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Väter: Sollen Sie bei der Geburt dabei sein?

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 30.05.2026 Lesezeit 9 Min.
Väter: Sollen Sie bei der Geburt dabei sein?

Auf einen Blick

  • 94 Prozent der Väter empfanden ihre Anwesenheit bei der Geburt als sehr hilfreich
  • Die häufigste Angst von Vätern ist das Gefühl der Hilflosigkeit (26 Prozent)
  • Gemeinsame Geburtsvorbereitung hilft beiden Elternteilen, Ängste abzubauen

Die Geburt des eigenen Kindes – für viele Väter der schönste Moment ihres Lebens, für andere eine Situation voller Unsicherheit. Soll ich dabei sein? Was, wenn ich ohnmächtig werde? Kann ich meiner Partnerin überhaupt helfen? Diese Fragen stellen sich viele werdende Papas. Die gute Nachricht: Die meisten Ängste sind unbegründet, und eure Anwesenheit bedeutet mehr, als du vielleicht denkst.

💭 Was Väter im Kreißsaal wirklich tun können

Lass uns ehrlich sein: Du kannst die Wehen nicht verkürzen, die Schmerzen nicht wegnehmen und den Ärzten auch keine Anweisungen geben. Aber darum geht es auch gar nicht. Im Kreißsaal geht es vor allem um eines: dass du da bist.

Am schwersten ist es für viele Väter, die Frau weinen und schreien zu sehen und danebenzustehen, ohne ihr den Schmerz nehmen zu können. Auch hier ist das reine Anwesend sein das Einzige, was du tun kannst. Allerdings ist es oft genau das, was deiner Partnerin zu dieser Zeit so gut hilft und was auch eure Beziehung stärkt.

Gut zu wissen: Viele Frauen fühlen sich in Anwesenheit ihres Partners nicht so allein, sondern sicherer. Sie fühlen sich geborgen, unterstützt und sicher zugleich – Gefühle, die während einer Geburt enorm wichtig sind.

🔍 Was eine Studie der Berliner Charité zeigt

Die Berliner Charité führte eine besonders spannende Umfrage durch, welche sich mit den unterschiedlichen Bedenken und Ängsten der Väter während und vor der Geburt des Kindes auseinandersetzte. Hier wurden 86 Männer gefragt und die Ergebnisse sind sehr deutlich und spannend zugleich.

Die häufigsten Ängste der befragten Väter waren:

  • 26 Prozent haben am meisten Angst vor der Hilflosigkeit
  • 15 Prozent haben Angst zu stören
  • 10 Prozent hatten Angst vor einer Ohnmacht

Allerdings zeigten die Untersuchungen auch, dass die Bedenken in der Regel ganz unbegründet waren, denn so fiel zum Beispiel nur ein Mann in Ohnmacht, wobei einem werdenden Vater schlecht wurde und nur ganze drei den Kreißsaal verließen.

94 Prozent der befragten Männer waren im Anschluss der festen Überzeugung, dass die eigene Anwesenheit bei der Geburt sehr hilfreich war.

Tipp: Die schönsten Momente überwiegen: Das erste Schreien vom Baby und der darauffolgende Blick in die Augen der Mutter – diese Augenblicke wirst du nie wieder vergessen.

🌸 Warum die Geburtsvorbereitung so wichtig ist

Väter, die ihre Partnerin in den Kreißsaal begleiten wollen, sollten auf jeden Fall auch den Geburtsvorbereitungskurs mit besuchen. Während die Frau seelisch und körperlich auf die bevorstehende Geburt vorbereitet wird, steht bei den Männern vor allem die Psyche im Fokus. Denn je detaillierter du weißt, was im Kreißsaal abläuft, desto besser werdet ihr als Eltern auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Dazu zählt ebenso der Umgang mit eventuell auftauchenden Ängsten, welche übrigens nicht selten sind. Gemeinsam mit der Hebamme könnt ihr alle Fragen ansprechen und diese bereits im Vorfeld klären. Du kannst Bedenken äußern und somit auch Ängste schwächen. Keine Angst, viele Väter haben hier die gleichen Ängste und Bedenken. Auch für die Schwangere ist es wichtig, dass werdende Väter ehrlich sind.

Ich habe bei beiden Geburten erlebt, wie wichtig es ist, dass Paare vorher offen über ihre Erwartungen und Ängste sprechen. Das schafft Vertrauen und nimmt beiden den Druck.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

💪 So kannst du deine Partnerin unterstützen

Wer sich dazu entschieden hat, seine Partnerin in den Kreißsaal zu begleiten, hat unterschiedliche Möglichkeiten, die werdende Mutter während der Geburt und den Wehen zu unterstützen.

Natürlich wissen Mütter auch, dass die „Arbeit" der Geburt von ihnen kommt und dass du ihr die Schmerzen nicht nehmen kannst. Aus diesem Grund ist die Erwartungshaltung der Mütter an den Vater oft wesentlich geringer als Männer zu Anfang meinen. Oft sind sie einfach froh, während der schweren Zeit nicht allein zu sein.

Du kannst deine Partnerin vor allem unterstützen, indem du für sie da bist und Ruhe bewahrst. Du kannst dabei helfen, dass sie eine möglichst bequeme Position einnehmen kann und ihr bei den Wehen und den Schmerzen die Hand halten. Zusätzlich kannst du unterschiedliche Massagen durchführen, welche die Schmerzen lindern und den Körper entkrampfen können. Hier wirst du selbstverständlich auch von einer Hebamme an die Hand genommen.

Was einer Frau unter der Geburt hilft, ist dabei jedoch sehr individuell. Auch hier helfen Gespräche, die ihr im Vorfeld führen könnt, wobei sowohl die werdende Mama als auch du Wünsche und Vorschläge äußern könnt.

Konkrete Unterstützungsmöglichkeiten:

  • Hand halten
  • Mut zusprechen
  • Massieren
  • Schweiß wegwischen
  • Atemübungen vormachen
  • Sie halten
  • Ihr eine bequeme Position ermöglichen

Achtung: Macht euch bewusst, dass der Geburtsvorgang nicht nur schöne Seiten hat und auch unangenehme Empfindungen bereithält. Auch die Tatsache, dass du deine Partnerin leiden siehst, ist oft nicht besonders einfach.

👶 Die ersten Momente nach der Geburt

Bereits mit dem ersten Schrei von eurem Baby wird all die Angst und Anspannung von euch abfallen. Es ist ein Moment im Leben der neugebackenen Eltern, den ihr nie wieder vergessen werdet. Väter, die als Begleitperson bei der Geburt dabei sind, können von Anfang an eine Bindung zum Baby aufbauen und beide Elternteile können ihrem Kind Geborgenheit geben. Jetzt könnt ihr alle gemeinsam kuscheln, euch kennenlernen, riechen und du darfst in den meisten Krankenhäusern die Nabelschnur durchtrennen.

🖤 Es ist eure ganz persönliche Entscheidung

Ganz gleich, ob du den Geburtsvorgang mit begleitest oder doch lieber wartest, es ist und bleibt immer eure ganz eigene und individuelle Entscheidung, für welche ihr euch niemals rechtfertigen oder schämen solltet. Die Entscheidung müsst ihr als werdende Eltern treffen. Wichtig ist es, sich gemeinsam zu besprechen und holt euch vielleicht Erfahrungen von anderen Eltern.

Macht euch bewusst, dass die Zeit, in der die Väter ihre neugeborenen Babys durch die Glasscheibe betrachteten, längst vorbei ist. Väter sollten sich bewusst machen, dass sie im Kreißsaal nicht stören. Dennoch ist der Moment, in dem Eltern das Baby endlich im Arm halten dürfen, ein Moment, den ihr nie wieder vergessen werdet.

Wie ihr euch aber schlussendlich entscheidet, liegt ganz allein bei euch!

Tipp: Am wichtigsten ist es, gemeinsam darüber zu reden. Erzählt euch, wie ihr euch fühlt und sprecht eventuelle Ängste immer offen an. Eine entsprechende Vorbereitung für beide ist daher auf jeden Fall ein sehr guter Anfang.

Häufig gestellte Fragen

Muss mein Partner bei der Geburt dabei sein?

Nein, es gibt keine Pflicht. Es ist eure ganz persönliche Entscheidung als Paar. Wichtig ist, dass ihr offen darüber sprecht und eine Lösung findet, mit der sich beide wohlfühlen.

Was passiert, wenn ich als Vater ohnmächtig werde?

Die Angst vor einer Ohnmacht ist sehr verbreitet, aber in der Praxis sehr selten. In der Berliner Charité-Studie fiel nur ein Mann von 86 befragten Vätern in Ohnmacht. Das medizinische Personal ist auf solche Situationen vorbereitet und kümmert sich um dich.

Wie kann ich meine Partnerin am besten unterstützen?

Vor allem durch deine Anwesenheit. Halte ihre Hand, sprich ihr Mut zu, mache Atemübungen vor, massiere sie oder wische ihr den Schweiß von der Stirn. Was genau hilft, ist sehr individuell – sprecht am besten vorher darüber.

Sollte ich als Vater auch zum Geburtsvorbereitungskurs gehen?

Ja, unbedingt! Während die Frau körperlich und seelisch vorbereitet wird, steht bei Männern vor allem die psychische Vorbereitung im Fokus. Je mehr du über den Ablauf weißt, desto sicherer fühlst du dich im Kreißsaal.

Was sind die häufigsten Ängste von Vätern bei der Geburt?

Laut der Berliner Charité-Studie haben 26 Prozent am meisten Angst vor der Hilflosigkeit, 15 Prozent haben Angst zu stören und 10 Prozent fürchten eine Ohnmacht. Diese Ängste sind normal und können im Geburtsvorbereitungskurs besprochen werden.

Darf ich als Vater die Nabelschnur durchtrennen?

Ja, in den meisten Krankenhäusern darfst du als Vater die Nabelschnur durchtrennen, wenn du möchtest. Das ist ein besonderer symbolischer Moment, den viele Väter als sehr bewegend empfinden.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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