Wochenbettdepressionen – was hilft?
Auf einen Blick
- Eine Wochenbettdepression kann im ersten Jahr nach der Geburt auftreten – bei Müttern und Vätern
- Sie unterscheidet sich vom Baby Blues durch längere Dauer und stärkere Symptome wie Antriebslosigkeit und Panikattacken
- Professionelle Hilfe durch Gespräche, Therapie oder Medikamente ist wichtig und wirksam
Dein Baby ist da, aber statt Glücksgefühlen spürst Du vor allem Leere und Erschöpfung? Du bist nicht allein. Nach der Geburt durchläuft Dein Körper massive hormonelle Veränderungen, die bei manchen Müttern zu einer Wochenbettdepression führen können. Das ist keine Schwäche, sondern eine behandelbare Erkrankung – und es gibt Wege da raus.
🖤 Was ist eine Wochenbettdepression?
Die Wochenbettdepression – auch postpartale oder postnatale Depression (PPD) genannt – ist eine Depression, die im ersten Jahr nach der Entbindung auftreten kann. Ein wichtiger Fakt: Nicht nur Mütter, sondern auch Väter können betroffen sein.
Es handelt sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die durch Gespräche, den Besuch einer Selbsthilfegruppe oder auch Antidepressiva in den Griff bekommen werden kann.
Achtung: Die postpartale Psychose ist eine andere, seltenere Erkrankung (1 von 1.000 Müttern). Sie entsteht meist innerhalb weniger Tage nach der Geburt und kann Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Todesgedanken mit sich bringen. Hier ist sofortige ärztliche Hilfe nötig.
🌸 Was ist der Unterschied zum Baby Blues?
Der Baby Blues – auch „Heultage" genannt – zeigt sich meist innerhalb von fünf Tagen nach der Entbindung. Er bringt Stimmungsschwankungen, Verstimmungen und eine hohe Empfindsamkeit mit sich. Viele Betroffene fühlen sich sehr müde und erschöpft und fragen sich, wie sie das Leben mit Kind jetzt schaffen sollen.
Es handelt sich um eine leichte Stimmungsveränderung durch hormonelle Umstellungen. Normalerweise lässt der Baby Blues nach ein paar Tagen wieder nach – sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Eine spezielle Behandlung ist meist nicht nötig. Wichtig ist aber: Verstecke Deine Gefühle nicht aus Scham, sondern sprich darüber. Dein Partner sollte wissen, was in Dir vorgeht, damit er Dich rücksichtsvoll unterstützen kann.
Tipp: Wenn der Baby Blues nach zwei Wochen nicht besser wird oder sich verschlimmert, sprich mit Deiner Hebamme oder Ärztin. Das kann ein Hinweis auf eine beginnende Wochenbettdepression sein.
🔍 Wie kann eine Wochenbettdepression erkannt werden?
Es ist wichtig, dass eine Wochenbettdepression möglichst schnell erkannt und behandelt wird. Oft sprechen Betroffene nicht über ihre Gefühle, weil sie sich schämen und voller Schuldgefühle dem Baby und der Umgebung gegenüber sind. Immerhin wird von Dir nach der Geburt erwartet, dass Du Dich freust und glücklich über die Mutterschaft bist. Merkst Du davon nichts, macht sich Scham breit.
Die Symptome für eine beginnende oder bereits ausgeprägte Wochenbettdepression haben viele Facetten:
- Antriebslosigkeit: Du hast ein Gefühl der Leere in Dir und schaffst es nicht, Dich um Dich und Dein Baby zu kümmern. Es kann zur Vernachlässigung des Kindes kommen.
- Erschöpfung und Müdigkeit: Du bist müde und erschöpft, empfindest keine Empathie und keine Lebenslust. Gleichzeitig zeigen sich vielleicht Schlafstörungen.
- Pessimismus: Du kannst kaum noch etwas Positives erkennen, bist sehr traurig und siehst keine Zukunft.
- Panikattacken: Ein typisches Anzeichen für eine Wochenbettdepression kann sein, dass Du Panikattacken bekommst.
Aber auch andere Faktoren sprechen für eine Depression im Wochenbett. Du bist ängstlich oder gereizt, fühlst Dich niedergeschlagen und unglücklich. Je schneller reagiert wird, umso besser bekommst Du die Wochenbettdepression behandelt.
Eine Wochenbettdepression ist keine Schwäche und kein Versagen als Mutter. Sie ist eine Erkrankung, die jeden treffen kann – und die behandelbar ist. Bitte hol Dir Hilfe, Du verdienst Unterstützung.
Gut zu wissen: Es muss nicht immer Risikofaktoren geben. Frauen mit traumatischem Geburtserlebnis sind tendenziell häufiger betroffen. Aber auch bei komplikationsloser Geburt und traumhafter Schwangerschaft können hormonelle Umstellungen möglicherweise eine Wochenbettdepression auslösen.
💪 Was hilft gegen eine Wochenbettdepression?
Es gibt keine klaren Leitlinien für die Behandlung einer Wochenbettdepression, da hier immer auf den Einzelfall geschaut werden muss. Leidest Du unter einer leichten Ausprägung, ist es oft schon hilfreich, wenn Du erst einmal Unterstützung für den Alltag erhältst. Sprich daher unbedingt Hebamme, Partner oder Familienangehörige an, damit diese Dir helfen können.
Leichte bis mittlere Ausprägung
Du kannst meist relativ kurzfristig eine Gesprächstherapie erhalten. Auch Deine Hebamme kennt Anlaufstellen. Wichtig ist zudem, dass Du mit dem Baby nicht allein bist. Hol Dir daher Unterstützung.
Schwere Ausprägung
Bei einer schweren Ausprägung ist eine ärztliche Behandlung meist der richtige Weg. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Du merkst, dass Du selbst nicht mehr in der Lage bist, die Symptome in den Griff zu bekommen. Bei einem Arzt bekommst Du Hilfe.
Es kann notwendig werden, in eine stationäre Behandlung zu gehen. Das ist kein Grund zur Sorge. Du bekommst hier die notwendige fachliche Unterstützung und Hilfen an die Hand, um gegen die Depression ankämpfen zu können.
Tipp: Du möchtest Dich nicht an Deinen Partner, die Familie oder die Hebamme wenden? Es gibt in Deutschland telefonische Hilfen in den meisten Städten, beispielsweise durch den Verein Schatten & Licht e.V. Unter der Hotline +49 (0)8293 965864 erhältst Du Beratung und Informationen dazu, an welche Stelle in Deiner Nähe Du Dich wenden kannst.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert eine Wochenbettdepression?
Eine Wochenbettdepression kann im ersten Jahr nach der Geburt auftreten und unterschiedlich lange andauern. Mit professioneller Behandlung bessern sich die Symptome meist innerhalb einiger Wochen bis Monate. Ohne Behandlung kann sie länger bestehen bleiben.
Kann ich mit Wochenbettdepression noch stillen?
Ja, grundsätzlich kannst Du auch mit einer Wochenbettdepression stillen. Falls Medikamente nötig werden, besprich mit Deinem Arzt stillverträgliche Optionen. Es gibt Antidepressiva, die während der Stillzeit eingenommen werden können.
Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich eine Wochenbettdepression habe?
Nein, absolut nicht. Eine Wochenbettdepression ist eine Erkrankung, keine Charakterschwäche. Sie sagt nichts über Deine Qualitäten als Mutter aus. Gerade das Einholen von Hilfe zeigt, dass Du Verantwortung für Dich und Dein Baby übernimmst.
Wann sollte ich unbedingt zum Arzt gehen?
Geh zum Arzt, wenn die Symptome länger als zwei Wochen anhalten, sich verschlimmern oder Du Gedanken hast, Dir oder Deinem Baby zu schaden. Auch wenn Du Dich nicht mehr um Dein Baby kümmern kannst oder starke Panikattacken hast, ist ärztliche Hilfe wichtig.
Kann auch mein Partner eine Wochenbettdepression bekommen?
Ja, auch Väter können von einer postpartalen Depression betroffen sein. Die Symptome sind ähnlich wie bei Müttern. Auch für Partner gilt: Professionelle Hilfe ist wichtig und wirksam.
Erhöht eine Wochenbettdepression das Risiko bei weiteren Schwangerschaften?
Hattest Du bereits eine Wochenbettdepression, besteht ein erhöhtes Risiko, dass sie bei einer weiteren Schwangerschaft wieder auftritt. Mit guter Vorbereitung, engmaschiger Betreuung und frühzeitiger Unterstützung kann dem aber vorgebeugt werden. Sprich offen mit Deinem Arzt darüber.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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