Ausfluss in der Schwangerschaft
Auf einen Blick
- Vermehrter Ausfluss in der Schwangerschaft ist normal und schützt dein Baby vor Keimen
- Gesunder Ausfluss ist milchig-weiß, geruchlos und hat eine flüssige bis cremige Konsistenz
- Veränderungen in Farbe, Geruch oder Konsistenz können auf Infektionen hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden
- Mit guter Intimhygiene und atmungsaktiver Unterwäsche kannst du Infektionen vorbeugen
Du bemerkst plötzlich mehr Ausfluss als gewohnt und fragst dich, ob das normal ist? Keine Sorge – vermehrter Ausfluss gehört zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über Ausfluss in der Schwangerschaft wissen musst, wann er unbedenklich ist und wann du lieber deine Ärztin oder deinen Arzt aufsuchen solltest.
🔍 Was ist Ausfluss und warum verändert er sich in der Schwangerschaft?
Ausfluss – medizinisch auch Fluor vaginalis oder Fluor genitalis genannt – ist eine Flüssigkeit, die aus deiner Scheide austritt. Er besteht aus Zellen der Vaginalschleimhaut, Zervixschleim (Schleim aus dem Gebärmutterhals), Milchsäurebakterien und Feuchtigkeit. Diese Mischung ist völlig natürlich und erfüllt wichtige Schutzfunktionen.
Schon außerhalb der Schwangerschaft produziert dein Körper täglich etwa ein bis vier Milliliter Ausfluss. Diese Menge kann sich während der Schwangerschaft deutlich erhöhen – und das aus gutem Grund.
Warum nimmt der Ausfluss in der Schwangerschaft zu?
Die Zunahme des Ausflusses während der Schwangerschaft hat mehrere Ursachen, die alle mit den hormonellen Veränderungen in deinem Körper zusammenhängen:
- Erhöhter Östrogenspiegel: Das Schwangerschaftshormon Östrogen steigt stark an und fördert die Durchblutung deiner Beckenorgane. Dadurch produzieren die Schleimhäute mehr Sekret.
- Verstärkter Zervixschleim: Der Gebärmutterhals bildet vermehrt Schleim, um einen schützenden Pfropf (Schleimpfropf) zu bilden, der die Gebärmutter und dein Baby vor aufsteigenden Keimen schützt.
- Bessere Durchblutung: Die gesamte Vaginalregion wird stärker durchblutet, was die Sekretproduktion zusätzlich anregt.
- Verändertes Scheidenmilieu: Der pH-Wert deiner Scheide verändert sich leicht, um optimalen Schutz vor Infektionen zu bieten.
Gut zu wissen: Der vermehrte Ausfluss ist ein Zeichen dafür, dass dein Körper aktiv daran arbeitet, dein Baby zu schützen. Er ist also keineswegs ein Grund zur Sorge, sondern ein cleverer Schutzmechanismus der Natur.
🌸 Normaler Ausfluss in der Schwangerschaft – so sieht er aus
Damit du einschätzen kannst, ob dein Ausfluss im Normalbereich liegt, ist es wichtig zu wissen, wie gesunder Schwangerschaftsausfluss aussieht. Die folgenden Merkmale sind typisch für unbedenklichen Ausfluss:
Merkmale von normalem Ausfluss
- Farbe: Milchig-weiß bis durchsichtig, manchmal auch leicht gelblich
- Konsistenz: Dünnflüssig bis cremig, ähnlich wie Eiweiß oder leichte Lotion
- Geruch: Neutral bis leicht säuerlich, aber nicht unangenehm oder fischig
- Menge: Individuell unterschiedlich, aber deutlich mehr als vor der Schwangerschaft
- Begleitsymptome: Keine – kein Juckreiz, kein Brennen, keine Schmerzen
Die Menge kann im Verlauf der Schwangerschaft schwanken. Viele Frauen bemerken besonders im ersten und dritten Trimester eine Zunahme. Das ist völlig normal und kein Grund zur Beunruhigung.
Normaler Ausfluss in der Schwangerschaft
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💗 Nadines Empfehlung
Nadine Scheiner
Mein wichtigster Rat: Vertraue deinem Bauchgefühl! Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, zögere nicht, deine Ärztin oder Hebamme zu kontaktieren. Ich habe in beiden Schwangerschaften gelernt, dass es besser ist, einmal zu oft nachzufragen als einmal zu wenig. Führe am besten ein kleines Tagebuch über deinen Ausfluss – so bemerkst du Veränderungen schneller und kannst sie bei Bedarf genau beschreiben. Und ganz wichtig: Gute Intimhygiene mit milden Produkten und atmungsaktiver Baumwollunterwäsche macht wirklich einen Unterschied. Dein Körper leistet Unglaubliches – gib ihm die Pflege, die er verdient!
🚨 Wann ist Ausfluss in der Schwangerschaft bedenklich?
Nicht jede Veränderung des Ausflusses ist harmlos. Bestimmte Anzeichen können auf eine Infektion oder andere Komplikationen hinweisen, die unbedingt ärztlich abgeklärt werden sollten. Deine Gesundheit und die deines Babys haben oberste Priorität.
Warnzeichen, bei denen du deine Ärztin oder deinen Arzt kontaktieren solltest
Vereinbare zeitnah einen Termin oder melde dich in deiner Praxis, wenn du eines oder mehrere der folgenden Symptome bemerkst:
- Farbveränderungen: Grüner, grauer, bräunlicher oder stark gelber Ausfluss
- Unangenehmer Geruch: Fischiger, fauliger oder sehr strenger Geruch
- Veränderte Konsistenz: Bröckelig (wie Hüttenkäse), schaumig oder sehr dickflüssig
- Juckreiz oder Brennen: Im Intimbereich oder beim Wasserlassen
- Rötungen oder Schwellungen: Der äußeren Geschlechtsorgane
- Schmerzen: Im Unterleib, beim Geschlechtsverkehr oder beim Urinieren
- Blutbeimengungen: Rosa, rötlicher oder brauner Ausfluss (kann auf Blutungen hinweisen)
- Sehr große Mengen: Plötzlich stark zunehmender, wässriger Ausfluss (könnte Fruchtwasser sein)
Wichtig: Bei plötzlich stark zunehmendem, wässrigem Ausfluss, besonders wenn er schwallartig austritt, kontaktiere sofort deine Hebamme oder Ärztin. Es könnte sich um Fruchtwasser handeln, was auf einen vorzeitigen Blasensprung hinweisen kann – das ist ein Notfall, der sofortiger medizinischer Behandlung bedarf.
Ausfluss mit Blut – was bedeutet das?
Blutiger oder bräunlicher Ausfluss kann verschiedene Ursachen haben. Nicht alle sind besorgniserregend, aber jede Blutung in der Schwangerschaft sollte ärztlich abgeklärt werden:
- Einnistungsblutung: In der Frühschwangerschaft (etwa 6-12 Tage nach der Befruchtung) kann eine leichte rosa oder bräunliche Färbung auf die Einnistung der befruchteten Eizelle hinweisen.
- Kontaktblutung: Nach dem Geschlechtsverkehr oder einer gynäkologischen Untersuchung kann es zu leichten Blutungen kommen, da der Muttermund in der Schwangerschaft stärker durchblutet und empfindlicher ist.
- Zeichnungsblutung: Gegen Ende der Schwangerschaft kann der Abgang des Schleimpfropfes mit leichten Blutbeimengungen einhergehen – ein Zeichen, dass die Geburt bald beginnen könnte.
- Komplikationen: Stärkere Blutungen können auf ernstere Probleme wie eine Fehlgeburt, Plazentaprobleme oder eine Eileiterschwangerschaft hinweisen.
Lass jede Form von Blutung oder blutigem Ausfluss ärztlich abklären, um auf Nummer sicher zu gehen.
| Farbe/Aussehen | Mögliche Ursache | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Milchig-weiß, durchsichtig | Normal in der Schwangerschaft | Keine Sorge, beobachten |
| Weiß, bröckelig (wie Hüttenkäse) | Pilzinfektion (Candidose) | Ärztliche Abklärung nötig |
| Grünlich oder gelblich-grün | Bakterielle Infektion, Trichomonaden | Zeitnah zum Arzt |
| Grau-weißlich, fischiger Geruch | Bakterielle Vaginose | Ärztliche Behandlung erforderlich |
| Rosa, leicht blutig | Einnistung, Kontaktblutung, Zeichnung | Ärztlich abklären lassen |
| Braun, dunkelrot | Altes Blut, mögliche Komplikationen | Zeitnah ärztlichen Rat einholen |
| Hellrot, frisches Blut | Aktive Blutung, Komplikationen möglich | Sofort Ärztin/Arzt kontaktieren |
| Wässrig, sehr viel auf einmal | Möglicherweise Fruchtwasser | Notfall – sofort in Klinik/Praxis |
🦠 Häufige Infektionen und ihre Symptome
In der Schwangerschaft bist du anfälliger für vaginale Infektionen, da sich dein Immunsystem und das Scheidenmilieu verändern. Die häufigsten Infektionen möchte ich dir hier genauer vorstellen:
Scheidenpilz (Vaginale Candidose)
Eine Pilzinfektion ist die häufigste Ursache für auffälligen Ausfluss in der Schwangerschaft. Etwa drei von vier Frauen erleben mindestens einmal im Leben eine Pilzinfektion, in der Schwangerschaft ist das Risiko erhöht.
Typische Symptome:
- Weißer, bröckeliger Ausfluss (ähnlich wie Hüttenkäse oder Quark)
- Starker Juckreiz im Intimbereich
- Brennen, besonders beim Wasserlassen
- Rötung und Schwellung der Vulva
- Geruchlos oder leicht hefeartig
Was du wissen solltest: Pilzinfektionen sind zwar unangenehm, aber in der Regel ungefährlich für dein Baby. Dennoch sollten sie behandelt werden, da sie sich sonst während der Geburt auf das Neugeborene übertragen können (Mundsoor).
Bakterielle Vaginose
Bei einer bakteriellen Vaginose gerät das natürliche Gleichgewicht der Vaginalflora durcheinander. Die „guten" Milchsäurebakterien werden von anderen Bakterien verdrängt.
Typische Symptome:
- Dünnflüssiger, grau-weißlicher Ausfluss
- Charakteristischer fischiger Geruch, besonders nach dem Geschlechtsverkehr
- Manchmal leichtes Brennen oder Jucken
- Oft nur geringe Beschwerden
Wichtig: Eine unbehandelte bakterielle Vaginose kann das Risiko für Frühgeburten und vorzeitigen Blasensprung erhöhen. Deshalb ist eine ärztliche Behandlung wichtig.
Trichomonaden-Infektion
Diese sexuell übertragbare Infektion wird durch einzellige Parasiten verursacht und ist seltener als Pilz oder bakterielle Vaginose.
Typische Symptome:
- Gelblich-grünlicher, schaumiger Ausfluss
- Übelriechend
- Starker Juckreiz und Brennen
- Rötung und Schwellung
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Behandlung: Beide Partner müssen behandelt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Die Infektion kann unbehandelt zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen.
Chlamydien
Chlamydien sind bakterielle Erreger, die oft keine oder nur sehr milde Symptome verursachen, aber dennoch gefährlich sein können.
Mögliche Symptome:
- Gelblicher Ausfluss
- Brennen beim Wasserlassen
- Zwischenblutungen
- Oft symptomlos
Wichtig: In Deutschland wird routinemäßig zu Beginn der Schwangerschaft auf Chlamydien getestet. Unbehandelt können sie zu Frühgeburten, vorzeitigem Blasensprung und Augeninfektionen beim Neugeborenen führen.
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Schwangerschaft, als ich plötzlich viel mehr Ausfluss hatte und zunächst verunsichert war. Meine Hebamme erklärte mir damals, dass das völlig normal ist – und sie hatte recht. Trotzdem bin ich froh, dass ich bei einer Veränderung in der zweiten Schwangerschaft lieber einmal zu viel nachgefragt habe. Vertrau auf dein Bauchgefühl und scheue dich nie, deine Ärztin oder Hebamme zu kontaktieren. Lieber einmal zu oft nachfragen als zu wenig!
🔬 Diagnose – wie wird die Ursache festgestellt?
Wenn du mit auffälligem Ausfluss deine Ärztin oder deinen Arzt aufsuchst, wird eine gründliche Untersuchung durchgeführt, um die Ursache zu finden und die richtige Behandlung einzuleiten.
Ablauf der gynäkologischen Untersuchung
1. Anamnese (Gespräch): Deine Ärztin wird dich zunächst nach deinen Symptomen fragen:
- Seit wann besteht der auffällige Ausfluss?
- Wie sieht er aus (Farbe, Konsistenz)?
- Gibt es einen Geruch?
- Hast du Juckreiz, Brennen oder Schmerzen?
- Hattest du kürzlich Geschlechtsverkehr?
- Nimmst du Medikamente?
2. Gynäkologische Untersuchung: Bei der Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl wird deine Ärztin:
- Die äußeren Geschlechtsorgane auf Rötungen, Schwellungen oder Hautveränderungen untersuchen
- Mit einem Spekulum (Scheidenspiegel) die Scheide und den Muttermund betrachten
- Den Ausfluss direkt begutachten
3. Abstrich und Laboruntersuchung: Mit einem Wattestäbchen wird eine Probe des Ausflusses entnommen. Diese wird dann untersucht:
- pH-Wert-Messung: Der normale pH-Wert der Scheide liegt bei 3,8-4,5 (sauer). Bei Infektionen kann er erhöht sein.
- Mikroskopische Untersuchung: Unter dem Mikroskop können Pilze, Bakterien oder Parasiten direkt erkannt werden.
- Kultur: Bei Bedarf wird eine Bakterienkultur angelegt, um den genauen Erreger zu bestimmen.
- PCR-Test: Bei Verdacht auf bestimmte Erreger wie Chlamydien wird ein molekularbiologischer Test durchgeführt.
4. Weitere Untersuchungen: Je nach Befund können weitere Tests nötig sein:
- Urinuntersuchung zum Ausschluss einer Harnwegsinfektion
- Ultraschall zur Beurteilung der Schwangerschaft und Ausschluss von Komplikationen
- Bei blutigem Ausfluss: CTG (Herzton-Wehenschreiber) zur Überwachung des Babys
Fruchtwasser oder Ausfluss – wie unterscheidet man das?
Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel fragen sich viele Frauen, ob es sich bei vermehrter Feuchtigkeit um Ausfluss oder Fruchtwasser handelt. Hier einige Unterscheidungsmerkmale:
| Merkmal | Ausfluss | Fruchtwasser |
|---|---|---|
| Menge | Gleichmäßig, kontinuierlich | Plötzlich viel, schwallartig oder tröpfelnd |
| Konsistenz | Cremig bis schleimig, dickflüssiger | Sehr wässrig, dünnflüssig |
| Geruch | Leicht säuerlich oder neutral | Süßlich oder neutral |
| Farbe | Weißlich, gelblich | Klar, manchmal leicht rosa oder grünlich |
| Kontrolle | Lässt sich durch Anspannen des Beckenbodens etwas kontrollieren | Läuft unkontrolliert weiter |
| Lakmustest | pH-Wert sauer (gelb auf Teststreifen) | pH-Wert alkalisch (blau/grün auf Teststreifen) |
Im Zweifelsfall gibt es in der Apotheke spezielle pH-Teststreifen oder Fruchtwasser-Tests. Aber: Bei Unsicherheit immer lieber einmal zu viel in die Klinik oder Praxis fahren!
💊 Behandlung von auffälligem Ausfluss
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des auffälligen Ausflusses. Selbstmedikation solltest du in der Schwangerschaft unbedingt vermeiden – lass dich immer ärztlich beraten.
Behandlung von Pilzinfektionen
Scheidenpilz wird in der Schwangerschaft in der Regel lokal behandelt:
- Antimykotische Cremes oder Zäpfchen: Wirkstoffe wie Clotrimazol oder Nystatin werden direkt in die Scheide eingeführt. Die Behandlung dauert meist 3-7 Tage.
- Keine oralen Antimykotika: Tabletten zum Einnehmen werden in der Schwangerschaft meist vermieden.
- Partnerbehandlung: Bei wiederkehrenden Infektionen sollte auch dein Partner mitbehandelt werden.
Behandlung bakterieller Infektionen
Bakterielle Vaginose und andere bakterielle Infektionen werden mit Antibiotika behandelt:
- Lokale Antibiotika: Metronidazol oder Clindamycin als Vaginalcreme oder -gel
- Orale Antibiotika: Bei schwereren Infektionen werden schwangerschaftsverträgliche Antibiotika als Tabletten verschrieben
- Behandlungsdauer: Meist 5-7 Tage, wichtig ist die vollständige Einnahme auch bei Besserung der Symptome
Was du selbst tun kannst – unterstützende Maßnahmen
Zusätzlich zur ärztlichen Behandlung kannst du einiges tun, um die Heilung zu unterstützen und Beschwerden zu lindern:
- Intimhygiene: Wasche den Intimbereich nur mit klarem, lauwarmem Wasser oder milden, pH-neutralen Waschlotionen. Keine Intimduschen!
- Atmungsaktive Kleidung: Trage Baumwollunterwäsche und vermeide synthetische, enge Kleidung
- Slipeinlagen: Verwende bei starkem Ausfluss Slipeinlagen und wechsle sie regelmäßig – am besten unparfümierte Produkte
- Geschlechtsverkehr: Verzichte während der akuten Infektion auf Sex, um die Schleimhäute nicht zusätzlich zu reizen
- Sitzbäder: Lauwarme Sitzbäder (ohne Zusätze oder mit Kamille) können bei Juckreiz lindernd wirken
- Kühlung: Bei starkem Brennen können kühlende Kompressen (nicht zu kalt!) Erleichterung bringen
Probiotika für die Scheide: Nach einer Antibiotika-Behandlung kann der Aufbau der gesunden Vaginalflora mit Milchsäurebakterien (Laktobazillen) als Vaginaltabletten oder -zäpfchen sinnvoll sein. Sprich mit deiner Ärztin darüber.
🛡️ Vorbeugen – so hältst du deine Vaginalflora gesund
Mit einigen einfachen Maßnahmen kannst du das Risiko für vaginale Infektionen in der Schwangerschaft deutlich reduzieren und deine natürliche Scheidenflora im Gleichgewicht halten.
Die richtige Intimhygiene
Weniger ist oft mehr – das gilt besonders für die Intimhygiene:
- Nur äußerlich waschen: Reinige nur den äußeren Intimbereich, nicht die Scheide selbst. Die Scheide reinigt sich selbst!
- Klares Wasser genügt: Für die tägliche Reinigung reicht lauwarmes Wasser völlig aus
- Milde Produkte: Wenn du Waschlotion verwenden möchtest, wähle pH-neutrale, parfümfreie Produkte speziell für den Intimbereich
- Keine Intimduschen: Spülungen der Scheide zerstören die natürliche Schutzflora und erhöhen das Infektionsrisiko
- Von vorne nach hinten: Wische nach dem Toilettengang immer von der Scheide Richtung After, nie umgekehrt
- Eigenes Handtuch: Verwende ein separates, weiches Handtuch für den Intimbereich und wechsle es regelmäßig
- Sanft trocknen: Tupfe den Intimbereich vorsichtig trocken, nicht rubbeln
Die richtige Kleidung
Was du trägst, beeinflusst das Klima im Intimbereich erheblich:
- Baumwollunterwäsche: Natürliche Fasern lassen die Haut atmen und nehmen Feuchtigkeit auf
- Täglicher Wechsel: Frische Unterwäsche jeden Tag, bei starkem Ausfluss auch öfter
- Richtig waschen: Unterwäsche bei mindestens 60 Grad waschen, um Keime abzutöten
- Lockere Kleidung: Vermeide zu enge Hosen oder Strumpfhosen, die einen Hitzestau verursachen
- Nachts ohne: Wenn möglich, schlafe ohne Unterwäsche oder im weiten Nachthemd, um optimale Luftzirkulation zu ermöglichen
Ernährung und Lebensstil
Auch deine Ernährung und Lebensweise spielen eine Rolle:
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde, vitaminreiche Ernährung stärkt dein Immunsystem
- Zucker reduzieren: Zu viel Zucker kann Pilzinfektionen begünstigen
- Probiotika: Joghurt und andere probiotische Lebensmittel unterstützen eine gesunde Darmflora, was sich auch positiv auf die Vaginalflora auswirkt
- Ausreichend trinken: 2-3 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag helfen, Keime auszuspülen
- Stress reduzieren: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem – gönne dir Ruhepausen
- Ausreichend Schlaf: Guter Schlaf ist wichtig für deine Abwehrkräfte
Weitere Tipps
- Schwimmbad und Sauna: Ziehe nasse Badesachen sofort aus und dusche danach. Vermeide zu lange Aufenthalte in chlorhaltigem Wasser
- Kondome: Bei wechselnden Partnern schützen Kondome vor sexuell übertragbaren Infektionen
- Gleitgel: Verwende bei Bedarf wasserbasiertes, pH-neutrales Gleitgel ohne Parfüm
- Antibiotika: Nimm Antibiotika nur wenn wirklich nötig und nach ärztlicher Verschreibung – sie können die Vaginalflora aus dem Gleichgewicht bringen
- Regelmäßige Vorsorge: Nimm alle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft wahr
📅 Ausfluss im Verlauf der Schwangerschaft
Der Ausfluss kann sich im Laufe der Schwangerschaft verändern. Hier erfährst du, was in den verschiedenen Phasen typisch ist.
Erstes Trimester (Woche 1-12)
In den ersten Schwangerschaftswochen steigt der Östrogenspiegel stark an. Viele Frauen bemerken bereits jetzt eine Zunahme des Ausflusses. Der Ausfluss ist meist:
- Milchig-weiß bis durchsichtig
- Dünnflüssig
- Geruchlos
- Menge nimmt zu
Manche Frauen erleben in der 6.-12. Schwangerschaftswoche eine leichte Schmierblutung (Einnistungsblutung), die oft mit verstärktem Ausfluss verwechselt wird.
Zweites Trimester (Woche 13-27)
Im zweiten Trimester stabilisiert sich der Hormonhaushalt etwas. Der Ausfluss bleibt meist konstant oder nimmt leicht zu:
- Weiterhin milchig-weiß
- Kann etwas dickflüssiger werden
- Menge individuell unterschiedlich
- Viele Frauen empfinden diese Phase als angenehmer
Drittes Trimester (Woche 28-40)
Im letzten Schwangerschaftsdrittel nimmt der Ausfluss bei vielen Frauen noch einmal deutlich zu:
- Oft vermehrter, dünnflüssiger Ausfluss
- Kann zeitweise sehr wässrig sein (Abgrenzung zu Fruchtwasser wichtig!)
- Gegen Ende: möglicher Abgang des Schleimpfropfes (zeichnen)
Der Schleimpfropf: Kurz vor der Geburt kann sich der Schleimpfropf lösen, der während der Schwangerschaft den Muttermund verschlossen hat. Dieser Ausfluss ist:
- Dickflüssig, schleimig, gelartig
- Durchsichtig bis leicht blutig (rosa oder bräunlich)
- Kann auf einmal oder über mehrere Tage abgehen
- Zeichen dafür, dass die Geburt bald beginnen könnte (aber nicht zwingend sofort!)
🤰 Besondere Situationen und Fragen
Ausfluss nach dem Geschlechtsverkehr
Nach dem Sex kann der Ausfluss vorübergehend zunehmen oder sich verändern. Das ist normal, denn:
- Die Scheide produziert bei Erregung mehr Feuchtigkeit
- Sperma vermischt sich mit dem Ausfluss (kann weißlich-klumpig aussehen)
- Die mechanische Reizung kann die Sekretproduktion anregen
- Leichte Kontaktblutungen sind möglich (Muttermund ist empfindlicher)
Wenn nach dem Sex regelmäßig Schmerzen, Brennen oder auffälliger Ausfluss auftreten, solltest du das ärztlich abklären lassen.
Ausfluss und Sport
Beim Sport, besonders bei Anstrengung, kann der Ausfluss zunehmen. Das liegt an:
- Erhöhter Durchblutung
- Druck auf die Beckenorgane
- Schwitzen im Intimbereich
Trage beim Sport atmungsaktive Sportkleidung und dusche danach. Wechsle verschwitzte Kleidung zeitnah.
Ausfluss bei Mehrlingsschwangerschaften
Bei Zwillingen oder Mehrlingen ist der Hormonspiegel oft noch höher, was zu vermehrtem Ausfluss führen kann. Das ist völlig normal. Achte besonders auf Anzeichen einer Infektion, da das Risiko für Frühgeburten bei Mehrlingen erhöht ist.
Ausfluss nach Fehlgeburt oder Abbruch
Nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch normalisiert sich der Ausfluss meist innerhalb weniger Wochen. In der Übergangszeit kann er:
- Zunächst blutig sein (wie eine Periode)
- Dann bräunlich werden
- Schließlich wieder normal werden
Bei Fieber, übelriechendem Ausfluss oder starken Schmerzen solltest du sofort ärztliche Hilfe suchen – es könnte eine Infektion vorliegen.
❓ Häufige Fragen
Ist gelber Ausfluss in der Schwangerschaft immer ein Warnsignal?
Nicht unbedingt. Leicht gelblicher Ausfluss kann normal sein, besonders wenn er geruchlos ist und keine weiteren Symptome auftreten. Stark gelber, grünlich-gelber oder übelriechender Ausfluss sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden, da er auf eine Infektion hinweisen kann. Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel nachfragen als zu wenig.
Kann ich trotz Ausfluss schwimmen gehen?
Ja, schwimmen ist grundsätzlich kein Problem. Achte aber darauf, nach dem Schwimmen die nasse Badekleidung sofort zu wechseln und zu duschen. Chlorwasser kann das Scheidenmilieu beeinflussen, daher ist es wichtig, den Intimbereich danach mit klarem Wasser abzuspülen. Bei einer akuten Infektion solltest du allerdings auf öffentliche Schwimmbäder verzichten.
Muss ich bei vermehrtem Ausfluss häufiger zum Arzt?
Nein, vermehrter Ausfluss allein ist kein Grund für zusätzliche Arztbesuche, solange er die Merkmale von normalem Schwangerschaftsausfluss aufweist (milchig-weiß, geruchlos, keine Beschwerden). Die regulären Vorsorgeuntersuchungen reichen aus. Nur bei Veränderungen in Farbe, Geruch oder Konsistenz oder bei zusätzlichen Symptomen solltest du einen Termin vereinbaren.
Können Hausmittel bei Scheidenpilz in der Schwangerschaft helfen?
Von Hausmitteln wie Joghurt, Knoblauch oder Teebaumöl in der Scheide rate ich dringend ab. Sie können das empfindliche Scheidenmilieu zusätzlich stören und sind in ihrer Wirksamkeit nicht belegt. Bei Verdacht auf Scheidenpilz solltest du immer eine ärztliche Behandlung mit geprüften, für die Schwangerschaft zugelassenen Medikamenten durchführen lassen. Unterstützend kannst du auf eine zuckerarme Ernährung und probiotische Lebensmittel achten.
Ist Ausfluss ein Zeichen dafür, dass die Geburt bald losgeht?
Vermehrter wässriger Ausfluss im letzten Schwangerschaftsdrittel kann ein Hinweis darauf sein, dass sich dein Körper auf die Geburt vorbereitet, bedeutet aber nicht, dass es sofort losgeht. Ein deutlicheres Zeichen ist der Abgang des Schleimpfropfes – ein dickflüssiger, oft leicht blutiger Ausfluss. Auch dann kann es aber noch Tage oder sogar Wochen dauern. Echte Geburtsanzeichen sind regelmäßige Wehen, Blasensprung oder eine Zeichnungsblutung. Bei Unsicherheit kontaktiere deine Hebamme oder Geburtsklinik.
Kann ich während der Schwangerschaft Tampons verwenden?
Von der Verwendung von Tampons während der Schwangerschaft wird generell abgeraten, auch bei Schmierblutungen oder verstärktem Ausfluss. Tampons können Keime in die Scheide einbringen und das Infektionsrisiko erhöhen. Verwende stattdessen Binden oder Slipeinlagen. Bei Blutungen solltest du ohnehin immer ärztlichen Rat einholen, und Tampons würden die Beurteilung der Blutungsstärke erschweren.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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