Ungewollt Schwanger – Was tun?
Auf einen Blick
- Jede zehnte Frau in Deutschland wird mindestens einmal ungewollt schwanger – Du bist nicht allein
- Du hast mehrere Optionen: Kind behalten, Schwangerschaftsabbruch, Adoption oder Pflegefamilie
- Kostenlose anonyme Beratung gibt es rund um die Uhr unter 0800 – 40 40 020
Ein positiver Schwangerschaftstest – und statt Freude fühlst Du nur Panik? Während viele Frauen diesen Moment herbeisehnen, bedeutet er für Dich gerade, dass Deine Welt zusammenbricht. Das war nicht geplant, passt überhaupt nicht in Dein Leben. Und trotzdem ist es passiert. Du musst Dich für diese Gefühle nicht schämen. Lass uns gemeinsam schauen, welche Möglichkeiten Du jetzt hast.
💭 Wenn der Test positiv ist – aber die Freude ausbleibt
Du stehst im Bad, der Schwangerschaftstest zeigt eindeutig zwei Linien – und in Dir kommt keine Freude auf. Im Gegenteil. Du bist auf keinen Fall allein mit diesem Gefühl. Eine Umfrage hat ergeben, dass jede zehnte Frau in Deutschland einmal in ihrem Leben ungewollt schwanger wird. Die Umstände, die dazu führen, sind dabei sehr verschieden.
Es kann auf unterschiedliche Arten zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Leider spielt Unwissenheit auch heute noch eine große Rolle. Natürlich wissen die meisten, dass man ohne Verhütung durch Pille oder Kondom schwanger werden kann. Doch den weiblichen Zyklus samt der fruchtbaren Tage kennt kaum eine Frau wirklich. Von den Männern erst gar nicht zu sprechen.
Gut zu wissen: Eine Umfrage hat ergeben, dass 90 Prozent nicht wissen, dass Spermien mehr als drei Tage im Körper der Frau überleben können. Sechs von zehn befragten Frauen kannten nicht den Start- sowie Endpunkt vom eigenen Zyklus.
Neben der Unwissenheit kann natürlich auch ein „Unfall" die Ursache sein. Das Versagen der Verhütung, wie zum Beispiel das Reißen des Kondoms oder das Verrutschen der Spirale, können ebenso schuld sein.
🌸 Welche Möglichkeiten Du jetzt hast
Eine ungewollte Schwangerschaft kann Dich in eine furchtbare Situation bringen. Nicht zu wissen, ob Du das Baby behalten möchtest oder nicht, die Frage, wie das Leben nun weitergehen soll und wie eine Entscheidung zu treffen ist – das löst in vielen Frauen große Konflikte aus.
Jetzt ist es wichtig, über das zu reden, was in Dir vorgeht. Du bist mit dieser Situation nicht allein. Setz Dich dabei am besten als erstes mit dem Vater des Kindes zusammen und besprecht die Situation samt Euren Gefühlen, die in Euch vorgehen.
Du hast nun folgende Möglichkeiten:
- Das Kind behalten
- Das Kind abzutreiben
- Das Kind zu gebären und anschließend zur Adoption freizugeben oder zur Babyklappe zu bringen
Tipp: Ob Du das Baby bekommst oder einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt, ist immer Deine individuelle Entscheidung, die Du für Dich selbst treffen musst. Lass Dich von niemandem unter Druck setzen.
💬 Hol Dir Unterstützung – anonym oder bei Vertrauten
Auch wenn Du die Schwangerschaft nicht wolltest, wichtig ist es nun, dass Du Dich nicht unter Druck setzt. Nimm Dir Zeit, überdenke alle Möglichkeiten, die Dir geboten werden und sprich über Deine Ängste, Wünsche sowie über die Vor- und Nachteile der einzelnen Variationen, die Du nun erwägst.
Wenn Du aber nicht mit der Familie oder mit Freunden sprechen möchtest, weil es Dir sehr unangenehm ist oder weil Du einfach auch Angst vor deren Reaktion hast, gibt es noch andere Anlaufstellen. Du kannst Dich zum Beispiel anonym beraten lassen. Es gibt seelische und kirchliche Beratungsstellen, welche alle Entscheidungen, Ängste und auch Wünsche verstehen und Dich nicht dafür verurteilen.
Gut zu wissen: Die Hilfestelle Schwangere in Not vom Bundesministerium ist für Dich rund um die Uhr erreichbar. Alle Gespräche sind komplett anonym und kostenlos. Zu erreichen unter der Rufnummer 0800 – 40 40 020.
🏥 Der Schwangerschaftsabbruch – was Du wissen musst
Für manche Frauen steht bei einer ungewollten Schwangerschaft direkt fest, dass sie das Kind nicht austragen möchten. Diese Entscheidung kann unterschiedliche Gründe haben und sollte auf keinen Fall von anderen vorschnell verurteilt werden.
Laut § 218 des Strafgesetzbuches (StGB) ist eine Abtreibung in Deutschland rechtswidrig. Allerdings gilt diese dann straffrei, wenn sich die betroffene Frau aus eigenem Willen für die Abtreibung entscheidet. Dazu gehört aber auch, dass sich die schwangere Frau zuvor bei einer staatlich anerkannten Beratungsstelle beraten lassen hat. Des Weiteren muss dieser Eingriff bis zur 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, und zwar von einem Facharzt, welcher nicht an dem Beratungsgespräch teilgenommen hat. Eine Beratungsbescheinigung ist im Vorfeld vorzuzeigen.
Achtung: Wenn durch die bestehende Schwangerschaft die seelische oder körperliche Gesundheit der Frau in Gefahr ist oder die Schwangerschaft durch eine Straftat wie eine Vergewaltigung zustande kam, ist die Abtreibung bzw. der Abbruch der Schwangerschaft rechtlich kein Problem. Trotzdem ist die Beratung im Vorfeld immer Pflicht in Deutschland.
📋 Ablauf und Kosten
Für die Beratung gibt es unterschiedliche Beratungsstellen, welche Du unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden kannst. Die Beratung vor Ort ist für Dich und Deinen Begleiter komplett kostenlos. Des Weiteren werden auch die Kosten für die Vor- und Nachuntersuchung eines Schwangerschaftsabbruchs von Deiner Krankenkasse übernommen.
Den Eingriff selbst musst Du selbst tragen. Die Kosten sind sehr unterschiedlich. Dabei ist es wichtig, für welche Methode Du Dich entscheidest. Du hast die Wahl zwischen einem medikamentösen und einem operativen Schwangerschaftsabbruch. Die Kosten liegen zwischen 200 und 600 Euro.
Eine ungewollte Schwangerschaft ist eine der schwierigsten Situationen im Leben einer Frau. Egal, wie Du Dich entscheidest – nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, und hol Dir professionelle Unterstützung. Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung, nur Deine ganz persönliche.
👶 Du möchtest das Kind behalten?
Du bist schwanger und wolltest es gar nicht bzw. Du hattest es nicht geplant? Für Dich steht aber fest, dass Du das Kind gerne behalten würdest? Fragen, wie es nun weitergehen soll, wo es Unterstützung gibt und wie Du das alles bewältigen kannst, sind jetzt natürlich ganz normal. Kein Wunder, denn wahrscheinlich bist Du nicht auf die Situation vorbereitet.
Stell Dir doch mal folgende Fragen:
- Wie empfindest Du und kannst Du Dir vorstellen, das Baby wirklich zu bekommen?
- Wenn Du das Baby bekommen möchtest, willst Du es behalten oder es zur Adoption freigeben?
- Wie steht der Vater des Kindes zur Schwangerschaft und ist auch er bereit dazu, Verantwortung für sein Kind zu übernehmen?
- Wie denkt die Familie vom Vater über die Schwangerschaft und kannst Du von seiner Familienseite auf Unterstützung hoffen?
- Wie sieht es mit Deiner eigenen Familie aus? Gibt es auch hier Menschen, die Dir zur Seite stehen?
Es ist nicht leicht, der Familie oder den Freunden von der ungewollten Schwangerschaft zu erzählen oder sie sogar um Hilfe zu bitten. Hab aber den Mut dazu, denn viele reagieren ganz anders als erwartet. Vielleicht freuen sich Deine Eltern ja über ein Enkelkind und unterstützen Dich sehr gerne bei dieser besonderen Aufgabe und vielleicht ergeben sich auch Perspektiven, die Du nie erwartet hättest.
🏠 Die Mutter-Kind-Einrichtung als Unterstützung
Vielleicht kannst Du Dir gerade nicht vorstellen, das Kind in Zukunft allein groß zu ziehen und die Aufgabe als Eltern zu übernehmen. Trotzdem willst Du das Baby bekommen und machst Dir Gedanken darum, ob Du Deinem zukünftigen Kind als Mutter oder Vater überhaupt gerecht werden kannst.
Vielleicht passen auch die Lebensumstände nicht oder Du lebst mit dem Kindesvater nicht in einer Partnerschaft. Auch das muss nicht heißen, dass Du einen Abbruch der Schwangerschaft vornehmen lassen musst. Es gibt spezielle Mutter-Kind-Einrichtungen, in denen schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter oder Väter eine passende Hilfe bekommen.
Tipp: Die Unterstützung, um das Leben mit Baby zu bewältigen, in einer Wohngruppe zu leben und Dich mit anderen auszutauschen, kann sehr hilfreich sein. Solche Hilfsangebote solltest Du in diesem Fall unbedingt annehmen.
Dabei wirst Du auch im Alltag von Sozialpädagogen begleitet und auch bei der Betreuung bekommst Du Hilfe, um eine eventuelle Ausbildung abzuschließen oder die Schule zuende zu machen.
👨👩👧 Pflegefamilie – eine vorübergehende Lösung
Wenn Du das Kind nicht selbst behalten möchtest, aber es unbedingt zur Welt bringen und nicht abtreiben willst, hast Du die Möglichkeit, es in eine Pflegefamilie zu geben. Das ist vor allem dann eine ideale Lösung, wenn Dir die Adoption des Kindes zu endgültig ist. Vielleicht willst Du auch erst Deine Notlage bewältigen und eine Lebenssituation erschaffen, in welcher Du mit Deinem Kind zusammenlebst? Bis zu diesem Zeitpunkt kann es in einer liebevollen Pflegefamilie leben.
Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Dauerhafte Pflegefamilien
- Zeitlich begrenzte Pflegefamilien
- Mit und ohne Sorgerecht der leiblichen Eltern
Informationen dazu erhältst Du bei Deinem zuständigen Jugendamt.
💝 Die Adoption als dauerhafte Lösung
Die Adoption ist ebenfalls eine Möglichkeit, welche oft mit einer anonymen Geburt einhergeht. Wenn Du Dir das Leben mit Kind nicht vorstellen kannst und das unabhängig von Deiner Lage, Deinem Partner bzw. der Beziehung und anderen Gegebenheiten, jedoch gegen eine Abtreibung bist, gibt es Menschen auf dieser Welt, welche sich riesig über ein Baby freuen würden.
Dabei kann ein Baby sowohl direkt nach der Geburt als auch zu einem späteren Zeitpunkt zur Adoption freigegeben werden. Frühestens kannst Du Dein Baby jedoch acht Wochen nach der Geburt zur Adoption freigeben, denn diese Entscheidung will definitiv gut überlegt sein, da sie nicht umkehrbar ist.
🔍 Drei Arten der Adoption
- Inkognito-Adoption: Bei dieser Art der Adoption haben leibliche Eltern und Adoptiveltern keinerlei Kontakt zueinander. Leibliche Eltern haben aber die Möglichkeit, Briefe und Dokumente bei den Adoptiveltern zu hinterlegen, auf welche das Kind bei Interesse zugreifen kann. Das Inkognito lässt sich nur mit dem Einverständnis aller Beteiligten aufheben.
- Halboffene Adoption: Leibliche Eltern und Adoptiveltern haben die Möglichkeit, Briefe, Bilder und andere Informationen auszutauschen, wobei das über das Jugendamt durchgeführt wird. Ein direkter Austausch findet nicht statt.
- Offene Adoption: Bei dieser Variante besteht der Kontakt zwischen den leiblichen Eltern und den Adoptiveltern. So können die leiblichen Eltern trotzdem an der Entwicklung des Kindes teilnehmen und auch das Kind kennt seine Wurzeln.
🔒 Anonyme Geburt – wenn Du Deine Identität schützen musst
Du kannst das Kind auch anonym zur Welt bringen. Dabei kennt nur eine Beraterin Deinen echten Namen und auch Dein Kind hat erst mit dem 16. Lebensjahr die Möglichkeit, zu erfahren, wer seine echte Mama ist. Ist jedoch Dein Leben, die persönliche Freiheit oder Deine Gesundheit in Gefahr, so kann Deine Anonymität auch über das sechzehnte Lebensjahr hinausgehen.
🍼 Die Babyklappe als letzter Ausweg
Einige Mütter sind mit der Situation nach der Geburt völlig überfordert und nicht selten ist es der Fall, dass einige Schwangere die Schwangerschaft förmlich verstecken und verdrängen. Doch irgendwann ist der Zeitpunkt der Geburt da und Dein Baby will raus. Seit dem Jahr 2000 ist es möglich, den Säugling in eine Babyklappe zu geben. Hier kannst Du Dein Baby anonym in ein warmes Bettchen legen. Sobald die Klappe geschlossen wird, wird kurze Zeit später ein stiller Alarm ausgelöst, sodass sich ein medizinisches Fachpersonal um den Säugling kümmern kann.
Achtung: Als Mutter hast Du nach Abgabe in die Babyklappe noch acht Wochen Zeit, es Dir anders zu überlegen. Nach Ablauf der Frist wird das Kind in eine Pflege- oder Adoptivfamilie gegeben. Das Abgeben des Kindes in die Babyklappe ist straffrei!
Häufig gestellte Fragen
Bis wann kann ich mich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden?
Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich. Voraussetzung ist eine Beratung bei einer staatlich anerkannten Beratungsstelle und eine Beratungsbescheinigung. Der Eingriff muss von einem Facharzt durchgeführt werden, der nicht an der Beratung beteiligt war.
Wo bekomme ich anonyme Beratung bei einer ungewollten Schwangerschaft?
Die Hilfestelle Schwangere in Not vom Bundesministerium ist rund um die Uhr unter 0800 – 40 40 020 erreichbar. Alle Gespräche sind komplett anonym und kostenlos. Zusätzlich gibt es seelische und kirchliche Beratungsstellen in Deiner Nähe.
Kann ich mein Kind nach der Geburt noch zur Adoption freigeben?
Ja, Du kannst Dein Baby frühestens acht Wochen nach der Geburt zur Adoption freigeben. Diese Wartezeit soll Dir helfen, Deine Entscheidung gut zu überdenken, denn eine Adoption ist nicht umkehrbar. Es gibt verschiedene Adoptionsformen – von inkognito über halboffen bis offen.
Was ist eine Mutter-Kind-Einrichtung und wer kann dort Hilfe bekommen?
Mutter-Kind-Einrichtungen bieten schwangeren Frauen und alleinerziehenden Müttern oder Vätern Unterstützung beim Leben mit Baby. Du wohnst dort in einer Wohngruppe, wirst von Sozialpädagogen im Alltag begleitet und bekommst Hilfe bei der Betreuung, um eine Ausbildung abzuschließen oder die Schule zuende zu machen.
Ist die Abgabe meines Babys in eine Babyklappe strafbar?
Nein, das Abgeben des Kindes in die Babyklappe ist straffrei. Du hast nach der Abgabe noch acht Wochen Zeit, es Dir anders zu überlegen. Nach Ablauf dieser Frist wird das Kind in eine Pflege- oder Adoptivfamilie gegeben. Die Babyklappe ist ein sicherer Ort für Dein Baby, wenn Du völlig überfordert bist.
Was kostet ein Schwangerschaftsabbruch und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kosten für den Eingriff selbst liegen zwischen 200 und 600 Euro und musst Du selbst tragen. Die Höhe hängt davon ab, ob Du Dich für einen medikamentösen oder operativen Schwangerschaftsabbruch entscheidest. Die Kosten für Vor- und Nachuntersuchung werden von Deiner Krankenkasse übernommen. Die Beratung ist komplett kostenlos.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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