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Impfungen beim Baby: Impfkalender, Ablauf & Nebenwirkungen

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 04.07.2026 Lesezeit 23 Min.
Impfungen beim Baby: Impfkalender, Ablauf & Nebenwirkungen

Auf einen Blick

  • Die STIKO empfiehlt Impfungen ab der 6. Lebenswoche gegen 13 Krankheiten – Grundimmunisierung ist bis zum 2. Geburtstag abgeschlossen
  • Sechsfach-Impfung schützt mit nur einem Piks vor Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio, Hib und Hepatitis B
  • Leichte Nebenwirkungen wie Rötung, Fieber oder Quengeligkeit sind normal und zeigen, dass das Immunsystem arbeitet
  • Impfungen schützen nicht nur dein Baby, sondern auch gefährdete Menschen in eurem Umfeld (Herdenimmunität)

Die erste Impfung deines Babys steht bevor und du hast tausend Fragen? Das ist völlig normal! Als Mama möchtest du nur das Beste für dein Kind – und gleichzeitig prasseln so viele Informationen auf dich ein. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über den Impfkalender, den Ablauf der Impfungen und was dich und dein Baby erwartet.

💉 Warum sind Impfungen beim Baby so wichtig?

Impfungen gehören zu den wirksamsten Vorsorgemaßnahmen in der Medizin. Sie schützen dein Baby vor schweren, teilweise lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten, noch bevor es mit den Erregern in Kontakt kommt. Das Immunsystem deines Babys ist in den ersten Lebensmonaten noch nicht vollständig ausgereift – der sogenannte Nestschutz durch deine Antikörper lässt bereits nach wenigen Wochen nach.

Gerade Säuglinge sind besonders gefährdet, weil viele Krankheiten bei ihnen deutlich schwerer verlaufen als bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Keuchhusten beispielsweise kann bei Babys unter sechs Monaten zu lebensbedrohlichen Atemaussetzern führen. Auch Meningokokken-Infektionen verlaufen bei Säuglingen häufig dramatisch.

Darüber hinaus schützt du durch das Impfen deines Kindes auch andere Menschen: Babys, die zu jung für bestimmte Impfungen sind, immungeschwächte Kinder oder ältere Menschen profitieren davon, wenn möglichst viele geimpft sind. Diesen Gemeinschaftsschutz nennt man Herdenimmunität.

Gut zu wissen: Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut überprüft kontinuierlich die wissenschaftliche Datenlage und passt die Impfempfehlungen entsprechend an. Diese Empfehlungen basieren auf jahrzehntelanger Forschung und Millionen von Impfungen weltweit.

📅 Der Impfkalender für Babys: Welche Impfung wann?

Der offizielle Impfkalender der STIKO gibt vor, zu welchem Zeitpunkt welche Impfungen empfohlen werden. Die Termine sind so gewählt, dass dein Baby möglichst früh geschützt ist, aber das Immunsystem die Impfung auch gut verarbeiten kann.

Impfungen ab der 6. Lebenswoche

Die erste Impfung kann bereits ab der vollendeten 6. Lebenswoche erfolgen. Dabei handelt es sich um die Rotavirus-Schluckimpfung, die oral verabreicht wird. Je nach verwendetem Impfstoff sind zwei oder drei Dosen notwendig. Diese Impfung muss bis spätestens zur 24. bzw. 32. Lebenswoche abgeschlossen sein.

Impfungen ab dem 2. Lebensmonat

Mit etwa acht Wochen (ab vollendetem 2. Lebensmonat) beginnt die Grundimmunisierung mit der Sechsfach-Impfung. Diese schützt gleichzeitig vor:

  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Diphtherie
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Hepatitis B

Zeitgleich erfolgt die erste Impfung gegen Pneumokokken – Bakterien, die schwere Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen auslösen können.

Impfungen ab dem 3. und 4. Lebensmonat

Die zweite Dosis der Sechsfach-Impfung und der Pneumokokken-Impfung wird im Abstand von vier Wochen gegeben, also mit etwa drei Monaten. Die dritte Dosis folgt mit vier Monaten.

Impfungen ab dem 11. bis 14. Lebensmonat

Zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat steht einiges an:

  • Die vierte (letzte) Dosis der Sechsfach-Impfung
  • Die dritte Dosis der Pneumokokken-Impfung
  • Die erste MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln)
  • Die erste Impfung gegen Varizellen (Windpocken)
  • Die erste Impfung gegen Meningokokken C (seit 2024 empfiehlt die STIKO die Meningokokken-B-Impfung ebenfalls als Standardimpfung)

Impfungen ab dem 15. bis 23. Lebensmonat

Die zweite MMR- und Varizellen-Impfung erfolgt frühestens vier Wochen nach der ersten Dosis, idealerweise noch vor dem zweiten Geburtstag. Viele Kinderärzte kombinieren beide Impfungen als MMRV-Kombinationsimpfstoff.

Alter Impfungen Anzahl Impftermine
6 Wochen Rotaviren (Schluckimpfung) 1. Dosis
2 Monate 6-fach-Impfung + Pneumokokken (+ Rotaviren) 1. Dosis
3 Monate 6-fach-Impfung + Pneumokokken (+ Rotaviren) 2. Dosis
4 Monate 6-fach-Impfung + Pneumokokken 3. Dosis
11-14 Monate 6-fach-Impfung + Pneumokokken + MMR + Varizellen + Meningokokken 4. Dosis bzw. 1. Dosis
15-23 Monate MMR + Varizellen (MMRV) 2. Dosis
Nadine Scheiner

💗 Nadines Empfehlung

Nadine Scheiner

Ich weiß, wie überwältigend der Impfkalender auf den ersten Blick wirkt. Mein Tipp: Lass dir von deiner Kinderärztin eine übersichtliche Liste mit allen Terminen geben und trage sie direkt in deinen Kalender ein. Bei beiden meinen Kindern habe ich die Impftermine immer vormittags gelegt – so hatte ich den Rest des Tages Zeit, sie zu kuscheln und zu beobachten. Pack für danach nichts Stressiges ein, plant einen ruhigen Tag zuhause.

🔬 Wie funktionieren Impfungen?

Eine Impfung trainiert das Immunsystem deines Babys, ohne dass es tatsächlich erkranken muss. Dabei werden abgeschwächte oder abgetötete Erreger bzw. Teile davon (Antigene) in den Körper gebracht. Das Immunsystem erkennt diese als fremd und bildet Abwehrstoffe (Antikörper) dagegen.

Gleichzeitig entstehen Gedächtniszellen, die sich die Struktur des Erregers merken. Kommt dein Kind später mit dem echten Erreger in Kontakt, kann das Immunsystem blitzschnell reagieren und die Krankheit abwehren, bevor sie ausbricht oder zumindest den Verlauf stark abmildern.

Totimpfstoffe vs. Lebendimpfstoffe

Bei Babys kommen hauptsächlich zwei Arten von Impfstoffen zum Einsatz:

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur Bestandteile davon. Dazu gehören die Sechsfach-Impfung, Pneumokokken und Meningokokken. Sie können keine Erkrankung auslösen und sind sehr sicher. Allerdings benötigt man meist mehrere Dosen, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen.

Lebendimpfstoffe enthalten stark abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger. Dazu zählen MMR, Varizellen und Rotaviren. Sie lösen eine "Mini-Infektion" aus, die das Immunsystem optimal trainiert. Meist reichen weniger Dosen als bei Totimpfstoffen. In sehr seltenen Fällen können abgeschwächte Symptome der Krankheit auftreten (z.B. leichter Ausschlag nach Windpocken-Impfung).

💉

4 Fakten über Baby-Impfungen

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🛡️
13 Krankheiten Die Grundimmunisierung schützt bis zum 2. Geburtstag vor 13 schweren Infektionskrankheiten
📍
Meist Oberschenkel Bei Babys wird in den Oberschenkelmuskel geimpft – das ist weniger schmerzhaft als im Arm
95%
Impfquote nötig Für Herdenimmunität bei Masern müssen mindestens 95% geimpft sein
⏱️
Nur Sekunden Der eigentliche Piks dauert nur 1-2 Sekunden – Trösten und Kuscheln helfen sofort

🏥 Wie läuft ein Impftermin ab?

Wenn du zum ersten Mal mit deinem Baby zur Impfung gehst, ist es völlig normal, nervös zu sein. Hier erfährst du, was dich erwartet, damit du dich besser vorbereiten kannst.

Vor der Impfung: Aufklärungsgespräch

Vor jeder Impfung führt die Kinderärztin oder der Kinderarzt ein Aufklärungsgespräch mit dir. Du erhältst Informationen über die Krankheiten, vor denen geimpft wird, über den Impfstoff selbst und mögliche Nebenwirkungen. Nutze diese Gelegenheit, um alle deine Fragen zu stellen – keine Frage ist zu unwichtig!

Die Ärztin prüft außerdem, ob dein Baby gesund genug für die Impfung ist. Ein leichter Schnupfen ist in der Regel kein Problem, bei Fieber über 38,5°C wird die Impfung meist verschoben.

Während der Impfung

Bei Säuglingen wird meist in den Oberschenkelmuskel (M. vastus lateralis) geimpft, da dieser gut ausgeprägt ist. Ab dem zweiten Lebensjahr kann auch in den Oberarm geimpft werden. Wenn mehrere Impfungen anstehen, werden sie an verschiedenen Stellen gesetzt oder als Kombinationsimpfstoff gegeben.

Der eigentliche Piks dauert nur 1-2 Sekunden. Viele Babys weinen kurz, lassen sich aber schnell beruhigen. Du darfst dein Baby während der Impfung auf dem Arm halten oder stillen – das gibt Sicherheit und Trost.

Nach der Impfung

Nach der Impfung solltet ihr noch etwa 20-30 Minuten in der Praxis bleiben, damit das medizinische Personal bei sehr seltenen allergischen Sofortreaktionen eingreifen kann. Die Impfung wird im gelben Impfpass dokumentiert – bewahre diesen gut auf, er ist ein wichtiges Dokument!

Für den Rest des Tages gilt: Ruhe und Kuscheln. Dein Baby braucht jetzt keine zusätzlichen Reize. Plane keine weiteren Termine ein und gönne auch dir selbst eine Pause.

Praktischer Tipp: Ziehe dein Baby an Impftagen in bequeme Kleidung, bei der du leicht an die Oberschenkel kommst – Bodies mit Druckknöpfen im Schritt sind ideal. Pack auch ein Lieblingsspielzeug oder Schnuller ein, das tröstet nach dem Piks.

😟 Nebenwirkungen: Was ist normal, wann zum Arzt?

Die meisten Babys vertragen Impfungen sehr gut. Trotzdem können Nebenwirkungen auftreten – das ist sogar ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass das Immunsystem arbeitet. Wichtig ist, zwischen normalen Impfreaktionen und ernsten Komplikationen zu unterscheiden.

Häufige, harmlose Impfreaktionen

Lokale Reaktionen an der Einstichstelle treten bei etwa jedem dritten bis fünften Baby auf:

  • Rötung, Schwellung oder Verhärtung (bis zu 5 cm Durchmesser)
  • Schmerzen bei Berührung – dein Baby mag vielleicht nicht auf der geimpften Seite liegen
  • Diese Reaktionen klingen meist innerhalb von 1-3 Tagen ab

Allgemeine Reaktionen können ebenfalls auftreten:

  • Erhöhte Temperatur oder Fieber (bis 39°C) in den ersten 1-3 Tagen nach der Impfung
  • Unruhe, Quengeligkeit, vermehrtes Weinen
  • Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Appetitlosigkeit
  • Bei Lebendimpfstoffen (MMR, Varizellen) können 7-14 Tage nach der Impfung sogenannte "Impfmasern" oder ein leichter Ausschlag auftreten

Was hilft bei Impfreaktionen?

Bei leichtem Fieber und Unruhe kannst du folgendes tun:

  • Viel Körperkontakt, Kuscheln, Tragen
  • Häufiges Stillen oder Fläschchen anbieten (Flüssigkeit ist wichtig)
  • Leichte Kleidung bei Fieber, Wadenwickel erst ab 39°C
  • Kühle (nicht kalte!) Kompressen auf die Einstichstelle
  • Bei Fieber über 38,5°C oder starkem Unwohlsein: Fieberzäpfchen nach Rücksprache mit der Kinderärztin

Wann sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme: Sehr hohes Fieber über 39,5°C, schrilles Schreien über Stunden, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Atemnot, allergische Reaktionen (Schwellung im Gesicht, Nesselsucht am ganzen Körper) oder wenn dein Baby apathisch wirkt und nicht mehr trinkt. Bei solchen Symptomen zögere nicht, den Notarzt (112) zu rufen!

Sehr seltene Komplikationen

Schwere Nebenwirkungen oder Komplikationen sind extrem selten. Das Risiko schwerer Komplikationen durch die Krankheiten selbst ist um ein Vielfaches höher als durch die Impfung. Allergische Reaktionen treten bei etwa 1 von 1 Million Impfungen auf – deshalb ist die Nachbeobachtungszeit in der Praxis so wichtig.

Symptom Einschätzung Handlung
Rötung/Schwellung an Einstichstelle (bis 5 cm) Normal Kühlen, beobachten
Fieber bis 39°C, Quengeligkeit 1-3 Tage Normal Kuscheln, ggf. Fieberzäpfchen
Fieber über 39,5°C Abklären Kinderarzt kontaktieren
Schrilles Schreien über Stunden Abklären Kinderarzt/Notaufnahme
Krampfanfall, Atemnot, Apathie Notfall Sofort Notarzt 112
Schwellung Gesicht, Nesselsucht ganzer Körper Notfall Sofort Notarzt 112

🤔 Häufige Bedenken und Mythen rund ums Impfen

Rund um das Thema Impfen kursieren viele Unsicherheiten und Fehlinformationen. Schauen wir uns die häufigsten Bedenken an:

"Sind so viele Impfungen auf einmal nicht zu viel für das Baby?"

Das Immunsystem deines Babys ist von Geburt an darauf ausgelegt, sich mit tausenden Antigenen gleichzeitig auseinanderzusetzen. Jeden Tag kommt es über Haut, Atemwege und Verdauung mit unzähligen Keimen in Kontakt. Die Antigene in allen Impfungen zusammen sind nur ein Bruchteil dessen, was das Immunsystem täglich leistet.

Kombinationsimpfstoffe wie die Sechsfach-Impfung bedeuten weniger Piks für dein Baby und sind genauso wirksam und sicher wie Einzelimpfungen. Sie belasten das Immunsystem nicht mehr als Einzelimpfungen.

"Sollte man nicht lieber die natürliche Immunität durch Durchmachen der Krankheit erreichen?"

Diese Überlegung klingt zunächst nachvollziehbar, ist aber gefährlich. Die "natürliche" Immunität erkauft man sich mit dem vollen Krankheitsrisiko: Masern können zu Gehirnentzündung führen, Keuchhusten zu Atemstillstand, Meningokokken zu Blutvergiftung mit Organversagen. Warum sollte man sein Kind diesem Risiko aussetzen, wenn es einen sicheren Weg gibt?

Zudem ist die Impfimmunität bei vielen Krankheiten der natürlichen Immunität ebenbürtig oder sogar überlegen – ohne die Gefahr schwerer Komplikationen.

"Enthalten Impfstoffe nicht gefährliche Zusatzstoffe?"

Impfstoffe enthalten neben den Antigenen auch Hilfsstoffe, die die Wirksamkeit erhöhen oder die Haltbarkeit sichern. Alle Inhaltsstoffe sind in winzigen Mengen enthalten und wurden ausführlich auf Sicherheit geprüft. Aluminium etwa, das in manchen Impfstoffen als Wirkverstärker dient, nehmen Babys in viel größeren Mengen über Muttermilch oder Nahrung auf.

Die früher verwendeten quecksilberhaltigen Konservierungsstoffe (Thiomersal) sind in den heute für Babys verwendeten Impfstoffen nicht mehr enthalten.

"Steigt durch Impfungen das Risiko für Allergien oder Autoimmunerkrankungen?"

Große Studien mit hunderttausenden Kindern haben keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien, Asthma, Diabetes Typ 1 oder Autismus gefunden. Im Gegenteil: Manche Studien deuten darauf hin, dass geimpfte Kinder sogar seltener Allergien entwickeln.

Der vermeintliche Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus geht auf eine gefälschte Studie aus dem Jahr 1998 zurück, die längst widerlegt und zurückgezogen wurde. Der Autor verlor seine Zulassung als Arzt.

Als Mama verstehe ich jede Sorge und jede Frage zum Thema Impfen. Auch ich habe vor der ersten Impfung meiner Tochter viel recherchiert und mit unserer Kinderärztin gesprochen. Was mir geholfen hat: Ich habe mir vor Augen geführt, dass Millionen Kinder weltweit geimpft werden und die Datenlage eindeutig ist. Die Entscheidung zu impfen war für mich eine Entscheidung aus Liebe – ich möchte meine Kinder vor vermeidbarem Leid schützen.

Nadine Scheiner Redakteurin & Mama

💰 Kosten und Kostenübernahme

Alle von der STIKO empfohlenen Impfungen für Babys und Kinder werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Du musst dafür nichts zuzahlen – weder für den Impfstoff noch für die ärztliche Leistung.

Auch private Krankenkassen übernehmen in der Regel alle STIKO-Impfungen. Bei zusätzlichen Impfungen, die über die STIKO-Empfehlungen hinausgehen (z.B. Meningokokken B war bis 2024 keine Standard-Impfempfehlung), lohnt sich eine Nachfrage bei deiner Kasse – viele übernehmen auch diese Kosten als freiwillige Leistung.

📱 Impfpass und Dokumentation

Der gelbe Impfpass ist ein wichtiges Dokument, das du ein Leben lang aufbewahren solltest. Hier werden alle Impfungen mit Datum, Impfstoff und Chargennummer eingetragen. Bewahre ihn sicher auf – am besten fotografierst du ihn zusätzlich ab oder speicherst ihn digital.

Sollte der Impfpass verloren gehen, kann deine Kinderärztin einen neuen ausstellen und alle dokumentierten Impfungen nachtragen. Fehlende Impfungen können durch eine Blutuntersuchung (Titerbestimmung) teilweise nachgewiesen werden.

Seit 2022 gibt es auch die Möglichkeit, Impfungen digital zu dokumentieren – etwa in der Corona-Warn-App oder anderen digitalen Gesundheitsanwendungen. Der gelbe Impfpass bleibt aber weiterhin das offizielle Dokument.

🌍 Besondere Situationen: Frühchen, Allergien, Reisen

Impfungen bei Frühgeborenen

Frühgeborene sollten nach dem gleichen Impfkalender geimpft werden wie reifgeborene Babys – allerdings nach dem tatsächlichen Lebensalter, nicht nach dem errechneten Geburtstermin. Frühchen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen und profitieren besonders vom Impfschutz.

Bei sehr kleinen Frühgeborenen (unter 1500 g Geburtsgewicht) kann es nach der ersten Impfung zu Atempausen kommen. Deshalb wird die erste Impfung oft noch in der Klinik unter Überwachung durchgeführt.

Impfungen bei Allergien

Eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Pollen ist kein Grund, auf Impfungen zu verzichten. Nur bei bekannter schwerer Allergie gegen einen Impfstoffbestandteil (z.B. Hühnereiweiß in manchen Grippeimpfstoffen) muss individuell entschieden werden. Sprich mit deiner Kinderärztin über alle bekannten Allergien.

Neurodermitis oder andere atopische Erkrankungen sind ausdrücklich kein Grund, Impfungen zu verschieben oder wegzulassen.

Reiseimpfungen

Wenn ihr mit eurem Baby verreisen möchtet, können je nach Reiseziel zusätzliche Impfungen sinnvoll sein. Für manche Länder sind bestimmte Impfungen (z.B. Gelbfieber) sogar Pflicht. Plant eine Reiseberatung mindestens 6-8 Wochen vor Abreise ein, damit alle notwendigen Impfungen rechtzeitig aufgebaut werden können.

Auch innerhalb Europas kann es Unterschiede geben: In manchen Regionen ist FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) verbreitet – hier kann eine zusätzliche Impfung ab dem 1. Geburtstag sinnvoll sein.

🔄 Nachholimpfungen und versäumte Termine

Das Leben mit Baby ist turbulent – manchmal werden Impftermine verpasst oder verschoben. Kein Grund zur Panik! Eine begonnene Grundimmunisierung muss nicht neu gestartet werden, auch wenn längere Zeit vergangen ist. Jede Impfung zählt.

Sprich mit deiner Kinderärztin, um einen individuellen Nachholplan zu erstellen. Wichtig ist, dass die Mindestabstände zwischen den einzelnen Impfdosen eingehalten werden, damit der Impfschutz optimal aufgebaut wird.

Auch wenn dein Kind bisher gar nicht geimpft wurde, ist es nie zu spät anzufangen. Es gibt spezielle Nachholschemata für jedes Alter.

Erinnerungshilfe: Viele Kinderarztpraxen bieten Erinnerungsservices an – per SMS, E-Mail oder Anruf. Nutze diese Angebote! Auch Apps wie "Mein Kinder- und Jugendarzt" der BVKJ können dich an anstehende Impftermine erinnern.

👨‍⚕️ Wie finde ich eine gute Kinderarztpraxis?

Die Kinderarztpraxis ist in den ersten Lebensjahren eine wichtige Anlaufstelle. Für Impfungen ist es besonders wichtig, dass du dich gut aufgehoben fühlst und Vertrauen hast. Achte auf folgende Punkte:

  • Nimmt sich die Ärztin Zeit für deine Fragen?
  • Werden Nutzen und Risiken verständlich erklärt?
  • Fühlst du dich mit deinen Sorgen ernst genommen?
  • Ist die Praxis gut erreichbar und sind die Sprechzeiten familienfreundlich?
  • Gibt es getrennte Wartebereiche für kranke und gesunde Kinder?

Wenn du dich in einer Praxis nicht wohlfühlst oder das Gefühl hast, nicht ausreichend informiert zu werden, ist ein Wechsel völlig in Ordnung. Die Chemie muss stimmen – schließlich werdet ihr die nächsten Jahre eng zusammenarbeiten.

❓ Häufige Fragen zu Babyimpfungen

Kann ich mein Baby impfen lassen, wenn es einen leichten Schnupfen hat?

Ja, ein leichter Infekt ohne Fieber ist kein Grund, die Impfung zu verschieben. Erst bei Fieber über 38,5°C oder einem schweren Infekt sollte die Impfung auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden. Sprich am besten kurz mit deiner Kinderärztin – sie wird den Gesundheitszustand deines Babys vor der Impfung prüfen.

Darf ich mein Baby nach der Impfung baden?

Ja, Baden ist nach der Impfung erlaubt. Die Einstichstelle sollte allerdings nicht stark gerieben werden. Viele Babys finden ein warmes Bad nach der Impfung sogar beruhigend. Achte nur darauf, dass das Wasser nicht zu heiß ist, besonders wenn dein Baby erhöhte Temperatur hat.

Wie lange sollte ich nach der Impfung mit Sport oder Schwimmen warten?

Bei Babys stellt sich diese Frage meist nicht in dieser Form. Generell gilt: Am Impftag und am Tag danach sollte dein Baby es ruhig angehen. Babyschwimmen oder intensive Krabbelgruppen würde ich für 2-3 Tage pausieren. Normales Spielen, Krabbeln und Bewegen ist aber völlig in Ordnung und wird nicht eingeschränkt.

Können Impfungen den plötzlichen Kindstod (SIDS) auslösen?

Nein. Große Studien haben keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und dem plötzlichen Kindstod gefunden. Im Gegenteil: Geimpfte Kinder haben statistisch ein etwas niedrigeres SIDS-Risiko als ungeimpfte. Das liegt vermutlich daran, dass geimpfte Kinder häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und Eltern besser über Risikofaktoren aufgeklärt sind.

Was passiert, wenn ich eine Impfung ablehne?

In Deutschland besteht keine allgemeine Impfpflicht (mit Ausnahme der Masern-Impfpflicht für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen ab dem vollendeten 1. Lebensjahr). Du kannst Impfungen grundsätzlich ablehnen. Allerdings kann dein Kind ohne Masernschutz nicht in Kita oder Kindergarten aufgenommen werden, und bei Ausbrüchen bestimmter Krankheiten können ungeimpfte Kinder vom Besuch der Einrichtung ausgeschlossen werden. Bedenke auch, dass du dein Kind damit einem vermeidbaren Risiko aussetzt.

Sind Kombinationsimpfstoffe genauso sicher wie Einzelimpfstoffe?

Ja, Kombinationsimpfstoffe sind genauso sicher und wirksam wie die Einzelimpfstoffe. Sie haben den großen Vorteil, dass dein Baby weniger Piks bekommt und weniger Termine nötig sind. Die Impfstoffe werden in Kombination genauso gründlich geprüft wie einzeln. Das Immunsystem wird durch einen Kombinationsimpfstoff nicht stärker belastet als durch mehrere Einzelimpfungen.

🎯 Zusammenfassung: Das Wichtigste auf einen Blick

Impfungen gehören zu den wichtigsten Gesundheitsvorsorge-Maßnahmen für dein Baby. Sie schützen vor schweren, teilweise lebensbedrohlichen Krankheiten und sind sehr sicher. Die Grundimmunisierung beginnt ab der 6. Lebenswoche und ist bis zum 2. Geburtstag weitgehend abgeschlossen.

Leichte Nebenwirkungen wie Rötung an der Einstichstelle, erhöhte Temperatur oder Quengeligkeit sind normal und zeigen, dass das Immunsystem arbeitet. Schwere Komplikationen sind extrem selten – das Risiko durch die Krankheiten selbst ist um ein Vielfaches höher.

Alle STIKO-empfohlenen Impfungen werden von den Krankenkassen übernommen. Der Impfpass dokumentiert alle Impfungen und sollte sorgfältig aufbewahrt werden.

Wenn du Fragen oder Bedenken hast, sprich offen mit deiner Kinderärztin. Es gibt keine dummen Fragen – nur gut informierte Entscheidungen. Und am Ende geht es um das, was uns allen am wichtigsten ist: die Gesundheit unserer Kinder.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Babys oder zu Impfungen wende dich bitte immer an deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt. Nur sie können dein Kind untersuchen und eine auf eure Situation abgestimmte Empfehlung geben.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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