Fruchtbarkeit im Alter – so steigert ihr eure Fruchtbarkeit
Auf einen Blick
- Die höchste Fruchtbarkeit liegt zwischen 20 und 24 Jahren – danach sinkt sie kontinuierlich
- Mit der Geburt habt ihr etwa 1 Million Eizellen, zur Pubertät nur noch 300.000
- Gewicht, Ernährung und Lebensstil beeinflussen eure Fruchtbarkeit deutlich
Vielleicht habt ihr lange verhütet, Karriere gemacht und jetzt tickt plötzlich die biologische Uhr. Die Sorge ist groß: Hat mein Lebensstil meine Fruchtbarkeit beeinträchtigt? Die gute Nachricht: Nicht alles liegt an euch – vieles ist einfach Biologie. Aber es gibt durchaus Stellschrauben, an denen ihr drehen könnt.
📅 Wann ist die Fruchtbarkeit bei Frauen am höchsten?
Die Fruchtbarkeit eines Mannes sinkt zwar mit zunehmendem Alter, bei Frauen ist dieser Prozess jedoch deutlich schneller. Die höchste Fruchtbarkeit habt ihr in einem Alter von 20 bis 24 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, zu diesem Zeitpunkt in den Zwanzigern schwanger zu werden, liegt bei 86 % bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr.
Oft hat die Familienplanung in der fruchtbarsten Zeit aber noch gar keinen Platz. Ab einem Alter von 30 Jahren sinkt sie bereits auf 63 % und ab einem Alter von vierzig Jahren liegt sie nur noch bei 36 %. Sie nimmt also kontinuierlich ab.
Gut zu wissen: Wie der Verlauf der Schwangerschaft ist, ist jedoch immer unterschiedlich – auch in jungen Jahren gibt es keine Garantie.
🔍 Wie nimmt die Fruchtbarkeit im Alter ab?
Interessant ist für euch die Frage, warum die Fruchtbarkeit bei Frauen eigentlich abnimmt. Frauen haben ein Depot an Eizellen und dieses Depot reduziert sich schon ab der Geburt. Wird ein Mädchen geboren, hat es eine durchschnittliche Anzahl an etwa einer Million Eizellen. Wenn die eigentliche Fruchtbarkeit beginnt – im Rahmen der Pubertät -, liegt die Anzahl bei der Eizellreserve schon nur noch bei 300.000.
Wichtig zu wissen ist, dass diese 300.000 Eizellen jedoch nicht alle springen. Tatsächlich sind es nur rund 300 davon, die sich im natürlichen Zyklus entwickeln und dann springen. Hormonelle Umstellungen im Alter, die Einnahme von Hormonen zur Verhütung sowie eine ungesunde Lebensweise beeinflussen die Fruchtbarkeit.
Auch wenn bei einer Frau die Menopause erst ab einem Alter von durchschnittlich 50 Jahren eintritt, ist sie bis zu diesem Alter nicht zwingend fruchtbar. Die Wechseljahre tragen also nicht die alleinige Schuld an einer abnehmenden Fruchtbarkeit.
💪 Fruchtbarkeit steigern – Wie geht das?
Die Steigerung der Fruchtbarkeit im klassischen Sinn ist nicht möglich. Wenn eure Reserve an Eizellen nur noch gering ist, dann habt ihr darauf keinen Einfluss. Oft hängt die Unfruchtbarkeit aber mit anderen Faktoren zusammen und hier könnt ihr auch im Alter nachhelfen.
Der erste Schritt: Ab zum Frauenarzt
Der erste Weg ist immer der Gang zu eurem Frauenarzt oder eurer Frauenärztin. Möchtet ihr schwanger werden und es klappt innerhalb eines Jahres nicht, sind weiterführende Untersuchungen zu empfehlen. Bei den ärztlichen Untersuchungen wird ein Zyklusprotokoll geführt. Hier ist erkennbar, ob möglicherweise hormonelle Störungen vorliegen.
Achtung: Ein Hinweis für Zyklusstörungen sind beispielsweise verschieden lange Zyklen, Schmierblutungen und ein starkes prämenstruelles Syndrom. Unter anderem kann es sein, dass es gar nicht zu einem Eisprung kommt.
Diese lassen sich durch Medikamente beeinflussen. Einigen Frauen hilft auch der Einsatz der Naturmedizin. Auch in dem Fall könnt ihr mit einer leichten hormonellen Medikamentengabe den Körper unterstützen. Das sollte jedoch immer mit dem Arzt abgesprochen werden.
Zusätzlich dazu gibt es eine Ultraschalluntersuchung bei der geschaut wird, ob jeder Eierstock gut funktioniert oder es hier möglicherweise einen Auslöser dafür geben kann, dass die Empfängnis nicht klappt. Die Gebärmutter wird kontrolliert. Auch eine vorliegende Endometriose kann ein Grund dafür sein, dass ihr nach wie vor einen unerfüllten Kinderwunsch habt. Woran genau die Kinderlosigkeit liegt, ist bei jeder Frau unterschiedlich.
Kontrolle der Eileiter ist empfehlenswert
Vielleicht ist eure Fruchtbarkeit an sich gar nicht eingeschränkt, sondern es liegt an den Eileitern. Im Laufe eures Lebens seid ihr möglicherweise schon mit einigen Bakterien oder Viren in Berührung gekommen. Einige davon können dafür sorgen, dass die Eileiter verkleben. Dies findet ihr durch eine Bauchspiegelung heraus. Bei der Bauchspiegelung werden die Eileiter geprüft und auch durchgespült. Dies hat bei vielen Frauen bereits dafür gesorgt, dass sich doch noch eine Schwangerschaft eingestellt hat.
Eine Kontrolle der Eileiter kann auch ohne Bauchspülung erfolgen. Der Arzt oder die Ärztin geben ein Kontrastmittel in die Eileiter und prüfen diese. Das Problem dabei ist jedoch, dass das Kontrastmittel nicht alle Bereiche der Eileiter erreicht und die Ergebnisse daher teilweise nicht aufschlussreich sind.
Achtung: Verklebte Eileiter erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen. Klappt es mit der Befruchtung, erhöht sich die Gefahr für eine Eileiterschwangerschaft.
Ich rate allen Frauen über 35 mit Kinderwunsch: Wartet nicht zu lange mit dem Arztbesuch. Je früher ihr wisst, woran es liegt, desto mehr Optionen habt ihr noch.
⚖️ Einen Blick auf das Gewicht werfen
Sowohl ein zu hohes als auch ein zu geringes Gewicht beeinflussen eure Fruchtbarkeit. Der Stoffwechsel ändert sich im Alter. Es gibt Frauen, die dazu neigen schneller Fett anzusetzen. Bei Übergewicht kann es sein, dass sich starke Schwankungen im Zyklus einstellen. Diesen wirkt ihr entgegen, wenn ihr durch Sport und eine gesunde Lebensweise das Gewicht langsam und auf einem gesunden Weg reduziert. Dadurch verringert sich in einer Schwangerschaft auch die Gefahr für einen möglichen Schwangerschaftsdiabetes und bei vielen Frauen sinkt der Bluthochdruck.
Aber auch ein zu geringes Gewicht wirkt sich auf die Fruchtbarkeit im Alter aus. Frauen mit Untergewicht haben oft einen sehr ungenauen Zyklus oder bekommen gar keinen Eisprung mehr. Hierbei handelt es sich um einen Eigenschutz des Körpers. Dieser ist sich bewusst, dass er bei dem geringen Gewicht kein Kind austragen kann. Habt ihr Untergewicht, solltet ihr daher darauf schauen, dass ihr an Gewicht zunehmt.
🍎 Lebensmittel für eine bessere Fruchtbarkeit im Alter
Es gibt einige Lebensmittel, denen eine fruchtbarkeitssteigernde Wirkung nachgesagt wird. Wichtig ist es, dass ihr auf eine ausgewogene Ernährung schaut. Lebensmittel mit viel Folsäure, Kalzium sowie den Vitaminen E, B6 und B12 sollten im Fokus stehen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Grünes Gemüse
- Bohnen
- Brokkoli
- Sonnenblumenöl
- Eier
- Joghurt und Käse
- Fisch und Fleisch
Zudem braucht euer Körper ausreichend Flüssigkeit.
Tipp: Der Verzicht auf Nikotin und Alkohol ist ebenfalls ein Hinweis, den viele Experten geben. Zusätzlich dazu ist ausreichend Bewegung eine große Hilfe. Bewegung kurbelt euren Stoffwechsel an und hält die Systeme im Körper am Laufen.
👨 Kontrolle der Spermien
Jetzt habt ihr schon so lange ungeschützten Sex und der Schwangerschaftstest ist schon wieder negativ? Eure Untersuchungen waren unauffällig? Woran kann es noch liegen? Eine Schwangerschaft kann nur eintreten, wenn bei beiden alles ok ist. Oft wird es als unwahrscheinlicher angesehen, dass es am Mann liegt. Doch die Kraft der Spermien wird häufig überschätzt. Eine Schwangerschaft kann nur dann eintreten, wenn eine befruchtete Eizelle es in die Gebärmutter schafft. Doch in vielen Fällen kommt es erst gar nicht zur Befruchtung, weil im Ejakulat zu wenige Spermien enthalten sind oder diese eine schlechte Qualität haben.
🏥 Die Unterstützung durch die Reproduktionsmedizin
Teilweise hilft im Alter nur noch der Weg zur Reproduktionsmedizin. Doch diese bietet euch bei einer ungewollten Kinderlosigkeit oder immer wiederkehrender Fehlgeburt heute schon sehr gute Möglichkeiten für eine erfolgreiche Schwangerschaft. Eine Überweisung könnt ihr durch den Gynäkologen erhalten. Oft reicht es schon, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass eure Fruchtbarkeit vermindert ist und es schwieriger bis unmöglich scheint, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.
Bevor eine künstliche Befruchtung durchgeführt wird, gibt es noch einmal umfangreiche Untersuchungen. Hier erfahrt ihr auch, welche der Methoden zu euch und eurem Partner passt, wie die Chancen stehen und welche Kosten auf euch zukommen.
Tipp: Empfehlenswert ist es, sich mehrere Zentren der Reproduktionsmedizin anzusehen. Achtet auch darauf, dass ihr ein gutes Gefühl habt.
Die Abnahme von Blut ist der erste Schritt. Hier werden unter anderem eure Gesundheit, aber auch mögliche genetische Probleme geprüft. Dies gilt sowohl für weibliche als auch für männliche Patienten. Können Erkrankungen und andere Risiken ausgeschlossen werden, habt ihr die Möglichkeit, euch befruchtete Eizellen einsetzen zu lassen. Dies geht allerdings nur, wenn diese auch noch durch euren Körper gebildet werden.
✨ Die Fruchtbarkeit im Alter hat viele Facetten
Ihr seht, die Fruchtbarkeit im Alter wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Die Grundlagen bilden jedoch die Eizellreserve sowie die hormonelle Ausstattung eures Körpers. Wenn ihr über 35 Jahre seid und einen Kinderwunsch habt, ist es grundsätzlich empfehlenswert, schon recht zeitig mit dem Arzt oder der Ärztin zu sprechen und verschiedene Untersuchungen durchführen zu lassen. Aufschluss über eure bestehende Anzahl an Eizellen kann das Anti-Müller-Hormon geben. Besprecht zudem mit eurem Frauenarzt oder der Frauenärztin, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was ihr noch tun könnt, um die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft zu erhöhen.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann sollte ich zum Arzt gehen, wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappt?
Wenn ihr unter 35 seid und es nach einem Jahr regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht klappt, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Ab 35 Jahren solltet ihr schon nach sechs Monaten einen Termin vereinbaren – die Zeit spielt dann eine größere Rolle.
Kann ich meine Eizellreserve testen lassen?
Ja, das geht über einen Bluttest, bei dem das Anti-Müller-Hormon gemessen wird. Dieser gibt Aufschluss über eure bestehende Anzahl an Eizellen. Sprecht euren Frauenarzt oder eure Frauenärztin darauf an.
Welche Rolle spielt das Gewicht meines Partners bei der Fruchtbarkeit?
Auch beim Mann beeinflusst das Gewicht die Spermienqualität. Übergewicht kann die Anzahl und Beweglichkeit der Spermien verringern. Ein gesunder Lebensstil ist also für beide Partner wichtig.
Hilft es wirklich, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten?
Ja, definitiv. Nikotin und Alkohol beeinflussen die Fruchtbarkeit negativ – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Der Verzicht erhöht eure Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich.
Wie lange dauert es, bis sich mein Zyklus nach Absetzen der Pille normalisiert?
Das ist sehr individuell. Bei manchen Frauen pendelt sich der Zyklus sofort ein, bei anderen kann es mehrere Monate dauern. Wenn ihr nach einem halben Jahr noch keinen regelmäßigen Zyklus habt, sprecht mit eurem Frauenarzt oder eurer Frauenärztin.
Was kostet eine künstliche Befruchtung und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kosten variieren je nach Methode zwischen mehreren tausend Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen 50% der Kosten für bis zu drei Versuche – allerdings nur bei verheirateten Paaren und wenn beide Partner bestimmte Altersgrenzen nicht überschreiten. Informiert euch vorab genau bei eurer Kasse.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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