Unfruchtbarkeit der Frau – Gründe, Anzeichen, Therapien
Auf einen Blick
- Unfruchtbarkeit bedeutet nicht automatisch, dass Du nie schwanger werden kannst – viele Ursachen sind behandelbar
- Untersuchungen beginnen meist nach einem Jahr ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaft
- Häufigste Ursachen sind Hormonstörungen, PCO-Syndrom, verschlossene Eileiter oder Gebärmutterprobleme
Wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappt, obwohl Du Dir so sehr ein Baby wünschst, kann das unglaublich belastend sein. Die gute Nachricht: Bei vielen Frauen lässt sich die Ursache für die Unfruchtbarkeit finden – und oft auch behandeln. Lass uns gemeinsam schauen, welche Gründe es geben kann und welche Möglichkeiten Du hast.
🔍 Welche Ursachen gibt es für Unfruchtbarkeit?
Für Dich ist es wichtig zu wissen, dass eine Unfruchtbarkeit nicht immer bedeutet, dass Du keine Kinder mehr bekommen kannst. Es gibt bei einigen Auslösern oder Erkrankungen die Möglichkeit, diese durch die richtige Behandlung wieder in den Griff zu bekommen. Zudem wird unterschieden zwischen der primären und der sekundären Unfruchtbarkeit:
- Bei der primären Unfruchtbarkeit hast Du bisher noch kein Kind geboren
- Von einer sekundären Unfruchtbarkeit wird gesprochen, wenn Du bereits Mutter geworden bist
Gerade weil es bei einer Frau so zahlreiche Ursachen dafür geben kann, dass sie nicht schwanger wird, nimmt die Diagnose oft einen umfangreichen Raum in Deinem Leben ein. Damit Du einen Überblick über die häufigsten Ursachen hast, sind diese hier zusammengefasst.
🌸 Hormonstörungen – wenn der Körper aus dem Takt gerät
Die Hormone spielen eine besonders große Rolle dabei, wenn Du schwanger werden möchtest. Dabei wird zwischen den folgenden Störungen unterschieden:
Störungen der Schilddrüse
Bei der Schilddrüsenunterfunktion zeigen sich:
- Unerwartete Gewichtszunahme
- Zyklusstörungen
- Heiserkeit und trockene Haut
- Fehlgeburten
- Probleme beim Eisprung
- Ausbleiben der Blutungen
Bei der Schilddrüsenüberfunktion kommt es zu:
- Nervosität
- Gewichtsverlust
- Haarausfall
- Zyklusstörungen
- Durchfall
Gut zu wissen: Funktionsstörungen im Hormonhaushalt können nur durch umfassende Untersuchungen zu verschiedenen Zeitpunkten im Zyklus durch den behandelnden Arzt festgestellt werden. Du kannst unterstützend Deinen Zervixschleim beobachten und Temperatur messen.
Mangel beim Gelbkörperhormon
- Progesteron ist das Gelbkörperhormon
- Es wird für die Einnistung einer befruchteten Eizelle benötigt
- Bei einem Mangel kommt es zu Schmierblutungen, Schlafstörungen, Untergewicht und einer Unfruchtbarkeit
Hyperprolaktinämie
- Es handelt sich um einen erhöhten Prolaktinspiegel
- Es zeigt sich ein unregelmäßiger Zyklus
- Die Eizellenreifung ist gestört
- Auslöser sind Stress und auch eine Unterfunktion der Schilddrüse
Hyperandrogenämie
- Die Frau hat zu viele männliche Hormone
- Es kommt zu einer Eireifungsstörung
- Auslöser ist das PCO-Syndrom
💪 PCO-Syndrom – eine häufige Ursache
Das PCO-Syndrom (polyzytisches Ovarialsyndrom) bringt in der Regel nicht direkt eine Unfruchtbarkeit mit sich. Es kann die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, jedoch stark einschränken. Es handelt sich um eine Erkrankung, die hormonell bedingt ist. Rund 5 – 10 % der Frauen in Deutschland leiden unter der Erkrankung. Bist Du betroffen, dann bildet Dein Körper viele Eibläschen aus, die jedoch nicht zu einem reifen Ei wachsen. Somit kommt es auch nicht zu einem Eisprung. Eine erhöhte Menge an männlichen Geschlechtshormonen erschwert eine Schwangerschaft zusätzlich.
Anzeichen dafür, dass Du betroffen bist, können sein:
- Verstärkter Wuchs der Körperbehaarung
- Akne
- Zyklusstörungen
- Ein zu hohes Gewicht
- Haarausfall
- Verstärkte Zystenbildung gutartiger Zysten
Viele Frauen mit PCO-Syndrom fühlen sich zunächst hilflos, aber ich kann Dir versichern: Mit der richtigen Behandlung und oft schon mit Lebensstiländerungen lässt sich viel erreichen. Gib nicht auf!
Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, die bei einem PCO-Syndrom häufig sogar kombiniert werden. Nachdem über Hormonuntersuchungen eine Diagnostik erfolgt ist, empfiehlt Dir der Arzt eine Ernährungsumstellung sowie eine Gewichtsabnahme bei vorliegendem Übergewicht. Zudem kann mit Medikamenten gearbeitet werden. Häufig kommt die Anti-Baby-Pille zum Einsatz.
🔍 Verschlossene Eileiter – die unsichtbare Blockade
Nach dem Eisprung in den Eierstöcken wandert die Eizelle zur Gebärmutter und wird dabei deutlich von den Eileitern unterstützt. Diese haben feine Flimmerhärchen, auf denen sie die Eizelle in die Gebärmutterhöhle transportieren. Hier geht es nun darum, dass sich die Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. Zudem bilden die Eileiter eine Basis für die Befruchtung, denn diese findet genau hier statt. Die Samenzellen und die Eizelle brauchen bei der Empfängnis optimale Voraussetzungen.
Im Laufe der Zeit kann es sein, dass die Härchen verkleben. Auslöser sind beispielsweise starke Infektionen oder Entzündungen in dem Bereich. Aber auch durch eine bestehende Endometriose oder durch Operationen kann es zu Verschlüssen, Verklebungen oder Verwachsungen kommen.
Achtung: Unterleibsentzündungen entstehen beispielsweise durch eine Infektion mit Chlamydien, einer Krankheit, die durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. Ein Problem bei verschlossenen Eileitern ist, dass Du hier keine Symptome bemerkst.
Auch über eine Ultraschalluntersuchung lassen sich diese nicht feststellen. Daher ist es notwendig, eine Bauchspiegelung durchzuführen. Einige Ärzte bieten auch eine spezielle Ultraschalluntersuchung an. Hier werden Deine Eileiter mit einer Flüssigkeit durchgespült und auf dem Ultraschall geprüft, ob die Flüssigkeit durch die Eileiter geht. Bei dieser Untersuchung lassen sich jedoch nicht alle Bereiche der Eileiter kontrollieren. Sicherheit gibt nur die Bauchspiegelung, die auch als Laparoskopie bezeichnet wird.
Die Behandlungsmöglichkeiten sind abhängig davon, wie stark die Eileiter beeinträchtigt sind. In einigen Fällen kann es ausreichen, wenn eine Spülung durchgeführt wird. Teilweise ist eine Korrektur jedoch nicht mehr möglich.
🏥 Fehlbildungen der Gebärmutter oder Myome
Eine weitere Ursache für eine mögliche Infertilität kann in Fehlbildungen der Gebärmutter liegen. Hierbei ist es sogar möglich, dass eine Empfängnis erfolgt, die Embryonen sich aber nicht richtig einnisten können. Der weibliche Körper ist ein Wunder. Die Gebärmutter ist eine glatte Höhle und im Zyklus werden die Wände mit Schleimhaut ausgekleidet. Bereits kleine Veränderungen der Gebärmutter können jedoch zu Problemen führen. So haben einige Frauen einen „Uterus arcuatus". Hierbei hat die Gebärmutter die Form eines Herzens und erschwert es dem Embryo, sich richtig einzunisten. Noch schwieriger ist es, wenn Du einen „Uterus septus" hast.
In dem Fall befindet sich eine kleine Wand in der Gebärmutter, die dafür sorgt, dass eine Einnistung nicht erfolgt oder es häufiger zu Fehlgeburten kommt. Die gute Nachricht ist, dass Fehlbildungen oft operativ korrigiert werden können.
Ebenfalls eine Ursache für eine Sterilität sind Myome in der Gebärmutter. Diese gutartigen Knoten machen normalerweise keine Beschwerden und wirken sich auch nur bedingt auf eine Schwangerschaft aus. Befinden sie sich jedoch direkt in der Gebärmutter, können sie Einfluss nehmen. Hier hilft ein kleiner operativer Eingriff.
✨ Der Lebensstil – unterschätz ihn nicht
Es heißt, der Lebensstil hat an sich keine Auswirkungen auf Deine Fruchtbarkeit, doch ganz korrekt ist das nicht. Es gibt einige Punkte, die durchaus dafür sorgen können, dass es mit der Schwangerschaft nicht klappt. So wirkt sich Nikotin beispielsweise auf die Durchblutung der Gefäße aus und kann es Deinem Körper schwerer machen, den Unterleib richtig zu durchbluten. Auch Drogen oder Alkohol schädigen die Zellen und verursachen Schwierigkeiten in Bezug auf eine gesunde biologische Schwangerschaft.
Tipp: Mit einer gesunden Ernährung sowie dem Verzicht auf Drogen, Alkohol und Nikotin, unterstützt Du das Heranreifen gesunder Eizellen. Achte darauf, dass Du kein Übergewicht oder Untergewicht hast. Beides ist für Deinen Körper eine Belastung.
Er wird sich erst einmal auf sich selbst konzentrieren und aus Selbstschutz eine Schwangerschaft verhindern. Auch das Alter wirkt sich auf die Fruchtbarkeit aus. Mit jedem Lebensjahr sinken die Chancen auf eine spontane Schwangerschaft zunehmend.
Störungen im Immunsystem
Störungen im Immunsystem sind nicht unbedingt der Auslöser für eine Unfruchtbarkeit, können jedoch ein Grund dafür sein, dass der Körper Schwangerschaften vorzeitig beendet und es zu einer Fehlgeburt kommt. Hier spielen auch genetische Faktoren teilweise eine Rolle und können den Verlauf einer Schwangerschaft beeinflussen. Immunologische Untersuchungen geben hier Aufschluss darüber, ob eine Ursache für Fruchtbarkeitsstörungen oder die Sterilität im Immunsystem zu finden ist.
💪 Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Zeigt sich bei Dir eine Unfruchtbarkeit, stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Welche davon zum Einsatz kommen, wird in einer engen Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin besprochen. Teilweise ist auch eine Kombination verschiedener Therapiemöglichkeiten sinnvoll:
- Gewichtsabnahme: In vielen Fällen kann eine Regulierung des Hormonhaushaltes bereits durch eine Anpassung des Gewichts erfolgen. Leidest Du unter Übergewicht, wird der Gynäkologe eine Gewichtsabnahme empfehlen
- Hormonbehandlungen: Zeigen sich Probleme beim Hormonhaushalt, sind hormonelle Behandlungen durch die passenden Medikamente ebenfalls möglich
- Psychische Hilfe: Eine Unfruchtbarkeit kann zu einer starken psychischen Belastung werden. Bei seelischem Stress wird der Körper jedoch zusätzlich belastet und die Psyche wirkt sich auf ihn aus. Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, kannst Du psychische Hilfe in Anspruch nehmen
- Operative Eingriffe: Bei einigen Diagnosen kann es notwendig werden, eine Operation durchführen zu lassen. Dies ist bei verklebten Eileitern oder auch Myomen oft eine Empfehlung
🍼 Kinderwunschbehandlung – wenn natürliche Wege nicht funktionieren
- Insemination: Hierbei handelt es sich um eine manuelle Übertragung des Samens in die Gebärmutter
- IVF (In-Vitro-Fertilisation) oder ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion): Von einer IVF oder einer ICSI wird gesprochen, wenn die Befruchtung der Eizelle außerhalb des Körpers stattfindet und die befruchtete Eizelle dann in Deine Gebärmutter übertragen wird. Dieser Prozess kann auch dann durchgeführt werden, wenn die Spermien beim Mann direkt aus dem Hoden entnommen werden
- Eizellenspende: Liegt die Unfruchtbarkeit der Frau daran, dass Du keine Eizellen ausbildest oder diese keine gute Qualität haben, kann eine Eizellenspende erfolgen. Allerdings ist dies in Deutschland nicht möglich. Angeboten werden Eizellenspenden jedoch bei Kinderwunschkliniken im Ausland
Gut zu wissen: Stellt sich nach rund einem Jahr des Versuchens keine Schwangerschaft bei einem Kinderwunsch ein, werden erweiterte Untersuchungen durchgeführt. Gemeinsam mit Deinem Gynäkologen wird dann ein Therapieplan erstellt oder nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten geschaut.
Häufig gestellte Fragen
Wann sollte ich zum Arzt gehen, wenn ich nicht schwanger werde?
In der Regel beginnen die Untersuchungen dann, wenn sich bei Dir über einen Zeitraum von einem Jahr ohne Verhütung keine Schwangerschaft eingestellt hat. Bist Du über 35 Jahre alt, solltest Du bereits nach sechs Monaten einen Termin vereinbaren.
Bedeutet Unfruchtbarkeit, dass ich nie Mutter werden kann?
Nein, definitiv nicht! Unfruchtbarkeit bedeutet nicht automatisch, dass Du keine Kinder bekommen kannst. Viele Ursachen sind behandelbar, und es gibt zahlreiche Therapiemöglichkeiten – von Hormonbehandlungen über operative Eingriffe bis hin zur künstlichen Befruchtung.
Was ist der Unterschied zwischen primärer und sekundärer Unfruchtbarkeit?
Bei der primären Unfruchtbarkeit hast Du bisher noch kein Kind geboren. Von einer sekundären Unfruchtbarkeit wird gesprochen, wenn Du bereits Mutter geworden bist, aber nun keine weitere Schwangerschaft eintritt.
Kann ich selbst etwas tun, um meine Fruchtbarkeit zu verbessern?
Ja! Ein gesunder Lebensstil kann viel bewirken: Verzichte auf Nikotin, Alkohol und Drogen, achte auf ein gesundes Gewicht (weder Über- noch Untergewicht), ernähre Dich ausgewogen und reduziere Stress. Diese Faktoren unterstützen das Heranreifen gesunder Eizellen.
Wie werden verschlossene Eileiter festgestellt?
Das Problem bei verschlossenen Eileitern ist, dass Du keine Symptome bemerkst. Auch über eine normale Ultraschalluntersuchung lassen sich diese nicht feststellen. Sicherheit gibt nur die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Einige Ärzte bieten auch eine spezielle Ultraschalluntersuchung mit Flüssigkeitsspülung an, diese kann jedoch nicht alle Bereiche der Eileiter kontrollieren.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Kinderwunschbehandlung?
Die Kostenübernahme hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Deinem Alter, Eurem Familienstand und der Art der Behandlung. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen 50% der Kosten für bis zu drei Versuche einer künstlichen Befruchtung – allerdings nur bei verheirateten Paaren. Lass Dich am besten individuell von Deiner Krankenkasse beraten.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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