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Zahnpflege während der Schwangerschaft – Was ihr beachten solltet

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 19.03.2026 Lesezeit 10 Min.
Zahnpflege während der Schwangerschaft – Was ihr beachten solltet

Auf einen Blick

  • Zahnärztliche Vorsorge gehört zur Schwangerschaftsvorsorge – die Krankenkasse übernimmt die Kosten
  • Hormonelle Veränderungen fördern Zahnfleischentzündungen und erhöhen das Risiko für Parodontitis
  • Regelmäßige Prophylaxe und gründliche Mundhygiene schützen dich und dein Baby vor Komplikationen

„Jedes Kind ein Zahn" – diesen Spruch kennst du vielleicht noch von deiner Oma. Zum Glück ist das heute längst überholt! Mit der richtigen Zahnpflege während der Schwangerschaft bleiben deine Zähne und dein Zahnfleisch gesund. Wir zeigen dir, worauf es jetzt ankommt und wie du Probleme von vornherein vermeidest.

🏥 Gehört der Zahnarzt zur Schwangerschaftsvorsorge?

Ja, absolut! Wenn es um Vorsorge in der Schwangerschaft geht, denken die meisten erstmal nur an den Frauenarzt. Aber auch dein Zahnarzt spielt eine wichtige Rolle. Dein Gewebe ist jetzt deutlich besser durchblutet – das ist toll für dein Baby, kann aber die Entstehung von Zahnfleischentzündungen fördern.

Die gute Nachricht: Die Krankenkassen übernehmen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge auch Untersuchungen zur Mundgesundheit. Sobald du von deiner Schwangerschaft weißt, kannst du dir also ruhig einen Termin beim Zahnarzt holen.

Tipp: Vereinbare am besten gleich zu Beginn der Schwangerschaft einen Kontrolltermin beim Zahnarzt – so können mögliche Probleme frühzeitig erkannt werden.

✨ Die wichtigsten Regeln für deine Zahnpflege jetzt

Grundsätzlich gelten auch in der Schwangerschaft die üblichen Empfehlungen zur Vorbeugung von Karies und zur Zahnreinigung zu Hause. Wir haben die wichtigsten Tipps für dich zusammengetragen:

  1. Zähneputzen: Wenigstens zweimal täglich solltest du deine Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta reinigen. In der Schwangerschaft produzierst du normalerweise mehr Speichel, daher kann es sinnvoll sein, die Zähne auch einmal öfter zu putzen. Die Zahnpasta kann zusätzlich mit Fluorid angereichert sein. Lass dich dazu genau von deinem Zahnarzt beraten.
  2. Mundspülungen: Du bekommst vom Zahnarzt Hinweise dazu, ob du zusätzliche Mundspüllösungen verwenden solltest. Diese können hilfreich sein, um den Zahnschmelz zu härten.
  3. Zahnseide: Mit der Zahnbürste sind die Zahnzwischenräume nicht immer zu erreichen. Gut ist es daher, zusätzlich mit Zahnseide oder einem Dentalbürstchen zu arbeiten.
  4. Ernährung: Generell ist es in der Schwangerschaft wichtig, dass du dich ausgewogen ernährst. Verzichte möglichst auf zu viel Zucker und eine große Menge an Kohlenhydraten. Zuckerhaltige Getränke sind für die Zähne ebenfalls keine gute Idee. Wichtig ist es, dass du Lebensmittel mit Kalzium aufnimmst.
  5. Prophylaxe: Hormonelle Veränderungen können die Entstehung von Parodontitis beeinflussen oder auch dafür sorgen, dass du mehr Zahnstein entwickelst. Du kannst, neben der klassischen Zahnbehandlung, in der Schwangerschaft auch eine Prophylaxe durchführen lassen.

Ich habe in beiden Schwangerschaften besonders auf meine Zahnpflege geachtet und regelmäßig zur Prophylaxe – das hat sich wirklich ausgezahlt. Meine Zähne sind heute genauso gesund wie vorher.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

🤢 Wenn dir ständig übel ist – so schützt du deine Zähne

Erbrechen in der Schwangerschaft betrifft vor allem in den ersten Schwangerschaftswochen viele Frauen. Das ist nicht nur für dich unangenehm, sondern auch für deine Zähne. Mit jedem Erbrechen wird Magensäure in den Mund gespült. Sie ist besonders aggressiv und kann dafür sorgen, dass dein Zahnschmelz angegriffen wird.

Daher ist es wichtig, dass du vorbeugst. Nachdem du dich übergeben hast, solltest du den Mund immer wenigstens einmal mit Wasser ausspülen. Sehr gut ist es, wenn du auch zusätzlich mit einer Mundspülung arbeitest.

Achtung: Putze deine Zähne nicht direkt nach dem Erbrechen! Die Magensäure macht den Zahnschmelz weich – warte mindestens 30 Minuten, sonst schadest du mehr als du hilfst.

🌸 Was ist eine Schwangerschaftsgingivitis?

Dass in der Schwangerschaft das Zahnfleisch häufiger blutet, ist kein Geheimnis. Zahnfleischbluten ist aber nicht die einzige Nebenwirkung durch die hormonellen Veränderungen. Es kann auch zu einer sogenannten Schwangerschaftsgingivitis kommen. Hierbei handelt es sich um Entzündungen, die in der Schwangerschaft verstärkt auftreten.

Durch die stärkere Durchblutung der Schleimhäute kommt es zum Anschwellen des Zahnfleisches. Das bemerkst du möglicherweise nicht gleich. Vielleicht fühlt es sich erst einmal nur unangenehm an. Es kann aber sein, dass sich sogar Zahnfleischtaschen bilden und diese sind ein Herd für Entzündungen.

Achtung: Das Problem beim Fortschreiten einer Schwangerschaftsgingivitis ist, dass die Bakterien in die Blutbahn eintreten können. Wandern sie dann über die Plazenta zum Ungeborenen, kann dies sogar zu einer Frühgeburt oder Schäden beim Embryo führen. Einer Schwangerschaftsgingivitis kann durch eine Prophylaxe vorgebeugt werden.

🏥 Sind auch umfangreiche Behandlungen jetzt möglich?

Du hast Zahnschmerzen oder vielleicht sogar Wucherungen am Zahnfleisch? Eine Wurzelbehandlung scheint unumgänglich? Dein Zahnarzt wird immer versuchen, einen Weg zu finden, um dich und das Ungeborene zu schützen. Wenn es möglich ist, dann werden Zahnbehandlungen auf die Zeit nach der Schwangerschaft verschoben. Auch Röntgen wird vermieden.

Stress und Angst können eine Frühgeburt begünstigen. Daher erhältst du eine umfangreiche Beratung rund um die Behandlung deines Zahnhalteapparates. Lässt sich eine Behandlung gar nicht mehr vermeiden, gibt es normalerweise auch Methoden, die auch in der Schwangerschaft eingesetzt werden können.

💊 Medikamente zur Behandlung von Problemen mit den Zähnen

Auch bei Entzündungen im Mund kann es sein, dass eine Medikamenteneinnahme notwendig wird. Möglicherweise bespricht sich dein Zahnarzt dazu aber auch mit deinem Gynäkologen. In erster Linie wird versucht, hier auf Medikamente zu verzichten. Nicht immer kommst du jedoch um Antibiotika drum herum. Es gibt einige Medikamente, die auch in der Schwangerschaft eingenommen werden können. Wenn du allerdings unsicher bist, ob das bei den dir verschriebenen Medikamenten wirklich der Fall ist, solltest du dich noch mit deinem Gynäkologen besprechen.

Gleiches gilt für die Einnahme von Schmerzmitteln. Hast du eine Entzündung im Mund, kann dies teilweise zu starken Schmerzen führen. Innerhalb der ersten 28. Schwangerschaftswochen besteht noch die Möglichkeit, Ibuprofen einzunehmen. Sprich hier aber ebenfalls vorher mit deiner Hebamme oder dem behandelnden Arzt. Nach der 28. Schwangerschaftswoche kann Ibuprofen Auswirkungen auf das Ungeborene haben und zu Schäden an den Gefäßen führen. Wenn es gar nicht ohne Schmerzmittel geht, dann ist die Einnahme von Paracetamol eine Empfehlung.

Gut zu wissen: Ibuprofen ist nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche erlaubt. Danach kann es zu Gefäßschäden beim Baby führen – dann ist Paracetamol die bessere Wahl.

🌿 Hausmittel gegen Zahnschmerzen in der Schwangerschaft

Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft immer die letzte Wahl sein. Besser ist es, wenn du bei Zahnschmerzen erst einmal Hausmittel probierst. Der Gang zum Zahnarzt ist natürlich immer zu empfehlen und sollte schnellstmöglich durchgeführt werden. Um die Schmerzen zu lindern bieten sich die folgenden Möglichkeiten an:

  • Gurgellösungen: Es gibt einige Gurgellösungen, die du auch in der Schwangerschaft verwenden kannst. Bedenke allerdings, dass beispielsweise Salbei eine nervenschädigende Wirkung auf das Ungeborene haben kann. Lies also genau nach, welche der Lösungen geeignet ist.
  • Kamillentee: Kamillentee hat eine entzündungshemmende Wirkung. Gieße den Tee am besten frisch auf und lass ihn dann abkühlen. Anschließend gurgelst du damit oder trinkst ihn in langsamen Schlucken und lässt ihn kurz im Mund.
  • Arnika: Auch Arnika hat eine schmerzstillende Wirkung. Hier kannst du schauen, ob du vielleicht Mundsalben mit Arnika findest. Frag im Notfall deine Hebamme.

Achtung: Oft wird bei Zahnschmerzen empfohlen, auf einer Nelke zu kauen. Dies solltest du in der Schwangerschaft vermeiden. Die darin enthaltenen ätherischen Öle können die Entstehung von Wehen fördern.

Häufig gestellte Fragen

Wann sollte ich in der Schwangerschaft zum Zahnarzt gehen?

Am besten vereinbarst du gleich zu Beginn der Schwangerschaft einen Kontrolltermin. Die zahnärztliche Vorsorge gehört zur Schwangerschaftsvorsorge und wird von der Krankenkasse übernommen. So können mögliche Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ist Zahnfleischbluten in der Schwangerschaft normal?

Ja, durch die hormonellen Veränderungen und die stärkere Durchblutung blutet das Zahnfleisch in der Schwangerschaft häufiger. Trotzdem solltest du es ernst nehmen und bei anhaltenden Beschwerden deinen Zahnarzt aufsuchen, um eine Schwangerschaftsgingivitis zu vermeiden.

Darf ich in der Schwangerschaft eine professionelle Zahnreinigung machen lassen?

Ja, eine Prophylaxe ist in der Schwangerschaft sogar besonders empfehlenswert. Sie hilft, Zahnfleischentzündungen und Parodontitis vorzubeugen, die durch die hormonellen Veränderungen begünstigt werden.

Was kann ich tun, wenn mir nach dem Erbrechen die Zähne wehtun?

Spüle deinen Mund nach dem Erbrechen gründlich mit Wasser oder einer Mundspülung aus. Warte aber mindestens 30 Minuten mit dem Zähneputzen, da die Magensäure den Zahnschmelz aufweicht und du ihn sonst wegputzen würdest.

Welche Schmerzmittel darf ich bei Zahnschmerzen nehmen?

Bis zur 28. Schwangerschaftswoche kannst du nach Rücksprache mit deinem Arzt Ibuprofen einnehmen. Danach solltest du auf Paracetamol umsteigen, da Ibuprofen zu Gefäßschäden beim Baby führen kann. Versuche aber immer erst Hausmittel wie Kamillentee.

Stimmt es, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet?

Nein, das ist ein veralteter Mythos. Mit guter Zahnpflege, regelmäßiger Prophylaxe und zahnärztlicher Kontrolle bleiben deine Zähne auch während und nach der Schwangerschaft gesund. Die Aussage „Jedes Kind ein Zahn" gehört zum Glück der Vergangenheit an.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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