Saugglockengeburt – Ablauf, Risiken und Folgen
Auf einen Blick
- Die Saugglocke hilft dem Baby während der Geburt durch sanften Zug am Köpfchen aus dem Geburtskanal – nur wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind
- Sie wird eingesetzt, wenn die Geburt stockt, das Baby Anzeichen von Stress zeigt oder die Mutter nicht mehr pressen kann
- Schwere Komplikationen sind selten – leichte Schwellungen bei Mutter und Baby heilen meist innerhalb weniger Tage ab
Die Geburt läuft nicht immer nach Plan. Manchmal braucht dein Baby in der letzten Phase einen kleinen Schubs, um sicher anzukommen. Die Saugglocke ist dann oft die sanftere Alternative zum Kaiserschnitt – auch wenn der Gedanke daran erst mal beunruhigend sein kann. Hier erfährst du, wann und wie sie eingesetzt wird und was das für dich und dein Baby bedeutet.
🔍 Was genau ist eine Saugglockengeburt?
Eine Saugglockengeburt – medizinisch auch vakuumunterstützte Entbindung genannt – ist ein Verfahren während einer natürlichen Geburt. Dabei setzt der Arzt oder die Hebamme eine weiche oder starre Glocke mit Griff und Unterdruck-Pumpe am Köpfchen deines Babys an.
Während einer Wehe und während du presst, hilft das medizinische Team durch sanften Zug, dein Baby aus dem Geburtskanal zu führen. Normalerweise wird bis zur zweiten Wehenphase gewartet, bevor entschieden wird, ob diese Geburtshilfe nötig ist.
Gut zu wissen: Die Saugglocke kann einen Kaiserschnitt oder andere größere Eingriffe verhindern – auch wenn sie Risiken birgt, ist sie oft die schonendere Wahl.
📅 Wann wird eine Saugglocke eingesetzt?
Voraussetzungen für den Einsatz
Nicht in jeder Situation kann eine Saugglocke verwendet werden. Diese Bedingungen müssen erfüllt sein:
- Der Gebärmutterhals muss komplett geöffnet sein
- Die Fruchtblase muss geplatzt sein und das Kind erreichbar sein
- Das Baby muss richtig im Geburtskanal liegen
Eingesetzt wird die Saugglocke ausschließlich in einem Geburtshaus oder einer Klinik, da bei Komplikationen ein Kaiserschnitt erforderlich werden kann.
Gründe für eine Saugglockengeburt
Dein Arzt oder deine Ärztin empfiehlt die Saugglocke in folgenden Situationen:
- Der Herzschlag deines Babys zeigt Anzeichen von Stress oder Problemen
- Du hast Wehen und presst, aber das Baby kommt nicht weiter
- Du hast ein gesundheitliches Problem und solltest nicht mehr lange pressen
- Die Geburt muss schnell beendet werden, um Risiken zu vermeiden
Als ich bei meiner zweiten Geburt völlig erschöpft war, hat mir die Saugglocke geholfen, einen Kaiserschnitt zu vermeiden. Die Entscheidung war richtig – auch wenn ich anfangs Angst hatte.
Wann die Saugglocke nicht infrage kommt
In manchen Situationen wird dein Arzt von einer Saugglockengeburt abraten:
- Du bist weniger als 34 Wochen schwanger (Frühgeburt)
- Dein Baby hat eine Knochenschwäche wie Osteogenesis imperfecta oder eine Blutungsstörung
- Dein Baby liegt nicht richtig – Arme, Schultern, Gesäß oder Füße zuerst
- Das Köpfchen ist nicht erreichbar oder hat die Mitte des Geburtskanals noch nicht überschritten
- Dein Baby ist zu groß oder dein Becken zu eng für eine sichere Anwendung
Achtung: Bei Frühgeburten wird grundsätzlich keine Saugglocke oder Zange eingesetzt, um Verletzungen am empfindlichen Köpfchen zu vermeiden.
⚠️ Welche Risiken gibt es?
Eine Saugglockengeburt birgt Risiken für dich und dein Baby. Bedenke aber: Viele dieser Beschwerden können auch bei einer natürlichen Geburt ohne Hilfsmittel auftreten.
Mögliche Folgen für dich als Mutter
- Schmerzen im Dammbereich während und nach der Geburt
- Risse und Schwellungen in der Scheide, am Muttermund und im Geburtskanal
- Kurzfristige Probleme beim Wasserlassen oder Entleeren der Blase
- Kurz- oder langfristige Harn- oder Stuhlinkontinenz
Mögliche Risiken für dein Baby
- Leichte Verletzungen an der Kopfhaut
- Ein erhöhtes Risiko einer Schulterdystokie
- Eine Schädelfraktur (sehr selten)
- Blutung im Schädel (sehr selten)
Gut zu wissen: Schwere Verletzungen wie Blutungen oder ein Schädelbruch sind sehr selten. Die meisten Beschwerden heilen innerhalb weniger Tage oder Wochen vollständig ab.
🏥 Was passiert vor der Saugglockengeburt?
Bevor dein Arzt zur Saugglocke greift, wird er andere Maßnahmen ausprobieren, um die Geburt voranzubringen:
- Anpassung der Betäubung (PDA), damit du effektiver pressen kannst
- Gabe eines intravenösen Medikaments zur Intensivierung der Wehen (meist synthetisches Oxytocin/Pitocin)
- Eventuell eine Episiotomie (Dammschnitt), um den Geburtskanal zu erweitern
Scheint die Saugglocke die beste Option zu sein, wird dein Arzt die Risiken und Vorteile erläutern und dich um deine Zustimmung bitten. Die Alternative wäre in den meisten Fällen ein Kaiserschnitt.
Tipp: Auch wenn du bereits in den Wehen liegst, nimm dir einen Moment, um mit deinem Arzt und deiner Hebamme zu sprechen. Eine fundierte Entscheidung gibt dir Sicherheit.
👶 So läuft die Saugglockengeburt ab
Während der Saugglockengeburt liegst du mit gespreizten Beinen auf dem Rücken. Möglicherweise wirst du aufgefordert, dich an den Griffen der Liege festzuhalten, um dem Zug standzuhalten.
Der Ablauf Schritt für Schritt
- Der Arzt führt die Saugglocke in die Vagina ein und platziert sie auf dem Kopf deines Babys
- Mit der Vakuumpumpe wird das Vakuum erzeugt
- Während der nächsten Wehe erhöht der Arzt den Saugdruck schnell
- Er ergreift den Griff und führt dein Baby während du presst durch den Geburtskanal
- Zwischen zwei Wehen kann der Saugdruck aufrechterhalten oder reduziert werden
- Sobald das Köpfchen ausgetreten ist, wird das Vakuum gelöst und die Saugglocke entfernt
Achtung: Nicht immer ist eine Saugglockengeburt erfolgreich. In diesem Fall wird der Arzt in der Regel einen Kaiserschnitt durchführen.
🌸 Was kommt nach der Geburt?
Nach der Entbindung untersucht dein Arzt dich auf Verletzungen, die möglicherweise durch die Saugglocke verursacht wurden. Eventuelle Risse werden behandelt und genäht. Wenn eine Episiotomie durchgeführt wurde, wird diese ebenfalls versorgt.
Auch dein Baby wird auf Verletzungen untersucht, die aufgrund der Saugglockengeburt aufgetreten sein können. Die meisten Schwellungen am Köpfchen bilden sich innerhalb weniger Tage zurück.
Heilung und Genesung
Wenn du während der Geburt einen Dammschnitt oder Dammriss hattest, kann die Wunde einige Wochen lang wehtun. Ausgedehnte Risse können länger brauchen, um zu heilen.
Tipp: Bei starken Schmerzen oder Inkontinenz solltest du unbedingt deinen Arzt konsultieren. Viele Beschwerden lassen sich gut behandeln.
💪 Saugglocke oder Kaiserschnitt – was ist besser?
Ob für dich und dein Baby eine Saugglockengeburt geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Empfiehlt dir dein Arzt die Saugglocke, geht er davon aus, dass er euch damit helfen und einen Kaiserschnitt vermeiden kann.
Besprich die Möglichkeiten mit deinem Arzt und deiner Hebamme, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Versuche ruhig zu bleiben – auch wenn das schwerfällt. Mit Angst und Unruhe verkrampfst du schnell und erschwerst deinem Baby die Geburt.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann kann eine Saugglocke eingesetzt werden?
Die Saugglocke kann erst eingesetzt werden, wenn der Gebärmutterhals vollständig geöffnet ist, die Fruchtblase geplatzt ist und dein Baby richtig im Geburtskanal liegt. Vor der 34. Schwangerschaftswoche wird sie nicht verwendet.
Tut eine Saugglockengeburt weh?
Die Saugglocke selbst verursacht keine zusätzlichen Schmerzen während der Geburt. Nach der Geburt können Schmerzen im Dammbereich auftreten, besonders wenn Risse oder ein Dammschnitt nötig waren. Diese heilen aber in der Regel innerhalb einiger Wochen ab.
Wie lange dauert eine Saugglockengeburt?
Die eigentliche Anwendung der Saugglocke dauert meist nur wenige Minuten bis zu einer halben Stunde. Sie wird während mehrerer Wehen eingesetzt, bis das Baby geboren ist.
Bleiben bei meinem Baby Spuren von der Saugglocke zurück?
Am Köpfchen deines Babys kann sich eine leichte Schwellung oder Beule bilden, die aber normalerweise innerhalb weniger Tage von selbst verschwindet. Schwere Verletzungen sind sehr selten.
Kann ich eine Saugglockengeburt ablehnen?
Ja, du kannst eine Saugglockengeburt ablehnen. Dein Arzt wird dir dann die Alternativen erklären – in den meisten Fällen wäre das ein Kaiserschnitt. Lass dir die Vor- und Nachteile beider Optionen erklären, bevor du entscheidest.
Wie hoch ist das Risiko für schwere Komplikationen?
Schwere Komplikationen wie Schädelbrüche oder Blutungen im Schädel sind sehr selten. Die meisten Beschwerden – sowohl bei Mutter als auch Baby – sind leicht und heilen vollständig ab. Dein Arzt wird dich nur dann zur Saugglocke raten, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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