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Warum Cannabis in der Schwangerschaft gefährlicher ist als viele denken

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 26.03.2026 Lesezeit 14 Min.
Warum Cannabis in der Schwangerschaft gefährlicher ist als viele denken

Auf einen Blick

  • Cannabis in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Komplikationen um bis zu 33% – sowohl für Dich als auch für Dein Baby.
  • Jeder Konsum, auch gelegentlich, kann zu Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und langfristigen Entwicklungsstörungen führen.
  • Je früher Du aufhörst, desto besser die Chancen für eine gesunde Entwicklung Deines Kindes.

Vielleicht hast Du schon gehört, dass Cannabis "natürlich" ist und gegen Schwangerschaftsübelkeit helfen soll. Doch die Realität sieht anders aus: Neue Studien mit über 316.000 Schwangerschaften zeigen erschreckende Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und schweren Komplikationen. Was viele nicht wissen: 22,1% der werdenden Mütter in Deutschland konsumieren Cannabis – oft ohne sich der Gefahren bewusst zu sein.

🔍 Wie verbreitet ist Cannabis in der Schwangerschaft wirklich?

Die Zahlen sind alarmierend: In Deutschland gaben laut dem Pilotprojekt „Substanzgebrauch während der Schwangerschaft und seine Folgen für Mutter und Kind – Fokus Cannabis" insgesamt 13% der teilnehmenden schwangeren Frauen einen Substanzkonsum an. Darunter befanden sich 22,1% Cannabis-Konsumentinnen – fast jede fünfte konsumierende Schwangere nutzt also Cannabis.

In den USA zeigt sich ein ähnliches Bild: 5,7% der schwangeren Mütter konsumierten Cannabis im letzten Monat. Besonders erschreckend ist die Altersverteilung:

  • Bei jugendlichen Schwangeren zwischen 15 und 17 Jahren: 20,9%
  • Bei 18-25-jährigen Schwangeren: 8,2%
  • Bei über 26-jährigen: 2,2%

Die meisten Frauen konsumieren Cannabis im ersten Schwangerschaftsdrittel. Doch 67,6% setzen den Konsum auch danach fort – oft in dem Glauben, es sei harmlos.

Achtung: Selbst wenn Du nur in der Frühschwangerschaft konsumiert hast, können bereits messbare Auswirkungen auf Dein Baby entstehen. Die Gehirnentwicklung beginnt ab der 7. Schwangerschaftswoche.

💭 Warum unterschätzen so viele Frauen die Gefahr?

In einer Studie aus Georgia gaben erschreckende 70,9% der konsumierenden Schwangeren an, nur ein geringes oder gar kein Risiko im Zusammenhang mit Cannabis zu sehen. Diese gefährliche Fehleinschätzung hat mehrere Gründe:

Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden

Viele Schwangere nutzen Cannabis als Selbstmedikation gegen Übelkeit und Erbrechen. Dr. Mohammad Rifat Haider warnt jedoch: "Marihuana wird als Mittel gegen Übelkeit angesehen, aber so sollte man in der Schwangerschaft nicht damit umgehen, denn es ist schädlich für die Mutter und den Fötus".

Legalisierung und gesellschaftliche Akzeptanz

Mit der zunehmenden Legalisierung steigt auch die Sicherheitswahrnehmung. In den USA haben Untersuchungen sogar ergeben, dass Apotheken Schwangeren Marihuana zur Linderung von Übelkeit empfohlen haben. Etwa zwei Drittel der schwangeren Frauen, die Cannabis konsumierten, lebten in einem US-Bundesstaat, in dem medizinisches Marihuana legal war.

Ich verstehe, dass die Schwangerschaftsübelkeit extrem belastend sein kann. Aber Cannabis ist keine Lösung – es gibt sicherere Wege, diese Phase zu überstehen. Sprich mit Deiner Ärztin über Alternativen, die Dein Baby nicht gefährden.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Weitere Risikofaktoren

  • Psychische Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen
  • Fehlendes Risikobewusstsein – im Gegensatz zu Alkohol und Tabak
  • Widersprüchliche Informationen über die Studienlage
  • Unzureichend informiertes medizinisches Fachpersonal

Gut zu wissen: Die geringe Teilnehmerzahl von Ärztinnen und Ärzten an Cannabis-Studien wurde im Pilotprojekt der Bundesregierung als "alarmierend" bezeichnet – eine gefährliche Wissenslücke angesichts steigender Konsumzahlen.

🧬 Was passiert im Körper bei THC-Konsum?

Wenn Du Cannabis konsumierst, überwindet THC problemlos die Plazentaschranke – jene natürliche Barriere, die Dein Baby eigentlich schützen sollte. Die Folgen sind weitreichend.

Wirkung auf das Hormonsystem

THC greift aktiv in die empfindliche Hormonbalance Deines Körpers ein. Es verändert die Freisetzung wichtiger Hormone und stört die Hypothalamus/Hypophysen-Achse – den Regelkreis, der für die Hormonproduktion zentral ist.

Wissenschaftlich belegt ist, dass THC embryotoxisch ist – der Wirkstoff kann Dein ungeborenes Kind im Mutterleib direkt schädigen. Endocannabinoid-Rezeptoren sind bereits vor der Geburt im Körper und besonders im Gehirn Deines Babys vorhanden, wodurch THC unmittelbar einwirken kann.

Einfluss auf die Plazenta und Durchblutung

In der Plazenta befinden sich Cannabisrezeptoren, die durch THC stimuliert werden und zu einer Wachstumshemmung führen können. Die Auswirkungen sind vielfältig:

  • THC beeinträchtigt den Sauerstoff- und Nährstofftransfer zu Deinem Baby
  • Die Entwicklung des fötalen-plazentaren Kreislaufes wird gestört
  • Die fötalen Kapillarflächen verringern sich
  • Es kann zu verstärkter Kollagenablagerung kommen

Besonders kritisch: THC verändert die Aktivität von 480 untersuchten Genen, die die Immunfunktionen der Plazenta regulieren – tatsächlich waren alle betroffen.

Achtung: Nach Überwindung der Plazentaschranke stört THC die Entwicklung des fetalen Gehirns. Es kommt zu Wachstumsstörungen von Axonen und verminderter Bildung von Stathmin-2, einem für die Nervenzellentwicklung wichtigen Protein.

👶 Welche Risiken bestehen für Dein ungeborenes Kind?

Frühgeburt und geringes Geburtsgewicht

Die Zahlen sind eindeutig: Das Risiko einer Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche steigt um 6%, vor der 34. Woche sogar um 11%. Bei anhaltendem Cannabis-Konsum erhöht sich dieses Risiko auf das Fünffache.

Frauen, die bis zur 20. Schwangerschaftswoche Cannabis rauchten, brachten ihr Kind im Durchschnitt bereits nach 29,6 Wochen zur Welt – bei Nicht-Konsumentinnen dauerte die Schwangerschaft im Mittel 34,1 Wochen.

Die Auswirkungen auf Dein Baby:

  • 20% höheres Risiko für niedriges Geburtsgewicht
  • 24% höheres Risiko für eine Mangelgeburt
  • Reduktion des durchschnittlichen Geburtsgewichts um 112,3 g
  • Verringerter Kopfumfang um durchschnittlich 0,34 cm
  • Niedrigerer Apgar-Wert nach einer Minute (-0,26 Punkte)
  • 6% höheres Risiko für die Aufnahme auf eine Neugeborenen-Intensivstation

Neurologische und kognitive Entwicklungsstörungen

Die langfristigen Folgen sind noch besorgniserregender. Forschungen vom Europäischen Psychiatriekongress 2024 zeigen, dass Kinder von Müttern mit Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft ein deutlich erhöhtes Risiko haben:

  • 98% höheres Risiko für ADHS
  • 94% höheres Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen
  • 46% höheres Risiko für geistige Behinderungen

MRT-Untersuchungen zeigen, dass betroffene Kinder eine dickere Hirnrinde im Bereich des Frontalhirns aufweisen – einer Region, die für Aufmerksamkeit und planerisches Handeln verantwortlich ist.

Gut zu wissen: Langzeitstudien belegen konkrete Entwicklungsdefizite: Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung, Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses, erhöhte Anfälligkeit für Ängste und Depressionen sowie Aufmerksamkeitsprobleme.

🏥 Welche Gefahren drohen Dir als werdender Mutter?

Schwangerschaftsbluthochdruck und Präeklampsie

Eine umfangreiche US-Kohortenstudie liefert beunruhigende Erkenntnisse: Wenn Du während der Schwangerschaft Cannabis konsumierst, hast Du ein um 17% erhöhtes Risiko für Bluthochdruck in der Schwangerschaft.

Noch besorgniserregender ist das um 8% erhöhte Risiko für eine Präeklampsie – eine potenziell lebensbedrohliche Schwangerschaftskomplikation. Unbehandelt kann sie zu schweren Folgen führen:

  • Krampfanfälle (Eklampsie)
  • Nieren- und Leberschäden
  • Gerinnungsstörungen
  • Im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Zustände für Dich und Dein Kind

Zusätzlich treten Auffälligkeiten bei der Gewichtsentwicklung auf: Sowohl eine zu geringe (5% häufiger) als auch eine zu starke Gewichtszunahme (9% häufiger) kommen vor.

Plazenta-Ablösung und andere Komplikationen

Das Risiko für eine vorzeitige Plazentaablösung steigt um 19%. Bei dieser akuten Notfallsituation löst sich die Plazenta teilweise oder vollständig von der Gebärmutterwand – die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung Deines Kindes ist akut gefährdet und starke Blutungen können auftreten.

Tipp: Wenn Du Cannabis konsumierst oder konsumiert hast, sprich offen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt darüber. Nur so kann man Dich optimal betreuen und mögliche Komplikationen frühzeitig erkennen.

📊 Was sagen aktuelle Studien?

Ergebnisse der nuMoM2b-Studie

Dr. Phoebe Dodge und ihr Team fanden entscheidende Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt des Cannabiskonsums und dem Ausmaß der Wachstumsdefizite bei Neugeborenen:

  • Signifikante Abnahme des Neugeborenengewichts nach Cannabisexposition im ersten Trimenon: -154 g
  • Noch stärkere Gewichtsabnahme bei Exposition während der gesamten Schwangerschaft: -185 g
  • Signifikante Defizite im Kopfumfang nach Exposition im ersten und zweiten Trimester: -0,83 cm
  • Verringerte Kopfumfänge bei Exposition während der gesamten Schwangerschaft: -0,79 cm

Die Wissenschaftler betonen: Je früher Du mit dem Cannabiskonsum aufhörst, desto größer sind die Chancen Deines Babys auf normales Wachstum und bessere Gesundheit.

Datenlage aus der Young-Wolff-Studie

Diese umfangreiche Untersuchung analysierte Daten aus 316.722 Schwangerschaften. Von den teilnehmenden Schwangeren wurden 20.053 positiv auf Cannabis getestet. Die Ergebnisse zeigen erhöhte Gesundheitsrisiken:

  • Schwangerschaftshochdruck: +17%
  • Präeklampsie: +8%
  • Plazenta-Ablösung: +19%
  • Zu geringe Gewichtszunahme: +5%
  • Zu hohe Gewichtszunahme: +9%

Besonders alarmierend: Zwischen 2009 und 2017 stieg die Rate des täglichen Cannabiskonsums während der Schwangerschaft am schnellsten – von 0,28% auf 0,69%.

Gut zu wissen: Eine Meta-Analyse von 16 Studien mit fast 60.000 Schwangeren identifizierte sieben konkrete kindliche Geburtskomplikationen im Zusammenhang mit mütterlichem Cannabiskonsum.

🌸 Warum wird die Gefahr oft unterschätzt?

Legalisierung und gesellschaftliche Wahrnehmung

Mit der zunehmenden Legalisierung ist auch die Sicherheitswahrnehmung gestiegen. In US-Bundesstaaten mit Cannabislegalisierung liegen die Konsumquoten um 30 bis 60 Prozent höher als in anderen Bundesstaaten.

Die gesellschaftliche Darstellung von Cannabis als harmlose "Freizeitdroge" trägt wesentlich zur Verharmlosung bei. Doch gerade in den letzten Jahren häufen sich Studien, die die schädlichen Auswirkungen von Kiffen während der Schwangerschaft belegen.

Fehlendes Wissen über CBD und THC

Obwohl 80% des medizinischen Fachpersonals und 82,4% der schwangeren Frauen wissen, dass Cannabis negative Auswirkungen haben kann, klafft eine beunruhigende Lücke zwischen Wissen und Handeln.

Der Konsum von CBD gilt oft als unbedenklich und wird selbst von Schwangeren bei Schlafstörungen, Nervosität oder Schmerzen eingesetzt. Doch es ist wenig über die konkreten Auswirkungen bekannt.

Achtung: Die meisten Frauen konsumieren Cannabis mit Tabak, wodurch eine Doppelbelastung durch Nikotin und THC entsteht. Dadurch potenzieren sich die bereits einzeln bestehenden Risiken erheblich.

Erschreckend ist: Obwohl fast alle medizinischen Fachpersonen angaben, den Cannabiskonsum einer werdenden Mutter zu behandeln, berichteten nur zwei Frauen, jemals wegen ihres Konsums angesprochen worden zu sein.

💪 Was Du jetzt tun kannst

Die gute Nachricht: Studien belegen, dass die Chancen auf eine normale Entwicklung Deines Kindes umso besser sind, je früher Du den Konsum einstellst. Selbst wenn Du bereits konsumiert hast, ist es nie zu spät aufzuhören.

Tipp: Wenn Du eine Schwangerschaft planst oder bereits schwanger sein könntest, verzichte vorsichtshalber gänzlich auf THC. Sprich offen mit Deiner Ärztin über sicherere Alternativen bei Schwangerschaftsbeschwerden.

Die Gesundheit von Dir und Deinem Baby steht an erster Stelle – dieser wissenschaftlich fundierte Ratschlag sollte über gesellschaftliche Trends und vermeintliche Harmlosigkeit gestellt werden.

Häufig gestellte Fragen

Ist gelegentlicher Cannabiskonsum während der Schwangerschaft unbedenklich?

Nein, selbst gelegentlicher Cannabiskonsum in der Schwangerschaft ist nicht unbedenklich. Studien zeigen, dass jeglicher Konsum das Risiko für Komplikationen bei Mutter und Kind erhöht. Auch ein einmaliger oder seltener Konsum kann die Entwicklung Deines Ungeborenen beeinträchtigen.

Welche Auswirkungen hat Cannabis auf mein ungeborenes Kind?

Cannabis kann schwerwiegende Folgen für Dein ungeborenes Kind haben: erhöhtes Risiko für Frühgeburten, geringes Geburtsgewicht und langfristige neurologische Entwicklungsstörungen wie ADHS (98% höheres Risiko) oder Autismus-Spektrum-Störungen (94% höheres Risiko). Auch die kognitive Entwicklung und das Lernverhalten können beeinträchtigt werden.

Ist CBD-Konsum in der Schwangerschaft sicherer als THC?

Obwohl CBD oft als unbedenklicher gilt, gibt es keine ausreichenden Studien, die seine Sicherheit in der Schwangerschaft belegen. Experten raten daher, auch auf CBD-Produkte während der Schwangerschaft zu verzichten, da mögliche Risiken für Dein ungeborenes Kind nicht ausgeschlossen werden können.

Welche Gefahren bestehen für mich als schwangere Frau bei Cannabiskonsum?

Cannabiskonsum in der Schwangerschaft erhöht Dein Risiko für Schwangerschaftsbluthochdruck um 17%, für Präeklampsie um 8% und für vorzeitige Plazentalösung um 19%. Zudem kann es zu Problemen bei der Gewichtszunahme kommen. Diese Komplikationen können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich für Dich und Dein Kind sein.

Kann ich Cannabis zur Linderung von Schwangerschaftsübelkeit nutzen?

Nein, Cannabis sollte nicht zur Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden eingesetzt werden. Obwohl es manchmal gegen Übelkeit empfohlen wird, überwiegen die Risiken für Dich und Dein Kind deutlich. Es gibt sicherere Methoden zur Linderung von Schwangerschaftsübelkeit, die Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt besprechen solltest.

Was passiert, wenn ich erst spät in der Schwangerschaft aufhöre zu konsumieren?

Je früher Du aufhörst, desto besser – aber es ist nie zu spät! Studien zeigen, dass die Chancen auf eine normale Entwicklung Deines Kindes umso größer sind, je früher Du den Konsum einstellst. Selbst wenn Du bereits konsumiert hast, profitiert Dein Baby davon, wenn Du jetzt aufhörst.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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