Bluttest in der Schwangerschaft – Welche gibt es?
Auf einen Blick
- Bluttests in der Schwangerschaft liefern wichtige Infos über deine Gesundheit und die deines Babys
- Die Basis-Blutuntersuchung zu Beginn (Blutgruppe, Rhesusfaktor, Antikörper) ist Teil der normalen Vorsorge
- Pränatale Bluttests auf Chromosomenanomalien sind ab der 10. SSW möglich, aber keine Kassenleistung
Bluttests gehören zur Schwangerschaft dazu – manche sind Routine, andere optional. Über dein Blut kann dein Arzt nicht nur deinen Gesundheitszustand checken, sondern auch wichtige Infos über dein Baby erhalten. Welche Tests es gibt, wann sie sinnvoll sind und was du vorher wissen solltest, erfährst du hier.
🔍 Welche Bluttests gibt es in der Schwangerschaft?
Dein Blut verrät eurem Arzt oder eurer Ärztin in der Schwangerschaft eine ganze Menge – sowohl über dich als auch über dein Baby. Die häufigsten Untersuchungen umfassen:
- Feststellung der Schwangerschaft
- Bestimmung deiner Blutgruppe
- Überprüfung des HCG-Werts im Verlauf
- Check deiner Resistenzen gegen Infektionskrankheiten
- Diagnose von Krankheiten
- Untersuchung auf Trisomien und andere genetische Besonderheiten beim Kind (pränatale Bluttests)
Einige dieser Untersuchungen sind Teil der normalen Schwangerschaftsvorsorge. Andere werden dagegen aufgrund von Verdachtsdiagnosen durchgeführt, oder weil du zu den Risikoschwangeren gehörst. Und ein letzter Teil kann auf deinen Wunsch hin durchgeführt werden.
🌸 Der HCG-Wert im Blut
Bereits sechs bis neun Tage nach der Befruchtung kann über den HCG-Wert im Blut eine Schwangerschaft sicher festgestellt werden. Die Abkürzung HCG steht für Beta-Humanes Choriongonadotropin. Dieses Hormon wird von der Plazenta gebildet und ist daher im Normalfall nur in der Schwangerschaft vorhanden. Deshalb wird es auch Schwangerschaftshormon genannt.
Gut zu wissen: Ein Bluttest auf HCG ist sogar schon vor dem Ausbleiben deiner Periode möglich – also früher als ein Urinstreifentest.
Ein Bluttest zur Bestimmung des HCG-Wertes ist vor allem in besonderen Situationen sinnvoll:
- Bei einem Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft
- Wenn eine Schwangerschaft früh festgestellt werden muss (bevor ein Urintest genutzt werden kann)
- Beim Verdacht auf eine Fehlgeburt
- Um den Verlauf einer Fehlgeburt zu überprüfen
- Um fehlentwickelte Schwangerschaften auszuschließen
Um eine Schwangerschaft festzustellen, reicht eine einzige Blutentnahme aus. Für die Überprüfung anderer Dinge muss aber oft der Verlauf bestimmt werden. In den ersten Wochen steigt der HCG-Wert stetig an.
Weicht die Entwicklung stark von den üblichen Werten ab, gibt das Hinweise auf das Vorliegen von Fehlentwicklungen. Beispiele für solche Fehlentwicklungen sind Blasenmole, Fehlgeburt oder extrauterine Schwangerschaft. Aber auch eine Mehrlingsschwangerschaft kann ein Grund für einen sehr hohen HCG-Wert sein.
Ein Befund bei der Bestimmung des HCG-Werts wird in den meisten Fällen zusätzlich durch eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter abgesichert. Beide Untersuchungen ergeben dann zusammen ein gutes Bild über den Schwangerschaftsverlauf in der frühen Phase.
📅 Die erste große Blutentnahme zu Beginn der Schwangerschaft
Am Anfang der Schwangerschaft wird dir bei deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin Blut abgenommen. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung werden in der Regel im Mutterpass notiert. In den Mutterschaftsrichtlinien sind bei dieser Untersuchung folgende Laboruntersuchungen vorgesehen:
- Bestimmung der Blutgruppe
- Bestimmung des Rhesus-Faktors
- Bestimmung von Antikörper-Titern
- Bestimmung des Hämoglobinwertes
Warum ist der Rhesus-Faktor so wichtig?
Besonders die Bestimmung des Rhesus-Faktors ist wichtig, um einer möglichen Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind vorzubeugen. Wenn die Mutter Rhesus-negativ ist, wird zu bestimmten Zeitpunkten eine Spritze zur Vorbeugung von Problemen gegeben.
Die Blutuntersuchung am Anfang fand ich total beruhigend. Zu wissen, dass ich gegen Röteln immun bin, hat mir eine große Sorge genommen – gerade weil ich auch ein Kleinkind zu Hause hatte.
Check auf Infektionskrankheiten
Mit der Bestimmung der verschiedenen Antikörper-Titer kann dein Arzt bestimmen, ob du gegen gewisse Krankheiten immun bist, oder nicht. Besonders wichtig ist das in Bezug auf das Rötelnvirus. Eine Infektion in der Schwangerschaft kann beim Kind zu Fehlbildungen führen. Besteht keine Immunität musst du besonders vorsichtig im Umgang mit Kleinkindern sein. Ähnliches gilt für Toxoplasmose, Zytomegalie und Ringelröteln.
Achtung: Einige Infektionen können auch ohne Symptome auftreten. Deshalb ist der Bluttest so wichtig – er deckt Krankheiten auf, die du vielleicht gar nicht bemerkst.
Auch das frühe Entdecken anderer Krankheiten kann wichtig sein. Sollte eine Infektion mit einem bestimmten Krankheitserreger vorliegen, kann dein Arzt oder deine Ärztin die richtige Behandlung einleiten. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem:
- Chlamydien
- Lues Infektion (Syphilis)
- HIV
- Hepatitis B
Was zahlt die Krankenkasse?
Nicht alle Antikörpertests werden von der Krankenkasse übernommen. Bei einigen musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit die Kosten bezahlt werden. Andere Tests musst du in jedem Fall selbst bezahlen. Am besten erkundigst du dich bei deinem Arzt oder deiner Krankenkasse welche Labortests als Kassenleistung übernommen werden.
👶 Was sind pränatale Bluttests?
Mit pränatalen Bluttests lassen sich die Gene des Babys untersuchen. Im Blut der Mutter finden sich winzige Bruchstücke der DNA des Kindes. Diese stammen aus dem Mutterkuchen, der zum Teil aus kindlichen Zellen besteht.
Die kleinen DNA-Stücke können im Blut untersucht werden und es kann eine Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Trisomien oder Monosomien bestimmt werden. Die Fehlverteilungen der Chromosomen können erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben.
Welche Erkrankungen können erkannt werden?
Durch die Bluttests können Aussagen über die folgenden Erkrankungen getroffen werden:
- Trisomie 21 (Downsyndrom)
- Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)
- Trisomie 13 (Pätau-Syndrom)
- Klinefelter-Syndrom
- Turner-Syndrom
- Triple-X-Syndrom
- XYY-Syndrom
Die letzten vier Syndrome sind Variationen in der Anzahl der Geschlechtschromosomen. Mit den Früherkennungstests kann auch eine Geschlechtsbestimmung erfolgen.
Bei allen diesen Syndromen werden übermäßig viele Teile der jeweiligen Chromosomen im Blut der Mutter gefunden, weil die Chromosomen statt in doppelter in dreifacher Anzahl in den kindlichen Zellen vorliegen.
Gut zu wissen: Auch eine sogenannte Mikrodeletion kann von einigen Schwangerschaftsfrühtests erfasst werden. Dabei fehlt ein kleiner Teil eines Chromosoms – konkret die 22q11.2 Mikrodeletion, die das DiGeorge-Syndrom auslöst.
Nach der Blutentnahme aus deiner Armvene dauert es in der Regel einige Tage bis zwei Wochen, bis du ein Ergebnis erhältst. Die Untersuchung von Trisomie 21 erreicht in den meisten Tests eine Erkennungsrate von 99 Prozent, bei anderen Syndromen liegt der Wert meist niedriger.
📅 Wann können pränatale Bluttests durchgeführt werden?
Die Blutanalyse kann ab der zehnten Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Diese Tests werden Schwangeren meist in bestimmten Fällen angeboten. Dazu zählen die folgenden Umstände:
- Auffälliges Ergebnis im Ersttrimesterscreening
- Eine Chromosomen-Abweichung bei einer früheren Schwangerschaft oder in der Familie
- Wenn die Schwangere älter als 35 ist und damit zur Risikogruppe gehört
Achtung: Die Bluttests sind noch nicht standardmäßig in den Leistungen der Krankenkassen eingeschlossen. Ob die Kosten übernommen werden, variiert stark. Dein Arzt kann der Krankenkasse in manchen Fällen auch eine besondere Begründung vorlegen.
💪 Vor- und Nachteile von pränatalen Bluttests
Die Blutuntersuchung auf Chromosomenanomalien hat Vorteile und Nachteile. Die wichtigsten Vorteile liegen in den folgenden Punkten:
- Kein Risiko für das Baby
- Frühere Durchführung als bei anderen Tests möglich
Was spricht dagegen?
Ein großer Nachteil der pränatalen Bluttests ist die Notwendigkeit von Folgeuntersuchungen im Falle eines positiven Ergebnisses. Nur dann kann bestätigt oder widerlegt werden, ob wirklich eine Chromosomenabweichung vorliegt. Denn es gibt immer auch die Möglichkeit eines falsch positiven Ergebnisses.
Als Folgeuntersuchung wird in der Regel eine der folgenden Untersuchungen durchgeführt:
- Chorionzottenbiopsie (Plazentapunktion, bzw. Plazentabiopsie)
- Amniozentese (Fruchtwasserpunktion)
Achtung: Die Plazenta- und Fruchtwasseruntersuchungen bergen ein gewisses Risiko für eine Fehlgeburt. Daher ist es gut, wenn sie zumindest in Teilen durch einen einfachen Bluttest ersetzt werden können.
🖤 Was passiert nach einem pränatalen Bluttest?
Bevor du als werdende Mama einen pränatalen Bluttest machst, solltest du dir überlegen, was du mit dem Ergebnis der Pränataldiagnostik anfangen willst. Auf ein positives Ergebnis folgt nämlich auch die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch.
Es ist wichtig zu wissen, dass eine vorliegende Trisomie noch keinen Rückschluss darauf gibt, wie schwer das Ungeborene wirklich betroffen ist. Viele der Erkrankungen können auch in milden Formen vorkommen und das Leben des Kindes ist nur wenig beeinträchtigt.
Tipp: Nimm vor einem Bluttest eine Beratung bei speziell geschulten Fachleuten wahr. Diese können dir die Konsequenzen der Erkrankungen genauer erläutern und dir deine möglichen Optionen nach dem Test aufzeigen.
Die Frage nach den Möglichkeiten der Pränataldiagnostik ist auch eine gesellschaftlich wichtige Diskussion. Viele Experten befürchten, dass sie mit einem verstärkten Druck auf werdende Eltern einhergeht, einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen, wenn das Kind von einer Chromosomenstörung betroffen ist.
✨ Fazit – Entscheide dich bewusst
Viele Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft sorgen für eine bessere Versorgung von Mutter und Kind. Einige Untersuchungen, im speziellen die pränatalen Bluttests, können jedoch schwerwiegende Folgen haben. Lass dich daher immer gut und ausführlich beraten. Entscheide nicht sofort, ob du eine Untersuchung machen lassen willst, sondern gib dir Zeit.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Schwangerschaftsbluttest?
Wenn du einen Bluttest auf Chromosomen-Abweichungen machen willst, musst du den in der Regel selbst bezahlen. Übliche Preise liegen zwischen 130 und 540 Euro. Die Beratung und Blutentnahme müssen oft noch zusätzlich bezahlt werden.
Was wird mit einem Bluttest in der Schwangerschaft untersucht?
Mit einem Bluttest können in der Schwangerschaft verschiedene Dinge untersucht werden. Am Anfang wird meist die Blutgruppe getestet und die Resistenzen auf bestimmte Krankheiten untersucht. Im Laufe der Schwangerschaft können weitere Tests hinzukommen.
Wann wird ein Bluttest in der Schwangerschaft durchgeführt?
Wann eine Blutentnahme für einen Test erfolgen muss, hängt davon ab, was untersucht wird. Die erste große Blutentnahme findet zu Beginn der Schwangerschaft statt. Pränatale Bluttests auf Chromosomenanomalien sind ab der 10. Schwangerschaftswoche möglich.
Ist ein pränataler Bluttest sinnvoll?
Das hängt von deiner persönlichen Situation ab. Sinnvoll kann er sein, wenn du zur Risikogruppe gehörst (über 35 Jahre), ein auffälliges Ersttrimesterscreening hattest oder Chromosomen-Abweichungen in der Familie vorkamen. Wichtig ist, dass du dir vorher überlegst, was du mit dem Ergebnis anfangen möchtest.
Wie zuverlässig sind pränatale Bluttests?
Die Erkennungsrate für Trisomie 21 liegt bei den meisten Tests bei 99 Prozent. Bei anderen Syndromen ist die Zuverlässigkeit meist etwas niedriger. Wichtig zu wissen: Ein positives Ergebnis muss immer durch eine Folgeuntersuchung (Fruchtwasser- oder Plazentapunktion) bestätigt werden, da auch falsch positive Ergebnisse möglich sind.
Ab wann kann man eine Schwangerschaft per Bluttest feststellen?
Bereits sechs bis neun Tage nach der Befruchtung kann über den HCG-Wert im Blut eine Schwangerschaft sicher festgestellt werden. Das ist sogar schon vor dem Ausbleiben der Periode und damit früher als mit einem Urinstreifentest möglich.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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