Käse in der Schwangerschaft – Welche Sorten sind erlaubt?
Auf einen Blick
- Käse aus pasteurisierter Milch und Hartkäse sind in der Schwangerschaft unbedenklich
- Rohmilchkäse kann Listerien enthalten und sollte gemieden werden
- Durch gründliches Erhitzen (über 70°C für 2 Minuten) wird auch Rohmilchkäse sicher
Du liebst Käse und fragst dich, ob du in der Schwangerschaft darauf verzichten musst? Die gute Nachricht: Die meisten Käsesorten darfst du weiterhin genießen. Wichtig ist nur, dass du weißt, welche Sorten unbedenklich sind und worauf du achten solltest.
🌸 Warum Käse in der Schwangerschaft so wertvoll ist
Käse ist ein echtes Nährstoffpaket für dich und dein Baby. Er liefert dir hochwertiges Eiweiß und eine ganze Reihe wichtiger Mineralstoffe und Spurenelemente:
- Kalzium
- Kalium
- Phosphor
- Magnesium
- Eisen
- Kupfer
- Zink
- B-Vitamine
Kalzium versorgt deine Knochen und die deines Babys. B-Vitamine wirken sich vor allem positiv auf das Nervensystem aus und unterstützen die Bildung roter Blutkörperchen.
Achtung: Finger weg von Analogkäse! Dieser Kunstkäse wird aus pflanzlichen Fetten, Milcheiweiß, Aromen und Zusatzstoffen hergestellt und kommt häufig in Fertigprodukten vor. Ihm fehlen viele der wertvollen Nährstoffe, die echter Käse hat.
🔍 Warum manche Käsesorten problematisch sein können
Auch gesunde Lebensmittel können unter Umständen die Ursache für Infektionen sein. Beim Käse solltest du vor allem bei Rohmilchkäse und offen angebotenem Frischkäse vorsichtig sein. Beides kann unter Umständen mit Erregern belastet sein.
Was ist Rohmilchkäse?
Unter einem Rohmilchkäse versteht man die Sorten, bei deren Herstellung die eingesetzte Milch nicht zuvor erhitzt wird. Dadurch können viele Bakterien überleben, die im Herstellungsprozess anderer Produkte abgetötet wurden. Eine solche Wärmebehandlung der Rohmilch nennt man Pasteurisierung und die Produkte werden als pasteurisiert bezeichnet. Dabei werden kurzzeitig Temperaturen von 72 bis 100 Grad Celsius erreicht.
Eine Erhitzung auf eine geringere Temperatur wird als Thermisation oder Thermisierung bezeichnet. Sie macht Milchprodukte zwar haltbarer, tötet aber weniger Keime ab. Deswegen wird thermisierter Käse mit Rohmilchkäse gleichgesetzt, wenn es um die Gefährlichkeit in der Schwangerschaft geht.
Die Gefahr durch Listerien
In Rohmilch und Rohmilchprodukten können sich unterschiedliche Bakterien aufhalten. Besonders gefährlich sind sogenannte Listerien (Wissenschaftliche Gattung Listeria). Diese Bakterien können die Infektion Listeriose auslösen. Diese Art der Lebensmittelvergiftung zeigt sich wie eine Grippe mit Fieber und Gliederschmerzen. Aber auch Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.
Eine Listerioseinfektion ist für die meisten Menschen ungefährlich. Bei Risikogruppen ist das anders. Auch Schwangere, Babys und Kleinkinder werden von der Erkrankung stärker getroffen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel können Früh- und Fehlgeburten verursacht werden. Wenn die Keime auf das Kind übertragen werden, können Gehirn- und Gehirnhautentzündungen entstehen. Als Komplikation können geistige und körperliche Behinderungen entstehen.
Gut zu wissen: Listerioseinfektion treten nur bei etwa zwei Frauen pro tausend Schwangerschaften auf. Das Risiko ist also gering, aber die möglichen Folgen sind ernst.
Weitere Krankheitserreger in Rohmilchkäse
Weitere Krankheitserreger, die in Rohmilchkäse vorkommen und Lebensmittelinfektionen auslösen können, sind:
- Escherichia coli
- Salmonellen
- Tuberkulosebakterien
- Pseudomonaden
- Toxoplasmen
Diese Krankheitserreger können sich auch auf der äußeren Schicht von pasteurisiertem Käse ansiedeln. Besonders anfällig ist dafür zum Beispiel Mozzarella.
Darüber hinaus ist auch der Gehalt an Feuchtigkeit und Säure wichtig für die mögliche Besiedlung mit Keimen. Käsesorten mit viel Feuchtigkeit und einem geringen Säuregehalt bieten einen guten Nährboden für Bakterien.
Ich habe in beiden Schwangerschaften nicht auf Käse verzichtet – aber ich habe genau auf die Kennzeichnung geachtet und die Rinde immer großzügig abgeschnitten. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit kannst du Käse weiterhin genießen.
🔥 Wie die Verarbeitung den Unterschied macht
Die Verarbeitung des Käses ist wesentlich für die Verträglichkeit in der Schwangerschaft. Generell gesagt hilft jede Behandlung, die die Besiedlung mit Mikroorganismen unwahrscheinlich macht.
Lange Reifezeit schützt
Eine Möglichkeit ist eine lange Reifezeit, wie sie zum Beispiel beim Herstellen von Parmesankäse oder Grana Padano Käse genutzt wird. Die Reifung, die mindestens 12 Monate lang sein sollte, führt zu einem höheren Gehalt an Salz. Die Reifung entzieht dem Käse darüber hinaus die Feuchtigkeit. Beides sorgt dafür, dass Bakterien weniger gut wachsen können. Lange gereifter Käse ist in der Regel auch unbedenklich, wenn er aus Rohmilch hergestellt wurde.
Gründliches Erhitzen macht sicher
Auch ein starkes Erhitzen kann dafür sorgen, dass ein Käse ohne Probleme in der Schwangerschaft gegessen werden kann. Dabei sollte der komplette Käse über zwei Minuten eine Temperatur von über 70 Grad Celsius erreichen. Daher reicht es nicht aus, wenn der Käse nur schmilzt. Er sollte wirklich köcheln. Deshalb ist es für eine Käseliebhaberin nicht nötig auf eine leckere vier Käse Pizza zu verzichten.
Achtung: Das Erwärmen in einer Mikrowelle ist nicht ausreichend. Es erzeugt meist unterschiedlich heiße Stellen. Dadurch erreichen einige Bereiche eine sehr hohe Temperatur, während das Lebensmittel an anderen lauwarm bleibt.
✨ Diese Käsesorten darfst du bedenkenlos genießen
Du kannst eine ganze Reihe von Käsesorten ohne Probleme auch in der Schwangerschaft essen. Die folgende Liste hilft dir bei der Auswahl:
- Schnittkäse und Weichkäse aus pasteurisierter Milch: Gouda, Butterkäse, Edamer, Leerdammer, Cheddar, Tilsiter, Camembert, Brie
- Hartkäse: Emmentaler, Parmesan, Bergkäse
- Kochkäse
- Schmelzkäse
- Erhitzte Varianten: Ofenkäse, Backcamembert, Raclette, Käsefondue
- Industriell hergestellter und verpackter Käse: Schafskäse, Feta, Mascarpone, Hüttenkäse, Frischkäse, Ricotta, Mozzarella
Tipp: Wer besonders sicher sein will, greift vor allem auf Hartkäse und Extrahartkäse zurück. Diese Sorten sind noch deutlich weniger häufig von Listerien befallen als Weichkäse und Halbhartkäse. In jedem Fall solltest du die Rinde entfernen.
🖤 Von diesen Käsesorten solltest du die Finger lassen
Bei den folgenden Käsesorten ist dagegen Vorsicht geboten. Du solltest sie in der Schwangerschaft vermeiden oder erst nach einer gründlichen Erhitzung genießen:
- Schnittkäse und Weichkäse aus Rohmilch: Roquefort, Camembert, Brie
- Weichkäse mit Rotschmiere: Münster, Limburger, Romadur, Esrom
- Schimmelkäse
- Blauschimmelkäse: Gorgonzola
- Sauermilchkäse: Handkäse, Harzer Rolle, Olmützer Quargel, Spitzkäse, Mainzer Käse, Korbkäse
- Eingelegter Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen: Mozzarella, Feta, Schafskäse
- Fertig geriebener Käse
💪 Praktische Tipps für sicheren Käsegenuss
Wenn du auch in der Schwangerschaft nicht auf Käse verzichten willst, kannst du mit einigen Tipps auf der sicheren Seite sein:
- Schneide die Käserinde ab
- Verbrauche Käse innerhalb von zwei bis drei Tagen
- Reibe deinen Käse selbst und am besten erst kurz vor dem Verzehr
- Achte immer auf die Hygiene in der Küche
- Iss keinen Käse aus Frische- und Salattheken
- Bewahre Käseprodukte im Kühlschrank auf
- Erhitze Gerichte mit Käse immer gründlich
Häufig gestellte Fragen
Welcher Käse ist in der Schwangerschaft erlaubt?
In der Schwangerschaft kannst du Käse aus pasteurisierter oder ultrahocherhitzter Milch essen. Auch Hartkäse ist unproblematisch.
Wie erkenne ich, ob ein Käse pasteurisiert ist?
Wenn ein Käse aus Rohmilch hergestellt wurde, muss das auf der Packung vermerkt sein. Üblich sind die Vermerke „aus Rohmilch", „nicht pasteurisiert" oder „hergestellt aus nichtpasteurisierter Milch". Wenn ein Milchprodukt als „thermisiert" gekennzeichnet ist, ist er weniger stark erhitzt worden als pasteurisierte Produkte. Käse aus ultrahocherhitzter Milch ist dagegen höher erhitzt worden.
Ist Mozzarella auf der Pizza in der Schwangerschaft erlaubt?
Mozzarella auf einer Pizza wird immer stark erhitzt. Durch diese Behandlung sind auch Produkte aus Rohmilch in der Schwangerschaft unbedenklich.
Ist abgepackter Mozzarella pasteurisiert?
Industriell hergestellter und abgepackter Mozzarella ist im Normalfall aus pasteurisierter Milch und du kannst ihn daher in der Schwangerschaft essen.
Sterben Listerien ab, wenn der Käse tiefgekühlt wird?
Die Keime überleben auch Temperaturen unter null Grad Celsius. Sie können sich aber nicht vermehren. Tiefgekühlter Käse sollte aus diesem Grund auch erst nach einem gründlichen Erhitzen gegessen werden.
Welcher Käse ist nicht pasteurisiert?
Rohmilchkäse wie zum Beispiel Camembert, Feta, Tilsiter, Allgäuer Emmentaler, Parmesan und Le Gruyère können aus Rohmilch hergestellt sein. Achte immer auf die Kennzeichnung auf der Verpackung.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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