moms.de

Schwangerschaft nach Krebserkrankung

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 10.05.2026 Lesezeit 11 Min.
Schwangerschaft nach Krebserkrankung

Auf einen Blick

  • Eine Krebserkrankung bedeutet nicht automatisch das Ende des Kinderwunsches – die Heilungschancen und Möglichkeiten steigen stetig
  • Vor Therapiebeginn solltest Du unbedingt mit Deinem Arzt über Deinen Kinderwunsch sprechen – es gibt verschiedene Methoden zum Fruchtbarkeitserhalt
  • Experten empfehlen, nach erfolgreicher Krebsbehandlung mindestens 1-2 Jahre zu warten, bevor Du schwanger wirst

Die Diagnose Krebs ist für jede Frau ein Schock – besonders, wenn der Kinderwunsch noch unerfüllt ist. Die gute Nachricht: Eine Krebserkrankung bedeutet nicht automatisch, dass Du keine Mama werden kannst. Wir zeigen Dir, welche Möglichkeiten Du hast und was in Deinem Körper vor sich geht.

🌸 Wie stehen die Chancen auf eine Schwangerschaft nach Krebs?

Vor allem junge Frauen mit Kinderwunsch trifft die Diagnose Krebs besonders hart. Doch die Heilungschancen steigen von Jahr zu Jahr – und damit auch die Chance, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Das bedeutet nicht, dass Du bei jeder Krebsbehandlung direkt unfruchtbar wirst.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten schwanger zu werden. Ob Du auf natürlichem Weg schwanger werden kannst oder mithilfe einer künstlichen Befruchtung, ist immer abhängig von der jeweiligen Erkrankung und davon, wie Dein Körper individuell auf die Behandlung reagiert.

Achtung: Eine Schwangerschaft nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung gestaltet sich allerdings immer schwerer als bei einer gesunden Frau. Das bedeutet aber nicht, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleibt!

Was passiert mit Deinem Körper während der Behandlung?

Dein Körper wird durch die Chemo sowie die Strahlen- und Hormontherapie hart beansprucht und stark geschwächt. Leider werden auch die gesunden Körperzellen, welche für die Fruchtbarkeit wichtig sind, mit angegriffen.

Zusätzlich kann die Fruchtbarkeit durch die Einnahme unterschiedlicher Medikamente negativ beeinflusst werden. Des Weiteren kommt es auch immer darauf an, um welche Art von Krebserkrankung es sich handelt. Frauen sind vor allem von

  • einer Brustkrebserkrankung
  • Krebserkrankung der Eierstöcke bzw. Eierstockkrebs

betroffen.

Wie stark die einzelnen Zellen geschädigt werden, ist abhängig von der individuellen Dosis der Krebsmedikamente. Hinzu kommt natürlich auch Dein Alter. Je älter Du bist, desto höher ist leider auch das Risiko, durch eine Krebsbehandlung unfruchtbar zu werden. Der Grund liegt in der Tatsache, dass mit dem Alter auch die Anzahl der Eizellen abnimmt, wobei die Anzahl dieser durch die Chemotherapie zusätzlich gemindert wird.

💪 Methoden zum Erhalt Deiner Fruchtbarkeit

Im Folgenden möchten wir Dir unterschiedliche Methoden vorstellen, mit welchen Du Deinen Kinderwunsch unter Umständen erfüllen kannst.

Tipp: Sprich unbedingt vor Therapiebeginn mit Deinem Arzt über Deinen Kinderwunsch. So können rechtzeitig die passenden Vorkehrungen getroffen werden.

Eizellen einfrieren – Social Freezing

Bevor die Krebsbehandlung gestartet wird, solltest Du unbedingt mit Deinem Arzt über Deinen Kinderwunsch reden. Wenn Du nach der Therapie schwanger werden möchtest, hast Du unter anderem die Möglichkeit, Deine befruchteten Eizellen im Vorfeld einfrieren zu lassen. Laut Statistik liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau nach einer Krebsbehandlung schwanger wird, bei bis zu 50 Prozent. Eine Chance bzw. Maßnahme, die Du auf jeden Fall in Betracht ziehen solltest.

Wenn Du keinen Partner hast, ist das auch kein Problem. In diesem Fall bleibt Dir die Möglichkeit, dass Du unbefruchtete Eizellen einfrieren lässt. Allerdings besteht bei dieser Variante der Nachteil, dass eine begleitende Hormontherapie notwendig ist, um bei Dir gesunde Eizellen zu entnehmen. Diese Therapie dauert ca. zwei Wochen. Wichtig dabei ist, dass während dieser Zeit keine aggressive Krebstherapie durchgeführt wird. Des Weiteren müssen nun Deine Ärzte entscheiden, ob die Chemo- oder Strahlentherapie so lange warten kann.

Eierstockgewebe einfrieren

In einigen Fällen bleibt leider keine Zeit für eine Hormontherapie, sodass direkt mit der Chemo begonnen werden muss. Du kannst in diesem Fall Eierstockgewebe samt den darin enthaltenen unreifen Eizellen einfrieren lassen. Dieses wird nach erfolgreicher Krebsbehandlung wieder in den Eierstock verpflanzt. Hier gilt allerdings: Je jünger die Patientin ist, desto größer ist auch die Chance, dass das Gewebe erfolgreich übertragen werden kann und wieder „anwächst". Die Eizellen können dabei bei Erfolg heranwachsen, sodass die reife Eizelle später auf natürlichem Weg durch Spermien befruchtet werden kann.

Der Kinderwunsch ist ein so wichtiges Thema – sprich es unbedingt vor der Behandlung an. Es gibt heute so viele Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit zu erhalten, und jede Frau verdient es, alle Optionen zu kennen.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Anti-Hormone einnehmen

Es besteht die Möglichkeit, dass Du Deine Eierstöcke für die Dauer der Krebstherapie in eine Art Tiefschlaf versetzt. Dabei besteht der Sinn darin, die Eizellen nicht zu schädigen. Hierbei nimmst Du Anti-Hormone ein, durch welche die Eizellen in Deinen Eierstöcken erst gar nicht heranreifen und somit auch nicht beschädigt werden.

Die Eierstöcke verlegen

Was sich erst komisch anhört, wird gerne durchgeführt, um die Eierstöcke vor der aggressiven Behandlung der Krebserkrankung zu schützen. Bei dieser Methode werden die Eierstöcke der Krebspatienten verlegt. Beliebt ist dabei die Verlegung in den Beckenbereich, wo sie vor der Bestrahlung geschützt sind. Nach erfolgreicher Therapie können diese nun an den Ursprungsort zurückgelegt werden. Bei dieser Methode solltest Du Dir aber darüber bewusst sein, dass bei einem solchen Eingriff auch die Eileiter durchtrennt werden könnten.

Gut zu wissen: Welche Methode für Dich die beste ist, um auch nach einer Krebsbehandlung schwanger zu werden, solltest Du immer individuell mit Deinem Arzt besprechen. Es ist ganz alleine Deine Entscheidung!

📅 Der richtige Zeitpunkt für die Schwangerschaft

Eine Krebserkrankung samt der passenden Therapie sind sehr anstrengend für Deinen Körper. Im Anschluss solltest Du Dir Zeit nehmen, um Energie und Kraft zu tanken, denn auch die Strapazen einer Schwangerschaft sind nicht zu unterschätzen. Das Risiko eines Rückfalls besteht leider auch nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung und auch die Wahrscheinlichkeit, eine Fehlgeburt zu erleiden, sind direkt im Anschluss der Therapie höher, weil der Körper einfach noch sehr schwach ist.

Dein Körper braucht nun auf jeden Fall eine Pause, um sich zu erholen und neue Kraft zu tanken. Experten sind daher der festen Überzeugung, dass betroffene Frauen nach Beendigung der Therapie zwei Jahre warten sollten.

Gut zu wissen: Früher waren Mediziner der festen Überzeugung, dass aufgrund der hormonellen Veränderung bei einer Schwangerschaft das Risiko eines Rückfalls der Erkrankung erhöht wäre. Allerdings wurde diese Meinung nie wissenschaftlich belegt und somit längst revidiert.

🔍 Fertilitätserhalt – Vorkehrungen vor Therapiebeginn treffen

Frauen, die an Krebs erkrankt sind und sich noch Kinder wünschen, sollten schon vor dem Beginn der Krebstherapie das Gespräch mit ihrem Gynäkologen oder dem Onkologen suchen. Es ist nämlich sehr wichtig, dass Du den Ärzten unmissverständlich klar machst, dass Du aktuell noch einen großen Kinderwunsch hast. Stell also die Frage, inwieweit die Krebstherapie Deine Fruchtbarkeit beeinflusst.

Durch die Wahl der Präparate bzw. Medikamente, dessen Dosierung und Vorkehrungsmaßnahmen, wie dem Einfrieren der Eizellen, kann man nun versuchen, die Fruchtbarkeit zu erhalten.

🍼 Stillen nach dem Brustkrebs

Brustkrebs ist die am häufigsten auftretende Krebserkrankung bei Frauen und verläuft sehr unterschiedlich. Zahlreiche Frauen machen sich nach dieser Erkrankung große Sorgen, dass sie nach der Geburt das Baby nicht stillen können. Die gute Nachricht vorweg: Nach der erfolgreichen Krebstherapie ist es grundsätzlich möglich, dass Du Dein Baby stillst und Du brauchst keinerlei Angst haben, dass ein gesundheitliches Risiko für Deinen Schatz besteht.

Wir und viele Experten sind sogar der festen Überzeugung, dass Euch beiden das Stillen gut tun wird. Der positive Effekt des Stillens auf die Mutter und das Kind ist dabei nicht zu unterschätzen. Allerdings ist es immer von individuellen Umständen abhängig, ob eine Frau ihr Baby stillen kann oder nicht. So spielt auch die Art einer eventuellen Operation bei Brustkrebs eine wichtige Rolle. Auch die Menge vom entfernten Gewebe und der Größe des Tumors sind wichtig. So ist es möglich, dass die Milchbildung sowie auch die Milchabgabe an das Kind an der betroffenen Brust beeinträchtigt ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange nach Krebserkrankung mit Schwangerschaft warten?

Einen pauschalen Zeitraum gibt es nicht. Ärzte raten ihren Patientinnen aber dazu, mindestens 1 bis 2 Jahre zu warten, damit sich der Körper auch wirklich erholen kann. Außerdem ist das Risiko für einen Rückfall sowie eine Fehlgeburt dann geringer.

Stellt eine vorherige Krebserkrankung ein Risiko für das Baby in der Schwangerschaft dar?

Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass Kinder, welche von einer Mutter mit vorheriger Krebserkrankung geboren wurden, ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen haben. Also nein, es besteht kein höheres Risiko für Dein Baby.

Kann man das Baby nach Brustkrebs stillen?

Je nach operativem Eingriff oder nach der Menge des entfernten Gewebes kann es beim Stillen des Kindes zu Problemen der Milchabgabe oder der Milchbildung kommen. Die meisten Frauen können ihre Kinder aber trotzdem stillen und es besteht auch nicht das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung Deines Lieblings!

Ist das Risiko eines Rückfalls der Krebserkrankung mit einer Schwangerschaft höher?

Eine Schwangerschaft erhöht das Risiko eines Rezidivs nicht. Wichtig dabei ist aber, dass die Behandlung der Krebserkrankung komplett abgeschlossen wurde.

Welche Krebsarten betreffen die Fruchtbarkeit am meisten?

Frauen sind vor allem von Brustkrebserkrankungen und Krebserkrankungen der Eierstöcke (Eierstockkrebs) betroffen. Die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hängen dabei von der Art der Erkrankung, der Behandlung und der individuellen Dosierung der Medikamente ab.

Wie hoch sind die Chancen, nach einer Krebsbehandlung schwanger zu werden?

Laut Statistik liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau nach einer Krebsbehandlung schwanger wird, bei bis zu 50 Prozent – vor allem wenn vor der Therapie Eizellen eingefroren wurden. Die individuellen Chancen hängen von vielen Faktoren ab, wie Alter, Art der Erkrankung und Behandlung.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

Mehr über Nadine →