Die Plazenta – Funktion und Aufbau des Mutterkuchens
Auf einen Blick
- Die Plazenta versorgt Dein Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen und entsorgt Abfallstoffe
- Sie entwickelt sich ab den ersten Schwangerschaftswochen und wiegt am Ende bis zu 500 g
- Der Mutterkuchen produziert wichtige Schwangerschaftshormone und schützt Dein Baby vor vielen Schadstoffen
Die Plazenta ist ein wahres Wunderorgan – sie versorgt Dein Baby neun Monate lang mit allem, was es braucht, schützt es vor Schadstoffen und produziert lebenswichtige Hormone. Doch wie genau funktioniert der Mutterkuchen eigentlich? Und welche Komplikationen können auftreten? Hier erfährst Du alles Wichtige über dieses faszinierende Organ.
🌸 Was ist die Plazenta überhaupt?
Die Plazenta entwickelt sich bereits in Deinen ersten Schwangerschaftswochen. Sie besteht aus einem Teil der Keimblase, die aus Deiner befruchteten Eizelle hervorgeht. An der äußeren Seite dieses Zellhaufens entstehen kleine Auswüchse (auch Zotten genannt), die gerade einmal fingergroß sind. Diese dringen in das Gewebe Deiner Gebärmutter ein und verbinden sich letztendlich miteinander. Gemeinsam bilden diese beiden ein eigenes, scheibenförmiges Organ – Deinen Mutterkuchen. Der Mutterkuchen entwickelt sich daher aus den mütterlichen und embryonalen Zellen heraus und ist mit der Nabelschnur Deines ungeborenen Kindes verbunden.
Im Laufe Deiner Schwangerschaft entwickelt sich der Mutterkuchen weiter und wächst. Er kann eine Größe zwischen 15 und 20 cm erreichen und ist zwischen 2 und 4 cm dick. Dein Mutterkuchen hat am Ende der Geburt ein Gewicht von bis zu 500 g erreicht.
Gut zu wissen: Deine Plazenta produziert reichlich Hormone und Proteine. Gestagen und Östrogen sind beides Hormone, die unter den sogenannten Schwangerschaftshormonen bekannt sind. Diese können das Auftreten Deiner Periode (Regelblutung) stoppen.
Der Aufbau der Plazenta
Wie bereits erwähnt entwickelt sich Dein Mutterkuchen schon in den ersten Schwangerschaftswochen. Du darfst dabei nicht vergessen, dass der Aufbau der Plazenta kein unmittelbarer Prozess ist. Es handelt sich vielmehr um einen Prozess, der erst nach den ersten 20 Wochen Deiner Schwangerschaft abgeschlossen ist. Bereits mit der Einnistung Deines Embryos beginnt der Aufbau der Plazenta. Diese besteht aus einem kindlichen und einem mütterlichen Anteil. In dem kindlichen Anteil werden zottenreiche Eihäute gebildet. Die Zwischenräume sind mit mütterlichem Blut gefüllt. Dieses Blut stammt aus den Gefäßen Deiner Gebärmutterwand. In diesem Raum ragen außerdem viele kleine Zotten mit Ästen, auch unter dem Namen Zottenbäume bekannt. Die Zottenbäume wiederum werden mit dem mütterliche Blut umspült. Direkt an der Oberfläche sind verschiedene Transportmechanismen versehen, die für den Stoffaustausch verantwortlich sind.
Bis nach der Geburt bleibt der Mutterkuchen in Deinem Körper. Nachdem Dein Kind auf die Welt gekommen ist, beginnt Deine Gebärmutter damit sich anzuspannen. Ungefähr eine halbe Stunde nach der Geburt Deines Kindes wird auch der Mutterkuchen ausgewiesen. Diese Ausweisung ist unter dem Fachbegriff Nachgeburt bekannt.
Die Plazentaschranke – Dein körpereigener Filter
Eine wichtige Funktion des Mutterkuchens ist die Plazentaschranke. Hierbei handelt es sich um einen Gewebefilter, der den Blutkreislauf der Mutter von dem des Kindes trennt. Diese befinden sich in den Chorionzotten (dem Raum der Dezidua) und verändert sich während der Schwangerschaft im Aufbau. Die Plazentaschranke besteht aus mehreren Schichten.
💪 Die wichtigsten Aufgaben des Mutterkuchens
Die Plazenta übernimmt alle lebensnotwendigen Funktionen für Dein Baby. Das bedeutet auch die Sauerstoffversorgung, die Ernährung Deines Kindes, die Entgiftung und sogar die Zirkulation. Ebenso gehört die endokrine Sekretion dazu. Erst in Deiner zweiten Schwangerschaftshälfte übernimmt der Fötus nach und nach diese Funktionen. Der Mutterkuchen bildet außerdem wichtige Hormone, wie beispielsweise das Östrogen und das Progesteron. Beide Hormone sind für Deine Schwangerschaft von großer Bedeutung. In erster Linie dient die Plazenta jedoch der Versorgung des Fötus.
Die Plazenta ist wirklich ein Wunderorgan – sie übernimmt so viele lebenswichtige Funktionen gleichzeitig. Bei beiden meinen Schwangerschaften war ich fasziniert davon, wie perfekt dieser natürliche Prozess funktioniert.
Die einzelnen Funktionen im Detail
- Energieversorgung: Die Plazenta ist für die Energieversorgung mit Nährstoffen da. Das bedeutet, dass sie die komplette Ernährung Deines Babys steuert und dass Dein ungeborenes Kind mit ausreichend Nährstoffen versorgt wird. Daher muss Deine Plazenta große Mengen an unterschiedlichen Stoffen transportieren. Bei diesen Nährstoffen handelt es sich beispielsweise um Glukose, Aminosäuren, Proteine, Fette und Vitamine.
- Aufnahme von Antikörpern: Die Aufnahme von Antikörpern ist in Deiner Schwangerschaft sehr wichtig. Durch diese ist Dein Baby im ersten Lebensjahr gegen verschiedene Infektionskrankheiten geschützt. Dabei spricht man von einem sogenannten Nestschutz.
- Entgiftung: Die Plazenta übernimmt zudem das Ausscheiden verschiedener Stoffwechselprodukte. Dein Kind hat noch keine eigene Darm- und Lungenfunktion. Auch die Nierenfunktion ist nicht entwickelt. Diese Aufgaben übernimmt ebenfalls der Mutterkuchen. Zu diesen Stoffwechselprodukten gehören beispielsweise Harnstoff, Kohlenmonoxid, Milchsäure, Wasser und auch Harnsäure.
- Filterfunktion: Die Filterfunktion der Plazenta hängt von der Größe ab. Außerdem hält der Mutterkuchen sämtliche Schadstoffe und Krankheitserreger von Deinem Fötus ab. Daher wirkt er wie eine Art Filter. Auch weitere unerwünschte Stoffe, wie beispielsweise Nikotin, Alkohol und Medikamente können mit Hilfe der Plazenta nicht eindringen.
- Hormonproduktion: Eine weitere wichtige Aufgabe Deiner Plazenta ist die Hormonproduktion. Zu Beginn Deiner Schwangerschaft wird beispielsweise das Hormon Choriongonadotropin (kurz hCG) gebildet. Dieses Hormon hilft dabei, die Gelbkörper so lange bestehen zu lassen, bis sich das sogenannte Progesteron bildet. Die Progesteron Produktion wird in der Regel ab der 9. Schwangerschaftswoche übernommen. Durch diese Produktion wird verhindert, dass die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Doch auch weitere Hormone werden von der Plazenta gebildet. Neben den bereits genannten produziert der Mutterkuchen ausreichend Progesteron. Dieses kann mitunter das Wachstum Deiner Brustdrüse fördern.
Tipp: Die Hauptaufgaben der Plazenta lassen sich in drei Bereiche zusammenfassen: Hormonproduktion (HCG, Östrogen, Prolaktin, Progesteron), Nährstoffversorgung (Proteine, Wasser, Vitamine, Glukose, Triglyzeride) und Filterung von Schadstoffen (Viren, Bakterien, Parasiten).
📏 Wie wichtig ist die Größe der Plazenta?
Die Größe des Mutterkuchens hängt von verschiedenen Faktoren ab. Frauen, die in der Schwangerschaft rauchen und sich nicht besonders gut ernähren können, das Wachstum ihrer Plazenta stark beeinflussen. Auch bei anderen Schwangerschaftsbeschwerden ist das Wachstum der Plazenta gestört.
Bis heute ist noch nicht geklärt, welche Faktoren Einfluss auf das Wachstum der Plazenta haben und wie sich das auf das ungeborene Kind auswirkt. Fakt ist allerdings, dass eine zu kleine Plazenta die Sauerstoffversorgung Deines ungeborenen Babys stören kann. Mit Hilfe einer Ultraschall Untersuchung beim Gynäkologen lässt sich schnell feststellen, ob Deine Plazenta gut gewachsen ist oder nicht.
Gut zu wissen: Sollte der Arzt eine Unterversorgung bei Deinem Kind feststellen, wirst Du sofort an einen Wehen Schreiber, den sogenannten CTG angeschlossen. Dieses Gerät zeichnet die Herztöne Deines Kindes auf und zeigt an, ob eine Unterversorgung besteht oder Dein Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist.
⚠️ Mögliche Komplikationen mit der Plazenta
Während Deiner Schwangerschaft kann es unter anderem zu Komplikationen mit der Plazenta kommen. Folgende Erkrankungen können auftreten:
- Plazentarandblutungen
- Plazenta Praevia
- Vorzeitige Plazentaablösung
- Plazenta accreta
- Plazentainsuffizienz
Die einzelnen Komplikationen erklärt
- Plazentarandblutungen: Diese kommt dann zustande, wenn es zu kleinen Rissen an den Blutgefäßen Deines Mutterkuchens kommt. Meistens sind diese Blutungen völlig schmerzlos und hören nach einer bestimmten Zeit wieder auf. Sollte es jedoch zu bräunlichen Ausflüssen bei Dir kommen ist es wichtig sofort einen Arzt zu kontaktieren.
- Plazenta Praevia: Diese Erkrankung liegt dann vor, wenn Deine Plazenta Deinen Muttermund verdeckt und dementsprechend auch Deinen Geburtskanal versperrt. Frauen in der 20. Schwangerschaftswoche sind von dieser Erkrankung des Öfteren betroffen. In der Regel wird der Geburtskanal bereits wenige Wochen vor Deiner Entbindung wieder freigelegt. Sollte der Muttermund jedoch bedeckt bleiben ist es ebenfalls wichtig einen Arzt aufzusuchen. Viele Kinder kommen dann mit einem Kaiserschnitt zur Welt.
- Vorzeitige Plazentaablösung: Bei einer vorzeitigen Plazentaablösung kann es zu sehr starken Bauchkrämpfen und Blutungen kommen. In schweren Fällen dieser Komplikation sammelt sich sogar Blut zwischen Deiner Gebärmutterwand und der Plazenta selbst. Dies macht sich neben den Bauchkrämpfen zugleich mit einem deutlichen Schwächegefühl bemerkbar.
- Plazenta accreta: Bei dieser Erkrankung wächst Dein Mutterkuchen in den sehr tiefen Schichten der Gebärmutter heran. Diese Erkrankung tritt jedoch sehr selten auf. Solltest Du trotz alledem betroffen sein, ist eine Operation nötig.
- Plazentainsuffizienz: Bei einer Plazentainsuffizienz treten vor allem Störungen auf, welche die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung Deines Kindes stören. Oftmals tritt eine Insuffizienz bei Frauen auf, die unter Diabetes leiden oder rauchen.
Achtung: Für eine gute Schwangerschaft ist es wichtig, dass die Plazenta alle Funktionen einwandfrei übernimmt. Sollte es dennoch zu Komplikationen kommen ist es wichtig, dass Du Deinen Arzt kontaktierst.
🔍 Nicht alle Schadstoffe werden abgehalten
Deine Plazenta soll Dein ungeborenes Baby nicht nur versorgen, sondern auch Schadstoffe, wie beispielsweise Viren und Bakterien abhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Deine Plazenta alle Schadstoffe abhalten kann. Die Filterfunktion Deiner Plazenta kann nicht unterscheiden, was Deinem Baby schadet und was ihm eventuell gut tun kann. Die Plazenta kann lediglich zwischen den großen und kleinen Molekülen unterscheiden. Die kleinen Moleküle werden in der Regel durchgelassen. Die großen Moleküle wiederum abgehalten.
Stoffe, wie beispielsweise Alkohol und Nikotin gehören schlichtweg zu den Molekülen, die von der Plazenta durchgelassen werden. Nicht umsonst sollst Du während Deiner Schwangerschaft auf Alkohol und Nikotin verzichten. Beides ist für Dein Kind schädlich und kann gefährlich werden. Auf der anderen Seite ist die Plazenta auch dazu da, um Deinem Kind im ersten Jahr den sogenannten Nestschutz zu bieten und vor Infektionskrankheiten zu schützen.
Achtung: Alkohol und Nikotin gehören zu den kleinen Molekülen, die die Plazenta durchlässt. Verzichte deshalb unbedingt während der gesamten Schwangerschaft auf diese Substanzen – sie können Deinem Baby erheblich schaden.
Kann man die Nachgeburt essen?
Im Tierreich ist es nicht unüblich, dass die Nachgeburt aufgefressen wird. Dies ist auch unter dem Namen Plazentophagie bekannt. Auch in der heutigen Zeit scheint es immer beliebter zu werden, die Plazenta nach der Geburt zu essen. Forscher sagen, dass dies die übliche Wochenbettdepression verhindern kann. Außerdem soll es die Schmerzen und Blutungen nach der Geburt lindern und gleichzeitig die Regeneration der Gebärmutter fördern.
Bisher ist davon jedoch nichts weiter wissenschaftlich bewiesen. Betrachtet man sich jedoch die Barrierefunktionen der Plazenta, die Viren und Bakterien abhalten soll, ist eine Plazentophagie nach der Geburt eher fragwürdig.
Häufig gestellte Fragen
Wann entwickelt sich die Plazenta?
Die Plazenta entwickelt sich bereits in den ersten Schwangerschaftswochen. Der vollständige Aufbau ist jedoch erst nach etwa 20 Wochen abgeschlossen. Mit der Einnistung des Embryos beginnt bereits der Aufbauprozess.
Wie groß und schwer wird die Plazenta?
Die Plazenta erreicht eine Größe zwischen 15 und 20 cm und ist zwischen 2 und 4 cm dick. Am Ende der Schwangerschaft wiegt sie bis zu 500 g.
Was passiert mit der Plazenta nach der Geburt?
Etwa eine halbe Stunde nach der Geburt Deines Kindes wird die Plazenta als sogenannte Nachgeburt ausgestoßen. Deine Gebärmutter spannt sich dafür an und löst den Mutterkuchen.
Kann eine zu kleine Plazenta gefährlich sein?
Ja, eine zu kleine Plazenta kann die Sauerstoffversorgung Deines Babys beeinträchtigen. Mit Ultraschall-Untersuchungen kann Dein Gynäkologe das Wachstum kontrollieren. Bei einer Unterversorgung wird ein CTG zur Überwachung eingesetzt.
Welche Schadstoffe kann die Plazenta nicht abhalten?
Die Plazenta kann nicht zwischen guten und schlechten Stoffen unterscheiden, sondern nur nach Molekülgröße filtern. Kleine Moleküle wie Alkohol und Nikotin werden durchgelassen und können Deinem Baby schaden. Deshalb ist der Verzicht auf diese Substanzen so wichtig.
Was ist eine Plazenta Praevia?
Bei einer Plazenta Praevia verdeckt die Plazenta den Muttermund und versperrt den Geburtskanal. Diese Komplikation tritt häufiger um die 20. Schwangerschaftswoche auf. In den meisten Fällen gibt die Plazenta den Geburtskanal vor der Entbindung wieder frei. Bleibt der Muttermund bedeckt, ist oft ein Kaiserschnitt notwendig.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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