerzlokalisation Meist nur vorne im Bauch Bauch, Rücken, strahlt aus
Muttermund Öffnet sich nicht oder kaum Öffnet sich zunehmend

🩺 Besondere Wehenformen und was sie bedeuten

Nicht alle Wehen verlaufen „lehrbuchmäßig". Manche Frauen erleben besondere Formen, die anders empfunden werden oder besondere Aufmerksamkeit erfordern.

Rückenwehen

Bei etwa einem Drittel aller Frauen sitzen die Wehen hauptsächlich im unteren Rücken. Der Schmerz strahlt vom Kreuzbein aus und zieht nur wenig oder gar nicht nach vorne in den Bauch. Rückenwehen treten häufiger auf, wenn das Baby in hinterer Hinterhauptslage liegt (mit dem Gesicht nach vorne statt nach hinten).

Was hilft:

  • Gegendruck auf das Kreuzbein (durch Partner oder Hebamme)
  • Wärme (Kirschkernkissen, warme Dusche)
  • Vierfüßlerstand oder andere aufrechte Positionen
  • TENS-Gerät (transkutane elektrische Nervenstimulation)

Sturzwehen

Von Sturzwehen spricht man, wenn die Geburt sehr schnell voranschreitet – oft in unter zwei Stunden vom ersten Anzeichen bis zur Geburt. Die Wehen kommen sehr heftig und dicht aufeinander, oft ohne langsame Steigerung. Das kann überwältigend sein, ist aber medizinisch meist unproblematisch.

Risiko: Bei Sturzwehen besteht die Gefahr, dass du es nicht rechtzeitig ins Krankenhaus schaffst. Wenn du bei früheren Geburten schon sehr schnelle Verläufe hattest, besprich das unbedingt mit deiner Hebamme und plane entsprechend.

Wehenschwäche

Manchmal sind die Wehen zu schwach oder zu unregelmäßig, um den Muttermund ausreichend zu öffnen. Das kann verschiedene Ursachen haben: Erschöpfung, Angst, ungünstige Kindslage oder hormonelle Faktoren.

Was dann hilft:

  • Ruhe und Entspannung (manchmal ist Schlaf das Beste)
  • Positionswechsel und Bewegung
  • Brustwarzenstimulation (regt Oxytocin-Ausschüttung an)
  • In der Klinik: Wehentropf mit synthetischem Oxytocin

Wehensturm

Das Gegenteil der Wehenschwäche: Die Wehen kommen so schnell hintereinander, dass kaum Pausen bleiben. Das ist für Mutter und Kind sehr anstrengend, da das Baby zwischen den Wehen Zeit braucht, um sich zu erholen.

Was dann passiert: Die Hebammen oder Ärzte werden die Situation genau überwachen. Manchmal werden wehenhemmende Medikamente gegeben, um dem Körper eine Pause zu gönnen. Ein Wehensturm erfordert engmaschige Kontrolle.

Beruhigend zu wissen: Deine Hebammen und Ärzte haben viel Erfahrung mit allen Wehenformen. Sie erkennen schnell, ob alles im normalen Rahmen verläuft oder ob Unterstützung nötig ist. Du bist nicht allein, und es gibt für jede Situation Lösungen.

💪 Was kann ich tun, um mit Wehen besser umzugehen?

Wehen sind intensiv, aber du bist nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt viele Techniken und Hilfsmittel, die dir helfen können, die Wehen besser zu bewältigen und die Geburt aktiv mitzugestalten.

Atmung – dein wichtigstes Werkzeug

Die richtige Atmung kann Wunder wirken. Wenn du verkrampfst und den Atem anhältst, wird alles schlimmer. Bewusstes, tiefes Atmen versorgt dich und dein Baby mit Sauerstoff und hilft dir, zu entspannen.

Bewährte Atemtechniken:

  • Wellenatmung: Atme zu Beginn der Wehe tief ein, während der Wehe ruhig weiter und am Ende bewusst aus – wie eine Welle, die kommt und geht
  • Tönen: Tiefe Töne (wie „Ohhh" oder „Ahhhh") beim Ausatmen helfen vielen Frauen, den Schmerz besser loszulassen
  • Hecheln: Nur in der Austreibungsphase, wenn du noch nicht pressen sollst – kurze, schnelle Atemzüge

Bewegung und Positionen

Bleib in Bewegung, solange es dir guttut! Aufrechte Positionen nutzen die Schwerkraft und können die Geburt beschleunigen.

Hilfreiche Positionen:

  • Umhergehen, sanftes Wiegen der Hüften
  • Vierfüßlerstand (entlastet den Rücken)
  • Sitzen auf einem Pezziball
  • Hocken oder Stehen mit Abstützen
  • Seitenlage (besonders zum Ausruhen)

Wärme und Massage

Wärme entspannt die Muskulatur und lindert Schmerzen. Ein warmes Bad in der Eröffnungsphase kann sehr wohltuend sein. Auch warme Kompressen auf dem unteren Rücken oder Bauch helfen vielen Frauen.

Massage – besonders Gegendruck auf das Kreuzbein bei Rückenwehen – kann sehr erleichternd sein. Dein Partner kann hier eine wichtige Rolle spielen.

Mentale Techniken

Visualisierung: Stell dir vor, wie sich dein Muttermund mit jeder Wehe öffnet wie eine Blume. Oder visualisiere, wie du einen Berg hinaufsteigst – jede Wehe bringt dich näher zum Gipfel (und zur Geburt deines Babys).

Positive Affirmationen: Sätze wie „Mein Körper weiß, was zu tun ist", „Jede Wehe bringt mich meinem Baby näher" oder „Ich bin stark genug" können erstaunlich kraftvoll sein.

Medizinische Schmerzlinderung

Es ist keine Schwäche, Schmerzmittel in Anspruch zu nehmen! Jede Geburt ist anders, und du darfst selbst entscheiden, was du brauchst.

Möglichkeiten:

  • PDA (Periduralanästhesie): Betäubt den Unterkörper, du spürst die Wehen kaum noch oder gar nicht
  • Lachgas: Leichte Schmerzlinderung, du bleibst bei Bewusstsein und mobil
  • Opiate: Werden gespritzt, nehmen die Schmerzspitze und machen etwas schläfrig
  • Homöopathie und Akupunktur: Können unterstützend wirken

Bei meiner ersten Geburt wollte ich unbedingt ohne PDA auskommen – und habe es auch geschafft, aber es war sehr hart. Bei der zweiten Geburt habe ich nach fünf Stunden eine PDA bekommen und konnte die restliche Geburt viel bewusster und entspannter erleben. Beide Geburten waren wunderschön, aber ich habe gelernt: Es gibt keine Medaille für die schmerzhafteste Geburt. Tu das, was sich für dich richtig anfühlt, und lass dich von niemandem unter Druck setzen.

Nadine Scheiner Redakteurin & Mama

🚨 Wann sind Wehen ein Warnsignal?

In den meisten Fällen sind Wehen ein natürlicher, gesunder Prozess. Aber es gibt Situationen, in denen Wehen zu früh kommen oder andere Warnsignale auftreten, die ärztliche Aufmerksamkeit erfordern.

Frühwehen – wenn Wehen zu früh kommen

Von Frühwehen spricht man, wenn vor der 37. Schwangerschaftswoche regelmäßige, muttermundwirksame Wehen auftreten. Das kann zu einer Frühgeburt führen.

Warnzeichen:

  • Regelmäßige Wehen vor der 37. SSW
  • Mehr als 3 Wehen pro Stunde
  • Ziehen im Unterbauch oder Rücken, das nicht vergeht
  • Druck nach unten
  • Veränderter Ausfluss (wässrig oder blutig)

Was dann zu tun ist: Ruf sofort deine Hebamme oder Frauenärztin an oder fahre ins Krankenhaus. Frühwehen können oft gestoppt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Du bekommst möglicherweise wehenhemmende Medikamente (Tokolytika) und sollst dich schonen.

Weitere Warnsignale

Kontaktiere sofort deine Hebamme, Ärztin oder fahre ins Krankenhaus bei:

  • Starken Blutungen: Mehr als leichte Schmierblutungen
  • Grünlichem oder bräunlichem Fruchtwasser: Kann auf Sauerstoffmangel beim Baby hinweisen
  • Anhaltendem Schmerz ohne Pausen: Wenn der Schmerz nicht wellenförmig kommt, sondern konstant bleibt
  • Verminderter Kindsbewegung: Wenn dein Baby sich plötzlich viel weniger bewegt
  • Starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schmerzen im rechten Oberbauch: Können Zeichen für Präeklampsie sein
  • Fieber: Kann auf eine Infektion hinweisen

Vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen

Manchmal springt die Fruchtblase, bevor die Wehen beginnen. Das ist nicht ungewöhnlich, erfordert aber Aufmerksamkeit. Fahre ins Krankenhaus oder rufe deine Hebamme an, auch wenn du noch keine Wehen hast. Nach einem Blasensprung steigt das Infektionsrisiko, und meist setzt die Geburt innerhalb von 24 Stunden von selbst ein. Falls nicht, wird sie eingeleitet.

🔬 Wie werden Wehen medizinisch überwacht?

In der Klinik oder im Geburtshaus wird der Verlauf deiner Wehen und das Wohlbefinden deines Babys regelmäßig überwacht. Das gibt allen Beteiligten Sicherheit.

Das CTG (Kardiotokografie)

Das CTG zeichnet gleichzeitig die Herztöne deines Babys und deine Wehentätigkeit auf. Zwei Sensoren werden auf deinem Bauch befestigt – einer misst die Herztöne, der andere die Kontraktionen der Gebärmutter.

Was das CTG zeigt:

  • Wie oft die Wehen kommen
  • Wie lange sie dauern
  • Wie intensiv sie sind (anhand der Kurve)
  • Wie das Baby auf die Wehen reagiert (die Herzfrequenz sollte stabil bleiben oder nach der Wehe wieder normal werden)

Bei der Ankunft in der Klinik wird meist ein CTG über 20–30 Minuten geschrieben. Während der Geburt erfolgen regelmäßige Kontrollen oder eine kontinuierliche Überwachung, je nach Situation.

Die vaginale Untersuchung

Deine Hebamme oder Ärztin wird in regelmäßigen Abständen (nicht bei jeder Wehe!) vorsichtig untersuchen, wie weit der Muttermund geöffnet ist und wie tief das Baby schon im Becken steht. Diese Untersuchungen geben wichtige Hinweise darauf, wie die Geburt voranschreitet.

Muttermundöffnung:

  • 0–3 cm: Latenzphase (kann lange dauern, besonders beim ersten Kind)
  • 4–7 cm: Aktive Eröffnungsphase (geht meist schneller)
  • 8–10 cm: Übergangsphase (oft die intensivste Phase)
  • 10 cm: Vollständig eröffnet – Austreibungsphase kann beginnen

🌟 Besondere Situationen: Einleitung und Kaiserschnitt

Geburtseinleitung – künstlich ausgelöste Wehen

Manchmal ist es medizinisch notwendig, die Geburt einzuleiten – zum Beispiel wenn du über den Termin bist, die Fruchtblase gesprungen ist, aber keine Wehen kommen, oder aus anderen medizinischen Gründen.

Methoden der Einleitung:

  • Prostaglandin-Gel oder -Tablette: Wird in die Scheide eingeführt, macht den Muttermund weich und kann Wehen auslösen
  • Ballonkatheter: Ein kleiner Ballon wird in den Muttermund eingeführt und aufgeblasen, um ihn mechanisch zu öffnen
  • Blasensprengung: Die Fruchtblase wird künstlich geöffnet (nur wenn der Muttermund schon etwas geöffnet ist)
  • Wehentropf: Synthetisches Oxytocin wird über eine Infusion gegeben, um Wehen auszulösen oder zu verstärken

Wie fühlen sich eingeleitete Wehen an? Viele Frauen berichten, dass eingeleitete Wehen schneller intensiv werden als spontane Wehen – es fehlt manchmal die sanfte Steigerung. Die Wehen selbst fühlen sich aber ähnlich an. Wichtig ist eine gute Schmerzlinderung, da der Körper weniger Zeit hatte, sich vorzubereiten.

Wehen bei einem geplanten Kaiserschnitt

Bei einem geplanten Kaiserschnitt wirst du normalerweise operiert, bevor die Wehen einsetzen. Solltest du vorher Wehen bekommen, kontaktiere sofort die Klinik – möglicherweise wird der Termin vorgezogen.

Wehen nach einem Kaiserschnitt

Auch nach einem Kaiserschnitt hast du Nachwehen, die helfen, die Gebärmutter zurückzubilden. Diese können durch die frische Narbe unangenehmer sein. Scheue dich nicht, nach Schmerzmitteln zu fragen – eine gute Schmerzlinderung ist wichtig für deine Erholung und fürs Stillen.

❓ Häufige Fragen zu Wehen

Kann ich Wehen verschlafen?

Theoretisch ja, praktisch eher unwahrscheinlich. Manche Frauen berichten, dass sie nachts von leichten Wehen aufgewacht sind, die sie zunächst verschlafen hatten. Echte, starke Geburtswehen wirst du aber mit Sicherheit bemerken – sie sind zu intensiv, um durchzuschlafen. Bei manchen Frauen beginnen Wehen auch nachts, weil das Entspannungshormon Melatonin die Oxytocin-Ausschüttung begünstigt.

Tun Wehen beim zweiten Kind genauso weh wie beim ersten?

Das ist sehr individuell. Viele Frauen berichten, dass die Geburt beim zweiten Kind schneller geht, weil der Körper den Weg schon „kennt". Manche empfinden die Wehen als weniger schmerzhaft, weil sie wissen, was auf sie zukommt und besser damit umgehen können. Andere erleben sie als ähnlich intensiv. Nachwehen sind beim zweiten Kind oft stärker als beim ersten.

Können Wehen auch ohne Schmerzen sein?

Ja, das ist möglich, aber selten. Manche Frauen haben eine sehr hohe Schmerztoleranz oder eine besonders entspannte Geburt. Häufiger ist, dass die frühen Wehen als kaum schmerzhaft empfunden werden und erst später intensiver werden. Es gibt auch Frauen, die hauptsächlich Druck statt Schmerz spüren. Jede Geburt und jedes Schmerzempfinden ist einzigartig.

Was ist der Unterschied zwischen Wehen und Senkwehen?

Senkwehen sind eine spezielle Art von Übungswehen, die etwa 2–4 Wochen vor der Geburt auftreten. Sie helfen dem Baby, tiefer ins Becken zu rutschen. Sie sind unregelmäßig und öffnen den Muttermund nicht. Geburtswehen hingegen sind regelmäßig, werden stärker und öffnen aktiv den Muttermund. Der Übergang kann fließend sein – manchmal gehen Senkwehen direkt in Geburtswehen über.

Können Wehen wieder aufhören?

Ja, besonders Vorwehen können über Stunden anhalten und dann wieder aufhören. Das nennt man auch „falscher Alarm" oder „Fehlalarm". Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. Dein Körper übt und bereitet sich vor. Echte Geburtswehen hören nicht mehr auf, sondern werden kontinuierlich stärker und regelmäßiger, bis das Baby geboren ist.

Wie lange dauern Wehen insgesamt?

Das ist sehr unterschiedlich. Bei Erstgebärenden dauert die Eröffnungsphase (von den ersten regelmäßigen Wehen bis zur vollständigen Muttermundöffnung) durchschnittlich 8–12 Stunden, manchmal auch länger. Die Austreibungsphase (Pressen) dauert meist 1–2 Stunden. Bei Zweitgebärenden geht es oft schneller – durchschnittlich 5–8 Stunden für die Eröffnung und 30–60 Minuten für die Austreibung. Aber jede Geburt ist einzigartig – manche dauern nur 3 Stunden, andere 24 Stunden oder länger.

📚 Zusammenfassung: Das Wichtigste über Wehen

Wehen sind ein faszinierender, kraftvoller Prozess, durch den dein Körper dein Baby auf die Welt bringt. Sie können sich sehr unterschiedlich anfühlen – von einem leichten Ziehen bis zu intensiven, wellenförmigen Schmerzen. Das Wichtigste ist, dass du lernst, auf deinen Körper zu hören und zwischen den verschiedenen Wehenarten zu unterscheiden.

Die wichtigsten Erkennungsmerkmale echter Geburtswehen sind:

  • Regelmäßigkeit (alle 5–10 Minuten)
  • Zunehmende Intensität und Dauer
  • Keine Besserung durch Ruhe oder ein Bad
  • Wellenförmiger Verlauf mit Pausen dazwischen
  • Bauch wird während der Wehe hart

Vertraue auf deine Intuition und scheue dich nicht, bei Unsicherheit deine Hebamme oder die Klinik zu kontaktieren. Es gibt keine dummen Fragen, wenn es um die Geburt deines Kindes geht. Jede Geburt ist einzigartig, und du wirst genau die Kraft haben, die du brauchst.

Bereite dich gut vor, informiere dich über Schmerzbewältigungsstrategien und besprich deine Wünsche und Ängste mit deiner Hebamme oder Ärztin. Aber vergiss nicht: Am Ende macht dein Körper das meiste von ganz allein – er weiß instinktiv, was zu tun ist. Du musst nur darauf vertrauen und dich von Wehe zu Wehe tragen lassen, bis du dein Baby endlich in den Armen hältst.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Fragen oder Unsicherheiten zu deinen Wehen wende dich immer an deine Hebamme, Frauenärztin oder die Geburtsklinik. Sie kennen deine persönliche Situation und können dich am besten beraten.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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